Jahresausblick Photovoltaik-Markt 2021 von  Milk the Sun

Jahresausblick Photovoltaik-Markt 2021 von Milk the Sun

An jedem Neujahrstag bekommt jeder von uns eine Menge Neujahrsgrüße mit den Besten Wünschen für Gesundheit, Glück, Erfolg usw.

An einen Neujahrsgruß kann ich mich jedoch doch ganz besonders erinnern: “Heute ist ein ganz besonderes Neujahr: Die bis 2000 ins EEG gekommenen Anlagen fallen aus der Förderung und machen ab heut den Strom billiger, in vielen Schritten – wirklich historisch und mal sehen, ob das nicht ein gutes Omen für 2021 ist.”

Geschrieben hat diese Nachricht Karl-Heinz Remmers, Vorstand der Solarpraxis AG und Urgestein der deutschen PV-Branche. Und tatsächlich ist das bei allen Veränderungen der letzten Jahre wohl die größte Herausforderung, aber auch Chance, vor der die PV-Branche aktuell steht.

Jeder Ausblick beginnt mit einem Rückblick

Wer hätte Anfang 2020, als die „Fridays for Future“- Bewegung lautstark für den Klimawandel unterwegs war, gedacht, dass wir im Januar 2021 verkünden können, dass Deutschland seine Klimaziel 2020 übererfüllen konnte?

Sicher niemand, denn wenn man bedenkt, wie lange die Politik darum gerungen hat, den 52 Gigawattdeckel der PV-Branche zu streichen und das neue EEG auf den Weg zu bringen, dann waren das immer Aktionen „fünf vor zwölf“, die sehr viel Unsicherheit bei den Marktakteuren im Solarbereich verursacht haben und damit den Ausbau der erneuerbaren Energien eher gebremst statt beflügelt haben.

Und dann überrollte uns ab März noch das Corona-Virus. Wir alle mussten unser Leben teilweise anpassen, uns einschränken und waren gezwungen neue Wege zu gehen.

So hart das coronabedingte Herunterfahren des Lebens und der Wirtschaft viele Branche getroffen hat, so blieben doch die Betreiber von PV-Anlagen, die wieder durch reichlich Sonne und staatlich garantierten Einspeisevergütungen abgesichert waren, von den unmittelbaren Folgen verschont.

Das Schlimmste, was einem PV-Anlagenbetreiber aufgrund der Pandemie passieren konnte war, dass sich Reinigungs- und Inspektions- bzw. Reparaturtermine auf der Anlage aufgrund der Reisebeschränkungen verschoben haben.

Schneller Liquiditätsbedarf sorgte für einen erhöhten Bestandsanlagenhandel

Und dennoch hat sich die Zahl derer erhöht, die im Jahr 2020 schnell handeln mussten und je nach eigener Situation Ihre Investitionsstrukturen und Anlageportfolien prüfen, sich besser aufstellen und ggf. auch de-investieren mussten, um Einbußen aus dem eigentlichen Hauptgeschäft zu kompensieren.

Genau hier konnte Milk the Sun seine Stärke für Verkäufer von PV-Bestandsanlagen voll ausspielen und diese unterstützen. Durch die automatisierten transparenten Prozesse und die große Anzahl an Investoren konnten die Umschlagsgeschwindigkeit, also die Zeit zwischen Veröffentlichung des Inserats bis zum Abschluss der Transaktion weiter reduziert werden.

Flankieren und Beschleunigen konnte wir die Prozesse durch das Zusammenspiel von erfahrenen Partnern im Bereich Legal, technischer Abnahme und Finanzierungen. Wir konnten das Angebot sowohl für Käufer als auch Verkäufer durch alle relevanten Dienstleistungen komplettieren und sehr gute Pakete anbieten, die auch funktionieren.

Politische Unsicherheiten als Garant für einen volatilen Markt von Projektrechten und Turn-Key-Anlagen

Man könnte sagen – Alle Jahre wieder – das gleiche Spiel. Der Wille neue gewerbliche Bestandsanlagen zu bauen ist ungebrochen da und die Nachfrage nach solchen Investments wächst stetig. Auch das wirtschaftliche Parameter stimmen.

Die sukzessiven sinkenden Vergütungen für den erzeugten Strom stehen weiterhin in einem ausgewogenen Verhältnis zu den Preisen für den Bau bzw. die Anschaffung einer gewerblichen PV-Anlage und deren laufenden Kosten, die Finanzierungkosten sind weiterhin historisch tief, sodass Investoren immer noch auskömmliche Renditen erzielen können.

Und doch bremste mal wieder die Politik, weil sie die Marktakteure viel zu lange in der Ungewissheit ließ; war es nun die Streichung des 52 GW-Deckels, die Mitte des Jahres zu einem Investitionsstopp führte oder aber die Ungewissheit zur Ausgestaltung des neuen EEG zum Ende des Jahres.

Natürlich soll hier auch nicht vergessen werden, dass Lieferengpässe aus Fernost im Frühjahr zu einer Verknappung von Modulen führten, was so manches Bauvorhaben verzögert hat.

Abbauanlagen lagen weiter voll im Trend

Auch im Jahr 2020 setzte sich der Trend zum Handel von Abbauanlagen auf unserer Plattform weiter fort. Immer mehr in der Vergütung befindliche PV-Anlage mussten aus diversen Gründen ihren bisherigen Standort verlassen und suchten ein neues Dach bzw. eine geeignete Freifläche.

Das dieser Markt inzwischen so gut funktioniert liegt vor allem daran, dass sich eine ganze Reihe an Investoren auf dieses Segment spezialisiert hat und nun auch ausreichend Erfahrungen zu Preisen, aber vor allem mit den administrativen Herausforderungen vorhanden sind.

Wissen ist Macht

Im achten Jahr unserer Firmengeschichte haben wir unseren gebündelten Markterfahrungen aus tausenden Transaktionen und tausenden gewerblichen PV-Anlagen auf unserer Plattform einen eigenen Online-Wissensbereich gewidmet.

Hier finden nicht nur Neueinsteiger, sondern auch „alte PV-Hasen“ eine Reihe von Studien, Leitfäden und laufend neuen Blog-Beiträgen Rund um die Investition und den Betrieb in gewerbliche PV-Anlagen.

Neben unseres Investitionsleitfadens und unserer Reinigungsstudie haben wir im Juli unseren Betreiberleitfaden veröffentlicht. Im Dezember folgte unsere erste Marktpreisstudie, die die Entwicklung von Marktpreisen für Projektrechte, Turnkey-Anlagen sowie laufenden PV-Anlagen, die über unseren Marktplatz in den letzten Jahren gehandelt wurden, abbildet.

Ergänzend zu unserem weiterhin kostenlosen Verkaufswertrechner haben wir unseren Renditebericht weiter optimiert und hier eine sehr kompakte Wertermittlung für gewerbliche PV-Anlagen und PV-Projekte geschaffen.

Was ist neu in 2021?

Kurz vor Jahresende wurde das neue EEG 2021 verabschiedet. Das sorgt dafür, dass die Branche wieder Planungssicherheit bekommen hat. Jedoch sind die neuen Regelungen zu den PV-Dachanlagen >300 KWp alles andere als marktkonform.

Wie immer, wenn etwas kurz vor Jahresschluss durch die Entscheidungsgremien gepeitscht werden muss, gehen die politischen Kompromisse immer zu Lasten des Marktes. Es wurden Nachbesserungen für 2021 avisiert, die dazu beitragen sollen, das Erreichen der ambitionierten europäischen Ausbauziele für erneuerbare Energie zu sichern.

Bleiben wir optimistisch und kämpfen wir gemeinsam dafür, dass die Politik trotz der Herausforderungen zur Bewältigung der Coronapandemie und den anstehenden Wahlen auf Landes – und Bundesebene Ihre Hausaufgaben in Sachen Klimapolitik macht.

Entwicklung Handel mit Bestandsanlagen

Nach unserer Einschätzung werden wir in 2021 eine deutliche Zunahme in diesem Bereich sehen. Was in 2020 coronabedingt begonnen hat, wird sich im Jahr 2021 deutlich fortsetzen. In vielen Branchen wird die Sicherung der Liquidität das Thema, was über das Überleben oder Scheitern von Unternehmen, entscheidet.

Eine Reihe von Unternehmern und Freiberuflern, die als Vermögensanlage in PV-Anlagen investiert haben, werden sich von diesem nicht betriebsnotwendigen Assets trennen, um ihr Kerngeschäft zu stabilisieren.

Notgedrungen werden sich viele Betreiber mit einem aktive Portfoliomanagement befassen müssen, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Hierbei bieten unseren Bewertungstools professionelle Unterstützung.

Voraussichtlich werden wir auch eine Zunahme von Insolvenzen in 2021 sehen, in deren Insolvenzmassen auch PV-Anlagen neue Investoren suchen.

Entwicklung Neubau von gewerblichen PV-Anlagen

Bedingt durch die aktuellen Regelungen im neuen EEG gehen wir davon aus, dass es hier einen deutlichen Rückgang im Bereich der Anlagen >300 KWp geben wird, da im Bereich des Eigenverbrauchs sicher eine Vielzahl von technisch möglichen Dächern keine entsprechenden Abnehmer für den erzeugten Strom finden werden. Auch ist noch nicht klar, wie sich die finanzierenden Banken hier positionieren werden.

Ob die Option der Ausschreibung in diesem Segment wirtschaftlich ist, bleibt abzuwarten. Wohin sich der Markt entwickeln wird, werden wir gespannt verfolgen.

Der Bereich < 300 KWp wird aus unserer Sicht ebenfalls schwieriger, da sich bei den aktuellen Vergütungen nur noch optimale Neubauvorhaben lohnen.

Optimistisch bewerten wir den Neubau von großen Freiflächen-PV-Anlagen. Hier erwarten wir, dass eine zunehmende Anzahl von Projektrechten in diesem Jahr auf den Markt kommen wird, da neben der reinen Ausschreibung auch das Thema direkte Stromvermarktung über PPAs immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Bereits im vergangenen Jahr haben uns Gespräche mit Projektentwicklern, die vormals im Dachbereich unterwegs waren, gezeigt, dass diese nun mit der Entwicklung von Freiflächenanlagen beschäftigt sind. Diese Entwicklungen benötigen jedoch eine deutlich längere Vorlaufzeit, da die Genehmigungsprozesse deutlich komplexer und langlebiger sind.

Entwicklung Abbau- /Umzugsanlagen

Hier erwarten wir eine weitere Zunahme des Geschäfts, da wir hier der Theorie folgen, dass je mehr PV-Anlage installiert sind und je älter diese werden, desto größer ist der Anteil derer, die aus technischen, wirtschaftlichen oder einfach zwischenmenschlichen Problemen von der ursprünglichen Fläche umziehen müssen.

Da die administrativen Verfahren und die zu kalkulierenden Kosten bekannt sind, sind die Entscheidungsbarrieren auch deutlich geringer. Nicht zu vergessen ist, dass der Umzug und/oder ein Repowering ein guter Mix zur Renditeoptimierung sein kann.

Angebot rund um den Betrieb und die Transaktion

Wie schon in den vergangenen Jahren werden wir unser Angebot für Investoren und Betreiber hinsichtlich Serviceleistungen weiter ausbauen. Ziel ist es mit unseren transaktionsbegleitenden Dienstleistungen, wie Due Diligence, technische Abnahme, Gutachtenerstellung und Finanzierung dafür zu sorgen, dass jede Transaktion schnell, sicher und zu fairen Konditionen abgewickelt werden kann.

Bei den Services für Betreiber ist es unser Ziel, kuratierte Angebote für alle Themen rund um den Betreib von gewerblichen PV-Anlagen aus einer Hand zur Verfügung zu stellen.

Zu unserem Service zählen wir auch den weiteren Ausbau unseres Wissen-Bereichs. Diesen werden wir auch im Jahr 2021 mit wichtigen Studien, wie beispielsweise der Fortführung unserer soeben erschienen Marktpreisstudie mit Einsichten aus den Transaktionen der letzten Jahre und Leitfäden, die sich als Standards in der Industrie etablieren, wie beispielsweise unseren Investitionsleitfaden, befüllen, um noch mehr Menschen den Weg zu einem Investment in Photovoltaik einfach zu ermöglichen.

Abschließend komme ich noch einmal auf den Eingangs erwähnten Neujahrsgruß von Kalle Remmers zurück. Wir werden genau beobachten, wie sich der Markt für die aus der Förderung kommenden PV-Anlagen entwickelt und welche Geschäftsmodelle sich für die Vermarktung des Stroms aus diesen Anlagen durchsetzen werden.

Noch ist deren Anzahl vergleichsweise gering, aber es werden in den kommenden Jahren schnell immer mehr und größere PV-Anlagen folgen. Ob dies bereits ein gutes Omen für 2021 ist, bleibt abzuwarten.

Ich bin optimistisch und hoffe, dass 2021 vernünftige politische Weichen gestellt werden und wir Ende 2021 wieder sagen können: „Deutschland hat seine Klimaziele erreicht“ – auch ohne die unkalkulierbaren Einflüsse von Corona.

Dirk Petschick

Mitgründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Milk the Sun, Dirk ist seit 2009 in der PV-Branche aktiv. Er lebt, arbeitet und schreibt für die Energiewende.