Photovoltaikanlage defekt: Welche Optionen gibt es?

Photovoltaikanlage defekt: Welche Optionen gibt es?

Wie und in welchem Fall kann eine Photovoltaikanlage repariert werden? Welche Optionen haben Sie, wenn die Anlage demontiert werden muss? Erfahren Sie, worauf es bei Reparatur, Verwertung und Recycling ankommt.

Wenn eine Photovoltaikanlage schlecht läuft, also die Erträge hinter den Erwartungen zurückbleiben, sollten Sie als Erstes Ihr Anlagen-Monitoring einsehen. Dort lassen sich manche Ursachen bereits identifizieren und teilweise über Softwarelösungen beheben.

Im zweiten Schritt, wenn eine Ferndiagnose nicht ausreicht, muss die Anlage durch eine Fachperson untersucht werden. Vor Ort kann festgestellt werden, ob der Fehler von den Modulen, Wechselrichtern oder elektrischen Anschlüssen ausgeht.

Sind Bauteile, wie Module, Wechselrichter, das Energiemanagement oder der Datenlogger, defekt sollten Sie prüfen, ob Sie noch Anspruch auf Garantieleistungen haben (siehe Gewährleistungsrechten und Garantien). Falls Sie entsprechend versichert sind, sollten Sie den Schaden melden (siehe Alles Wissenswerte zur Photovoltaikanlagenversicherung).

„Refitting” – so gelingt die Reparatur

Das Ersetzen von defekten Modulen oder Wechselrichtern impliziert größere Umbaumaßnahmen. Alte Wechselrichter können häufig durch moderne Geräte ersetzt werden. Bei defekten Solarmodulen ist dies schwieriger, da sich Größen und Ausführungen in den vergangenen Jahren stark verändert haben.

Ersatz lässt sich unter Umständen über den Zweitmarkt besorgen, auf dem ältere und reparierte Module bezogen werden können.

Beispiel: Reparatur nach Hagelschlag

Stellen Sie sich vor, dass Hagel einige Module Ihrer Solaranlage zerstört hat.

Option 1: Defekte Solarmodule werden in gleicher Stückzahl durch aktuell erhältliche Produkte mit höherer Leistung ersetzt. Vorteile sind die kostengünstige Beschaffung und Installation, sofern das neue Format nicht zu weit vom alten abweicht. Jedoch kann das Gesamtbild optisch abweichen. Die dadurch entstehende Mehrleistung wird nur noch zu aktuellen Konditionen vergütet und muss als separate Anlage gemeldet werden.

Option 2: Defekte Solarmodule werden durch aktuelle Produkte mit höherer Einzelleistung, aber gleicher Gesamtleistung, ersetzt. Dabei werden die unterschiedlichen Formate und Leistungen in jeweils abgeschlossenen Strings zusammengefasst. Die neuen Module können leicht und kostengünstig beschafft werden. Das Gesamtbild kann beeinträchtigt werden und die Montagekosten steigen.

Option 3: Defekte Solarmodule werden durch passende Ersatzmodule mit gleicher oder sehr ähnlicher Leistung ersetzt. Das Gesamtbild und die Gesamtleistung verändern sich kaum. Dabei sind die Montagekosten gering. Jedoch ist die Modulbeschaffung schwieriger und der Modulpreis meist deutlich höher.

Option 4: Sie erneuern die gesamte Photovoltaikanlage (siehe Photovoltaik Repowering).

Nur defekte Solarmodule dürfen ausgetauscht werden

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gibt vor, dass nur defekte Module ausgetauscht werden dürfen, da sonst der Vergütungsanspruch erlöschen kann. Was ein Defekt ist, hat die EEG Clearingstelle definiert.

Dem Netzbetreiber (EVU) gegenüber muss der Defekt nachgewiesen werden. Was als Nachweis akzeptiert wird, müssen Sie mit dem Netzbetreiber klären.

Demontage ganzer Anlagen

Es ist gut, wenn Sie bereits bei der Installation der Neuanlage das Ende der Anlage mitdenken und Rücklagen für Demontage und Recycling bilden, da Sie die Kosten dafür tragen müssen, wenn nichts anderes mit dem Grundstücks- bzw. Dacheigentümer vereinbart wurde.

Bei gepachteten Dächern oder Flächen ist meist vertraglich festgelegt, wie der Ort nach Betriebsende zu hinterlassen ist. Durchgeführt werden sollte die Demontage von Fachbetrieben, um keine Schäden an Dächern oder elektrischen Anlagen zu hinterlassen.

Demontierte Module verwerten

Module, die noch funktionsfähig sind, dürfen gemäß dem Elektrogesetz nicht entsorgt oder recycelt werden. Sie können diese jedoch unter Umständen verkaufen. Bei folgenden sichtbaren Beschädigungen ist eine Reparatur möglich:

  • leichte Randabplatzungen bei Doppelglasmodulen
  • leichte Deformierungen oder Beulen sowie Bohrlöcher im Modulrahmen
  • Kratzer in der Rückseitenfolie, welche nicht bis zu den Zellen reichen
  • defekte Bypass-Dioden
  • defekte Steckverbinder, Kabel oder Anschlussdosen allgemein
  • abgelöste oder gerissene Rückseitenfolien

Ebenfalls gibt es Module mit unsichtbaren Beschädigungen, wie die lichtinduzierte Degradation (LID), die potenzialinduzierte Degradation (PID), leichte Hotspots oder schwach ausgeprägte Mikrorisse (micro cracks); solche Module können weiterhin genutzt werden. Derartige Schäden werden von Fachleuten bewertet.

Je nach Modultyp können reparierte Module noch wertvoll sein. Insbesondere dann, wenn sie als Ersatz in Altanlagen eingesetzt werden. Für neue Projekte eignen sich Altmodule weniger, da sie aufgrund der fehlenden Garantien nicht durch Banken finanziert werden.

Defekte Solarmodule entsorgen

Irreparable Module müssen recycelt werden. Dies ist der Fall:

  • bei Glasbruch, durch den das gesamte Modul instabil wird
  • wenn Modulrahmen stark deformiert sind
  • wenn Hotspots oder Brandspuren sichtbar sind
  • wenn Modulanschlussdosen abgefallen oder abgerissen sind
  • wenn Randbereiche delaminiert sind und Kurzschlussgefahr besteht

Private Anlagenbesitzer dürfen ihre ausrangierten Photovoltaikmodule kostenlos „in haushaltsüblichen Mengen“ bei örtlichen Wertstoffhöfen abgeben. Diese akzeptieren vermutlich mehrere Dutzend Module noch anstandslos, nicht jedoch ganze LKW-Ladungen.

Gewerbliche, also größere Modulmengen, müssen immer dann von Herstellern oder Inverkehrbringern auf eigene Kosten abgeholt werden, wenn das Datum des Inverkehrbringens nach dem Stichtag im Oktober 2015 liegt.

Bei älteren Produkten oder Produkten von Herstellern, die mittlerweile insolvent sind, bleiben die Kosten an Ihnen hängen. Dies kann bei großen Modulmengen sehr kostspielig werden. Ein wesentlicher Kostenfaktor im Recyclingprozess ist der Transport.

Spezialisierte Dienstleister, die Rahmenverträge mit Logistikunternehmen haben, können Ihnen möglicherweise gegenüber kleineren Betrieben Kostenvorteile bieten.


Dieser Beitrag wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung von Martin Schachinger, Geschäftsführer, pvXchange Trading GmbH.

Dieser Artikel wurde in unserem Betreiberleitfaden veröffentlicht. Alle weiteren Artikel und Informationen zum Betrieb von gewerblichen PV-Anlagen finden Sie unter: Milk the Sun – PV-Betreiberleitfaden.