Turnkey- oder Bestandsanlage, welches Photovoltaik-Investment passt zu mir?

Turnkey- oder Bestandsanlage, welches Photovoltaik-Investment passt zu mir?

Jeder Investor, der sich grundsätzlich entschieden hat in eine gewerbliche Photovoltaikanlage (PV-Anlage) zu investieren und mit diesem Investment einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leistet, wird möglicherweise im nächsten Schritt vor der Entscheidung stehen, eine nagelneue PV-Anlage (Turnkey) oder eine im Betrieb befindliche Bestandsanlage zu erwerben.

Anhand von 3 Merkmalen werden wir in diesem Artikel die Unterschiede beim Erwerb der jeweiligen Anlagenform beschreiben.

Begriffserklärung

Um die Unterscheide zwischen Turnkey- und Bestandsanlage besser verstehen zu können, erläutern wir im ersten Schritt die Begrifflichkeiten:

Das englische Wort „turnkey“ bedeutet schlüsselfertig und beschreibt das Konzept der Turnkey-Anlage damit eigentlich sehr präzise. Die Anlagen werden in einem Zustand übergeben, in dem sie direkt ans Netz angeschlossen worden sind.

Von einer „Bestandsanlage“ spricht man, wenn die PV-Anlage schon einen Zeitraum „am Netz ist“ und Strom in dieses einspeist. Sie hat damit schon eine produzierende Historie.

1. Verkaufszeitpunkt

Auch wenn der Begriff „turnkey“ dies suggeriert, bedeutet dies jedoch nicht, dass der Zeitpunkt des Erwerbs zum Ende der Bauphase erfolgen muss. Turnkey-Anlagen werden zwar „schlüsselfertig“ übergeben, der Verkauf kann in unterschiedlichen Projektphasen stattfinden.

Es ist nicht unüblich, dass der Investor den Bau der PV-Anlage durch Teilzahlungen auf den Kaufpreis Schritt für Schritt mitfinanziert. Dies ist vergleichbar mit Bauträgerprojekten bei Immobilien, die nach Baufortschritt in fest definierten Tranchen zu bezahlen sind.

Bei einer Bestandsanlage erfolgt die Kaufpreiszahlung zu einem im Kaufvertrag definierten Zeitpunkt während des laufenden Betriebs.

2. Chancen versus Risiken

Bei der Investition in eine Turnkey-Anlage kann die Möglichkeit bestehen, dass Wünsche des Investors hinsichtlich der verbauten Komponenten (Module und Wechselrichter) und ggf. vertraglicher Gestaltungen mit dem Verpächter, der finanzierenden Bank und den zukünftigen Dienstleistern noch berücksichtigt werden können.

Dies ist bei Bestandsanlage so gut wie nicht möglich, es sei denn Finanzierungs- und Serviceverträge müssen beim Kauf nicht übernommen werden.

Demgegenüber steht, dass Käufer von Bestandsanlagen kein Bau- und Netzanschlussrisiko haben, wie dies bei der Investition in Turnkey-Anlagen der Fall ist. Gerade dann, wenn nach Baufortschritt gezahlt werden muss, ist hier ein großes Augenmerk auf die Absicherung der geleisteten Zahlungen zu legen.

Diese Risiken lassen sich professionell managen und sollten durch erfahrene Partner juristisch und technisch begleitet werden.

Bei einer Bestandsanlage kann deren Performance durch die Auswertung der historischen Ertragsdaten leicht ermittelt werden. Eine technische Inspektion vor Kauf der Anlage hilft technische Mängel zu erkennen, die ggf. zu Ertragseinbußen oder Reparaturen führen können. Die zukünftige Performance einer Turnkey-Anlage sollte sich der Investor über ein Ertragsgutachten aufzeigen lassen. Eine professionelle Bauabnahme der angeschlossenen PV-Anlage gibt die Sicherheit, dass die prognostizierten Erträge zukünftig auch erreicht werden können.

Die Historie einer Bestandsanlage kann jedoch bei einem Sharedeal (Übernahme der Betreibergesellschaft) auch zu Risiken führen, da immer das Risiko nicht erkannter Mängel aus der Vergangenheit mit erworben wird (Betriebsprüfungsrisiko). Bei einer Turnkey-Anlage ohne Historie fällt dieses Riko weitestgehend weg.

Ein wesentlicher Vorteil der Turnkey-Anlagen sind die aktuell sehr günstigen Finanzierungskonditionen. Während bei Bestandsanlagen häufig ältere, teure Finanzierungen übernommen oder gegen Vorfälligkeitsentschädigungen abgelöst werden müssen, steht bei Turnkey-Anlagen eine Neufinanzierung an – zu den derzeit historisch niedrigen Zinssätzen.

3. Renditeerwartungen

Bleibt die finale Frage nach der Rendite: Hier sollten sich Bestands- und Turnkey-Anlagen nicht unterscheiden. Die Rendite richtet sich bei beiden Anlagen nach dem Ertragswert, der sich aus den abgezinsten Erträgen der verbleibenden Vergütungsjahre ergibt.

Das heißt, den jeweiligen Anschaffungskosten stehen die aktuelle Vergütung auf den eingespeisten Strom, die Restlaufzeit der Vergütung, sowie die laufenden Kosten des Betriebs der PV-Anlage gegenüber.

Bei einer Bestandsanlage, die schon einige Jahre am Netz ist, wird der Vergütungssatz höher sein als bei einer Turnkey-Anlage, jedoch ist deren Restlaufzeit geringer. Preis- und damit renditeentscheidend ist die Bepreisung von Chancen und Risiken. Hier kommt es auf eine gute Vorbereitung der Preisverhandlungen an.

Fazit

Abschließend kann zusammengefasst werden, dass sich bei Investitionen in gewerbliche PV-Anlage, ob nun Turnkey oder als Bestandsanlage, Chancen und Risiken ergeben, die jeder Investor kennen sollte.

Die Chancen gut zu nutzen und die Risiken auch unter Zuhilfenahme von professionellen Dienstleistern zu managen, ist die Herausforderung. Renditeunterschiede sollte es nicht geben, wenn man davon ausgeht, dass etwaige Risken fair bepreist werden.

Leider wird es wohl so sein, dass das Angebot an Turnkey-Anlagen durch die Größenbegrenzungen im neuen EEG 2021 deutlich zurückgehen wird, so dass Investoren eher vor die Wahl gestellt werden, kaufe ich das, was gerade auf dem Markt verfügbar ist, statt zu entscheiden Turnkey oder Bestandsanlage.

Eine große Auswahl an solchen Angeboten finden Investoren beispielsweise auf unserem PV-Markplatz.

 

Bildquelle: Martin D. Vonka – Shutterstock

Dirk Petschick

Mitgründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Milk the Sun, Dirk ist seit 2009 in der PV-Branche aktiv. Er lebt, arbeitet und schreibt für die Energiewende.