Interview mit Prof. Dr. Stefan Krauter: „Man müsste nur dem Endverbraucher Zugang zur Strombörse verschaffen“

Prof. Dr. Stefan Krauter ist Professor und Lehrstuhlinhaber für Nachhaltige Energiekonzepte an der Universität Paderborn. Er ist Spezialist auf dem Gebiet der Photovoltaik und war 2006 Mitbegründer des Photovoltaik-Instituts Berlin (PI-Berlin),  wo er als Vorstandsmitglied tätig ist. Krauter ist zudem sehr auf dem lateinamerikanischen aktiv, gründete in Brasilien ein PV-Unternehmen, ist auf zahlreichen Messen aktiv und war sieben Jahre lang Gastprofessor an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro. Milk the Sun sprach mit ihm über aktuelle Entwicklungen und Zukunft der Photovoltaik sowie die aktuelle politische Situation in Deutschland rund um die Erneuerbaren.

Prof. Dr. Stefan Krauter: "Es werden astronomische Preise angesetzt, um die Energiewende "unrealisierbar" zu machen"

Milk the Sun: Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Krauter, Sie sind Vorstandsmitglied des PI-Berlin. Was macht das PI-Berlin, was sind die Aufgaben?

Krauter: Das PI-Berlin prüft PV-Module und PV-Systeme auf Qualität und Performance. Ich bin für die wissenschaftliche Zusammenarbeit, PR und Marketing zuständig.

Milk the Sun: Photovoltaik-Module werden zwar immer effizienter, dennoch ist die Solarenergie vergleichen mit anderen Formen der Stromgewinnung relativ ineffizient. Gibt es Hoffnung, dass die Photovoltaik einen deutlichen Schritt nach vorne macht – Stichwort Wirkungsgrad?

Krauter: Wichtig sind die Kosten pro erzeugter kWh, da gab es erhebliche Fortschritte: Wir können jetzt in Deutschland Solarstrom zu einem Preis anbieten für den wir noch für 2 Jahren in die Sahara gehen mussten. Der Wirkungsgrad spielt nur insofern eine Rolle, als dass man die Fläche für ein PV-Kraftwerk reduzieren könnte, wenn der Wirkungsgrad zunimmt (was auch geschah, wenn auch nicht bei Weitem in der Größenordnung wie der Preis abnahm)

Milk the Sun: Der Lateinamerikanische Markt gewinnt in Europa in den letzten Monaten vermehrt an Bedeutung. Sie sind dort jedoch schon seit vielen Jahren aktiv. Viele Südamerikanische Länder haben einen sehr hohen Anteil Erneuerbarer Energien. Was kann Deutschland von Ländern wie Brasilien in Sachen Erneuerbarer/ Photovoltaik lernen?

Krauter: Brasilien hat über 70% Wasserkraft, die restlichen 30% könnte Brasilien sofort mit PV oder Wind bewerkstelligen, da die Speicherkapazitäten der Stauseen enorm sind und zudem der Verbrauch mit der Sonneneinstrahlung einher geht. Das neue Einspeisegesetz beruht auf Net-Metering, d.h. das Preisverhältnis von eingespeistem und bezogenen Strom ist stets 1:1, damit ist auch ein Inflationsausgleich eingebaut, der im deutschen EEG fehlt.

Milk the Sun: Der deutsche Bundesumweltminister Peter Altmaier bezifferte die möglichen Kosten der Energiewende in Deutschland auf bis zu eine Billion Euro. Was sagen Sie dazu?

Krauter: Diese Zahl ist aus der Luft gegriffen: 1. der Netzausbau ist völlig überteuert – es gibt Gegenstudien z.B. von Jarass, die auf viel niedrige Werte kommen. 2. Durch dezentrale Strukturen lässt sich die Energiewende zu einem Bruchteil des Preises realisieren, dann würden allerdings die bisherigen Oligopole stark an Macht verlieren. Deswegen werden astronomische Preise angesetzt um die Energiewende „unrealisierbar“ zu machen.

Milk the Sun: Neben der Eine-Billion-Aussage von Altmaier stieß auch der  „Strompreisbremse“ genannte Vorschlag von Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Rösler auf wenig Gegenliebe bei Unterstützern der Energiewende. Was halten Sie von dem Vorschlag?

Krauter: Fast die Hälfte der EEG-Umlage sind nicht für die Erneuerbaren, sondern sind Ausgleichzahlungen um den Oligopolen entgangen Gewinn zurückzuzahlen, die durch den STROMPREISVERFALL DURCH ERNEUERBARE an den Energiebörsen entstanden sind. D.h. die Erneuerbaren reduzieren die Preise an Strombörse, man müsste nur dem Endverbraucher Zugang zur Strombörse verschaffen.

Milk the Sun: Welche Möglichkeiten sehen Sie, wie man dem steigenden Strompreis entgegen wirken kann, ohne den Ausbau Erneuerbarer zu gefährden?

Krauter: Offener & fairer Markt: 1. Eigenstromverbrauch (eigener Strom für 0,19 €/kWh statt 0,26 €/kWh von den Energiekonzernen) . 2. Öffentlicher Zugang zur Strombörse um überflüssigen Strom zu verkaufen oder bei Überproduktion günstig einzukaufen (teilweise liegt der Strompreis bei 0,00 €/kWh).

Milk the Sun: Als Professor an diversen Universitäten arbeiten Sie viel mit jungen Menschen. Lassen sich generelle Unterschiede in den Ansichten von jüngeren und älteren Menschen feststellen bezüglich der Energiewende und  einer nachhaltigen Energieversorgung in der Zukunft?

Krauter: Würde ich nicht am Alter festmachen Ich glaube, dass viele ältere Menschen der Energiewende sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und vorhandene Strukturen in Frage stellen.

Milk the Sun: Welche Hoffnung setzen Sie in die heutigen Studenten im Bereich der Nachhaltigen Energiekonzepte?

Krauter: Dass sie die Herausforderung „Energiewende“ ernst nehmen und ihre Zukunft darin sehen.

Wir bedanken uns bei Herrn Prof. Dr. Krauter für das Gespräch.

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