Emissionshandel: CO2 so billig wie nie zuvor

Eine am Wochenende veröffentlichte Greenpeace Studie hat ergeben, dass die Produktion von einer Tonne CO2 derzeit an manchen Tagen günstiger ist als eine Schachtel Zigaretten. Ein weiteres Sinken des CO2-Preises könnte alternative, klimafreundlichere Energieerzeugungskraftwerke zunehmend unlukrativ machen und damit sowohl die nationalen als auch die europäischen Klimaschutzziele torpedieren.

Der Preis für eine Tonne CO2 ist kostet mittlerweile so viel wie eine Packung zigaretten. (C) Photo by Last Hero, CC-Attribution, Bestimmte Rechte vorbehalten

Eine Studie vom Beratungshaus Energy Brainpool, die im Auftrag von Greenpeace angefertigt wurde, hat extrem niedrige Preise beim Emissionsrechtehandel festgestellt. Der 2005 eingeführte Emissionsrechthandel sollte sich selbstständig regulieren. Eine Vielzahl von Zertifikaten wurde ausgegeben – auf Drängen der Industrie. In der Folge liegt der Preis für eine Tonne CO2 derzeit nicht etwa, wie erwartete bei 30 Euro sondern bei weniger als vier. Damit wird der Durchschnittspreis für eine Packung Zigaretten unterboten.

Die Folgen sind zweierlei: Zum einen wird damit den Betreibern von Kohlekraftwerken ein signifikanter Wettbewerbsvorteil verschafft. Vorausgesetzt die Preise bleiben beständig niedrig, hat dies zur Folge, dass Kohlekraftwerken der Vorzug gegenüber effizienteren und umweltverträglicheren Gaskraftwerken gegeben werden wird. Gaskraftwerke würden, über die deutschen Grenzen hinaus, aus dem Markt gedrängt werden. Damit würde die deutsche Kohlekraft nicht nur den nationalen sondern auch den europäischen Klimaschutzbemühungen schaden. Der niedrige CO2-Preis würde ein Erreichen der angestrebten Klimaziele unnötig erschweren, verkomplizieren und verteuern, sie würden unlukrativ werden.

Die zweite Folge des niedrigen Durchschnittspreises für CO2 wäre die Bestrafung der Energieproduktion aus klimafreundlicheren Trägern. Der Export von deutschem Kohlestrom ist bereits sehr hoch und würde, begünstigt durch einen niedrigen CO2-Preis sogar noch erhöht werden. Demgegenüber würden andere klimafreundlichere Stromproduktionsformen unweigerlich unlukrativer werden. Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace, schätzt die internationalen Folgen einer solchen Politik folgendermaßen ein: „Ein niedriger CO2-Preis setzt nicht nur die Glaubwürdigkeit der deutschen Klimaschutzbemühungen aufs Spiel. Er torpediert auch die Umsetzung einer europäischen Energiewende.“

Für die besonders klimaschädliche Braunkohle würde allerdings auch ein höherer CO2-Preis von 40 Euro pro Tonne wenig Folgen haben. Ihr Abbau ist derart günstig, dass lediglich ein, politisch nicht durchsetzbarer, noch höherer CO2 Preis als Bremse fungieren könnte. Greenpeace empfiehlt als Alternative einen mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohle.

Einen positiven Effekt hätte der steigende CO2-Preis auf die Kurse an der Strombörse. Diese kann nur von Unternehmen genutzt werden. Daher würden die Veränderungen dort, laut Greenpreace,lediglich sehr geschwächt bei privaten Haushalten ankommen. Zusätzlich würde ein steigender CO2-Preis die EEG-Umlagen sinken lassen.

Die gesamte Studie gibt es auf der Greenpeace Homepage.

Quelle: Greenpeace

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