Disruptionen für eine positive Energie-Zukunft: Das Barcamp Renewables 2017

Disruptionen für eine positive Energie-Zukunft: Das Barcamp Renewables 2017

Mit der Energiewende hält ein Begriff Einzug in unseren Sprachgebrauch, der bis dato für die meisten wohl eher unbekannt gewesen sein dürfte: Disruptiv – etwas Bestehendes auflösend, verdrängend. Welche Disruptionen gerade stattfinden und was das für unsere zukünftige Energieversorgung und Nutzung bedeutet, war heißes Thema auf dem Barcamp Renewables 2017.

 

Podiumsdiskussion läutet das Barcamp Renewables ein

„Die Erneuerbaren haben das Rennen um die Zukunft schon gemacht“, bemerkte Martin Rühl von den Stadtwerken Union Nordhessen in der Podiumsdiskussion die das Barcamp am Donnerstagabend eröffnete – nicht ohne jedoch zu Bedenken zu geben: „Es dauert, bis die Kräfte, die bislang das Geld an der Energieversorgung verdienen, den Widerstand aufgeben. Die Politik muss begreifen, dass die Energiewende volkswirtschaftlich ein riesiger Gewinn ist, auch wenn es in Einzelbereichen zu Verlusten kommen wird.

Dass die neuen Energietechnologien den Platz der konventionellen Energieträger einnehmen werden, stand auch für Julian Kretz von Next Kraftwerke außer Frage: Die Energiewende besticht durch eine hohe Wertschöpfungstiefe – aber eben ohne die alten Kraftwerke.“

Doch auch wenn der Weg schon vorgezeichnet ist, der exakte Verlauf wird auch durch politische und wirtschaftliche Entscheidungen beeinflusst. Daniel Bannasch (MetropolSolar Rhein-Neckar) führte aus: „Der einfache Zusammenhang Sonne – Solaranlage – Mensch wird künstlich verkompliziert. Auch die Diskussion um Diesel- und Benzinverbote sind unsinnig. E-Autos werden aus rein wirtschaftlichen Gründen das Rennen gewinnen“

 

Energiewende auf dem Bierdeckel

Daniel Bannasch war es auch, der in einer der zahlreichen spannenden und interaktiven Sessions am Freitag die Diskussion auf die Energiewende auf dem Bierdeckel lenkte – ein Konzept, das er vor einigen Jahren entwickelte, um anhand von neun Grafiken kurz zu erklären, was die Energiewende auszeichnet. Ein Youtube-Video vom Barcamp 2016 zeigt Daniel Bannasch dabei, wie er das Konzept im vergangenen Jahr erklärte. Reinschauen lohnt sich!

 

 

Gemeinde Klixbüll: Ein Dorf macht Ernst

Was dabei entstehen kann, wenn sich eine Community konsequent auf Erneuerbare Energien einstellt, zeigte die Session zur 900-Seelen-Gemeinde Klixbüll in Schleswig-Holstein nahe der dänischen Grenze. Über 20 Elektroautos fahren in dem Ort. Wer selbst kein Auto hat oder es nicht so oft benötigt, kann eines der beiden „Dörps-Mobile“ benutzen – sie gehören zum örtlichen E-Carsharing-Projekt.

Ein Großteil der Energie wird aus Klixbüller Windmühlen gewonnen, auch Solaranlagen sind im Dorf verbreitet. „Die Bürger vor Ort ‚kloppen‘ sich regelrecht um Anteile für neue Investitionen in Erneuerbare, weil sie die Angst davor längst verloren haben“ – ein Zitat aus der Session, mit dem klar wird: Es gibt kein Zurück von den Erneuerbaren.

 

Stroh in der Wand: Das Haus ökologisch dämmen

Strohblogger und Strohwalz: Christian Reisenthaler und Christian Keil sind mit dem Stroh im Bunde. Sie engagieren sich dafür, die Bekanntheit und Akzeptanz von Stroh als Baumaterial zu steigern. Der Hintergrund ist für beide einfach und offensichtlich: Stroh ist ein regionales Nebenprodukt, biologisch abbaubar und benötigt keine giftigen Zusatzstoffe, um eingesetzt zu werden.
Aufgrund der hohen Dichte, in der Stroh im Bau genutzt wird, entspricht es gängigen Brandschutznormen. Sie verhindert auch, dass sich Nager oder sonstiges Getier breitmachen können. Christian Reisenthaler wohnt schon seit einiger Zeit selbst in einem solchen Haus: „Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder anders zu wohnen.“

Spannend dabei ist auch: Aus rein wirtschaftlicher Betrachtung steht Stroh etwa Styropor in nichts nach: Die Kosten sind etwa dieselben. Christian Keil, seines Zeichens Architekt, packt da gerne auch selbst mit an, wie das folgende Youtube-Video zeigt:

 

 

Mit allen, für alle: Begeisterung für die gute Sache

Ein Fazit zum Barcamp Renewables zu ziehen fällt relativ leicht: In seiner offenen und lockeren Form entstehen spannende Diskussionen, tolle Ideen und viele neue Kontakte. Jeder darf seine Themen in das Barcamp miteinbringen und sich an den Diskussionen beteiligen, die ihn am meisten interessieren. Wir freuen uns, auch im kommenden Jahr wieder Teil des Barcamp zu sein und laden alle jetzt schon herzlich dazu ein, mit dabei zu sein.

Die Disruption wird uns bis dahin begleiten – und auch danach auf viele weitere Jahre. Die Energiewende zu verlangsamen ist möglich, letztendlich ist sie aber nicht aufzuhalten.

 

Simon

Journalist, PR- und Marketingmanager, Blogger bei Milk the Sun.

1 Kommentar

Daniel Bönnighausen

vor 10 Monaten

Schöner Beitrag von euch zum Barcamp. Was die Klixbüller angeht, da bin ich absolut bei euch. Unheimlich spannend was dazu erzählt wurde. Die Session war ja extrem gut gefüllt und hoffentlich gibt es andere Orte/Gemeinden die sich diesem Beispiel anschließen.

Antworten

Kommentar schreiben

Jetzt einen Kommentar schreiben!


Keine Info mehr verpassen!

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren Newsletter an und verpassen Sie keine Info mehr.

Daten werden vertraulich behandelt.