Finanzierungsinstrument Mezzanines Kapital

Finanzierungsinstrument Mezzanines Kapital

Immer wieder stehen Photovoltaikinvestoren vor dem Dilemma, dass der geplanten Eigenkapitaleinsatz nicht zur Darlehenssumme passt, die die Banken bereit sind, im Rahmen einer Projektfinanzierung zur Verfügung zu stellen.

Auch wenn Banken nicht oder nur mit erheblichen Verzögerungen Darlehen zur Verfügung stellen, kann es hilfreich sein, auf alternative Finanzierungsformen zurückgreifen zu können. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Begriff des mezzaninen Kapitals.

Philipp Liesenfeld, Leiter Business Development bei der Firma wiwin GmbH & Co KG, hat uns das Thema mezzanines Kapital erläutert.

1. Was ist Mezzanines Kapital und wie unterscheidet es sich von klassischen Darlehen?

Unter mezzaninem Kapital versteht man Kapitalformen, die Mischung aus Eigen- und Fremdkapitalfunktionen darstellen. Je nach Ausgestaltung und gewähltem Finanzinstrument kann mezzanines Kapital eher eigenkapital- oder eher fremdkapitalähnlich sein.

Wenn man eine Abgrenzung vom klassischen Darlehen, also dem in Projektfinanzierungen üblicherweise eingesetzten Fremdkapital der Bank, vornehmen möchte, ist insbesondere der Aspekt der Nachrangigkeit ein zentrales Unterscheidungsmerkmal. Banken finanzieren in der Regel nur, wenn sie im Rang vor allen anderen Kapitalgebern stehen, also insbesondere im Verwertungsfall vorrangig bedient werden. Im Gegenzug bietet die Bank die günstigsten Finanzierungsbedingungen an. Mezzanines Kapital ist häufig qualifiziert nachrangig ausgestaltet. Das bedeutet, dass Zahlungen (Zinsen oder Tilgungen) dann ausgesetzt werden können, wenn sie zu einer Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft führen würden. Meist werden die Zahlungen allerdings nur gestundet, d.h. sie müssen bei einer zukünftigen Verbesserung der Geschäftslage nachgeholt werden. Die Geber von mezzaninem Kapital übernehmen also ein höheres Risiko, welches zwischen dem der Bank und dem der Eigenkapitalgeber liegt. Für dieses höhere Risiko erwarten sie natürlich auch eine Verzinsung, die über der von echtem Fremdkapital liegt.

2. Welche Arten sind die gängigsten?

Grundsätzlich kann man zwei Kategorien von mezzaninen Finanzinstrumenten unterscheiden: Die Vermögensanlagen und die Wertpapiere. Bei den Vermögensanlagen sind Nachrangdarlehen, partiarische Darlehen (also primär auf Erfolgsbeteiligungen als Vergütung basierende Darlehen) und Genussrechte sehr gängige Formen. Bei den Wertpapieren sind es Anleihen (auch Inhaberschuldverschreibungen genannt) oder Genussscheine. Wertpapiere sind depot-verwahrte Instrumente, die mit einer Wertpapierkennnummer ausgestattet sind. Sie sind nicht zwingend an einer Börse handelbar.

3. Wann macht es Sinn, auf mezzanines Kapital im PV-Bereich zurückzugreifen?

Aufgrund der Möglichkeit der nachrangigen Ausgestaltung akzeptieren Banken mezzanines Kapital in der Regel als wirtschaftliches Eigenkapital. Wenn ein Projektinhaber also eine Projektfinanzierung strukturieren möchte und ihm das Eigenkapital fehlt, um die optimalen Fremdkapital-Konditionen zu erreichen, so kann durch die Einbringung von mezzaninem Kapital eine Finanzierungsstruktur insgesamt optimiert werden.

Es ist auch möglich, bei einer bereits vorhandenen Projektfinanzierung nachträglich einen Teil des gebundenen Eigenkapitals durch mezzanines Kapital zu ersetzen. Dies kann dann interessant sein, wenn ein Projektentwickler, der selbst PV-Anlagen betreibt, Eigenkapital benötigt, um schneller neue Projekte realisieren zu können, sein Eigenkapital aktuell aber in Projektfinanzierungen gebunden ist.

Für unternehmerische Aktivitäten wie Bau-Finanzierungen oder Projektentwicklungs-Finanzierungen geben Banken sehr selten in großem Umfang Darlehen. Auch hier kann der Einsatz mezzaninen Kapitals sinnvoll sein.

Bei allen Anwendungsmöglichkeiten ist es den Kapitalgebern wichtig, dass auch ein gewisser Anteil an echtem Eigenkapital in der Projekt- oder Unternehmensfinanzierung zum Einsatz kommt.

4. Wie kommt man an mezzanines Kapital?

Es gibt Finanzdienstleister, die Projektinhabern und Unternehmen helfen, die jeweils zum konkreten Vorhaben passenden mezzaninen Finanzinstrumente auszuwählen und zu strukturieren. Hierbei muss auch auf Einhaltung des entsprechenden kapitalmarktrechtlichen Aufsichtsrahmens geachtet werden.

Zusätzlich gibt es Dienstleister, die Investoren vermitteln, die sich für die Kapitalanlage über mezzanine Instrumente interessieren und dem Projektinhaber oder Unternehmen helfen können, das entsprechende Kapital auch einzuwerben.

WIWIN unterstützt sowohl bei der Organisation des Finanzinstruments als auch bei der Einwerbung des Kapitals.

5. Welchen gesetzlichen Bestimmungen und Regulierungen unterliegt das Mezzaninkapital?

Der Finanzmarkt in Deutschland ist grundsätzlich ein umfangreich regulierter Markt. Hierbei sind viele verschiedene Gesetze maßgeblich. Insbesondere beim öffentlichen Angebot von Kapitalanlageprodukten zählen das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), das Vermögensanlagegesetz (VerAnlG), das Wertpapierhandels- und Wertpapierprospektgesetz (WpHG, WpPG) sowie das Kleinanlegerschutzgesetz (KlASG) zu den einschlägigen Gesetzen. Die relevante Aufsichtsbehörde ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Mit den richtigen Dienstleistern ist es möglich, sich in dem regulatorischen Rahmen zurechtzufinden und mezzanine Finanzinstrumente professionell aufzusetzen.


Über WIWIN

WIWIN, die Online-Plattform für nachhaltiges Investieren, vermittelt Kapitalanlagen in den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltige Startups und energieeffiziente Immobilien. WIWIN wurde 2011 von Matthias Willenbacher mit dem Ziel gegründet, private Anleger stärker an der Energiewende zu beteiligen. Das Unternehmen entstand als Schwestergesellschaft der juwi AG, einem seit fast 25 Jahren tätigen Projektentwickler für erneuerbare Energien. Mehr als 5.000 Anleger haben über die Online-Plattform WIWIN bereits über 55 Millionen Euro in nachhaltige Projekte investiert. Alle abgeschlossenen Projekte sind erfolgreich verlaufen, mehr als 48 Millionen Euro wurden in Form von Zinsen und Tilgung bereits an die Anleger zurückgezahlt.