Vier Fragen an … Norbert Hense, Bundesvorstand Junge Piraten

Norbert Hense (Jahrgang 1990) ist seit 2009 Mitglied der Piratenpartei. Zusätzlich engagiert sich Herr Hense bei der Jugendorganisation Junge Piraten. Seit 2013 ist er zudem zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungen Piraten.

Norbert Hense: ” Der Ressourcenverbrauch muss minimiert werden und unsere Wirtschaftsweise muss endlich Resourcenkreisläufe schliesen.”

Milk the Sun: Lieber Herr Hense, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Norbert Hense: Erst mal hat Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Kabinett die Energiewende verschlafen. Es brauchte erst wieder eine Katastrophe, um ein Umdenken zu erzwingen.

Bei der Energiewende steht Schwarz-Gelb auf der Bremse. Das zeigen auch aktuelle Äußerungen von EU-Kommissar Öttinger. Wir brauchen aber einen zügigen und dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien. Auch in Bürgerhand. Dies kann beispielsweise durch Genossenschaften gelingen.

Die Bundesregierung hat vorsätzlich die Investitionssicherheit im Bereich der erneuerbaren Energien zerstört und die Energiewende ausgebremst.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Norbert Hense: Das sie das Thema Energiewende in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt. Denn da gehört es hin!

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Norbert Hense:  Wir brauchen ein Gesamtkonzept für den deutschen Energiebedarf. Dazu zählen die Mobilität, der Wärmebedarf und natürlich der elektrische Strom. Dabei ist besonders auch die Kostenbelastung der Haushalte und der Wirtschaft zu beachten. Nur eine beschleunigte Energiewende und die Reduzierung des Einflusses der vier großen Energiekonzerne im Strommarkt ermöglicht es sauberen und billigen Strom sicher verfügbar zu machen. Dazu muss das EEG umgebaut werden und statt der Förderung von Energiegewinnungsanlagen die Speichertechnologien ausgebaut werden.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Norbert Hense: Er hat Recht mit den geringen Verbesserungen bei dieser wichtigen Aufgabe. Neben den Umweltbelastungen und den Beeinträchtigungen unseres Lebensraumes ist es auch eine Frage der Generationengerechtigkeit die heute grob missachtet wird.

So müssen wir heute in alle unsere Entscheidungen die Rechte der nachfolgenden Generationenberücksichtigen und ihnen die gleichen Möglichkeiten eingestehen, die wir uns heute gewähren.

Der Ressourcenverbrauch muss minimiert werden und unsere Wirtschaftsweise muss endlich Resourcenkreisläufe schliesen.

Wir bedanken uns bei Herrn Hense für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE), Holger Ruletzki (Parabel AG), Franz Alt (Journalist), Arne Horn (DZ-4), Dr. Bernd Köhler (Phoenix Solar), Björn-Lars Kuhn (Proteus Solutions & Energieblogger), Cornelia Daniel-Gruber (Journalistin und Bloggerin), Ove Petersen (GP Joule), Udo Möhrstedt (IBC Solar), Şirvan Çakici (Unicon Energy Services), Rosa Tarragó (Prime Capital AG), Robert Doelling (Energieexperte und Blogger), Benjamin Reuter (freier Journalist)