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Emissionshandel: CO2 so billig wie nie zuvor

Eine am Wochenende veröffentlichte Greenpeace Studie hat ergeben, dass die Produktion von einer Tonne CO2 derzeit an manchen Tagen günstiger ist als eine Schachtel Zigaretten. Ein weiteres Sinken des CO2-Preises könnte alternative, klimafreundlichere Energieerzeugungskraftwerke zunehmend unlukrativ machen und damit sowohl die nationalen als auch die europäischen Klimaschutzziele torpedieren.

Meinung: Die Notwendigkeit zur Ideologielosigkeit in einer Schwarz-Grüne Koalition

Bündnis’90/Die Grünen und die Union haben am Donnerstag Sondierungsgespräche geführt, am Mittwoch soll ein weiteres folgen.  Auch 2013 stehen die Zeichen für eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene nicht vorbehaltlos gut. Die Chancen und Überschneidungen der beiden Parteien sind allerdings lange nicht mehr so groß wie einst. – Ein Meinungsartikel.

Milk the Sun feiert Erfolge auf der Solar Energy UK 2013

Am Donnerstag ging in Birmingham die Solar Energy UK 2013 zu Ende. Milk the Sun COO Philipp Seherr-Thoss vertrat den Onlinemarktplatz für Photovoltaikanlagen, Projektrechte und Freiflächen auf der Messe und führte Gespräche über den Vertrieb eines 45 MW Projekts.

Erfolg von Milk the Sun auf der PVSEC

Letzte Woche ging die PVSEC, einer der bedeutendsten Kongresse für Photovoltaik und Solartechnologie in Paris zu Ende, auf der sich dieses Jahr auch Milk the Sun präsentierte. Trotz dessen, dass sich die Anzahl der Aussteller entsprechend der Entwicklungen in der Branche reduziert hat, war Milk the Sun, der Onlinemarktplatz für Photovoltaikanlagen, Freiflächen und Projekte, sehr erfolgreich.

EU: Vereinfachung der Subvention von AKW durch die EU ist vom Tisch

Die angekündigte Vereinfachung der Förderung von AKW durch Europäische Union wird nicht umgesetzt. Am Dienstagabend entschied sich das Kollegium der EU-Kommissare gegen den durch Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia vorgelegten Entwurf, mit der inoffiziellen Begründung, dass es sich um ein politisch zweischneidiges Thema handele. Auch die Leitlinien zur Förderung von Umwelt- und Energieprojekten wird erneut überarbeitet. Die Chancen stehen gut, dass das EEG nicht derart grundlegend geändert werden muss, wie Anfangs befürchtet.

Energiewende: Braunkohle-Aus in Garzweiler?

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass der Energiekonzern RWE die Stilllegung des Braunkohletagebaus Garzweiler in Nordrhein-Westfalen aus Kostengründen zum Jahr 2018. Firmeninterne Szenarien sehen demnach auch eine Rentabilitätsprüfung der Kohleförderung vor. Schuld trage der Ausbau von Solar- und Windenergie, die zunehmend die traditionellen Kraftwerke verdrängen würden. Derweil schöpfen die Anwohner der Region Hoffnung, mit dem Stopp des Braunkohleabbaus  auch einer Zwangsumsiedlung zu entgehen.

Die Entwicklungen des Photovoltaik-Zweitmarkts

Der Anstieg des globalen Photovoltaikzubaus erzeugt nicht nur einen florierenden weltweiten PV-Erstmarkt. Wenn die Nachfrage nach einem Zubau an Photovoltaik gestillt ist und das anfänglich enorme Wachstum nachlässt, entwickelt sich ein nachhaltiger und lebendiger Photovoltaik-Zweitmarkt, der ebenso großes Potential für Investoren besitzt wie der Erstmarkt. Um die Vorteile dieses Zweitmarktes ausnutzen zu können, haben sich verschiedene Investitionsstrategien entwickelt.

Bis 2020 kann sich für den europäischen Photovoltaik-Zweitmarkt eine Nennleistung von bis zu 4.803 MWp ergeben. iStockphoto.com©Pedro Castellano

Die Photovoltaik war in den letzten Jahren einer der am meisten wachsende Industriezweige aus dem Feld der Erneuerbaren Energien. Alleine in der EU wuchs die Nennleistung der Photovoltaikanlagen zwischen Ende 2007 bis Ende 2012 von rund 4.941 MWp auf ca. 68.647 MWp (siehe Photovoltaic-Barometer 2007/2008 und Photovoltaik-Barometer 2011/2012). Das heißt, dass es einen Nennleistungszuwachs von insgesamt fast 63.706 MWp innerhalb von fünf Jahren gab. Eine beeindruckende Entwicklung, die sich nicht nur auf Europa beschränkt.

Weltweit wird dieses Jahr mit einem Zubau im zweistelligen Gigawattbereich gerechnet. Im April schätzte das Marktforschungsunternehmen IHS den weltweiten Photovoltaikzubau auf mehr als 35 Gigawatt, was ein Wachstum von 12 Prozent bedeuten würde. Zwar wäre dies weniger als im Vorjahr, in dem es einen Zubau von 31.4 Gigawatt gab, was einem damaligen Wachstum von 14 Prozent bedeutete, doch noch immer sind die Werte beeindruckend. Zwar kühlt sich der europäische Markt derzeit etwas ab, doch ist davon bei Betrachtung der bloßen Zahlen kaum etwas zu sehen, da der wachsende weltweite PV-Zubau den schwächelnden europäischen Markt nahezu vollständig kompensiert.

Das größte Wachstum erleben derzeit der Nahe Osten, die USA und Asien. Europa verliert dagegen zunehmen als Hauptabsatzmarkt an Bedeutung. Während der Zubau 2011 noch bei 70 Prozent und 2012 immerhin noch bei 57 Prozent lag, ist laut IHS für 2013 zu erwarten, dass der alte Kontinent lediglich 37 Prozent des weltweiten Zubaus ausmachen wird. Insbesondere der deutsche und italienische Markt haben im Vergleich zu 2011 Wachstum eingebüßt, so die IHS und es sei zu erwarten, dass der Abschwung weiteranhalten wird.

Der zu erwartende Zweitmarkt

Was im ersten Moment aus ernüchternd wirkt, ist, wenn es um ein nachhaltiges Produkt wie die Photovoltaik geht, eine zu erwartende und absehbare Entwicklung. Mit dem Abschwung der Nachfrage nach einem Photovoltaik-Zubau entwickelt sich ein wachsender Zweitmarkt, auf dem beispielsweise laufende Photovoltaikanlagen verkauft werden können. Damit offenbart sich ein neues lohnendes Feld für Investoren. Diese Entwicklung ist derzeit insbesondere in Europa präsent. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sie sich auf anderen Märkten weltweit wiederholt.

Die EPIA, European Photovoltaic Industry Association, hat auf dieser Grundlage in einer Studie errechnet, dass sich bis zum Jahr 2020 Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und England zu den wichtigsten europäischen Photovoltaikmärkten entwickelt haben werden. Damit ergibt sich bei einem angenommenen Zweitmarkt von 2,5 Prozent bis 2020 ein Nennleistungspotential von 6.003,75 MWp. Unter Berücksichtigung des Abzugs jener PV-Anlagen, die kleiner als 20 kWp sind, ergibt sich noch immer ein europäischer Zweitmarkt von ca. 4.803 MWp Nennleistung pro Jahr. Das heißt bei 1.5010 Euro pro kWp, nach dem Photovoltaik-Preisindex vom August 2013, ergibt sich ein Marktpotential von 7.252.530.000 Euro.

Zwar tragen die Entwicklungen des Photovoltaik-Zubaus und -Wachstums klare internationale Züge, doch lohnt sich eine Investition in den europäischen Markt nichtsdestotrotz. Hier bietet sich ein enormes Investitionspotential in einen erblühenden Zweitmarkt. Wenn davon ausgegangen wird, dass jährlich 2,5 Prozent der knapp 290.000 bestehenden Anlagen gehandelt werden, dann ergeben sich daraus 7.000 Anlagen mit zusammen etwa 630.000 kWp Nennleistung, in die sich Jahr für Jahr über einen Zweitmarkt investieren ließe. Diesen Sachverhalt als Grundlage genommen, ist davon auszugehen, dass auf einem europäischen Zweitmarkt bis 2016 jährlich 2.500 MWp gehandelt werden könnten, basierend auf den Wachstumsprognosen des „Global Market Outlook for Photovoltaics 2013-2017“-Report der EPIA.

Die Stunde der Investoren

Die Entwicklung eines starken Photovoltaik-Zweitmarktes eröffnet PV-Investoren neue und umfangreiche Möglichkeiten, die erneut die ökonomische Tragbarkeit der Erneuerbaren Energien unter Beweis stellen. Die Art der Investitionsweise ist dabei äußerst unterschiedlich. Im Wesentlichen zeichnen sich zwei Investitionsweisen ab. Zum einen die Investition in risikoreiche Projekte in Regionen mit vielen jährlichen Sonnenstunden. Zum anderen die Investition in risikoärmere Projekte mit geringeren Renditen, die sich in Regionen befinden, in denen eine verlässliche Einspeisevergütung und entsprechende Zuschüsse existieren.

Zudem setzen sich in einigen Investoren-Gruppen zunehmend sogenannte Cluster-Investitionen durch. Das heißt, dass sich die Portfolien der Gruppen nicht auf einzelne große Anlagen, sondern auf eine Vielzahl mittlerer Anlagen konzentrieren. Ziel ist es das Investitionsrisiko auf verschiedene Installationen zu verteilen.

Die zu erwartenden Entwicklungen

Der Zweitmarkt verändert sich laufend, die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht zuletzt haben harte Förderungseinschnitte von Seiten der Politik einen entscheidenden Einfluss. Beispielsweise schrieb Benjamin Reuter in der WirtschaftsWoche Green im Juni des Jahres: „Nachdem Bundesumweltminister Peter Altmaier in diesem Frühjahr seinen Plan einer Strompreisbremse verkündet hatte, kletterte die Zahl der Second-Hand-Kraftwerke bei Milk the Sun [Onlinemarktplatz für PV-Anlagen, Anm. d. Autors] drastisch, denn der Minister wollte auch Besitzer von Altanlagen im Nachhinein zu Kasse bitten. Zum einen machen die Entwicklungen auf dem PV-Markt mit der nötigen Interpretation das energiepolitische Klima deutlich. Zum anderen offenbart sich in der Entwicklung eines regen Zweitmarktes eine Findigkeit im Umgang mit sich verschlechternden Bedingungen.

Obwohl sich der Erstmarkt verändert, hat die Photovoltaik nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Durch die Entwicklung eines regen Zweitmarktes und verschiedener Investitionsstrategien bleibt die Photovoltaik eine sichere Investition. Die Bewegungen auf dem europäischen Markt können in diesem Zusammenhang als Beispielhaft betrachtet werden. Es ist nicht unbegründet, dass der Wachstum auch in jenen Ländern wieder abflachen wird, in denen er derzeit sprunghaft ansteigt. Wenn der Erstmarkt in diesen aufblühenden Regionen erst einmal gesättigt ist und dies zeichnet sich derzeit auf dem europäischen Markt immer deutlicher ab, wird es, damit die Photovoltaik ihre ökonomische Attraktivität behält, notwendig, auch einen Zweitmarkt vermehrt zu unterstützen. In der Immobilienbranche ist dies durch Plattformen wie Immobilienscout24 gewährleistet. In der viel jüngeren Photovoltaikbranche entwickeln sie sich gerade erst.

Quellen: pv magazine, photovoltaik-guide, epia, wiwo, Photovoltaik-Barometer 2007/2008, Photovoltaik-Barometer 2011/2012

Meinung zur Bundestagswahl: Wenn der Sturm vorüber ist …

Die Bundestagswahlen 2013 lassen ein zerrüttetes Bild zurück. Eine Union die gewonnen hat und für die es dann doch nicht zu einem wirklichen Triumph reicht. Eine SPD die eigentlich will, aber weiß, dass sie nicht sollte. Grüne, die sich selbst enthaupten. Eine LINKE die strahlt und drittstärkste Fraktion ist und eine FDP, die keinen mehr wirklich interessiert. Es stehen schwere Koalitionsverhandlungen bevor, wie das Beispiel der Energiepolitik beweist.

Die Bundestagswahl 2013 ging mit teilweise faden Ergebnissen insbesonder für einige der kleineren Parteien zu Ende.

Am Sonntag wurde gewählt in Deutschland und dieses Mal gab es gleich mehrere beeindruckende Ergebnisse in diesem Zusammenhang. Die CDU/CSU könnte quasi in Form einer Minderheitsregierung alleine regieren, es wäre das erste Mal in ihrer Parteigeschichte und das erste Mal in der bundesdeutschen Geschichte. Auch die FDP feiert eine Premiere, sie ist zum ersten Mal seit 1949 nicht im Bundestag vertreten. Die Grünen fallen auf ein Niveau wie zur Mitte der 2000er, die LINKE wird zur drittstärksten Fraktion im Bundestag und die europakritische AfD schrammt bei ihrer ersten Bundestagswahl knapp an der fünf Prozenthürde vorbei. Derweil ist die SPD zwar nicht schwächer geworden, bleibt allerdings von ihrer alten Form weit entfernt.

Gerade für den politisch konservativ-mittigen Flügel der deutschen Parteienlandschaft dürfte der Triumph der Union hinter ihrer Gallionsfigur Angela Merkel eigentlich ein Grund zur Freude sein. Insbesondere, da er von dem Wahlerfolg in Hessen flankiert wird. Doch so wirklich einstellen will sich der langanhaltende Freudentaumel nicht. Nachdem sich der „An Tage wie diesen“-grölende Gefechtsnebel der Wahlnacht bei der Mehrheit der Unions-Parlamentarier und -Mitarbeiter verzogen hat, wird die Prophetenhaftigkeit der Ankündigung bewusst, welche von der alten und neuen Kanzlerin noch im Moment des Sieges gemacht wurden: Am Sonntag wurde gefeiert, aber am Montag schon begann das Kopfzerbrechen.

Merkel will keine Minderheitsregierung, das machte sie deutlich, aber auch eine Koalition mit SPD oder gar den Grünen würde schwierig. Dass DIE LINKE aus Sicht der CDU ausscheidet, versteht sich fast von selbst. Weder die Sozialdemokraten noch die Grünen würden sich mit kleinen Ministerposten abspeisen lassen, noch würden sie sich den Anspruch nehmen lassen, inhaltliche Forderungen an die Union zu stellen. Also ist es aus Sicht der Kanzlerin eher eine Wahl zwischen Pest und Cholera, die Peer Steinbrück in der Elefantenrunde am Sonntagabend noch als Fußballmetapher tarnte.

Die Oppositionsparteien befinden sich dagegen fast in einer vorteilhaften Position. Sie müssen nur reagieren, ja, haben die Union sogar beinahe in der Hand. Sollte die Kanzlerin keine der anderen Fraktionen von einer Koalition überzeugen können und damit in eine Minderheitsregierung gezwungen werden, könnte sich ihre Regierung, wenn sich der Mitte-Links-Block gemeinschaftlich quer stellt, einer äußerst problematischen Blockadepolitik gegenüber sehen. Was zur Folge hätte, dass die Union, anders als bisher, viel deutlicher auf die Forderungen der Opposition eingehen müsste, um Deutschland überhaupt weiterhin regieren zu können.

Dass keine der Parteien wirklich brennendes Interesse daran hat, mit der Union zu koalieren, ist nicht weiter verwunderlich. Aus den letzten beiden Koalitionen gingen die jeweiligen Partner der Merkel-Regierung äußerst geschwächt hervor. Die SPD verlor viele ihrer Befürworter und hat sich bisher noch nicht davon erholt. Dem letzten Koalitionspartner der Union ging es bekanntlich noch schlechter. Die FDP wird für die nächsten Jahre in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken. Ihre Rückkehr ist noch nicht einmal ungewiss.

Das Endergebnis der Bundestagswahl 2013 (C), 2013 by Proteus Solutions GbR, Daten: ARD

Das kann natürlich Zufall, oder auf die politische Vorgehensweise Merkels zurückzuführen sein. Es ist jedoch vorstellbar, dass die CDU kollabieren wird, sobald Angela Merkel aus ihrer Führungsposition ausscheidet. Zum einen, existiert derzeit in der zweiten Reihe kein annährend vergleichsweise populärer Nachfolger, für dessen Aufbau der Union allerdings noch Zeit blieb. Zum anderen, und dies wiegt schwerer, ist der Grund für den potentiellen Kollaps der Post-Merkel Union, der politischen Prägung der Kanzlerin unter Altkanzler Kohl zuzuschreiben. Auch um ihn gab es einen Personenkult, auch nach seinem Ausscheiden verlor die CDU die Wahl und einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit. Nun war der Personenkult um Helmut Kohl zwar vorhanden, doch war er nie derart stark, wie jener um Angie. Immerhin werden in der britischen Presse bereits Vergleiche mit Margaret Thatcher herangezogen.

Einmal unabhängig von der Frage, ob die Kanzlerin ein schlechter politischer Glücksbringer ist, haben die anderen Bundestagsfraktionen, abgesehen von der LINKEn, eh andere Sorgen. Bündnis‘90/Die Grünen lösen derzeit als Resultat ihrer kleinen Wahlschlappe ihre Parteiführung auf und die SPD hat den Kampf mit sich selbst noch nicht wirklich verwunden. In jedem Fall ist die Skepsis der SPD verständlich, bedenkt man, wie sehr sie unter dem letzten Regierungszusammentreffen mit Merkel gelitten hat, oder wie sehr in der Großen Koalition die parteieigenen Problem zum Tragen kamen. Dabei sind die Sozialdemokraten zwar nicht Merkels erste Wahl, das wäre aus naheliegenden Gründen natürlich die FDP gewesen, aber immerhin für die meisten in der Union das kleinere Übel. Doch alleine durch ihre Größe und ihre politische Vorerfahrung – gebranntes Kind scheut das Feuer – ließe sich die SPD schwieriger kontrollieren als die FDP.

Die Energiepläne einer möglichen Koalition

Rein rechnerisch zeichnete sich bereits am Wahlsonntag ab, dass auch eine rot-rot-grüne Koalition möglich wäre, oder sogar eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der LINKEn. Doch da Peer Steinbrück diese Möglichkeiten resolut ausschloss, ist jeder weiter Gedanke, der darauf verwandt wird, verschwendet.

Nach Bundestagswahl 2013 gibt es nach dem ausscheiden der FDP mit CDU/CSU, SPD, DIE LINKE, und Bündnis'90/Die Grünen nur noch vier Fraktionen im Bundestag. (C) 2013 by Proteus Solutions GbR, Daten: BWL

In den Koalitionsverhandlungen zwischen Schwarz-Rot und Schwarz-Grün käme es sicherlich an vielen Enden zu Verwerfungen. Autobahnmaut (diese Frage rüttelt sogar parteiintern an der Union), Elterngeld, Adoptionsrecht für schwule Paare, Reichensteuer, Mindestlohndebatte, Energiepolitik und Energiewende … Die Liste der Stolpersteine könnte lange fortgesetzt werden.

Alleine schon die Fragen in der Energiepolitik werfen tiefgreifende Unterschiede auf: Laut Wahlprogramm der SPD soll bis 2020 die Fernwärme signifikant ausgebaut werden und bis 2030 sollen bereits 75% des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Außerdem will die SPD dass die Energiewende durch ein zentrales Energieministerium organisiert und das EEG reformiert wird. Zudem forderte die SPD die Zusammenführung der Übertragungsnetze in einer Deutschen-Netzgesellschaft, um so den Netzausbau koordinierter voranzutreiben. Das meint de facto, eine Stärkung der öffentlichen Hand und damit auch der Bürger in Energiefragen.

Bündnis‘90/Die Grünen gehen tatsächlich noch einen Schritt weiter in ihren energiepolitischen Forderungen. Sie forderte laut Wahlprogramm einen hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2030. Im Fokus stehen dabei der Ausbau der Photovoltaik– und die Windenergie. Bis 2020 soll sich der Anteil der Erneuerbaren schon verdoppelt haben und anders als der eigentliche Wunschkoalitionspartner stehen die Grünen auch der Kohle sehr skeptisch gegenüber. Die SPD hat naturgemäß eine engere Bindung an die Kohleindustrie, nicht zuletzt, da die ehemalige Arbeiterpartei viele ihrer Genossen aus den Reihen der Kumpel zieht. Davon einmal abgesehen, wollen die Grünen, ebenso wie die SPD die Energiewende eher in der Hand der Bürger bzw. der öffentlichen Hand sehen. Auch der Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien soll erhalten und die Privilegien der Industrie beschnitten werden.

Die Überschneidungen zwischen SPD und Grünen in den Fragen der Energiepolitik sind kaum verkennbar. Die Gemeinsamkeiten zur Union sind da schon schwerer auszumachen. Energiepolitisch plant die alte und neue Regierungspartei ihren Kurs im Wesentlichen beizubehalten. Weniger wohlgesonnene Stimmen mögen meinen, dass dies nur eine nette Umschreibung fürs den Erhalt eines trägen Status Quo wäre. Tatsächlich steht die CDU aber traditionsgemäß nicht für Experimente zur Verfügung, sondern für Verlässlichkeit und Konstanz. Diese Werte sind nicht neu, schon Adenauer, der einzige CDU-Kanzler, der kurzzeitig einer Regierung mit absoluter Mehrheit vorsaß, warb mit dem Wahlspruch „Keine Experimente“. Auch die Union spricht sich laut Wahlprogramm für die Energiewende aus, hat aber das Wohl der Industrie viel deutlicher im Blick als ihre beiden möglichen Koalitionspartner und fordert, dass die Privilegien für Unternehmen bestehen bleiben müssen. Bis 2020 soll lediglich der Energieverbrauch um 20 Prozent und der Stromverbrauch um bis zu 10 Prozent gesenkt werden. Von einem hundertprozentigen oder auch nur fünfundsiebzigprozentigen Umstieg auf Erneuerbare Energien bis 2020 ist in dem Wahlprogramm der Union nichts zu lesen.

Wenn sich der Dunst gelegt hat …

Die Positionen der Sozialdemokraten und der Grünen auf der einen und der CDU/CSU auf der anderen Seite liegen also bedenklich weit auseinander, die Fragen der Energiepolitik sind hierfür nur ein Beispiel. Auch in den anderen Streitpunkten gibt es tiefe Brüche zwischen den beiden Blöcken. Ganz gleich also, wer der neue Partner an der Seite von Frau Merkel werden sollte, er wird von Beginn an Glaubwürdigkeit und politische Ziele einbüßen. Dass die Union politisch auf die Grünen oder die SPD zugeht, ist nicht unbedingt zu erwarten. Es würde nicht dem bedächtigen und abwartenden Vorgehen Merkels entsprechen, das eher dem Prinzip des steten Tropfens gehorcht.

Die Folgen dieser Bundestagswahl werden noch eine Weile zu spüren sein. Zum einen, werden sie voraussichtlich eine neue Führungsriege der Grünen hervorbringen, da die alte gemeinschaftlich ihre Hüte genommen hat, selbstverständlich erst nachdem eine neue Regierung steht. Zum anderen, wird sich die SPD entscheiden müssen, was für eine Partei sie in Zukunft sein will. Will sie entweder der Steigbügelhalter für eine Politik sein, die sie über die letzten Monate hinweg hart verurteilt hat, oder kann sie die Geduld aufbringen, die Union an ihrer eigenen Politik scheitern zu lassen und damit die Möglichkeit für wirkliche Veränderung herbeizuführen. Zum dritten, kann sich die LINKE nun beweisen. Kann sie ein konstruktiver Partner sein und damit tatsächlich eine Veränderung erreichen auch auf Bundesebene, oder wird sie den Weg der unkonstruktiven Vendetta, der noch immer von einigen Mitgliedern verfolgt wird (Stichwort: Bernd Riexingers Auftritt in der Elefantenrunde), beschreiten? Letztlich würde sie damit der Union in die Hände spielen. Dass es anders geht, zeigt die LINKE immer wieder in verschiedenen Landesregierungen.

Vor dem kommenden Freitag sind keine großen Änderungen mehr zu erwarten. Die Führung der Grünen hat ihren Rücktritt angekündigt, beziehungsweise ihre Posten zur Neubesetzung angeboten und die SPD wird nichts entscheiden, bevor man sich nicht am Freitag abgestimmt hat. Bis dahin bleibt es spannend.