Ein Solarprojekt finanzieren: Wo soll ich anfangen?

Ein Solarprojekt finanzieren: Wo soll ich anfangen?

Warum und wie sind Fremdfinanzierungen beim Kauf einer PV-Anlage sinnvoll? Welche Vor- und Nachteile gehen mit den Möglichkeiten einher? Erfahren Sie, wie Sie eine Solar-Finanzierung angehen und was Sie dabei beachten sollten.

Wenn Sie in gewerbliche Photovoltaikanlagen investieren wollen, dann gibt es gute Gründe, ihr eigenes Kapital durch eine Fremdfinanzierung aufzustocken: Dank des Leverage-Effektes kann ihre Eigenkapitalrendite gesteigert werden – solange für Fremdkapital weniger Zinsen als für Eigenkapital­ anfallen. Finanzdienstleister und Banken finanzieren Photovoltaik gerne, da die Technik erprobt ist und die Zahlungsströme gut planbar sind.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten: Projektfinanzierungen und Privatdarlehen. Photovoltaikprojekte in gewerblicher Größenordnung werden zumeist über Projektfinanzierungen realisiert. Gefordert werden dabei meist weder eine hohe Bonität, noch persönliche Sicherheiten, wie Bürgschaften oder private Grundschulden.

Als Sicherheit reichen bei Projektfinanzierungen die PV-Anlage selbst samt ihrer Erlöse aus dem Stromverkauf aus. Die Tilgung wird mittels der erwirtschafteten Erträge (Cashflow) sichergestellt. Als Träger werden häufig Projektgesellschaften gegründet, was jedoch keine Voraussetzung für die Finanzierung ist.

Die Höhe der Fremdkapitalquote leitet die Bank aus dem Liquiditätsüberschuss der Photovoltaikanlage ab. Risikoabschläge werden dabei mit eingerechnet. Üblicherweise ergibt sich daraus eine Fremdkapitalquote von 70 bis 90 Prozent. Wenn der geforderte Eigenkapitalanteil ihre Möglichkeiten übersteigt, kann gegebenenfalls mithilfe einer sogenannten mezzaninen Finanzierung aufgestockt und über Crowdinvesting-Plattformen – häufig in Form von Nachrangdarlehen – eingeworben werden.

Woran erkennen Sie gute Finanzierungsangebote?

Ob die Konditionen einer Solar-Finanzierung für Sie attraktiv sind und welche Bank ein geeigneter Partner ist, können Sie anhand der folgenden Faktoren bewerten.

Tilgungsart: Angeboten werden Tilgungs- und Annuitätendarlehen oder Mischformen. Beim Tilgungsdarlehen bleibt der Tilgungsanteil immer gleich, während der Zinsanteil kontinuierlich sinkt. Dadurch sinkt die Rückzahlungsrate über die Jahre. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt der monatliche Rückzahlungsbetrag gleich.

Über die Jahre sinkt der Tilgungsanteil der Gesamttilgung, während ihr Zinsanteil steigt. Welche Tilgungsart – oder eine Kombination – für Sie passt, hängt von Konditionen wie dem Eigenkapitalanteil und deren Einfluss auf die Gesamtrendite ab. Manchmal können tilgungsfreie Zeiten vereinbart werden.

Zinssatz: Der Zinssatz einer Projektfinanzierung richtet sich nach der Zinsbindung und der Bonität des Kunden bzw. des Projekts. Eine gute Orientierung bieten die Konditionen der KfW-Bank. In der aktuellen Niedrigzinsphase ist eine lange Zinsbindung von Vorteil, jedoch sollten Sie in dem Fall Sondertilgungsrechte fordern. Eintrittsrechte von Erwerbern sollten Sie ebenfalls reinverhandeln, damit die Finanzierung gegebenenfalls problemlos von Käufern übernommen werden kann.

Sicherheiten: Generell müssen Sie nachweisen, dass alle Voraussetzungen zum Anlagenbetrieb erfüllt sind und die Bank die Anlage notfalls übernehmen kann. Dafür muss nicht nur für Sie im Grundbuch eine Betreiberdienstbarkeit eingetragen sein, sondern auch für die Bank im gleichen Rang.

Durch eine Sicherungsübereignung der PV-Anlage und Abtretung von Forderungen gegenüber dem Netzbetreiber bzw. Direktvermarkter stellt die Bank sicher, dass sie die Anlage bei ausbleibenden Zahlungen selbst betreiben darf. Etwaige Pachtverträge müssen ein solches Szenario ebenfalls zulassen. Manche Banken verlangen zudem Tilgungsreserven oder Reparaturrücklagen auf Sonderkonten.

Weiche Faktoren: Die Abstimmung ist immer zielführender, wenn die Bank bzw. der Berater Erfahrung mit Photovoltaikprojekten hat, da Erfahrungswerte und zumindest grundlegende Fachkenntnisse eine schnelle Entscheidungsfindung mit einem passenden Angebot begünstigen.

Etliche Verständnisprobleme und damit einhergehende Schleifen können vermieden werden, was gerade bei kurzfristigen Kaufprozessen eine Erfolgsvoraussetzung ist. Hausbanken bieten manchmal Sonderkonditionen, falls der Standort mit dem Regionalprinzip vereinbar ist. Auf Photovoltaik spezialisierte Banken sind überregional tätig und bieten reine Projektfinanzierungen an.

Finanzierung vorbereiten

Die Finanzierung erfolgt in mehreren Schritten: Sie beginnt mit der Anfrage, bei der Sie Eckdaten zu Leistung, Rendite, Finanzierungsvolumen und -dauer angeben. Beantwortet wird diese mit einer Indikation, bei der die Bank ihre Konditionen und Bedingungen unverbindlich mitteilt.

Falls diese interessant sind, stellen Sie den Kreditantrag samt allen geforderten Details und Nachweisen, die spätestens bis zur Auszahlung vollständig vorliegen müssen. Anschließend erhalten Sie ein Kreditangebot samt Vertragsentwurf. Dieses sollten Sie mit der Indikation und weiteren Angeboten vergleichen.

Checkliste für die Finanzierungsunterlagen

Für eine Finanzierung müssen Sie etliche Unterlagen einreichen. Dazu zählen:

❏    Gesellschaftsunterlagen, wie aktueller Handelsregisterauszug, Gesellschaftervertrag, Beteiligungsverhältnisse, Ausweiskopien und Konzernabschlüsse

❏    Projektinformationen, wie Fotos, EEG-Abrechnungen oder Ertragsprognosen, Liquiditätsübersicht, Kaufvertrag bzw. GU- oder Werkvertrag, Einspeisezusage, ggf. Inbetriebnahmeprotokoll, Statiknachweis, Baugenehmigung, Versicherungsvertrag oder -angebot

❏    Dokumente der Flächensicherung, wie aktuelle Grundbuchauszüge, amtlicher Lageplan, Kopie der notariellen Dienstbarkeitsbestellungsurkunde


Dieser Artikel wurde in unserem Investitionsleitfaden veröffentlicht. Alle weiteren Artikel und Informationen zu Direktinvestitionen in gewerbliche Photovoltaik-Anlagen finden Sie unter: Milk the Sun – PV-Investitionsleitfaden.