Die 3 größten Risiken: Investition in Photovoltaik absichern

Die 3 größten Risiken: Investition in Photovoltaik absichern

Eine Investition in eine gewerbliche Photovoltaik-Anlage lohnt sich für viele Anleger trotz weiter sinkender Einspeisevergütung. Den sinkenden Vergütungen stehen sinkende Investitionskosten und günstige Finanzierungskonditionen gegenüber, so dass immer noch interessante Renditen erwirtschaftet werden können.

Warum Photovoltaik-Projekte scheitern

Allerdings sind die Zeiten, in denen zweistellige Renditen erzielbar waren, schon lange vorbei. Heute erwarten Investoren beim Kauf einer Photovoltaik-Anlage in der Regel eher mittlere einstellige Renditen.

Das bedeutet, dass die Projekte, die heute erworben werden, oft so knapp bemessen sind, dass unerwartete negative Abweichungen in der Ertrags- und Kostenstruktur schnell zu einer Zahlungsunfähigkeit der Betreibergesellschaften führen können.

Die Fälle, in denen PV-Anlagen von finanzierenden Kreditinstituten übernommen oder im Zuge eines Insolvenzverfahrens veräußert werden, häufen sich, weil technische Mängel, falsche Ertrags- und /oder Liquiditätsprognosen oder fehlende Transparenz bei den Betriebskosten sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlage auswirken.

Die gravierendsten und häufigsten Gründe für eine fehlgeschlagene Investition in eine PV-Anlage haben wir für Sie identifiziert:

1. Fehlerhafte Wirtschaftlichkeitsprognose

Jeder Investor, der eine Neu- oder Bestandsanlage als Investition in Betracht zieht, wird im ersten Schritt eine Simulation der prognostizierten Erträge nach Abzug aller Kosten vornehmen. Dafür steht eine Reihe sehr einfacher und kostengünstiger Tools am Markt zur Verfügung, die einen guten ersten Überblick über eine Investition geben können.

Die Berechnung ist kein Hexenwerk: Wer weiß, wie hoch der jährliche Stromertrag und die Einspeisevergütung einer Anlage sein werden, kann einfach und schnell die entsprechenden Einkünfte errechnen.

Zieht man davon die laufenden Kosten, den Finanzierungsaufwand und eventuelle Steuern ab, erhält man die monatlichen oder jährlichen Überschüsse oder Verluste, die dann die Liquidität des Investments bestimmen.

Doch die Schwierigkeiten verstecken sich im Detail: Wie hoch sind bei der betrachteten PV-Anlage die tatsächlichen laufenden Kosten und Kaufnebenkosten? Kann ich mich auf die Kostenangaben des Anbieters verlassen und sind genügend Reserven für zukünftige Ersatzinvestitionen berücksichtigt?

Sind die Angaben des Verkäufers zu den Erträgen realistisch? Wurden die Liquiditäts-Zu- und Abflüsse richtig simuliert, damit die Zahlungsfähigkeit immer gegeben ist?

Bevor eine Kaufentscheidung gefällt wird, sollte der Investor eine valide Kalkulation der tatsächlichen Kostenfaktoren durchführen. Wichtig ist auch die Liquiditätsplanung gerade auch unter steuerlichen Gesichtspunkten, wenn beispielsweise Sonderabschreibungen und ähnliches genutzt werden. Der Steuerberater sollte hier erste Anlaufstelle sein.

2. Technische Mängel in Planung und Bau

Viele Investoren von kleinen und mittleren Projekten sind oft nur oberflächlich mit den relevanten technischen Details von Photovoltaik-Anlagen vertraut. Planung und Umsetzung – eventuell sogar Betriebsführung – erfolgen häufig durch ein und dasselbe Unternehmen.

Das ist einerseits sinnvoll, da sich diese EPCs in der Regel fachlich sehr gut auskennen und die Kosten auf diesem Wege für den Investor am geringsten sind.

Der Nachteil besteht allerdings darin, dass der Investor darauf vertrauen muss, dass der Anbieter nicht nur vertrauensvoll, sondern in allen Bereichen durchweg kompetent ist. Eine externe unabhängige Prüfung der technischen Dokumentation und gegebenenfalls des Vertragswerks (aus technischer Sicht) sollte in jedem Fall erfolgen.

Außerdem ist es anzuraten, mindestens bei Bauabnahme oder Abnahme der Bestandsanlage einen Vor-Ort-Termin einzuplanen. Hierbei können Sachverständige unterstützen, die auf Abnahmegutachten und Baubegleitung spezialisiert sind.

Ein sehr bedeutender, aber häufig missachteter Punkt ist zudem die Ertragsprognose. Die Inhalte entscheiden nicht nur maßgeblich über die Wirtschaftlichkeitsberechnung einer Photovoltaikanlage, sondern sollten auch bei der Bepreisung einer Investition die Basis bilden.

Schließlich bestimmt der Stromertrag das Einkommen. Viel zu häufig verlassen sich auch erfahrene Investoren auf Prognosen der Anbieter, ohne diese intensiv zu prüfen. Vor jeder Investitionsentscheidung sollte eine unabhängige Prognose oder ein Ertragsgutachten Sicherheit schaffen.

Eine Prüfung der technischen Details einer Photovoltaik-Anlage sollte folgende Bestandteile abdecken:

  • Prüfung oder Projektplanung (insbesondere bei Neuanlagen)
  • Prüfung der Durchführung einer Ertragsprognose
  • Bewertung der Anlagenkomponenten und des Anlagendesigns
  • Vertragsbewertung aus technischer Sicht
  • Performance-Check (bei Bestandsanlagen)
  • Inspektion vor Ort mit professioneller Auswertung

3. Vertragsfehler und juristische Stolperfallen

Leider sind Gesetzestexte, Regelwerke, aber auch die Vertragswerke zur Pacht, zum Kauf oder Bau, zur Direktvermarktung, zum Betreib usw. für viele neue Investoren häufig schwierig zu verstehen und so umfangreich, dass eine eigenständige Prüfung kompliziert und zeitaufwendig ist.

Nichtsdestotrotz ist es selbstverständlich wichtig, dass ein Projekt von Anfang an juristisch einwandfrei aufgesetzt wird.

Inzwischen gibt es viele Anwaltskanzleien, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert haben und dem Investor die benötigte Sicherheit verschaffen können. Hierbei kann man generell zwischen zwei Arten der Beratung unterscheiden:

1. Juristische Kaufberatung: Hierbei hilft der Fachanwalt bei der Einschätzung und Prüfung aller relevanten Nachweise und Verträge rund um den Kauf einer PV-Anlage:

    • Kauf- oder GU-Vertrag
    • Genehmigungen zum Bau und Betrieb
    • Anspruch der Förderung nach dem EEG
    • Pacht- und Nutzungsverträge
    • Wartungs- und Monitoringverträge
    • Garantie- und Gewährleistungsrechte
    • Eventuell Direktvermarktungsvertrag
    • Weitere Verträge oder erforderliche Unterlagen

2. Juristische Beratung im Streitfall: Normalerweise betreiben Investoren ihre Anlagen über mehrere Jahre hinweg. In der langen Zeit des Betriebs kann es immer wieder zu Streitthemen kommen. Hierbei lohnt es sich gegebenenfalls einen Anwalt zurate zu ziehen. Häufige Streitfälle sind:

    • Unklares Vertragswerk mit Eigentümern von Grundstücken und Gebäuden
    • Auseinandersetzungen mit Versicherungen im Schadensfall
    • Gewährleistungsfälle
    • Probleme mit Dienstleistungsunternehmen
    • Schäden durch Dritte

Insbesondere Risiken während des Betriebs können schon vor dem Kauf einer Photovoltaik-Anlage minimiert werden, wenn die Verträge mit dem Anbieter, dem Generalunternehmer, dem Wartungsunternehmen und weiteren Partnern juristisch einwandfrei erstellt beziehungsweise geprüft worden sind.

Fazit: Risiken minimieren und profitieren

Bei jedem Investment lauern Gefahren, sowohl währen des Transaktionsprozesses als auch während der oft langen Zeit des Betriebs einer Photovoltaik-Anlage. Leider können nicht alle Risiken beseitigt werden – so hat man etwa auf die Schwankungen der Sonneneinstrahlung recht wenig Einfluss.

Allerdings können alle Gefahren zu kalkulierbaren Risiken werden, wenn die Investition gut geprüft ist. Die Prüfung des Ertragsgutachtens gibt beispielsweise Sicherheit über die Erträge, die bei einer realistischen Sonneneinstrahlung zu erwarten sind.

Genauso kann eine valide Wirtschaftlichkeitsprognose mit einer professionellen Analyse der Sensitivitäten helfen, das Investment von Anfang an finanziell auf solide Füße zu stellen.

Sofern ein Investor die Prüfungen nicht alle eigenständig durchführen kann, sollte hier auf externe professionelle Hilfe zurückgegriffen werden. Dadurch fallen jedoch auch zusätzliche Kosten an, die je nach Leistungsumfang schnell im unteren fünfstelligen Bereich liegen können.

Insbesondere für kleine und mittlere Projekte können diese Kosten einen wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Investition haben und sind deshalb gut abzuwägen.

Um Investoren eine wirtschaftliche Möglichkeit zu bieten, ihre langfristigen Investitionen professionell bewerten zu können, haben wir daher gemeinsam mit unseren Partnern ein standardisiertes Sicherheitspaket entwickelt.

Neben einer standardisierten Wirtschaftlichkeitsberechnung, die auch von führenden Banken akzeptiert wird, bieten wir über unser Partnernetzwerk preiswerte Prüf- und Gutachtenangebote an.

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Dirk Petschick

Mitgründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Milk the Sun, Dirk ist seit 2009 in der PV-Branche aktiv. Er lebt, arbeitet und schreibt für die Energiewende.