Photovoltaik: Wie viel kostet mich die Strompreisbremse?

Photovoltaik: Wie viel kostet mich die Strompreisbremse?

Nun ist es beschlossene Sache: Um den Anstieg von Strompreisen für Haushalte und Unternehmen zu bremsen, schöpft die Deutsche Bundesregierung „Übergewinne” von Stromerzeugern ab, die von der Energiekrise profitiert haben.

Nach Monaten der Diskussion und Ungewissheit können endlich die unternehmerischen Folgen dieses Markteingriffes abgeschätzt werden. Die konkreten Bedingungen, wie Stromerzeuger zur Kasse gebeten werden, sind mit der am 25. November im Bundeskabinett beschlossenen Strompreisbremse nun weitestgehend klar. In Kraft treten soll das Gesetz noch im Dezember, sofern Bundestag und Bundesrat zustimmen.

Von hohen Gaspreisen konnten in den Monaten der Energiekrise die Betreiber von Kraftwerken preiswerter Energiequellen profitieren. Das liegt daran, dass sich in Europa der Börsenstrompreis gemäß des Merit-Order-Prinzips immer an der teuersten Stromquelle ausrichtet. Mit teurem Gas stieg der Börsenstrompreis von Gaskraftwerken massiv an. Photovoltaik ist erfreulicherweise eine der preiswerten Energiequellen und wird mit in die Pflicht genommen.

Das kommt auf PV-Betreiber zu

Wer ist betroffen?

Ab einem Megawatt installierter Leistung sind Betreibende unterschiedlicher Stromerzeugungsanlagen von der Strompreisbremse betroffen. Als Betreibende versteht das Gesetz  diverse Gesellschafter-Konstellationen und Vermarktungsverhältnisse.

Über die Photovoltaik hinaus werden ebenfalls Betreibende von Braunkohle-, Atom-, Abfall-, Mineralöl- und Windkraftwerken zur Kasse gebeten. Ausgenommen von der Gewinnabschöpfung sind Speicher, Steinkohle, Gase und leichtes Heizlöl.

Wie viel müssen PV-Betreibende bezahlen?

Diese Frage haben die Energiemarktexpert*innen von Aurora Energy Research in einer Studie beantwortet und berechnet, welcher Anteil der Einnahmen im Durchschnitt abgeschöpft wird:

  • Subventionierte Photovoltaik-Anlagen: -55 Prozent
  • Nicht-subventionierte PV-Anlagen: -36 Prozent

Diese Einnahmeverluste in den Monaten der Abschöpfungslaufzeit sind gravierend. Die Abschöpfung erfolgt ab dem 1. Dezember 2022. Sie endet frühestens am 30. Juni 2023 und spätestens am 30. April 2024. Vorab waren rückwirkende Eingriffe bis in den September oder März hinein diskutiert worden. Die Abschöpfung fällt demnach bei Altanlagen für sieben bis 18 Monate der über zwanzigjährigen Betriebszeit an.

Die langfristige Wirtschaftlichkeit und Profitabilität von Erneuerbare-Energien-Anlagen sei jedoch durch die in Deutschland geplante Abschöpfung nicht gefährdet. Laut den Berechnungen des aus der Oxford-Universität hervorgegangenen Analysehauses seien viele erneuerbare Energien aufgrund der hohen Strompreise erstmals im großen Stile ohne Subventionen rentabel. Auch mit Gewinnabschöpfung würden die Anlagen auf ihre gesamte Lebenszeit gesehen so hohe Renditen wie noch nie erwirtschaften können. Aurora wird hierbei noch etwas konkreter: So reduziere sich der interne Zinsfuß (IRR) über den gesamten Betrachtungszeitraum nur um etwa einen Prozentpunkt. Die Ergebnisse werden jedoch differenziert und eingeschränkt:

  • Besonders positiv schneiden PV-Anlagen ab, die ihren Betrieb im Januar 2022 aufgenommen oder für die zuvor durch Lieferantenverträge Materialpreise gesichert worden waren. Diese Anlagen profitieren besonders von hohen Strompreisen.
  • Neue PV-Anlagen, die im Januar 2023 in Betrieb gehen, würden es schwer haben, sich vollständig förderfrei durch Direktvermarktung am Markt zu behaupten, da sie inflationsbedingte Kostensteigerungen stemmen müssen. Bestätigt hat diese Einschätzung eine Umfrage unter den Mitgliedern des Bundesverbandes für Solarwirtschaft, bei der 45 Prozent der befragten Unternehmen mit einer Unwirtschaftlichkeit förderfreier PV-Projekte rechnen.

Was bedeutet das jetzt für mich?

Den konkreten Betrag, den der Staat von Ihnen fordert, müssen Sie selbst ausrechnen. Es bleibt zu hoffen, dass hierfür noch einfache Hilfestellungen bereitgestellt werden.

In Deutschland wird mehr abgeschöpft, als die EU im Oktober mit ihrer „EU-Notfall-Strom-Verordnung” vorgegeben hatte. In der Bundesrepublik sollen unterschiedliche „technologiespezifische Erlösobergrenzen” gelten. Diese werden dann um einen Sicherheitszuschlag erweitert. Die Summe aus Erlösobergrenze +  Sicherheitszuschlag können Sie behalten. Darüber hinausgehende Überschusserlöse müssen Sie zu 90 Prozent abführen.

Bei der Photovoltaik orientiert sich die Erlösobergrenze an der Förderhöhe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Zur EEG-Förderhöhe kommt ein Sicherheitszuschlag, der in de  n meisten Fällen 3 Cent beträgt.

Wie wird die Gewinnabschöpfung abgewickelt?

Anlagenbetreibende müssen sich für die Abschöpfung selbst veranlagen . Kontrolliert wird die Veranlagung von der Bundesnetzagentur. Falschangaben werden mit scharfen Straf- und Bußgeldbestimmungen quittiert, weshalb eine   erwogen werden kann. Gezahlt werden müssen die Abschöpfungsbeträge monatlich. Die erste Zahlung fällt nach fünf Monaten an.

Keyfacts Gewinnabschöpfung:

  • Förderhöhe: Herangezogen wird stets die zum Netzanschluss der PV-Anlage maßgebliche EEG-Fassung.
  • Überschusserlöse werden an Spotmarktpreisen oder dem Monatsmarktwert für Solar gemessen. PPAs und Absicherungsgeschäfte am Terminmarkt können berücksichtigt werden.
  • Marktprämie: anzulegender Wert x Strommenge + 3 Ct./kWh
  • Sonstige Direktvermarktung: anzulegender Wert x Strommenge + 3 Ct./kWh oder Strommenge x 10 + 3 Ct/kWh, wenn kein anzulegender Wert bestimmt oder bestimmbar ist.
  • Post EEG-Anlage: Sucherheitszuschlag entfällt.

Ist die Strompreisbremse eine Energiewendebremse?

Den Analysten von Aurora-Energy zufolge hat die monatelange Diskussion über die Gewinnabschöpfung die am Markt teilnehmenden PV-Unternehmen gehörig verunsichert. Der Gesetzgeber habe für einen Vertrauensverlust gesorgt. Zudem steht die Dauer der Maßnahme und damit die konkrete Belastung in den Sternen, was in der Natur der Sache liegt, da niemand absehen kann, wie lang sich die Energiekrise hinziehen wird. In dieser Gemengelage verunsichern zudem Pläne der EU-Kommission für eine grundlegende Reform des Strommarktdesigns im Jahr 2023. Auch die Material- und Finanzierungskosten von PV-Anlagen sind gestiegen. Aus diesen Gründen könnten Investoren das Risiko von Photovoltaik-Assets negativer einschätzen.

Folgerichtig wird die Energiewende durch die Strompreisbremse gebremst, was widersinnig ist, da eben genau erneuerbare Energien die Strompreise langfristig stabilisieren und senken können – ein Dilemma. Denn grundsätzlich ist Solidarität mit privaten und unternehmerischen Stromkunden angebracht, auch wenn sich über dessen Ausgestaltung vortrefflich streiten lässt.

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