„Qualität vor Schnäppchenangebote“: Was man aus dem Walmart-Debakel lernen kann

„Qualität vor Schnäppchenangebote“: Was man aus dem Walmart-Debakel lernen kann

Foto: ©Walmart

Schon Ende August berichteten unterschiedliche Medien über Brände von PV-Anlagen auf Walmart-Märkten in den USA. In diesem Zusammenhang hat Walmart Klage gegen den Auftragnehmer und Dienstleister Tesla / Solar City eingereicht und gefordert, alle PV-Anlagen auf 240 Märkten in den USA zu entfernen.

Dem großen amerikanischen Anbieter Tesla / Solar City wird unter anderem vorgeworfen, Branchenstandards bei der Installation und Wartung von PV-Anlagen nicht eingehalten zu haben.

Tesla soll beispielsweise routinemäßig Einzelpersonen eingesetzt haben, um die Solarsysteme zu inspizieren, die keine solare Grundausbildung und -kenntnisse hatten. Die Mitarbeiter von Tesla wussten beispielsweise nicht, wie Inspektionen durchzuführen sind oder wie einfache Werkzeuge, beispielsweise zum Erkennen von Hotspots, verwendet werden.

Zusammenfassend wird vor allem das Geschäftsmodell von Tesla / Solar City kritisiert, was darauf beruhen soll, durch schnelle, nicht fachgerechte und sogar fahrlässige Installation und Wartung nur auf Gewinnmaximierung ausgelegt zu sein.

Welche Rückschlüsse man aus diesem sicherlich extremen Beispiel auf die Wahl des richtigen Partners für sein eigenes Photovoltaikinvestment ziehen sollte, haben wir im Experteninterview erfragt.

Herr Dr. Faltermeier: Wie bewerten Sie das, was durch den Dienstleistungspartner Tesla/SolarCity falsch gelaufen ist und nun ein negatives Bild auf PV-Anlagen auf Gewerbedächern wirft?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Solaranlagen in den wenigsten Fällen für einen Gebäudebrand verantwortlich sind. Laut einer Studie des TÜV Rheinland zusammen mit dem Fraunhofer ISE aus dem Jahr 2015 waren lediglich 0,014% der deutschen Solaranlagen betroffen. Das sind etwa 210 Brände in vier Jahren. Hinzu kommt, dass bei der überwiegenden Zahl der Brände (130) nur die Solaranlage selbst betroffen war.

Im Vergleich dazu liegt die zusätzliche Anzahl von Bränden in der Adventszeit bei ca. 10.000 pro Jahr. Das Restrisiko eines Brandes kann zusätzlich mit wenigen Maßnahmen noch deutlich eingeschränkt werden.

Im Fall von SolarCity scheint es, dass bei der Installation und dem Betrieb der Anlagen maßgebliche Vorsichtsmaßnahmen nicht eingehalten wurden. Gerade bei der Verkabelung kommt es immer wieder vor, dass diese nicht sachgemäß ausgeführt wird. Scharfe Kanten und nicht kompatible Steckverbindungen sind hier nur einige Beispiele.

Handelt es sich hier um einen extremen Einzelfall und wie kann man sich als Betreiber vor solchen Schäden schützen?

Ja, die oben genannte Zahl von Ereignissen zeigt, dass es sich insgesamt um wenige Einzelfälle handelt. Eine derartige Häufung von Vorfällen wie bei Walmart deutet auf ein prinzipielles Problem mit Komponenten oder der Installation hin. Ohne eine genaue Prüfung der Problematik lässt sich jedoch nur schwer sagen, was die genaue Ursache sein könnte.

Die Erfahrung zeigt aber, dass eine unabhängige, technische Prüfung der Anlage nach Fertigstellung eine Vielzahl an Problemen aufdecken und das Risiko eines Brandes erheblich vermindern kann. Hierzu zählt beispielsweise eine visuelle Inspektion und Beurteilung, ob die Leitungen und Steckverbindungen ordnungsgemäß installiert wurden. Eine thermographische Prüfung der Anlage im Betrieb ist ein übliches Verfahren zum Aufdecken von weniger offensichtlichen Fehlern. Auch die Durchführung einer normgerechten Inbetriebnahme mit entsprechenden elektrischen Messungen sind relevante Maßnahmen, die das Risiko minimieren.

Wie stellt man als PV-Betreiber sicher, dass der beauftragte Dienstleistungspartner für die Bauabnahme und die Inspektion diese Aufgaben auch professionell erledigen?

Zunächst ist es im Verantwortungsbereich des Bauunternehmers eine mängelfreie und normgerechte Installation und Inbetriebnahme der Anlage zu gewährleisten. Eine unabhängige Prüfung durch einen Gutachter soll sicherstellen, dass dies auch erfüllt ist.

Leider gibt es kaum verbindliche Richtlinien für die Berufsgruppe der Gutachter. Grundsätzlich kann jeder in diesem Bereich tätig werden. Bei der Wahl eines Dienstleistungspartners ist daher besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Zunächst sollte eine strikte Unabhängigkeit gewährleistet sein. Der Gutachter sollte über einschlägige Markterfahrung verfügen und auch von Banken und Versicherungen anerkannt sein. Ein möglichst qualitativ hochwertiger, wissenschaftlicher und rückverfolgbarer Prozess sollte ebenfalls vorhanden sein. Eine Rückfrage bei seinem finanzierenden Institut oder eine unabhängige Empfehlung kann hier hilfreich sein.

Welches sind aus Ihren Erfahrungen die drei kritischsten Punkte auf die man bei der Erstabnahme und der lfd. Inspektion achten sollte?

Die ordnungsgemäße Verkabelung inklusive der korrekten Sicherheitseinrichtungen sind in jedem Fall zu prüfen. Hinzu kommt die Standsicherheit der Anlage. Ein Statik-Gutachten und eine fachgerechte Montage der Komponenten sind die beste Grundlage für einen sicheren und langfristigen Betrieb.

Im Rahmen der Wartung ist eine regelmäßige visuelle Prüfung inklusive thermographischer Messungen und stichprobenartige elektrische Messungen der Anlage wichtig. Die DGUV-Richtlinien sind hier ein guter Ansatz. Zusätzlich kann beispielsweise auch ein Monitoring unterstützen, um Fehler frühzeitig zu identifizieren und vermeiden zu können.

Als Betreiber einer PV-Anlage ist man geneigt Kosten zu optimieren. Zu welchen Inspektionen oder Prüfungen ist man jedoch gesetzlich verpflichtet?

Für den ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage haftet der Bertreiber. Dieser ist jedoch nicht verpflichtet, beispielsweise wiederkehrende Prüfungen wie im Rahmen der DGUV-Richtlinien verankert, durchzuführen. Die Folgen im Fall eines Schadens sind naheliegend. Kann er nicht nachweisen, dass er seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist, kann dies erhebliche rechtliche Konsequenzen oder beispielsweise den Verlust des Versicherungsanspruches für ihn haben. Von daher sollte er entsprechende Maßnahmen entweder selbst oder durch einen fachlich kompetenten Partner in jedem Fall einplanen.

Was möchten Sie unseren Lesern noch mit auf dem Weg geben?“

Eine zuverlässige Prüfung muss nicht teuer sein. Helioconsult bieten gerade im Segment von Solaranlagen mit einer Größe bis zu 750 kWp eine schnelle und kostengünstige Prüfung an, die Ihr Investment schützt und einen ordnungsgemäßen und sicheren Betrieb Ihrer Anlage gewährleistet. Dies verhindert in den meisten Fällen Probleme, wie jene, die vermutlich bei SolarCity zu einer Häufung von Bränden geführt haben.


Über Dr. Daniel Faltermeier:

Dr. Faltermeier ist Gründer und Managing Partner der helioconsult GmbH. Als unabhängiger Gutachter und Berater verfügt Herr Faltermeier um eine langjährige Erfahrung im Bereich der erneuerbaren Energien. Die helioconsult GmbH erbringt weltweit unabhängige Leistungen für den gesamten Lebenszyklus erneuerbarer Energieprojekte mit dem Ziel, das technische und finanzielle Risiko zu minimieren. Der Schwerpunkt liegt in der Beratung und Unterstützung im Bereich Solar-, Windenergie, Batteriespeicher und Mobilitätslösungen.