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Talesun, Desertec & RWE – Photovoltaikausbau im Süden

Seit letzter Woche vermelden die Medien, dass RWE von der bisher negativen Meinung zur Photovoltaik abgerückt ist und in Südeuropa und Nordafrika in Projekte investieren will. Auf Financial Times Deutschland ließ der scheidende RWE Innogy– Chef Fritz Vahrenholt verlauten „Solarstrom könne heute in Südeuropa zu Kosten von 10 bis 12 Cent je Kilowattstunde erzeugt werden, in Nordafrika noch billiger“. Die Idee Sonnenenergie in Afrikas nördlicher Wüstenregion zu nutzen ist nicht neu. Die Desertec Industrie Initiative GmbH (Dii), bestehend aus europäischen und überwiegend deutschen Unternehmen, will Stromgewinnung aus photovoltaischen und solarthermischen Anlagen mit Energiegewinnung aus Windkraftwerken in Nordafrika zusammenbringen. Die Küstenregionen in Marokko und Tunesien bieten rundum günstige Bedingungen für Windkraft und die Sonne in der Wüstenregion hat sehr viel mehr Kraft, als in nördlicheren Breitengraden. „Die Wüsten der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht“, sagt Dr. Gerhard Knies, Vorsitzender des Kuratoriums der Desertec Foundation. Diese Annahme birgt Hoffnung, dass Ressourcenknappheit bei schlauer Nutzung der Sonnenenergie irgendwann der Vergangenheit angehört. Nur wie wird garantiert, dass die Energie fair verteilt wird?Quelle: Desertec Solarthermie in der Wüste Kuraymat Denn der Plan sieht im Grunde die Kompensation europäischer Knappheit mit afrikanischen Gütern vor. Da stellt sich der bittere Beigeschmack des Wirtschaftskolonialismus automatisch ein. Jedoch meint Desertec, und daran beteiligt auch RWE, die Standorte in Nordafrika partnerschaftlich zu involvieren und die Länder vor Ort zuerst vom gewonnenen Strom profitieren zu lassen. Laut Dr. Frank-Detlef Drake, Leiter Forschung & Entwicklung RWE AG sei es wichtig, „dass der Wüstenstrom zunächst möglichst ‘erzeugungsnah’ genutzt wird, um Transportverluste und Kosten gering zu halten. Eine Punkt-zu-Punkt-Leitung direkt von der Sahara nach Deutschland zu legen wäre der falsche Weg und auch das falsche Signal.“ Das trifft den Punkt, aber konkrete Inhalte, die diesen Sachverhalt untermauern, finden sich nicht so leicht. Desertec besteht aus einundzwanzig Mitgliedern, davon ist nur  eines 1 marokkanisches Unternehmen und fast die Hälfte sind deutsche. Das verwässert die nach außen getragene Darstellung von Partnerschaft auf Augenhöhe. Es bleibt also abzuwarten, wie sich diese Kooperation ökonomisch und gesellschaftspolitisch entwickelt. Der Fächer internationaler Partner, die das Projekt in Europa und Afrika hat, kann den Weg zu einer fairen und ertragreichen Wirtschaftsbeziehung ebnen. In die Sonne Nordafrikas zu investieren ist in jedem Fall ein zukunftsweisender Schritt.

 

sapa-energie_Karte Europas Sonnenstunden in kWh pro Quadratmeter

Photovoltaikprojekte in Europa lohnen sich in gleicherweise. Die Grafik zeigt, dass auch südeuropäische Länder sehr sonnenreich sind. Rom hat mit 1687 Sonnenstunden jährlich, die zweithöchste Sonnendichte Europas und hat seit Jahren einen aktiven PV-Markt. RWE richtet nun auch den Blick auf Südeuropa als lukrativen Standort für Photovoltaikinvestitionen, aber fast schon zu spät, muss man da fast sagen. Zwei, die schon lange wissen was der Süden bietet, sind Talesun und Calabria Solar. Am 22. Mai 2012 gaben die Unternehmen bekannt, dass ihr 38 Hektar umfassendes PV-Großprojekt in San Floro, Kalabrien mit 23,8 Megawatt erfolgreich ans Netz ging. Die Region Kalabrien wartet mit hervorragenden Zahlen für solare Energiegewinnung auf. Die Globalstrahlung liegt in dieser Gegend bei etwa 1.800 Kilowattstunden pro Quadratmeter jährlich. Die Anlage von Talesun/Calabria Solar arbeitet bei einem Wirkungsgrad von etwa 80 Prozent. Schon lang überzeugt von Italiens solarer Wirtschaftlichkeit ist Joachim Simonis, Geschäftsführer der Talesun Solar-Deutschland GmbH „Italien ist von strategischer Bedeutung für die Photovoltaikbranche, sowohl aus Sicht von Investoren als auch von Produzenten. Talesun zählt weltweit zur Spitze in dieser Industrie.“ Sein Vorzeigeprojekt in Kalabrien ist gleichzeitig die Basis für neue, gewinnbringende Pläne – die Vergrößerung seines Teams in Italien. Europaweite und internationale Kooperationen in der Photovoltaikbranche zu leben und täglich auszubauen ist also für manche schon keine Idee mehr, sondern tägliches Handwerk, das sich bezahlt macht. Es ist eine sonnige Aussicht den Energieriesen RWE als Partner der Photovoltaik in Zukunft ebenso aktiv in Erscheinung treten zu sehen.

 

Quellen: http://www.rwe.com/web/cms/de/704348/rwe/presse-news/specials/desertec/; http://www.dii-eumena.com/fileadmin/Daten/Newsletter/Newsletter_February_2012.pdf;www.talesun.com; http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:erneuerbare-energie-rwe-schwenkt-auf-solarstrom-um/70040279.html

 

Conto Energia V und die Herausforderung des Wandels in der PV-Industrie

Gerade ein Jahr nachdem das vierte Gesetz für erneuerbare Energien, die Conto Energia IV, in Kraft getreten war, wird der italienische Photovoltaikmarkt wieder mit neuen gesetzlichen Änderungen konfrontiert. Der neue Erlass, dessen Auszüge Anfang März diesen Jahres veröffentlicht wurden, soll zum Ziel haben der Industrie den Weg in Richtung Netzparität zu ebnen, so der MInister für Wirtschafts- und Umweltentwicklung. Wenn der Gesetzesentwurf auf dem aktuellen Stand in Kraft tritt, werden Einsparungen von 50% und Registerpflicht für Solarstromanlagen über 12 kWh mit neuen und strikteren FiT Kriterien die Folge sein. Nach Einschätzungen der Gewerkschaften könnte die Conto Energia V das Ende der italienischen Photovoltaikbranche bedeuten. Auch jenseits der Veränderungen, die die Conto Energia V mit sich bringt, wird sich die Photovoltaikindustrie weiteren Herausforderungen stellen müssen. Es ist offensichtlich, dass der Photovoltaikmarkt immer stärker und der Wettbewerb immer größer wird. Somit wird es unumgänglich neue Mittel und Wege zu finden mit der Dynamik des Marktes Schritt zu halten – der Conto Energia V folgen langfristig auch weitere Änderungen. Beispielsweise konnte sich selbstständig ein wettbewerbsfähiger Markt durch den starken Rückgang des Silikonpreises etablieren (Silikon ist ein Rohmaterial, das zur Fertigung von Solaranlagen verwendet wird). Solche Entwicklungen kreativ für die Photovoltaikindustrie umzusetzen stellt eine echte Alternative zu oktroyierten Gesetzesänderungen, die den Markt in Schwung bringen sollen. Es gibt wenige Lösungsansätze in der Branche, die auf eine Veränderung des Marktes eingestellt sind. Dabei ist man sich beispielsweise einig, dass die lange Schlange an Mittelsleuten, die den Markt überhäufen und Entwicklungsprozesse oder Projektübernahmen verlangsamen, verkleinert werden muss. Dynamik, Schnelligkeit und Transparenz muss sich die Industrie langfristig auf die Fahnen schreiben, damit Photovoltaik ein zukunftsfähiges und zugängliches Produkt auf europäischem Niveau werden kann.

Auch die deutsche Photovoltaikindustrie sieht sich immer neuen Restriktionen und Wendungen bezüglich der öffentlichen Förderung (Anpassungen des Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG) ausgesetzt. In diesem Moment debattiert Schwarz-Gelb, in welcher Weise aktuelle Kürzungsvorhaben in der Photovoltaikbranche umgesetzt werden sollen (Deckelung der Förderkosten oder monatliche Anpassung). Ähnlich, wie auf dem italienischen Markt, sind auch in Deutschland sinkende Produktionskosten von Solaranlagen, wegen günstigen Rohstoffpreise der Grund für explosionsartige Investitionen und stetig steigende Zahlen von Solarstromerzeugenden. Diese überraschende Entwicklung der letzten Jahre hat auf Bundesebene Kürzungen von Subventionen im Solarsektor zur Folge gehabt. Der Negativpresse und der Befürchtungen eines Einbruches der deutschen Photovoltaikindustrie zum Trotz, müssen die sinkenden Preise der Rohstoffe für PV als wirtschaftliche Chance gesehen werden. Jüngste Entwicklungen lassen eben auch die Vermutung zu, dass Photovoltaik ein zukunftsträchtiger, wettbewerbsfähiger Markt ist, der auf eigenen Beinen stehen kann. Ob in Deutschland oder Italien. Die Photovoltaikindustrie profitiert von kurzen und einfachen Kommunikationswegen zwischen Händlern, Investoren und Projektanbietenden – von neuen Marktplätzen ohne Mittelsleute und Hierarchien, wie auf Milk the Sun.