Vier Fragen an… Jannis Rudzki-Weise, Energieblogger

Jannis Rudzki-Weise ist Energieblogger und Referent für Brand Communication & Social Media bei der SMA Solar Technology AG. Er hat Business Communications an der University of Maryland College Park studiert und seine Bachelor-Arbeit zu den Potenzialen des Social Web für die Unternehmenskommunikation in der Erneuerbare-Energien-Wirtschaft geschrieben. Seit August 2012 ist Jannis Rudzki-Weise bei SMA Solar Technology angestellt.

Jannis Rudzki-Weise, Energieblogger

“Das Bundeswirtschaftsministerium bremst gerade zu dem Zeitpunkt, an dem die Photovoltaik aufgrund der massiven Kostensenkungen der letzten Jahre wirtschaftlich attraktiv wird, ihre weitere Entwicklung aus. Dies ist für uns nicht nachvollziehbar.” – Jannis Rudzki-Weise

Milk the Sun: Lieber Herr Rudzki-Weise, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Jannis Rudzki-Weise: Eine Umsetzung von Herrn Gabriels Plänen für eine Reform des EEG würde die Energiewende massiv ausbremsen. Anstatt die umfangreichen Befreiungen der Industrie von der EEG-Umlage auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren, plant Herr Gabriel, ausgerechnet die Eigenstromerzeugung aus Photovoltaik ab August mit der EEG-Umlage zu belegen. Dies würde die Wirtschaftlichkeit des Modells in Frage stellen, die Kosten der Energiewende würde es jedoch nicht nennenswert senken. Das Bundeswirtschaftsministerium bremst gerade zu dem Zeitpunkt, an dem die Photovoltaik aufgrund der massiven Kostensenkungen der letzten Jahre wirtschaftlich attraktiv wird, ihre weitere Entwicklung aus. Dies ist für uns nicht nachvollziehbar.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Jannis Rudzki-Weise: Eine Reform des EEG müsste so gestaltet werden, dass ein weiterer zügiger Ausbau der Erneuerbaren ohne massive Kostensteigerungen forciert würde. Baustellen sind dabei zum Beispiel die Berechnungsgrundlage der EEG-Umlage und die exorbitanten Befreiungen der Industrie von der EEG-Umlage.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Jannis Rudzki-Weise: Langfristig sind die Chancen der Erneuerbaren gut. In einigen Bereichen sind die Erneuerbaren Energien ja bereits heute wettbewerbsfähig . Und während ihre Kosten noch weiter sinken, werden die Kosten für die konventionellen Erzeugungsarten weiter steigen.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Jannis Rudzki-Weise: Sollten Herrn Gabriels Pläne  zur Reform des EEG tatsächlich so umgesetzt werden, wäre die Vorreiterrolle Deutschlands bei der Energiewende ernsthaft in Gefahr.

Wir danken Herrn Rudzki-Weise für das Interview.

 

—————————————-

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der milk the sun blog führenden Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Manuel Gonzalez Fernandez

Manuel Gonzalez Fernandez, 28, Journalist, PR-Manager und Blogredakteur bei Milk the Sun. >>I’d put my money on the sun and solar energy. What a source of power! I hope we don’t have to wait until oil and coal run out before we tackle that.<< - Thomas Edison