Vier Fragen an… Heiko Schwarzburger, Chefredakteur vom „Photovoltaik“-Magazin

Heiko Schwarzburger ist Ingenieur und Publizist. Er ist Chefredakteur bei „Photovoltaik“, dem seit 2007 monatlich erscheinenden Fachmagazin und Leitmedium der PV- und Solarbranche im deutschsprachigen Raum. Herr Schwarzburger studierte Maschinenbau an der Technischen Universität Dresden und der Freien Universität Berlin. Als Wissenschaftsjournalist arbeitete er 15 Jahre lang für verschiedene Zeitungen. Stationen waren unter anderem namhafte Tageszeitungen wie  „Der Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Rundschau“. Mittlerweile ist Herr Schwarzburger vornehmlich für Fachblätter der Energiebranche tätig.

„Ich fordere, dass die verantwortlichen Politiker nun die Früchte des EEG für Deutschland ernten. Dass sie das Netz für alle erneuerbaren Energien öffnen und den Markt – erstmals in der Geschichte einen echten Markt für Energie – in Schwung bringen. “ – Heiko Schwarzburger

Milk the Sun: Lieber Herr Schwarzburger, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Heiko Schwarzburger: Ehrlich gesagt: Ich habe keine Erwartungen. Sigmar Gabriel hätte die Chance, dem Klimawandel politisch zu begegnen und die Energiewende zu beschleunigen. Aber er ist von der Furcht getrieben, dass die Sozialdemokratie in der Versenkung verschwindet. Weil die Großkraftwerke zunehmen, verschwinden die Tagebaue und Kohlegruben. So scheint die politische Kaste eher die Hände in den Schoß zu legen. Trotz der Fakten zum Klimawandel bleibt sie untätig. Das heißt aber nicht, dass ich keine Hoffnung habe. Immer mehr Menschen in diesem Land treiben die Energiewende voran. Die Industriegesellschaft ist im Wandel begriffen, diesen Zug  hält niemand mehr auf. Die Frage ist nur, wer dabei unter die Räder kommt. Mein Tipp: Die so genannten Volksparteien.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Heiko Schwarzburger: Ich habe keine Wünsche, sondern Forderungen. Denn ich habe Kinder, die in einer lebenswerten Umwelt aufwachsen sollen. Ich zahle Steuern an den Staat und ich gehe wählen, damit die Politik die drängenden Probleme löst. Von Wünschen kann also keine Rede sein, damit ist Schluss. Ich fordere, dass die verantwortlichen Politiker nun die Früchte des EEG für Deutschland ernten. Dass sie das Netz für alle erneuerbaren Energien öffnen und den Markt – erstmals in der Geschichte einen echten Markt für Energie – in Schwung bringen. Ich erwarte, dass die AKW und Dreckschleudern mit Kohlebrennern vom Netz gehen. Und dass Deutschland wieder die Spitze bei Photovoltaik und Onshore-Windkraft übernimmt. Für die Offshore-Windkraft hätte ich dann doch einen Wunsch: Sie endlich zu beerdigen. Braucht kein Mensch, kostet wahnsinnig viel Geld und treibt die Kosten für den Netzumbau in die Höhe. Allerdings gehe ich davon aus, dass dieses Begräbnis bereits im Gange ist. Trotz der horrenden Unterstützung durch die so genannte Risikoumlage auf die Stromkunden ist kein wirkliches Geschäftsmodell in Sicht.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Heiko Schwarzburger: Fakt ist doch: Der Klimawandel beschleunigt sich. Alle Berichte und Studien kommen zum selben Schluss. Innerhalb kurzer Zeit werden Regierungen (Berlin) und Pseudoregierungen (Brüssel) gar nicht umhin kommen, die klimaschädlichen Emissionen einzupreisen. Dann ist der Ofen aus, nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. Dann hat die Kohlekraft im Markt keine Chance mehr. Sie hat aber auch jetzt schon schlechte Karten, weil die Menschen zunehmend zu Ökostrom wechseln. Nicht ohne Grund gibt Vattenfall den früher sehr lukrativen Markt in Deutschland auf. Eon und RWE halten an der Kohle fest, namentlich RWE. Aber die Bilanz des ehemaligen Giganten aus Essen ist eine Katastrophe. Den Rest erledigen die Kapitalmärkte.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Heiko Schwarzburger: Die Märkte für erneuerbare Energien werden enorm wachsen, das sehen wir jetzt schon. Da meine ich zuerst die Photovoltaik, aber auch die Windkraft, hier in erster Linie die Onshore-Technik. In einigen Anrainern der Ozeane wird sicher auch die Offshore-Windkraft eine Rolle spielen. Wasserkraft und Energie aus den Tiefen der Erde ergänzen die Möglichkeiten. Wachsen werden die Märkte, weil neben der technologischen Innovation nun sehr viel Intelligenz in neue Geschäftsmodelle fließt, überall auf der Welt. Ganz klare Gewinner: Photovoltaik und Windkraft.

Nun zu den Verlierern: Für Großkraftwerke gibt es keine neuen Geschäftsmodelle, sie sind ökonomisch ausgereizt. Sie werden Marktanteile verlieren, auch wenn der kurzzeitige Preisvorteil von Kohle aus den Ländern der Dritten Welt oder Schiefergas in den USA die Brennstoffkosten derzeit dämpfen. Um die Mitarbeiter dieser Branche mache ich mir wenig Sorgen. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen werden in den neuen Technologien von großem Nutzen sein. Der Trend ist eindeutig: Die Energiewende ist voll im Gange, und sie erfasst jeden Lebensbereich. Um es mit Thor Heyerdahl zu sagen, der einmal ein Zitat von Augustinus bemühte: Grün war die Erde am siebten Tag. Der siebte Tag werden wir selbst sein.

Wir bedanken uns bei Herrn Schwarzburger für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der milk the sun blog führenden Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews mit Herrn Schwarzburger aus der “Vier Fragen an…”-Reihe:

„Vier Fragen an…“ Heiko Schwarzburger:

Manuel Gonzalez Fernandez

Manuel Gonzalez Fernandez, 28, Journalist, PR-Manager und Blogredakteur bei Milk the Sun.
>>I’d put my money on the sun and solar energy. What a source of power! I hope we don’t have to wait until oil and coal run out before we tackle that.<< – Thomas Edison

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

Jetzt einen Kommentar schreiben!


Keine Info mehr verpassen!

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren Newsletter an und verpassen Sie keine Info mehr.

Daten werden vertraulich behandelt.