Zusätzlicher finanzieller Spielraum als Katalysator für einen beschleunigten PV-Zubau

Zusätzlicher finanzieller Spielraum als Katalysator für einen beschleunigten PV-Zubau

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ könnte man meinen, wenn man sich die Entscheidungssituationen Jahr für Jahr in der PV-Branche anschaut. Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen für den notwendigen Zubau von PV-Anlagen in Deutschland wirklich gut.

Es herrscht eine große Nachfrage nach PV-Anlagen und eine hohe Akzeptanz für PV-Projekte in der Bevölkerung, die Preise und die Verfügbarkeit von Photovoltaik-Komponenten sind in Ordnung und auch die Finanzierungszinsen sind weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau, so dass auch mit den weiter reduzierten Einspeisetarifen die Realisierung von gewerblichen PV-Projekten möglich ist.

Politische Untätigkeit sorgt aktuell wieder für Unsicherheit

In diesem Jahr ist es das Erreichen des 52-Gigawatt-Deckel für Photovoltaik, das wie ein Damoklesschwert über der PV-Branche schwebt. Trotz vieler Lippenbekenntnissen seitens der Politik ist noch kein Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der die Branche vor dem plötzlichen totalen Förder-Aus und dem daraus resultierenden abrupten Stillstand bewahrt.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Zeitpunkt des Erreichens des Deckels nicht genau vorhergesagt werden kann. Es gibt eine Reihe von Experten, die meinen, dass es schon im Frühjahr soweit sein wird.  So lange die Abschaffung des Deckels nicht beschlossen wurde oder zumindest ein genauer Zeitpunkt seitens der Politik definiert wurde, so lange herrscht Unsicherheit – das Gift für jede Investitionsentscheidung.

Was also tun mit seiner Projektpipeline, die man mühsam akquiriert hat und in die auch bereits erheblichen Ressourcen an Zeit und Geld investiert wurden?

Liquidität als limitierender Faktor

Wenn man davon ausgeht, dass genügend Flächen, genügend Komponenten und genügend Montagekapazitäten zur Verfügung stehen und auch das Wetter in den Winter – und Frühjahrsmonaten mitspielt, ist oftmals die Liquidität der größte limitierende Faktor.

Bekanntermaßen ist die Liquiditätsdecke vieler kleiner und mittelgroßer EPC eher gering, da die Margen in der Photovoltaik schon lange nicht mehr so üppig sind und auch viel Kapital im Eigenbestand an PV-Anlagen gebunden ist.

Möchte man nun die Umsetzungsgeschwindigkeit seiner PV-Projekte schnell erhöhen, muss Liquidität für Material und Lohn kurzfristig beschafft werden.

Drei Wege zur Liquiditätsbeschaffung

Welche drei Wege zur Liquiditätsbeschaffung es beispielsweise gibt, zeigen wir nachfolgend auf:

 1. Die klassische Bankfinanzierung

Der wohl bekannteste Weg sich die nötige Liquidität zu beschaffen, ist neben den Lieferantenkrediten die klassische Bankenfinanzierung. Ob man sich über die Finanzierung der zukünftigen Projekte der Projektpipeline oder aber über die Nachfinanzierung des Eigenbestandes an PV-Anlagen das nötige Kapital beschafft, ist vom Aufwand her vergleichbar. Die Regeln und Konditionen sogenannter Projektfinanzierungen (Non-Recourse-Finanzierung) sind bei den auf Photovoltaik spezialisierten Banken hinreichend bekannt.

Problematisch bei der klassischen Bankfinanzierung sind die oftmals sehr langen Bearbeitungszeiten aufgrund hoher Auslastung der Banken und die Möglichkeit, dass die Banken die Finanzierung von Neubauprojekten vor dem Hintergrund des Risikos des Erreichens des 52-Gigawatt-Deckels aussetzen, wenn keine rechtzeitige Gesetzesänderung abzusehen ist.

2. Mezzanines Kapital

Unter Umständen ist es möglich, bei einer bereits vorhandenen Projektfinanzierung nachträglich einen Teil des gebundenen Eigenkapitals durch mezzanines Kapital zu ersetzen. Diese Finanzierungsform kann dann interessant sein, wenn ein Projektentwickler oder EPC, der selbst PV-Anlagen betreibt, Liquidität benötigt, um schneller neue Projekte realisieren zu können, dieses jedoch als Eigenkapital in Projektfinanzierungen gebunden ist.

Ob und wie das Mezzanine Kapital dann vertraglich ausgestaltet wird und von wem dieses zur Verfügung gestellt wird, hängt sehr stark vom benötigten Volumen und dem zu finanzierenden Projekt ab.

3. Verkauf von Projektrechten und Eigenbestandsanlagen

Als dritter Weg der schnellen Liquiditätsbeschaffung kommt auch der Verkauf von eigenen Projektrechten oder PV-Anlagen aus dem Eigenbestand in Frage.

Dieser Weg ist oftmals der, welcher nur ungern bestritten wird, weil man sich von einem Vermögenswert trennen muss. Betriebswirtschaftlich sinnvoll ist dieser Weg aber immer dann, wenn durch den Einsatz der freien Liquidität (Neubau weiterer Projekte) einen höheren Ertrag erwirtschaften werden kann, als durch den Betrieb der PV-Anlage.

Als erstes Mittel sollte man sich von Projektrechten trennen, die in der Liste der zu realisierenden Projekte weit hinten stehen. Da immer eine Nachfrage nach Projektrechten auf dem Markt besteht, ist deren Liquidierung meist sehr einfach und schnell zu realisieren.

Ansonsten sollte man sich eher von älteren PV-Anlagen trennen, da hier die größte Chance besteht, stille Reserven im Eigenkapital zu heben. Diese stillen Reserven ergeben sich aus den aktuell deutlich niedrigeren Renditeerwartung von Investoren im Vergleich zu den Renditeerwartungen aus der Vergangenheit. Um das mögliche Potential schnell einschätzen zu können, empfiehlt sich eine Verkaufswertermittlung zu aktuellen Renditeerwartungen: unsere Photovoltaik-Rechner.

Aufgrund gut funktionierender Online PV-Marktplätze ist ein Verkauf von Projektrechten und laufender PV-Anlagen zu optimalen Konditionen sehr schnell und unkompliziert möglich.

Fazit

Zusätzlicher finanzieller Spielraum durch freie Liquidität hilft, schneller und damit rechtzeitig neue PV-Projekte umzusetzen. Welche der drei aufgeführten Möglichkeiten zur Liquiditätsbeschaffung einzeln oder auch in Kombination genutzt werden können, ist sehr individuell von der Situation des Projektentwicklers oder EPCs abhängig. Nicht zu vernachlässigen ist die zeitliche Komponente bis zum Erreichen des Deckels und die eigene Erwartung in die Politik.

Sehr gerne beraten unsere Experten Sie zu den drei aufgeführten Möglichkeiten zur Liquiditätsbeschaffung und unterstützen Sie bei der Realisierung Ihrer Vorhaben.

Finanzierungsanfrage

Dirk Petschick

Mitgründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Milk the Sun, Dirk ist seit 2009 in der PV-Branche aktiv. Er lebt, arbeitet und schreibt für die Energiewende.