Vier Fragen an … Michael Richter, CEO Sonneninvest AG

Michael Richter ist der CEO der Sonneninvest AG aus Österreich. Herr Richter kann auf 20 Jahre Erfahrung in der Banken- bzw. Investmentbranche zurückblicken. Er gründete 2009 die Firma Sonneninvest AG, die ihren Firmensitz in Wien unterhält. Die Sonneninvest AG ermöglicht es Investoren ganze Solarparks in Deutschland und Italien zu erwerben oder sich mittels Unternehmensanleihen zu beteiligen.

Michael Richter: "Die Strategie der Energielobby und Ihrer politischen Verbündeten ist voll aufgegangen. Mit enormen Aufwand hat man dem Konsumenten die Lüge: „Erneuerbare Energien machen den Strom teuer!“ wieder und wieder kommuniziert."

Milk the Sun: Lieber Herr Richter, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Michael Richter:  Energiepolitisch wurde in den letzten Jahren in Deutschland leider einiges falsch gemacht. Einzig positiver Punkt, bleibt das Abschalten der Atomkraftwerke. Man muss aber realistischer Weise dazu anmerken: Ohne den atomaren Störfall in Fukushima wäre es wohl kaum dazugekommen! Die Reduktion der Förderung für Photovoltaik ist viel zu hoch ausgefallen, und wurde mit zehntausenden Arbeitslosen im Handwerk teuer bezahlt. Anstatt die ohnedies marginalen Förderungen für Photovoltaik weiter zu reduzieren muss man endlich die ungerechtfertigten Ausnahmen der Unternehmen reduzieren.  Im Gesamten hat die Politik klimapolitisch total versagt.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Michael Richter: Gar nichts. Im Gegenteil: Wir befürchten, dass die erneuerbaren Energien weiterhin mit Propaganda der fossilen Energielobby behindert werden. Wie bisher scheint die Politik auch in Zukunft der verlängerte Arm der Energieriesen zu sein.  Die Energiewende kommt natürlich – mit Verzögerung – trotzdem: Dafür werden Privatpersonen, landwirtschaftliche Betriebe sowie Kommunen mit kleinen bis mittelgroßen Kraftwerken sorgen.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Michael Richter: Die Strategie der Energielobby und Ihrer politischen Verbündeten ist voll aufgegangen. Mit enormen Aufwand hat man dem Konsumenten die Lüge: „Erneuerbare Energien machen den Strom teuer!“ wieder und wieder kommuniziert. Man hat somit erfolgreich die erneuerbaren Energien, die sich ja in großer Anzahl in privaten Besitz befinden in Verruf gebracht und der Öffentlichkeit einen Schuldigen des Strompreisanstiegs präsentiert. An eine Besserung des Diskussionsklimas glaube ich eher nicht. Für die fossilen Energieriesen geht es darum „Ihren“ Markt zu sichern und vor jeglichem privatem Einfluss zu schützen. Ohne weiteren massiven Ausbau erneuerbarer Energien wird es keinen nachhaltig sinkenden Strompreis geben.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Michael Richter: Natürlich macht es nachdenklich, wie wenig positive Impulse im Bereich Umweltpolitik gesetzt werden. Ein  Umstieg auf erneuerbare Energien wäre in Mitteleuropa innerhalb von wenigen Jahren schaffbar. Wenn die Politik weiterhin versagt müssen die privaten Investoren und regionalen Initiativen Akzente setzen. Treiber der Energiewende wird in den nächsten Jahren die Photovoltaik sein. Politik und Wirtschaft erwarten wir auch in den nächsten Jahren eher als Bremser der Energiewende.

 

Wir bedanken bei Herrn Richter für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Andreas Kühl (energynet.de)

 

Keine Info mehr verpassen!

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren Newsletter an und verpassen Sie keine Info mehr.

Daten werden vertraulich behandelt.