Vier Fragen an … Holger Ruletzki, Vorstand Parabel AG

Holger Ruletzki ist im Vorstand der Parabel AG. Dort verantwortet er die Bereiche Einkauf, Vertrieb, Produktionsentwicklung und Marketing. Herr Ruletzki beschäftigt sich seit 1992 mit dem Themenkomplex der Photovoltaik. Der studierte Elektrotechniker war mehrere Jahre technischer Betriebsleiter der Atlantis GmbH. Seit 2007 ist er im Vorstand der Parabel AG.

Holger Ruletzki: "Keiner kann mehr leugnen, dass die Rohstoffe endlich sind und das CO² Zeitalter den Klimawandel verursacht. Wer heute noch glaubt, die Lösung der Probleme auf zukünftige Generationen zu verlagern sollte keinen politischen Spielraum mehr haben."

Milk the Sun: Die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Holger Ruletzki: Der Einstieg in den Prozess der Energiewende ist nicht vollzogen worden. Der Atomausstieg ist das Eine, bei der  „Energiewende“ ist es bei einer Proklamation geblieben. Nicht nur dass der Ausbau der EE ausgebremst wurde, auch auf dem Gebiet des Wärmesektors und der Energieeffizienz sind keine Ergebnisse zu verzeichnen. Weitere klimapolitische Zielsetzungen wurden z.B. im CO²-Zertifikate-Handel oder des CO² – Ausstoßes der deutschen Automobilindustrie nicht umgesetzt. Insofern ist die Klimapolitik der Bundesregierung in den letzten 4 Jahren ein Desaster und eine lobbygetriebene Farce.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Holger Ruletzki: Zunächst einmal einen klaren Fahrplan für die Energiewende. Dieser muss sich aus den langfristigen politischen Zielstellungen ableiten und muss eine konsequente und vor allem zügige Umsetzung für die nächsten Jahre beinhalten. Gesellschaftlicher und politischer Konsens sollte es sein, dass Wind und Solar die maßgeblichen Energieerzeuger sein werden und es angeraten ist, diese schon heute umfassend weiter auszubauen, um die Klimapolitischen Zielsetzungen erreichen zu können. Ein Energieministerium, das diese energiepolitischen Prozesse bündelt, halten wir für unerlässlich.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist Ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Holger Ruletzki: Mit dem klaren Fahrplan der Bundesregierung sollte diese, insbesondere das Energieministerium, die unabhängige Kommunikationshoheit über die Umsetzung der Energiewende übernehmen. Wie viel wäre z.B. in der Strompreisdiskussion gewonnen, wenn die Bundesregierung dem Stromkunden zunächst einmal den Wechsel zum Günstigsten Stromanbieter anraten würde.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist Ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Holger Ruletzki: Keiner kann mehr leugnen, dass die Rohstoffe endlich sind und das CO² Zeitalter den Klimawandel verursacht. Wer heute noch glaubt, die Lösung der Probleme auf zukünftige Generationen zu verlagern sollte keinen politischen Spielraum mehr haben. Der Bürger ist darin schon viel weiter, als die politischen Parteien in Deutschland und Europa.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Ruletzki für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE)