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Energiewende und Klimaschutz: Gabriel und Hendricks rücken zusammen

Energiewende und Klimaschutz: Gabriel und Hendricks rücken zusammen

Die Bundesregierung um Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat endlich zusammengefunden. Gemeinsam verabschiedeten sie nun ein Klimaschutzpaket, welches die Energiewende und den Klimaschutz als Einheit betrachtet. Großes Vertrauen wird endlich und auch folgerichtig in die Energieeffizient gelegt. Die Ziele und Maßnahmen sollen eine hohe Priorität erhalten und die Umsetzung stets überwacht werden. Es ist ein großer Schritt in die grüne Zukunft Deutschlands.

Klimaschutz-Szenario 2050 erfordert Zwischenziele

Verändrung des Stromverbrauchs von 2010 bis 2050 Quelle: Zusammenfassung zur Studie „Klimaschutz-Szenario 2050“ des Öko-Instituts

Verändrung des Stromverbrauchs von 2010 bis 2050
Quelle: Zusammenfassung zur Studie „Klimaschutzszenario 2050“ des Öko-Instituts

Klimaschutz ist das angestrebte Ziel: Der aktuelle IPCC-Bericht über die politischen Handlungsmöglichkeiten zur Begrenzung des Klimawandels hat einmal mehr beschrieben, dass jetzt die Weichen für eine deutliche Minderung der Treibhausgasemissionen gestellt werden müssen, betont das Öko-Institut (Freiburg). Dessen Studie „Klimaschutz-Szenario 2050“ zeigt nun, dass ehrgeizige Zwischenziele für die Jahre 2020 bis 2040 erforderlich sind, um die von der Bundesregierung im Energiekonzept gesteckten langfristigen Ziele zu erreichen. Die Analysen machen deutlich, dass die bislang im Energiekonzept festgelegten Zwischenziele verschärft werden müssten, um ambitioniertere Treibhausgasminderungen von 90 Prozent und mehr sicher zu erreichen.

Meinung: Energiewende in Deutschland – Stromkonzerne drohen mit Abschaltung ihrer Kraftwerke

Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland haben Angst um ihre Gewinne. Die Energiewende macht sie nervös und ihre Kraftwerke werden zusehends unrentabler. Doch statt sich den sich verändernden Zeiten anzupassen, versuchen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall noch immer an Altem festzuhalten. Das geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit und kann auf langer Zeit nicht funktionieren.

Mit der Drohung einer Abschaltung versuchen die vier großen Stromkonzerne ihre Verhandlungsposition zu festigen.

Es macht sich schon seit langem Unmut breit im Kreis der großen Vier. Die Energiekonzerne E.on, RWE, EnBW und Vattenfall sehen ihre Energieimperien in Deutschland zittern. War der Markt früher säuberlich zwischen den vier Großen aufgeteilt, sind es jetzt Kleinsterzeuger, die mit ihnen konkurrieren, indem sie Anteile an Windparks kaufen oder sich eine Solaranlage auf ihrem Dach installieren lassen.

Im Vormärz der EEG-Reform, die nach der Bundestagswahl auf die eine oder andere Art und Weise kommen muss, fühlen sich die großen Stromkonzerne scheinbar in eine Ecke gedrängt. Nicht nur, dass RWE-Chef Peter Terium eine Branchenkrise wegen des Strompreisverfalls um 30 bis 40 Prozent herbeiredet, seit gestern drohen verschiedene Stromkonzerne mit der Abschaltung ihrer Kraftwerke. Zu unrentabel seien diese geworden, so heißt es aus dem Umfeld der Unternehmen und wirklich schrumpfen die Laufzeiten der alten Stromerzeugerwerke auf Kohle-, Ergas- oder Atomenergiebasis. Dem gegenüber hört der Boom bei den erneuerbaren Energien nicht auf.

Die Folge dieses Booms ist, dass die Strompreise an der Börse in einem derartigen Sinkflug begriffen sind, dass es für Unternehmen unrentabel zu werden droht, weiterhin in Strom zu investieren. Mittlerweile liegen die Erzeugungskosten laut der Süddeutschen Zeitung über dem Verkaufspreis. Die Folge sei, dass sowohl Stadtwerke als auch Verbraucher immer häufiger drauf zahlen müssen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist eine Reform des EEGs notwendig.

Aber hier zeigt sich noch etwas anderes. Es erklärt sich, warum die Drohung der Energieunternehmen, ihre Kraftwerke einfach abzuschalten, das eingeschnappte Bellen eines getroffenen Hundes ist: Die Abschaltung eines Kraftwerkes ist nicht derart simpel. Sie muss durch die Bundesnetzagentur autorisiert werden. Das letzte Wort hat also der Gesetzgeber. Er läßt grundsätzlich so viele Kraftwerke im Stand-By-Modus halten, sodass die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Die Energieunternehmen dürfen die Abschaltung nicht vornehmen. Als Entschädigung bekommen sie allerdings eine Ausgleichszahlung, die wiederum an den Konsumenten umgelagert wird.

Die vermeintliche Drohung der großen Stromkonzerne ist demnach keine wirklich ernstzunehmende. Es verhält sich mit den stillzulegenden Kraftwerken wie mit dem Handy eines Topmanagers: Abschalten ist schwierig. Das Gejammer der Stromkonzerne ist jedoch nicht etwa tatsächliche Not im Angesicht der Unrentabilität der eigenen Kraftwerke, es ist vielmehr der Versuch einer Einschüchterung. Denn der Bauchspeck ist noch fett genug, als dass befürchtet werden müsste, dass E.on, RWE, Vattenfall und EnBW tatsächlich unter den Ausfällen leiden.

Wäre es anders, hätte die Problemvermittlungstaktik der Energiekonzerne anders ausgesehen. Bestünde tatsächlich eine Gefahr für die Unternehmen, dann hätte es eine große Pressekonferenz (pro Unternehmen) gegeben, in der alle Informationen gebündelt der Öffentlichkeit vorgestellt worden wären. Stattdessen lassen die großen Vier alles Stück für Stück durchsickern und so folgt eine Hiobsnachricht der nächsten. So wird Furcht geschürt und Zweifel. Eine Taktik mit die versucht, möglichst einfach die eigenen Forderungen durchzusetzen; denn wenn alle genug verunsichert sind, muss der Verunsichernde nur noch zeigen, wie vernünftig und kompromissbereit er doch eigentlich sei.

Letztlich geht es also um Geld, viel Geld. Es geht um Subventionen für den Weiterbetrieb der Kohle- und Gaskraftwerke durch die großen Vier. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Kölner DIW sagte hierzu im Deutschlandfunk: „Nein, die Lichter gehen ganz sicherlich nicht aus. Wir haben einen Überschuss an Strom in Deutschland.“ Dann ist es doch nur umso fragwürdiger, dass eine derartig bedrohliche Stimmung geschürt wird. Es ist ein Spiel mit den Sorgen der Menschen.

 

Quellen: Zeit Online, Zeit Online, Süddeutsche Zeitung, Dradio, finanzen.net

 

Silber statt Indium: Forscher senken Kosten für organische Solarzellen

In der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Advanced Energy Materials veröffentlichten Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) Ergebnisse zur lichtdurchlässigen Herstellung organischer Solarzellen. Dabei konnten die Wissenschaftler durch das Ersetzen der bisher in organischen Solarzellen üblichen Elektroden aus Indiumzinnoxid (ITO) durch Silber-Nanodrähte sowohl die Kosten für Material und Verarbeitung senken, da auf das  teure Indium verzichtet wurde.

Teures Indium: Forscher der FAU ersetzten den teuren Rohstoff durch Nanodrähte aus Silber

Synthetisches Material: Biegsam und dünn, damit vielseitig einsetzbar

Rein Synthetische Materialien sorgen bei organischen Solarzellen für den Photoeffekt. Daraus ergeben sich sehr biegsame und extrem dünne Zellen, die sowohl lichtdurchlässig als auch in verschiedenen Farben hergestellt werden können. Während kristalline Solarzellen ob ihrer Struktur sehr unflexibel sind, eignen sich organische Zellen besonders für den Einsatz in Textilien oder im Architekturbereich, z.B. für integrierte PV-Anlagen an Fassaden oder in Fenstern.

Sprung nach vorne für semitransparente Solarzellen

Im Vergleich zu kristallinen Solarmodulen hinken organische Solarzellen bisher in Kosten, Wirkungsgrad und Haltbarkeit jedoch hinterher, was bisher den kommerziellen Durchbruch verhinderte. Die Ergebnisse der FAU-Wissenschaftler werden jedoch die Kosten, vor allem für semitransparente Solarzellen, nachhaltig senken.

Bisher wurden in diesen Zellen ITO als Elektroden-Material verwendet, es galt als einziges Material, das die notwendigen guten elektrischen Leiteigenschaften mit der benötigten Lichtdurchlässigkeit der Elektroden verband. Während Indium als Rohstoff bereits teuer ist, fallen zusätzliche Kosten auch für die Herstellung von Indiumzinnoxid in einem teuren Vakuumprozess an, der zusätzlich noch energieintensiv ist.

Dem FAU-Wissenschaftler Fei Guo gelang es nun, ITO durch feinste Silberdrähte als Elektroden zu ersetzen. Guo ist Mitglied der Forschergruppe, die von Prof. Dr. Christoph Brabec, Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften (Werkstoffe der Elektronik und Energietechnik), koordiniert und von den Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Marcus Halik, Prof. Dr. Dirk Guldi und Prof. Dr. Erdmann Spiecker unterstützt wird. Fei Guo, Wissenschaftler am FAU, gelang es jedoch, feinste Silberdrähte statt ITO für die Elektroden zu benutzen.

Vorteile auch in der Effizienz

Das Drahtnetz der Dicke im Nanometerbereich, das die Forscher über die photoaktive Schicht der Solarzellen spannten, ist elektrisch leitfähig, aber gleichzeitig auch so grobmaschig gehalten, dass genügend Licht in die Zelle gelangen kann. Tests an Referenzzellen ergaben, dass diese neue Variante den konventionell hergestellten organischen Solarzellen in nichts nachsteht.

In Sachen Effizienz konnten die Wissenschaftler sogar den höchsten bisher dokumentierten Wert für organische Solarzellen überbieten. Sie erreichten 63 Prozent Füllfaktor, bei mehr als 50 weiteren, über ein Druckverfahren hergestellten Zellen konnte ein Füllfaktor mit 58 bis 62 Prozent festgestellt werden.

Durch Druckverfahren: Einsparungen auch im Energiebereich

Durch das neue Material werden somit Kosten wie auch Energie gespart, die Zellen können jetzt komplett über ein Druckverfahren produziert werden. Die in Flüssigkeit gelösten Komponenten werden wie Tinte Schichtweise auf eine dünne Plastikfolie aufgedruckt und getrocknet, wodurch auf vergleichsweise einfache Weise riesige Solarbögen hergestellt werden können. Der energieintensive Vakuumprozess entfällt.

 Quelle: Solarserver

Gastbeitrag: Energieeffizienz spielt eine tragende Rolle in der Energiewende

In den zwölf Thesen zur Energiewende der Agora Energiewende heißt es im zwölften Punkt, eine eingesparte kWh ist die günstigste. Machen wir uns das bewusst oder betrachten wir in der Diskussion zur Energiewende doch nur die anderen elf Thesen?

Energieeffizienz ist ein globales Thema

Dabei ist Energieeffizienz weltweit ein wichtiges Thema in der Energiewirtschaft. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass im Rahmen der bereits geplanten politischen Maßnahmen zwei Drittel des globalen Energieeffizienzpotenzials nicht ausgeschöpft werden. Durch die Realisierung dieser Effizienzpotenziale könnte die internationale Staatengemeinschaft jedoch fünf Jahre mehr Zeit gewinnen, um den Umfang der vertretbaren CO2-Emissionen so zu begrenzen, dass das 2°C-Ziel erreichbar bleibt (siehe auch diesen Beitrag). Demnach sollte Energieeffizienz zu den wichtigsten Energiequellen der Zukunft gehören.

Grün bedeutet auch effizient. iStockphoto.com©Mehmet Hilmi Barcin

Auch der Weltenergierat sieht in der Steigerung der Energieeffizienz einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zum Schutz vor Preissprüngen. Das Potential sieht auch dieser Verband noch lange nicht ausgeschöpft.

Diese Einschätzungen gelten weltweit, in jedem Land der Erde gibt es noch große Potentiale zur Verbesserung der Energieeffizienz. In der europäischen Union könnte der Primärenergiebedarf bis 2050 mit Energieeffizienz-Maßnahmen gar um zwei Drittel gesenkt werden. Das wäre ein entscheidender Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen in der Europäischen Union wie geplant bis 2050 um 80 Prozent.

Die Energiewende in den USA beruht auf billigem Erdgas durch die umstrittene Fracking-Technologie, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Auch wenn Fracking äußerst schädliche Nebenwirkungen auf das Grundwasser haben kann, die reine Klimabilanz könnte sogar besser ausfallen als in Deutschland mit dem Wachstum an der Nutzung von Strom aus Kohlekraftwerken.

Zurück zu Europa, hier gibt es noch die Aufgabe zwei wichtige Richtlinien in nationale Anforderungen umzusetzen. Das wäre die Energieeffizienz-Richtlinie mit wichtigen Anforderungen an Energoieversorger, Beschaffung und öffentliche Gebäude . Und dann haben wir die EU-Gebäuderichtlinie, die den Niedrigstenergie-Standard im Neubau ab 2020 vorschreibt . Anfang Februar 2013 hat die Bundesregierung ihren Entwurf für die neue Energieeinsparvordnung (EnEV) vorgelegt, die in 2014 und 2016 um jeweils 12,5 Prozent höhere Anforderungen haben wird. Das große Einsparpotential haben wir aber vor allem im Gebäudebestand, wo Mieter und Eigenheimbesitzer mit immer höheren Heizkosten zu kämpfen haben durch die steigenden Öl- und Gaspreise. Die Chance auf eine steuerliche Abschreibung von energetischen Sanierungen haben Bundesrat und Bundestag durch die Blockade im Vermittlungsausschuss vertan. Als Ausgleich hat die Bundesregierung immerhin zusätzliche Mittel bereitgestellt für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm.

Wir können noch viel mehr für Energieeffizienz tun

Als Verbraucher haben wir nicht nur die Heizkosten zu bewältigen, die Strompreisdebatte kennen wir ja alle aus den täglichen Medien. Aber wer sich über die Stromkosten beschwert, hat nicht  nur die Möglichkeit den Anbieter zu wechseln. Wir sollten diese Debatte zum Anlass nehmen mal unseren eigenen Stromverbrauch auf den Prüfstand zu stellen. Welchen Einfluss haben unsere Gewohnheiten auf den Stromverbrauch? Können wir nicht mit einfachen Mitteln den Stromverbrauch senken, die uns etwas Mühe aber kein Geld kosten? Dann können wir mal nachsehen welche Haushaltsgeräte recht alt sind und viel Stromverbrauchen, neue hocheffiziente Geräte können sehr viel Strom einsparen. In der Beleuchtung muss man heute nicht mehr unbedingt auf quecksilberhaltige Energiesparlampen zurückgreifen, LED-Leuchtmittel können heute die gute alte Glühbirne ohne weiteres ersetzen.

Auch Industrie, Gewerbe und Handel haben noch immense Einsparpotential5e, die wirtschaftlich genutzt werden können. Clevere Unternehmer, die heute aktiv werden und ihre Potentiale nutzen, haben deutliche Vorteile auf dem Markt. Billige Energie gibt es nur noch durch gesteigerte Effizienz, abgesehen von der eigenen Stromerzeugung.

 

Über den Autor

Andreas Kühl ist verantwortlich für das Online-Magazin energynet.de, Online-Magazin für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Der leidenschaftliche Blogger leistet mit seinem Beitrag einen wertvollen Beitrag zur Energiewende durch regelmäßige Informationen zu aktuellen Themen, durch fundierte Kommentare und Meinungen sowie aktuellen Berichten von Veranstaltungen, Messen und Kongressen.

Weitere Quellen: Worldenergy.org, Energynet.de

E-World Essen: Erneuerbare und EEG im Zentrum des Interesses

Vom 5. bis 7. Februar fand in der Messe Essen die 13. E-world energy & water statt. 610 Aussteller aus 20 Nationen präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen aus Bereichen Strom-, Wasser- und Gaswirtschaft sowie Energietechnik und Energieeffizienz den mehr als 22.000 Fachbesuchern.

Die Messe Essen präsentierte die E-World energy & water

Gut besucht: Die E-World in Essen

Neben reichlich Gesprächsbedarf aufgrund des von Bundesumweltminister Peter Altmaier vorgestellten Vorstoßes zur „Strompreis-Sicherung“ konnte sich Milk the Sun von vielen neuen Geschäftskonzepte und Ideen überzeugen. Ein All-Inclusive-Online-Tool zur Berechnung der möglichst optimalen Photovoltaik-Anlage für Ein- und Zweifamilienhäuser etwa bietet die Kölner Firma Greenergetic an, und verspricht dabei wettbewerbsfähige Preise.

Regionale Stromanbieter und städtische Energieversorger wie die Nürnberger N-ERGIE AG zeigten ein durchweg gestiegenes Interesse an Erneuerbaren Energien. Die sinkenden Preise für Ökostrom machen diesen wirtschaftlich interessant, und das steigende Umweltbewusstsein der Stromverbraucher führt zu einem erhöhten Bedarf an Strom aus regenerativen Energien.

Dass die E-world energy & market den Zukunftsthemen der Energieversorgung im Hinblick auf die Energiewende offen gegenübersteht, bewies sie auch mit Halle 4. Über 50 Aussteller präsentierten dort auf 3.000 Quadratmetern Anwendungstechnologien im Bereich der „smart energy“. Intelligente Stromzähler wurden dort ebenso vorgestellt wie Konzepte einer ganzheitlichen vernetzten Haustechnik.

„Bundeswirtschaftsministerium ist Ministerium für Effizienzverhinderung“: Interview mit Ulrich Kelber

Ulrich Kelber ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Er ist verantwortlich für die Bereiche Umwelt, Nachhaltigkeit, Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Milk the Sun befragte ihn zu aktuellen Themen rund um die Energiewende.

Energiewende und Energieeffizienz stehen auch im Fokus der SPD

Ulrich Kelber, stellvertretender Bundestags-Fraktionsvorsitzender der SPD © Frank Ossenbrink

Milk the Sun: Sehr geehrter Herr Kelber, der Ausdruck „Energiewende“ ist weltweit zu einem Begriff für den zielgerichteten Umstieg von fossiler auf nachhaltige Energiegewinnung. Wie schätzen Sie den derzeitigen Stand der Energiewende in Deutschland ein?

Kelber: Kernstück der Energiewende sind ein funktionierendes EEG, der Atomausstieg und eine ambitionierte Steigerung der Energieeffizienz. Der Atomausstieg ist (nun hoffentlich endgültig) geregelt. Das EEG funktioniert und sorgt so dafür, dass der Zubau an erneuerbaren Energien erfolgt.  Das wird in den nächsten Jahren – bei sinnvollen Korrekturen im Detail – so bleiben. Die Energieeffizienz ist dagegen ein Trauerspiel. Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium ist faktisch ein Ministerium für Effizienzverhinderung und ein Dauerblockierer für sinnvolle Regelungen in der Europäischen Union.

Milk the Sun: Für Diskussionen sorgte in den letzten Tagen verstärkt die EEG-Umlage. Muss das EEG, und wenn ja in welcher Form, weiter geführt werden? Ist eine solche gesonderte Umlage für die Energiewende gerechtfertigt?

Kelber: Die EEG-Umlage für das Jahr 2013 schleppt eine Reihe von zum Teil einmaligen Sondereffekten mit, die vermeidbar waren:  Dazu zählen verschobene Kosten aus dem Vorjahr, zusätzliche Kosten wegen der erweiterten Begünstigung von Unternehmen und die unsägliche Marktprämie. Im kommenden Jahr  rechne ich trotz des Zubaus im Bereich der erneuerbaren Energien daher sogar mit einem leichten Sinken der EEG-Umlage. Und darauf kommt es an: Den Kosten für das EEG muss ein Mehrwert gegenüberstehen – 25 % Anteil an der Stromerzeugung zeigen das. Zudem: Der Kraftwerkspark muss in jedem Fall erneuert werden. Machte man das mit Kohle und Gas, wäre es nicht günstiger – aber weniger umweltfreundlich bei mehr Energieimporten und weniger  Beschäftigung bei uns im Land.

Milk the Sun: Viele Unternehmen werden von der EEG-Umlage in großem Maße befreit. Die Liste der befreiten Unternehmen wird dabei länger und länger. Was halten Sie von den Befreiungen?

Kelber: Die SPD tritt dafür ein, dass die Begünstigung wieder im Grundsatz auf die Regelung aus 2009 zurück geführt wird. Zur Erinnerung: Bereits die große Koalition hatte die Regelung verändert und damit für die tatsächlich betroffenen Unternehmen erleichtert. CDU und FDP haben das noch einmal ausgeweitet und damit zu Lasten der normalen Stromkunden überreizt – wie bei so vielen Dingen.

Milk the Sun: Wie sehen Sie den Netzausbauplan? Ist die Größe des Netzausbaus gerechtfertigt? Wird der Netzausbau den Bedürfnissen der Energiewende gerecht?

Kelber: Der Netzausbau ist nötig. Wenn Windstrom dazu beitragen soll, AKW-Strom zu ersetzen, führt daran kein Weg vorbei. Die Fragen aber sind: Muss das alles durch Neubau geschehen?  Kann man mit dezentraleren Konzepten den Bedarf verringern? Zudem ist ein erheblicher Anteil der Kosten nur der Ersatz für technisch veraltete Anlagen. Und ohne einen Ausbau hätten wir andere Kosten: Vermehrte Abregelung von erneuerbaren Anlagen, zusätzliche Eingriffe in den Betrieb von Kraftwerken und mehr Einsatz von Ausgleichsenergie. Nichtstun kostet also auch – bringt aber keinen Zugewinn.  Ein intelligenter Netzausbau ist also sinnvoll und kostengünstig.

Milk the Sun: Welche Hebel können von der Politik in Kraft gesetzt werden, um Speicherproblemen bei der Produktion von Strom wie z.B. über Photovoltaik-Anlagen entgegen zu wirken?

Kelber: Auf mittlere Sicht geht es nicht um den breiten Einsatz von Speichern: Zunächst transportieren wir mit dem Netzausbau den Strom dorthin, wo er gebraucht wird. Speicher wären demgegenüber viel teurer und nicht in entsprechenden Größenordnungen verfügbar. Das wird sich ändern: Je mehr der erneuerbar erzeugte Strom zunimmt und je weniger fossile Kraftwerke als Ausgleich zur Verfügung stehen sollen, desto mehr brauchen wir Speicher. Die nächsten Jahre geht es in erster Linie darum, die verschiedenen Technologien zu entwickeln und Kosten zu senken.

Die SPD will Photovoltaik weiter über das EEG fördern

Kelber: "EU-Recht wird verwässert und Effizienzpotenziale verschenkt."

Milk the Sun: Auch die Energieeffizienz rückt stärker denn je in den Fokus. Müssen die Richtlinien für energieeffizientes Bauen geändert und verstärkt werden? Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Fortschritt bei der Energieeffizienz voranzutreiben?

Kelber: Es wäre ja schon geholfen, wenn in Deutschland wenigstens das geltende EU-Recht ordentlich umgesetzt würde. Die Bundesregierung unternimmt das Gegenteil: EU-Recht wird verwässert und Effizienzpotenziale verschenkt. Wir müssen die Geschäftsmodelle im Energiemarkt ändern: Heute verdienen Unternehmen Geld mit dem Absatz von Mineralöl und Erdgas. Zukünftig sollen die Maßnahmen für mehr Effizienz und Energiesparen anbieten – wir nennen das „Negawatt statt Megawatt“. Aus den Energiehändlern von heute werden Energiedienstleistungsunternehmen. Das EU-Recht schafft dazu die Grundlage – die Bundesregierung hintertreibt das auf allen Ebenen.

Milk the Sun: In diesem Jahr stehen Bundestagswahlen an. Welche vorrangigen Ziele im Bereich der Energiewende möchte die SPD Wählern und Wählerinnen für die nächste Legislaturperiode vermitteln?

Kelber: Die Ziele sind seit vielen Jahren unverändert: Energie  muss umweltfreundlich,  die Versorgung sicher und die Kosten möglichst günstig sein. Mit Atomkraft hat da nichts zu tun. Der Preis für fossile Energie geht im Kern  nur nach oben. Da macht es Sinn, frühzeitig Geld in die Kostensenkung bei den Erneuerbaren zu stecken. Denn eines darf man nicht tun: Günstige Kosten mit niedrigen Preisen verwechseln. Wer das tut, legt die Hände in den Schoß. Das kommt auf Dauer viel teurer, als wenn wir jetzt handeln.

Wir bedanken uns bei Herrn Kelber für das Gespräch.

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