Vorzeige Photovoltaikunternehmen Conergy ist Pleite

Nach langjährigem Kampf mit einem angekratztem Image, negativen Bilanzen und einem prekärer werdenen Markt hat der ehemalige Vorreiter der Photovoltaikbranche in Deutschland, Conergy, an diesem Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Auch die nationalen Tochterunternehmen werden in Kürze ihre Insolvenzanträge stellen. Deutschlandweit wären 1.200 Mitarbeiter von einer Pleite des Unternehmens betroffen.

Am heutigen Freitagmorgen reichte das Photovoltaikunternehmen Conergy Insolvenz ein. iStockphoto.com©BanksPhotos

An diesem Freitag reichte das Photovoltaikunternehmen Conergy seinen Antrag auf ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Hamburg ein. Über mehrere Jahre hinweg hatte der Branchenvorreiter mit schlechten Bilanzen, einem angekratzten Image und einer nicht zu übersehenden Verschuldung zu kämpfen. Von Firmenseite wird die Verantwortung für die nun eingetretene Insolvenz bei einer Zahlungsverzögerung im Zusammenhang mit einem Großprojekt gesucht, doch dies ist, verschiedenen Medienberichten zufolge, nicht die einzige Begründung.

Noch Anfang Mai berichtete Reuters, dass ein asiatischer Investor für das strauchelnde Photovoltaik-Unternehmen gefunden sei, der sich mit 50 Millionen Euro an Conergy beteiligen würde. In diesem Fall hätte der Investor knapp 30% der Conergyaktien erworben. Deren Wert war in den letzten fünf Jahren um fast 99% gefallen. Im Zusammenhang mit diesem potentiellen Investor hätte das Bankenkonsortium um die Commerzbank, dass Conergy finanziert, auf Teile seiner Verbindlichkeiten in Höhe von 261,5 Millionen Euro verzichten sollen. Die Mehrheit an Conergy halten derzeit verschiedene Hedgfonds, die vor zwei Jahren nach einem Kapital- und Schuldenschnitt in das Unternehmen einstiegen. Das Bankenkonsortium gab allerdings keine Bewilligung des kurzfristigen Einstiegs jenes strategischen Investors, obwohl, Firmenangaben zufolge, neun von zehn kreditgebenden Banken ihre grundsätzliche Zustimmung signalisiert hätten.

Der letztjährige Umsatz von Conergy belief sich auf 473,5 Millionen Euro und das Unternehmen erlitt einen operativen Verlust von 83 Millionen Euro. Dieses Jahr wurde ebenfalls ein kleiner operativer Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen prognostiziert, bei einem geschätzten Umsatz von 700 bis 800 Millionen Euro. Zu wenig für ein Unternehmen wie Conergy, das seit Jahren im Ranking der größten Kapitalvernichter, das von Akionärsschützern erstellt wird, ganz weit vorne liegt. Einen zusätzlichen Imageschaden erfuhr Conergy im Jahr 2010, im Zuge einer Razzia. Veranlasst wurde diese aufgrund der Ermittlungen gegen Manager wegen Insiderhandels.

Man werde versuchen die Geschäfte trotz des Insolvenzverfahrens weiter zu führen und sei zuversichtlich, dass der Zusammenbruch des Unternehmens durch einen Investor doch noch abgewendet werden kann, so heißt es aus Unternehmenskreisen. Die betroffenen Tochterunternehmen, Mounting Systems im brandenburgischen Rangsdorf und Conergy Solar Module in Frankfurt an der Oder, werden in Kürze mit ihren Insolvenzanträgen nachziehen. Inwieweit die Pleite auch Auswirkungen auf die internationalen Tochterfirmen haben wird, bleibt abzuwarten.

Von einer schnellen Lösung ist allerdings wohl, entgegen den Stimmen aus dem Firmenumfeld, eher nicht auszugehen. Dafür stehen die Wirtschaftsbilanzen des ehemaligen Vorzeigeunternehmens zu schlecht. Hinzu kommt die ohnehin derzeit immer prekärer werdende Lage am deutschen Photovoltaikmarkt, der beständige Preisverfall und eben auch der teure Ausstieg Conergys aus einem Vertrag mit der US-Firma MEMC.

Dennoch, Conergy als Opfer der schlechten Wirtschaftslage auszugeben, wäre zu kurz gedacht. Viele Faktoren spielen zusammen, beim Zusammenbruch des Unternehmens. Zu lange und zu tief reicht die Misswirtschaft, mit der sich das Unternehmen seit Jahren herumschlägt. Vielleicht wollten die Verantwortlichen zu schnell zu viel. So oder so überrascht die Insolvenz kaum jemanden. Den 1.200 möglicherweise bald arbeitslosen Mitarbeitern von Conergy hilft das alles jedoch wie immer wenig.

 

Quellen: zeit-online, sz-online, pv magazin, photovoltaik, conergy, reuters