Regelbetrieb von Photovoltaik-Anlagen

Regelbetrieb von Photovoltaik-Anlagen

Die Direktinvestition in Photovoltaik-Anlagen hält, was sie verspricht – wenn Sie sich aktiv um sie kümmern. Was genau kommt als Betreiber einer PV-Anlage auf Sie zu? Erfahren Sie, welche Punkte für eine erfolgreiche Betriebsführung zentral sind.

Die Rendite und der Werterhalt Ihrer Direktinvestition hängen stark von der Betriebsführung ab. Grundlegend für die Betriebszeit (über mindestens 20 Jahre) ist eine vollständige und fristgerechte Aufbewahrung aller Dokumente, um für kritische Situationen gewappnet zu sein.

In den laufenden Betrieb muss ausreichend Aufmerksamkeit und Geld investiert werden, da es sonst zu Ertragsausfällen kommen kann. Beispielsweise leidet die Performance einer Anlage, wenn verschmutzte Module nicht gereinigt werden.

Zudem kann eine vernachlässigte Wartung kostspielige Betriebsausfallzeiten verursachen und Reparaturkosten unnötig steigern. Was noch für einen erfolgreichen Betrieb wichtig ist, erfahren Sie hier. Zudem erhalten Sie Anhaltspunkte für die Entscheidung, welche Aufgaben Sie selbst in die Hand nehmen und welche Aufgaben Sie an externe Dienstleister weitergeben wollen.

Werterhalt sicherstellen

Der Werterhalt kann durch eine fehlerhafte Installation oder defekte Anlagenteile beeinträchtigt werden. In solchen Fällen können allerdings Rechtsansprüche bestehen. Gegenüber dem Installationsbetrieb können bei fehlerhafter Installation Gewährleistungsansprüche existieren: je nach Sachverhalt können Sie Nacherfüllung oder Austausch fordern.

Gegenüber dem Verkäufer können für mangelhafte oder defekte Anlagenteile Gewährleistungsrechte aus dem Kaufvertrag hervorgehen. Zudem können Garantien des Verkäufers vertraglich vereinbart worden sein.

Um derartige Rechtsansprüche geltend machen zu können, ist es wichtig, alle Dokumente zur Hand zu haben.

Vollständige Dokumentation

Grundlegend für alle kaufmännischen und organisatorischen Aufgaben ist eine gute Dokumentierung der Photovoltaik-Anlage – ganz gleich, ob es sich um eine Bestandsanlage oder eine Neuanlage handelt. Zum Tragen kommt sie bei:

  • Wartungen/Reparaturen
  • Verkauf und Übergabe der Anlage
  • Streitigkeiten mit Dienstleistern, Installateuren oder Herstellern
  • Gewährleistungs- und Versicherungsansprüchen
  • juristischen Streitigkeiten

Checkliste Anlagendokumentation

Als Leitfaden zur vollständigen Dokumentation einer Photovoltaik-Anlage dient die EU-Norm DIN EN 62446 (deutsche Fassung IEC 62446:2009). Sie definiert ein Standardprozedere für die Dokumentation und bündelt alle relevanten Anlagendaten für Kunden, Betreiber und Prüfer. Dazu gehören:

Verträge, wie Kauf-, Werk-, Versicherungs- und Dienstleisterverträge und weitere, für den laufenden Betrieb notwendige Unterlagen

Adressdaten wie zum Anlagenstandort samt Ansprechpartner, Kontaktdaten des Betreibers, zuständiger Netzbetreiber, falls vorhanden Kontaktdaten des Betriebsführers

Wirtschaftlich relevante Daten, wie Inbetriebnahmedatum, Einspeisezusage, Vergütungssatz nach dem EEG, Einspeisekonzeptdaten und Dokumente, wie Genehmigungen, Anmeldung bei der Bundesnetzagentur, Anmeldung Marktstammdatenregister

Technisch relevante Daten, wie Datenblätter der PV-Module und Wechselrichter, Stromlaufplan, Belegungsplan, Lageplan, Übersichtsplan, statische Angaben der Unterkonstruktion

Garantien, wie die Garantiebedingungen des PV-Modulherstellers und des Wechselrichterherstellers

Gesetzlich geforderte Aufbewahrungsfristen

Wie lange Sie Dokumente aufbewahren müssen, definiert der Gesetzgeber. Manche Unterlagen müssen nach § 257 HGB und § 147 AO mindestens 6 bis 10 Jahre aufbewahrt werden.

Andere aufgrund spezialrechtlicher Normen für kürzere Zeiträume, z.B. 5 Jahre nach § 15 BBodSchutzG oder 3 Jahre nach § 42 KrW/AbfG. Grundsätzlich müssen Verträge solange aufbewahrt werden, wie daraus Rechte und Pflichten hervorgehen.

Beispiele für Aufbewahrungsfristen

Management der Anlage

In allen Aufgabenfeldern bieten heutzutage entsprechend spezialisierte Dienstleister ihre Expertise an. Für welche Services Sie Dritte beauftragen, lässt sich gut anhand des Kosten-Nutzen-Verhältnisses entscheiden.

In dieser Abwägung sollten Sie Ihre eigene Arbeitszeit (Opportunitätskosten) ebenso berücksichtigen, wie die Bezahlung etwaiger Dienstleister. Ob sich solche Services rentieren, hängt vom Preismodell und den vereinbarten Leistungen ab.

Kaufmännische Betriebsführung

Die kaufmännischen Aufgaben der Betriebsführung umfassen die Finanzen (Finanzbuchhaltung, Jahresabschlusserstellung, Liquiditätsmanagement, Finanzcontrolling), das Vertrags- und Risikomanagement (Termine überwachen, Vertragsoptimierung, Schadensfallabwicklung) sowie die Geschäftsführung (Kommunikation mit Partnern, Dienstleistern und Banken).

Welche Aufgaben Sie delegieren oder selbst durchführen, hängt von Ihrer verfügbaren Zeit und Vertrautheit mit der Materie ab. Jahresabschlüsse jedoch dürfen nur Steuerberater erstellen. Alle anderen kaufmännischen Aufgaben sind nicht rechtlich an eine berufliche Qualifikation gebunden. Jedoch bringen die kaufmännischen Aufgaben Herausforderungen mit sich:

  • Ertragsprognosen validieren: Bei übernommenen Bestandsanlagen muss geklärt werden, wie die tatsächlichen altersbedingten Leistungsverluste ausfallen, um mit realistischen Ertragsprognosen zu kalkulieren.
  • Finanzbuchhaltung: Sie muss gesetzlichen Anforderungen genügen, obwohl sich diese fortlaufend ändern.
  • Meldepflichten und Steuerregelungen: Alle zur gewählten Rechtsform gehörenden Anforderungen müssen erfüllt werden.
  • Finanz-Controlling: Optimierungs- und Einsparpotenziale müssen erkannt werden.
  • Verträge managen: Indem Sie die Konditionen und Leistungen im Blick behalten und ggf. Verträge ändern oder Dienstleister wechseln, können Sie laufende Kosten senken.
  • Finanzplanung: Sie muss vollständig sein und alle zu erwartenden Betriebskosten für Versicherungen oder Reinigungen enthalten. Zudem sollten angemessene Rücklagen eingeplant werden, damit Sie im Schadensfall problemlos anfallende Reparaturkosten tragen können. Bestmögliche Grundlage für die Bemessung der Rücklagen ist eine realistische Einschätzung des technischen Anlagenzustandes.
  • Vergütungsende vorbereiten: Bevor die Anlage nach 20 Jahren aus der EEG-Vergütung fällt, sollte rechtzeitig eine Nachfolge-Stromvermarktung organisiert werden.

Jährliche Meldepflicht an Bundesnetzagentur

Als Stromerzeuger/Eigenversorger müssen Sie der Bundesnetzagentur jedes Jahr bis zum 28. Februar den Stromertrag des Vorjahres mitteilen – sonst drohen Sanktionen.

Technische Betriebsführung

Die Direktinvestition funktioniert nur, wenn Erträge gesichert, Risiken minimiert und Werte erhalten werden können. Diesen Zielen dient die technische Betriebsführung durch eine permanente Fernüberwachung der Ertragsdaten, durch regelmäßige Wartungen samt den verpflichtenden DGUV-Prüfungen (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung), durch Störfallmanagement (Diagnose, Schadensregulierung) und durch die Anlagenpflege (Modulreinigung, Grünpflege, um Verdunkelung zu vermeiden).

Um die Performance der Anlage und ihren Wert zu erhalten, benötigen Sie zudem ein Controlling mit aussagekräftigen Kennzahlen. Es muss erkennbar werden, ob die technische Performance bereits zufriedenstellend oder noch ausbaufähig ist.

Je nach verfügbarer Zeit und Kenntnisstand können Sie für Einzelaufgaben, wie die Wartung oder für die gesamte technische Betriebsführung, Dienstleister beauftragen. Statiknachweise und Arbeiten an elektrischen Anlagen im öffentlichen Netz dürfen jedoch nur von Statikern bzw. Elektrikern durchgeführt werden. Die Herausforderungen der technischen Betriebsführung erfordern gute technische Kenntnisse:

  • Störungen schnell beheben: Bei einer Betriebsstörung sind schnelle Reaktionen wichtig, um größere Ertragsausfälle zu verhindern. Von Vorteil hierbei ist, wenn Ihre Service-Partner oder Sie regional vor Ort sind und so die Probleme rasch beheben können.
  • Wartungen und Inspektionen: Technische Probleme vor Ort müssen nicht nur zuverlässig erkannt werden. Die Wartungen müssen auch fristgerecht durchgeführt werden, um rechtlichen Anforderungen zu genügen.
  • Ertragsdaten überwachen: Durch einen fortlaufenden Vergleich von dem SOLL mit dem IST, sollen schleichende Ertragsminderungen möglichst frühzeitig aufgedeckt werden, um Ursachen rechtzeitig finden und beheben zu können. Hierfür sollten die Vergleichswerte ähnlicher Anlagen herangezogen werden.
  • Risikominimiert arbeiten: Die technische Betriebsführung selbst sollte keine Schäden verursachen. Beispielsweise darf die Modulreinigung keine Mikrorisse hervorrufen. Ebenso sollte die Nutzung der richtigen Reinigungsinstrumente berücksichtigt werden, damit Garantieansprüche erhalten bleiben.

Dieser Beitrag wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung von Nadja Steuer, Legal Counsel sowie Guido Fiebes, Geschäftsführer, bei aeos energy Gesellschaft für Kapitalbeteiligungen mbH.

Dieser Artikel wurde in unserem Investitionsleitfaden veröffentlicht. Alle weiteren Artikel und Informationen zu Direktinvestitionen in gewerbliche Photovoltaik-Anlagen finden Sie unter: Milk the Sun – PV-Investitionsleitfaden.

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