Gabriel Posts

Vier Fragen an… Dr. Peer Piske, Mitgründer von crowdEner.gy

Dr. Peer Piske ist einer der Gründer von crowdEner.gy, eine Plattform, durch die Crowdfunding und Energiegenossenschaften miteinander verbunden werden. Damit ist crowdEner.gy eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet des Crowdfundings für Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren-Energien. Dr. Piske ist zudem einer der Geschäftsführer bei Green Asset.

Vier Fragen an… Heiko Schwarzburger, Chefredakteur vom “Photovoltaik”-Magazin

Heiko Schwarzburger ist Ingenieur und Publizist. Er ist Chefredakteur bei „Photovoltaik“, dem seit 2007 monatlich erscheinenden Fachmagazin und Leitmedium der PV- und Solarbranche im deutschsprachigen Raum. Herr Schwarzburger studierte Maschinenbau an der Technischen Universität Dresden und der Freien Universität Berlin. Als Wissenschaftsjournalist arbeitete er 15 Jahre lang für verschiedene Zeitungen. Stationen waren unter anderem namhafte Tageszeitungen wie  „Der Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Rundschau“. Mittlerweile ist Herr Schwarzburger vornehmlich für Fachblätter der Energiebranche tätig.

Vier Fragen an… Anton Berger, Partner von Rödl & Partner

Anton Berger, Partner von “Rödl & Partner”, hat sich unseren vier Fragen zum Thema Energiewende und die Aussichten des Wirtschaftszweiges der Erneuerbaren Energie gestellt. 

“Erneuerbaren Energien müssen kostengünstig produziert werden, idealerweise zu Preisen, die konkurrenzfähig sind. Von daher sollte der Anreiz, Erneuerbaren Energien wirtschaftlich zu vermarkten, deutlich gestärkt werden, mit der Maßgabe, dass sich „gute“ Projekte am ehesten vermarkten lassen.” – Anton Berger

Milk the Sun: Lieber Herr Berger, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Anton Berger: Die neue Bundesregierung hat die große Aufgabe, aber auch die Chance, für verlässliche Rahmenbedingungen insbesondere bei den Erneuerbaren Energien zu sorgen. Das erwarte ich mir von Herrn Gabriel.

Die Praxis hat immer wieder gezeigt, dass durch offenbar unterschiedliche politische Zielrichtungen im Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium eine wachsende Unsicherheit verursacht wurde. Investitionen mussten in die Zukunft verschoben und/oder ganz aufgegeben werden. Herr Gabriel kann die gebündelten Kompetenzen jetzt nutzen, um Klarheit zu schaffen. Sobald die EEG-Novelle vorliegt, werden wir wissen, ob sich durch das „EEG 2.0“ die Marktchancen für die Erneuerbaren Energien eher verbessern oder verschlechtern.

Für die Erneuerbare-Energien-Branche ist zu hoffen, dass Herr Gabriel das ständige Stückwerk beim EEG zukünftig unterlässt und damit das Zusammenbrechen ganzer Branchen wie Photovoltaik und aktuell Biogas vermeidet. Stattdessen sollte eine nachhaltige Strategie verfolgt werden, um bestehenden „Überförderungen“ zu begegnen.

Milk the Sun: Die (Braun-)Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Anton Berger: Kurzfristig wird diese unbefriedigende, aber hausgemachte Situation unverändert bleiben. Das Vermarktungs- und Umlagesystem des EEG führt zu günstigen Strombörsenpreisen, die leider bei den privaten Letztverbrauchern noch nicht ankommen sind. Der niedrige Strompreis macht Gaskraftwerke unwirtschaftlich. Nur die größtenteils bereits abgeschriebenen Kohlekraftwerke können durch niedrige CO2-Kosten und verhältnismäßig günstige Brennstoffkosten mithalten. Vorschläge werden zwar diskutiert, dass sich aber an diesem System etwas maßgeblich ändert, ist bisher nicht abzusehen.

Das CO2-Backloading wird erste Auswirkungen im Laufe der kommenden Jahre zeigen. Dass hierdurch die Grenzkosten der Kraftwerke signifikant steigen werden, und damit Gaskraftwerke und Erneuerbare Energie wirtschaftlich werden, bleibt noch abzuwarten.

Trotzdem haben die Erneuerbaren Energien bereits ihre Konkurrenzfähigkeit unter Beweis gestellt. Und das offenbar so sehr, dass künftig der Verbrauch von eigen erzeugtem Strom mit bis zu 70 Prozent der EEG-Umlage belastet werden soll.

Wir werden in der nächsten Legislaturperiode sehen, ob sich Herr Gabriel und sein Staatssekretär Herr Baake an ein neues Strommarktdesign wagen werden, in dem die Erneuerbaren Energien ihren berechtigten Platz haben. Nur so können die Ausbauziele und CO2-Einsparungsziele erreicht und das Projekt Energiewende zum Erfolg geführt werden.

Milk the Sun: Eine Studie der Deutschen Bank belegte erst kürzlich, dass die PV-Leistung bis 2015 weltweit enorm steigen solle und mit Anlagen von rund 56 Gigawatt Gesamtleistung zu rechnen sei. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem zunehmen. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem steigen. Wie realistisch schätzen Sie diese Prognose ein? Steht wirklich ein zweiter Goldrausch für die Photovoltaik bevor und wenn, wie wird Deutschland davon profitieren können?

Anton Berger: Der große Zubau an PV-Leistung ist unserer Erwartung nach nicht in Deutschland zu erwarten. Zielgröße soll nach dem Eckpunktepapier von Herrn Gabriel zwar weiterhin ein jährlicher Zubau von 2,5 GW sein – diese Größenordnung halten wir aber unter den bisher bekannten Rahmenbedingungen spätestens ab August 2014 für fraglich. Sollte der Stromeigenverbrauch – wie bisher geplant – mit bis zu 70 Prozent der EEG Umlage beaufschlagt werden, wird der Markt für PV-Dachanlagen ab 10 kWp einen starken Dämpfer erhalten. Falls der gesetzliche Vertrauensschutz noch bis zur Inbetriebnahme im August 2014 aufrecht erhalten wird, kann dies nochmal einen kurzen Boom bis zu diesem Stichtag verursachen. Chancen und Zuwächse sind, sofern die Bagatellgrenze von 10 kWp für die EEG-Mindestumlage aufrecht erhalten wird, wohl künftig noch im Privathausbereich zu vermuten. Hier ist auch der Bezugsstrompreis ausreichend hoch, um für anhaltende Nachfrage zu sorgen. Das Ausschreibungsmodell für Freiflächenanlagen ist (aktuell noch) für 2017 geplant und auch dann zunächst für maximal 400 MW. Daher erwarten wir auch in diesem Bereich keinen zweiten Goldrausch in Deutschland.

Gegenläufige Effekte sind niedrige Modulpreise und Kostensenkungen bei der Anlagenerrichtung. Dies kann in vielen Regionen der Welt durchaus zu einer steigenden Nachfrage führen. In den Ländern des „Sun-Belt“ ist die Photovoltaik vielerorts bereits ohne Fördermittel und Subventionen konkurrenzfähig gegenüber anderen Erzeugungstechnologien und dem Bezugsstrompreis. Dies könnte in China, den USA, Japan sowie einigen Schwellenländern durchaus zu einem Boom führen. Die Studie der Deutschen Bank geht von 19 Märkten aus, in denen zeitnah die „Netzparität“ erreicht wird. Für Europa erwarten wir eine eher durchschnittliche Nachfrage nach PV-Anlagen, da unter anderem wegen der bestehenden Anti-Dumping-Zölle künftig sinkende Preise nicht weitergegeben werden können.

Milk the Sun: Derzeit werden am Drei-Länder-Eck zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland zwei riesige Offshore-Windparks gebaut, die durch den neuen Interkonnektor verbunden sein sollen. Die sogenannte „Kriegers Flak Combined Grid Solution“ soll als ein Pilotprojekt für zukünftige Windkraft-Offshore-Stromnetze dienen. Wie schätzen Sie diese Art von Projekten ein?

Anton Berger: Grundsätzlich halten wir Netzverbundprojekte, die einen Lastausgleich zwischen unseren Nachbarländern ermöglichen, für zukunftsfähig und sinnvoll. Leitungs-, Speicher- und Erzeugungskapazitäten können in übernationalen Verbundnetzen effizienter genutzt werden. Überschüssiger Windstrom aus Norddeutschland kann in Nordeuropa zwischengespeichert und die dortigen regenerativen Energiepotentiale können erschlossen werden. Zunächst soll jedoch die Verbindung nur bis nach Dänemark hergestellt werden. Allerdings bleibt fraglich, ob unter Kostengesichtspunkten gerade solche Offshore-Grid-Projekte als erste Priorität angegangen werden sollten oder örtlich nähere, günstigere und dezentralere Lösungsansätze zielführender sind.

Wir bedanken uns bei Herrn Berger für das Interview.

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der milk the sun blog führenden Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews mit Herrn Anton Berger aus der “Vier Fragen an…”-Reihe:

Vier Fragen an… Anton Berger

Vier Fragen an … Björn-Lars Kuhn, IT-Spezialist, freier Journalist und Energieblogger

Björn-Lars Kuhn ist Experte und Allrounder auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien. Als einer der erfolgreichsten Energieblogger Deutschlands hat er seinen Namen bereits tief in der Scene verankert. Durch sein Engagement als Gesellschafter bei Proteus Solutions, seine langjährige Tätigkeit in der IT-Branche und als freier Journalist hat Björn-Lars Kuhn ein umfassendes Fachwissen auf dem Gebiet der Solarbranche vorzuweisen. Die Tätigkeit als Journalist hat ihn zudem zu einer der einflussreichsten Stimmen auf dem Themengebiet der Solar- und Photovoltaikenergie werden lassen.

"Andererseits haben die deutschen Unternehmen immer wieder bewiesen, dass gerade in politisch instabilen Zeiten die besten Innovationen gemacht wurden. " - Björn-Lars Kuhn

“Andererseits haben die deutschen Unternehmen immer wieder bewiesen, dass gerade in politisch instabilen Zeiten die besten Innovationen gemacht wurden. ” – Björn-Lars Kuhn

Milk the Sun: Lieber Herr Kuhn, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Björn-Lars Kuhn: Vor der Bundestagswahl war ich der Ansicht, dass die Energiewende mit dem Scheitern der FDP schneller vorankommt. Das erwies sich allerdings als Trugschluss, wenn man jetzt die Bestrebungen der GroKo und Sigmar Gabriel sieht. Natürlich ist eine tief greifende EEG-Novellierung notwendig, aber das, was der Superminister da aufruft, klingt schon sehr nach Industriepolitik der Großen Vier.

Natürlich wird im Bereich der Konventionellen immer mit Standort Deutschland und Arbeitsplätzen argumentiert, aber auch im Bereich der Erneuerbaren wurden in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze geschaffen, die ja seit über einem Jahr sukzessive weniger werden, wenn man z.B. das Wegsterben der Photovoltaik betrachtet. Da frage ich mich, ob Arbeitsplätze bei RWE oder E.ON mehr wert sind als die in der Nachhaltigkeitsbranche … Und die Aktionäre bekommen wohl immer noch Dividende.

Das, was die Bundesregierung gerade umsetzen will, klingt eher nach operativer Hektik und Schnellschüssen. Man kann nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Björn-Lars Kuhn: Die Erneuerbaren Energien werden sich durchsetzen. Allerdings wird es durch aktuelle politische Maßnahmen zu einer weiteren Verzögerung kommen, weil das System ja in sich falsch aufgesetzt worden ist. Hier sei nur die AusgleichMechV genannt. Langfristig wird das System aber wohl nicht haltbar sein.

Leider haben viel zu wenige Leute die Kompetenz dieses System zu durchschauen, am wenigsten unsere Volksvertreter. Das ist von den konventionellen Anbietern ja auch so gewollt, damit man eine öffentliche Diskussion über Strompreise führen kann. Gehen die Stromgestehungskosten jedoch noch weiter zurück und es geht beispielsweise wesentlich mehr EE-Strom in die Direktvermarktung – z.B. bei 100%-EE-Gemeinden – dann schafft sich das System letztendlich selber ab.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie, aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Björn-Lars Kuhn: Ja, das wird wohl unumgänglich sein. Technologisch mögen wir immer noch die Nase vorn haben und mit dieser Technologie im Ausland punkten können. Aber die Energiewende als solche wird nicht mehr das internationale Vorzeigeobjekt sein. Schaut man sich allein die PV-Zubauzahlen in Italien an, wird schnell deutlich, dass wir in Deutschland eine Energiewendebremse eingeführt haben.

Andererseits haben die deutschen Unternehmen immer wieder bewiesen, dass gerade in politisch instabilen Zeiten die besten Innovationen gemacht wurden. Also könnte es gut sein, dass wir auch neu aufgestellt und gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Björn-Lars Kuhn: Verlierer werden ganz klar die großen PV-Projektierer sein, die es bisher nicht geschafft haben, sich im Ausland zu etablieren. Da werden wohl noch ein paar Unternehmen den Gang zum Amtsgericht beschreiten müssen.

Dazu kommen einige Startups, die mit neuen Geschäftsmodellen in den Markt eingestiegen sind und wohl auch dahingerafft werden. Die geplante Besteuerung des Eigenverbrauchs wird so manche Kalkulation zunichte machen und damit womöglich die Geschäftsgrundlage.

Der Markt in Deutschland wird wohl weiter zurückgehen und als Gewinner können sich die kleinen Solateure fühlen. Denn der Markt der privaten Kleinanlagen wird selbst mit gesetzlichen Änderungen nicht abzuwürgen sein. Der Bürger glaubt an die Energiewende und wird diese vorantreiben.

2014 werden sich trotz Gejammer die Großen Vier als Gewinner fühlen, doch möglicherweise werden sich einige Top-Manager umorientieren, wenn die kurzfristigen Gewinne wieder wegfallen.

International gibt es noch einige interessante Länder, die gerade am Anfang stehen, den Anteil der Erneuerbaren auszubauen. Hier werden sich dann die deutschen Spezialisten vor Ort wiederfinden.

Wir bedanken uns bei Herrn Kuhn für das Interview.

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Björn-Lars Kuhn:

Vier Fragen an … Björn-Lars Kuhn, Inhaber von Proteus Solution und Energieblogger

Kommentar: Industrieprivilegien und Eigenverbrauch – Die EU-Kommission legt vor

Vier Fragen an … Stefan Dietrich von Windwärts Energie | Milk the Sun – Blog

Dr. Stefan Dietrich ist Pressesprecher der Windwärts Energie GmbH. Der promovierte Politikwissenschaftler kümmert sich neben der Pressearbeit auch um den Windwärts Blog, auf dem er vor allem zu firmeneigenen Projekten und Aktionen bloggt. Das internationale Unternehmen Windwärts Energie hat seinen Fokus auf Onshore-Windenergie gelegt.

"Die Bundesregierung und vor allem das zuständige Ministerium sollen sich eingehend mit den vorliegenden Vorschlägen für ein Marktdesign auseinandersetzen, das die erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt." - Dr. Stefan Dietrich (c)Photo Windwärts Energie GmbH, Fotograf Mark Mühlhaus attenzione

“Die Bundesregierung und vor allem das zuständige Ministerium sollen sich eingehend mit den vorliegenden Vorschlägen für ein Marktdesign auseinandersetzen, das die erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt.” – Dr. Stefan Dietrich (c)Photo Windwärts Energie GmbH, Fotograf Mark Mühlhaus attenzione

Milk the Sun: Lieber Herr Dietrich, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Stefan Dietrich: Das Ergebnis ist sicherlich enttäuschend. Das Schlimmste ist, dass überhaupt kein Wille zu erkennen ist, die Energiewende wirklich voranzutreiben. Stattdessen scheint es gerade Sigmar Gabriel vor allem darum zu gehen, die Kohleverstromung zu retten. Anstatt ein intelligentes Strommarktdesign zu erarbeiten, sollen jetzt Kapazitätsmärkte eingeführt werden, und damit eine weitere Subvention für die Kohle. Was wir brauchen, ist eine Flexibilisierung des Systems, aber davon ist bislang von diesem Minister und dieser Regierung nichts zu sehen und zu hören. Und wo die lauthals versprochene Kostensenkung herkommen soll, muss uns Herr Gabriel mal in Ruhe erläutern. Den Zubau an Windenergie zu bremsen kann ja wohl keine Wirkung haben. Wo ist denn zum Beispiel die von der SPD im Wahlkampf noch geforderte Senkung der Stromsteuer geblieben?

Eigentlich erwarte ich nicht viel, aber eines schon: Die Bundesregierung und vor allem das zuständige Ministerium sollen sich eingehend mit den vorliegenden Vorschlägen für ein Marktdesign auseinandersetzen, das die erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt. Kurzsichtiges Herumdoktern bringt uns nicht weiter.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Stefan Dietrich: Ganz klar: Die so genannte „EEG-Umlage“ muss abgeschafft werden! Die Verramschung des Erneuerbaren-Stroms über den Spotmarkt der Strombörse hat nur negative Folgen. Sie sorgt insbesondere dafür, dass Kosten einseitig den Privathaushalten und kleinen und mittleren Unternehmen aufgebürdet werden. Der Strompreis vor allem zu Spitzenlastzeiten sinkt, und die Differenz sehen wir auf der Stromrechnung. Dadurch werden Unternehmen subventioniert, die den Strom an der Börse einkaufen können. Die ganze unselige Kostendebatte ist durch die Einführung des finanziellen Wälzungsmechanismus 2009 erst möglich gewesen (war das vielleicht Absicht?). So ist zwischen 2008 und 2012 die Strommenge aus erneuerbaren Energien um 70 % gestiegen, die Summe der Einspeisevergütungen um 80 % – aber die Umlage um 350 %! Gleichzeitig werden neue und moderne Gaskraftwerke unwirtschaftlich, weil sie über den Energy Only-Markt nicht mehr finanziert werden können. Das heißt, die alten Braunkohle-Meiler laufen und laufen… Wir müssen dringend hin zu einer physischen Wälzung des Stroms in die Bilanzkreise der Energieversorgungsunternehmen.

Milk the Sun: Derzeit werden am Drei-Länder-Eck zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland zwei riesige Offshore-Windparks gebaut, die durch den neuen Interkonnektor verbunden sein sollen. Die sogenannte „Kriegers Flak Combined Grid Solution“ soll als ein Pilotprojekt für zukünftige Windkraft-Offshore-Stromnetze dienen. Wie schätzen Sie diese Art von Projekten ein? Können sie einem solchen Führungsanspruch gerecht werden?

Stefan Dietrich: Da wir uns als mittelständisches Unternehmen ausschließlich mit der Onshore-Windenergie beschäftigen, kann ich dazu nichts sagen. Insgesamt sehe ich den Führungsanspruch bei der Energiewende aber eher bei flexiblen und dezentralen Lösungen.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Stefan Dietrich: Das ist nicht nur zu befürchten, zumindest in der Photovoltaik ist es ja bereits Realität. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Nonchalance die Politik Arbeitsplätze gefährdet oder zerstört, wenn es „nur“ um eine Branche geht, die anscheinend vielen Interessenvertretern und Politikern ein Dorn im Auge ist. Was die Windindustrie angeht, bleibt abzuwarten, wie sich die Weltmärkte entwickeln. Ein schwächerer Heimatmarkt ist für die deutschen Hersteller aber sicherlich keine gute Entwicklung.

Was ich aber noch schlimmer finde, ist der offensichtliche politische Wille, eine überwiegend mittelständisch geprägte Branche kaputt zu machen und die Stromversorgung wieder den Konzernen zuzuspielen. Anders ist weder das geplante Auktionsverfahren für erneuerbare Energien zu erklären noch die Frage zu beantworten, warum auch diese Bundesregierung aller selbst angezettelter Kostendebatten zum Trotz so an der Offshore-Windenergie festhält, die Onshore-Windenergie aber beschneidet. Die allem Anschein nach absichtlich herbei geführten Unsicherheiten in den Märkten erhöhen die Risiken und erschweren gerade kleineren Marktteilnehmern die Finanzierung von Projekten.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Dietrich für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Dr. Stefan Dietrich:

Vier Fragen an … Dr. Stefan Dietrich, Pressesprecher von Windwärts Energie

Vier Fragen an … Benjamin Reuter, Journalist | Milk the Sun – Blog

Als freier Journalist schreibt Benjamin Reuter für die WirtschaftsWoche und die ZEIT. Für das Nachhaltigkeitsportal WiWo-Green schreibt Herr Reuter regelmäßig über die entscheidenden Themen rund um die Komplexe Energiewende und Klimawandels.

"Während Deutschland auf die Bremse tritt, gibt der Rest der Welt richtig Gas." - Benjamin Reuter

“Während Deutschland auf die Bremse tritt, gibt der Rest der Welt richtig Gas.” – Benjamin Reuter

Milk the Sun: Lieber Herr Reuter, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Benjamin Reuter: Herr Gabriel hat ja inzwischen erste Vorschläge öffentlich gemacht, wie er eine Energiewendereform gestalten will. Ohne ins Detail zu gehen, sind sie doch ein erster guter Anfang. Denn ein weiter steigender Strompreis hilft niemandem. Wenn Gabriel es schafft, den Anstieg zu bremsen und die Kosten der Wende auf mehr Schultern zu verteilen (Stichwort Industrieprivileg und Eigenverbrauch) ist das nur gut. Sicher muss man bei Details wie dem Selbstvermarktungszwang und der Drosselung des Ausbaus nochmal schauen, was die ökonomischen Folgen sind – im Positiven wie im Negativen. Ein Problem sieht man aber jetzt schon: Dem Kohleboom in Deutschland wird die Reform nicht stoppen. Da müsste die Politik aber unbedingt ran, um die Energiewende auch für das Klima zum Erfolg zu machen.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Benjamin Reuter: Die Antwort, wie man einen funktionierenden Strommarkt um Erneuerbare herum baut, kennt derzeit wohl noch niemand. Denn wie schafft man einen Markt für etwas, das keine oder kaum laufende Kosten hat, wie eine Kilowattstunde Sonnenstrom? Stand heute und ohne Einspeisevorrang würde die billige Kohlekraft den teureren Grünstrom immer noch aus dem Netz halten. Sind Erneuerbare in einigen Jahren günstiger als Kohle, fliegt sie wiederum aus dem System. Dann müsste man sich aber um die Reservekapazität oder um Speicher Gedanken machen. Erdgas kommt in beiden Fällen unter die Räder. Man sieht: Da sind noch viele Fragen offen.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Benjamin Reuter: Auf dem Feld der PV ist das ja schon passiert. Windanlagen sind natürlich nicht so leicht zu transportieren, dennoch sind chinesische Anbieter im Anmarsch. Aber wie immer: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wäre China nicht gewesen, wäre PV heute noch viel teurer.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Benjamin Reuter: Erneuerbare werden überall auf der Welt stark zulegen. Das gilt für Wind und Solar. Treiber ist hier zuvorderst China, dann auch die USA und Japan. Aber auch Indien hat große Pläne was Solar angeht und der Nahe Osten sowieso (Stichwort Saudi Arabien). Um die Zukunft der Industrie muss man sich also keine Sorgen machen. In Deutschland wird, wenn Gabriel seinen Willen bekommt, der Ausbau etwas gebremst. Die Hersteller wird das nicht interessieren, weil anderswo ihre Technologien gefragter sind als je zuvor. Während Deutschland also auf die Bremse tritt, gibt der Rest der Welt richtig Gas. Aber vielleicht tut uns eine Verschnaufpause auch ganz gut, um mit kühlem Kopf die zweite Phase der Energiewende anzugehen. Verlierer gibt es in dem Szenario nicht: Denn weniger Kohle oder Öl verbrauchen wir, Deutschland und die Welt, trotz des Booms bei den Erneuerbaren nicht.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Reuter für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Benjamin Reuter:

Vier Fragen an … Benjamin Reuter, freier Journalist

Meinung: Sigmar Gabriels Eckpunkteplan der Energiewende

Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel legt seinen neuen Eckpunktplan am Mittwoch auf der Klausurtagung des Bundeskabinetts in Meseberg bei Berlin vor. In diesem Plan ist die zukünftige Richtung des EEGs formuliert. Noch bevor der Vorschlag überhaupt vom Bundeskabinett abgesegnet wurde, verursacht er bereits große Wellen. Die Kämpfer für die verschiedenen Interessensgruppen bringen sich in Stellung und wetzen ihre Messer und Sigmar Gabriel droht mit seinem Vorstoß, viele von ihnen vor den Kopf zu stoßen. Eine kluge Entscheidung? Politischer Selbstmord? Kalte Lobbypolitik? Oder doch eine überfällige Reform? Alles, aber in jedem Fall kein Idealismus.