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Photovoltaik in Italien – Conto Energia V

Solarland Italien gelang es innerhalb eines Jahres seine Leistungen fast zu verdoppeln und sich so an die Spitze des europäischen Photovoltaikmarktes zu setzen. Annähernd 12 GW wurden zugebaut, das entspricht etwa 350.000 Solarstromanlagen, rund 6900MW gingen ans Netz. Und das im Jahr 2011, als große Unsicherheit wegen des Auslaufens des Conto Energia III und des Wechsels zu Conto Energia IV herrschte.

Jetzt bringt eine erneute Gesetzesänderung den italienischen PV-Markt in Aufruhr. Conto Energia V ist unterzeichnet und tritt am 27. August 2012 in Kraft.

So viel ist bereits sicher: die Einspeisevergütung wird deutlich sinken – die Rede ist von ca. 40%. Geplant sind 23,7Ct./kWh für Dachanlagen bis 3kW und 16,1Ct./kWh für Freiflächenanlagen bis 1MW. Dies ist als Gesamtvergütung zu betrachten, da der Stromverkauf nicht mehr extra entlohnt werden soll. Eine automatische Degression senkt die Einspeisevergütung halbjährlich weiter ab. Außerdem sollen alle Betreiber, die eine Förderung erhalten, ab 1.1.2013 0,05Ct. je geförderte kWh entrichten. Kleinere Dachanlagen, etwa von landwirtschaftlichen Betrieben oder Kommunen mit einer Einwohnerzahl unter 5000, werden in Zukunft mehr gefördert. Für die Abdeckung des Eigenverbrauchs vor Ort gibt es eine Zusatzprämie. Ebenso werden PV-Anlagen in den Erdbebengebieten Norditaliens unterstützt. Für Freiflächenanlagen gibt es nur noch Prämien, wenn sie auf vorbelasteten Flächen (Konversionsflächen) realisiert wurden. Die Registerpflicht wird auf 50kW erhöht, wenn die Anlage im Zuge einer Asbestsanierung installiert wurde. Wer in der EU gefertigte oder besonders innovative PV-Produkte verwendet, bekommt eine Prämie (2Ct./kWh). Auch wird eine Registerpflicht für nahezu alle PV-Anlagen ab 12kW Leistung eingeführt. Grundsätzlich soll das Register den jährlichen PV-Zubau auf 2-3 GW begrenzen. Für sämtliche Anlagen mit einer Leistung bis zu 1MW ist ein Einheitstarif vorgesehen, der sowohl Förderung als auch den Preis für den Stromverkauf beinhaltet. Anlagen über 1MW eröffnen sich die Möglichkeiten, ihren Strom selbst zu vermarkten.

Bestehende Anlagen, denen bereits Förderung zugesprochen wurde, wird Bestandsschutz gewährt. Anlagenbesitzer, Investoren oder Halter von Projektrechten müssen sich also keine Sorgen machen. Sämtliche Freiflächenanlagen auf Ackerflächen, die den Bedingungen des Decreto Romani entsprechen und bis 17.8.2012 in Betrieb gehen, erhalten noch den Tarif gemäß Conto Energia IV. Ab Ende August jedoch gilt die Conto Energia V – auch wenn man im Moment befürchtet, dass das Fördervolumen, das gerade um 7 Mio. erhöht wurde, bis dahin ausgeschöpft sein wird.

Italien ist, allein schon aufgrund seiner geographischen Lage, prädestiniert für die Nutzung der Sonnenergie. Die durchschnittliche jährliche Sonneneinstrahlung beträgt im Norden 1725 kWh/qm, im Süden bis zu 2000 kWh/qm. Kaum ein anderes Land im Mittelmeerraum verzeichnet so viele Sonnenstunden. Zudem setzen Staat und Regierung auf erneuerbare Energien, haben den Wirtschaftssektor und das Potential der Photovoltaik erkannt. Die behördlichen Genehmigungsverfahren, auch die des neuen Registrierungsprozesses, sind vergleichsweise effizient und einfach. Bereits 1989 wurde Italiens Atomausstieg beschlossen, 1990 das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet. Das Land verfügt über eines der zuverlässigsten Stromnetze in Europa und steuert auf Netzparität zu. Vor allem der Süden mit seinen hervorragenden Einstrahlungswerten und den sinkenden Modulpreisen steht kurz davor.

Allen neuen Einschränkungen zum Trotz: Italien fördert die Solarbranche auch weiterhin! Die Kürzungen sind nicht so dramatisch wie erwartet. Der Staat versucht die Kosten der Energiewende nach und nach einzudämmen und so die angestrebte Unabhängigkeit der erneuerbaren Energien von staatlichen Subventionen zu erreichen. Milk the Sun ist gespannt und beobachtet die weiteren Entwicklungen!

 

Conto Energia V und die Herausforderung des Wandels in der PV-Industrie

Gerade ein Jahr nachdem das vierte Gesetz für erneuerbare Energien, die Conto Energia IV, in Kraft getreten war, wird der italienische Photovoltaikmarkt wieder mit neuen gesetzlichen Änderungen konfrontiert. Der neue Erlass, dessen Auszüge Anfang März diesen Jahres veröffentlicht wurden, soll zum Ziel haben der Industrie den Weg in Richtung Netzparität zu ebnen, so der MInister für Wirtschafts- und Umweltentwicklung. Wenn der Gesetzesentwurf auf dem aktuellen Stand in Kraft tritt, werden Einsparungen von 50% und Registerpflicht für Solarstromanlagen über 12 kWh mit neuen und strikteren FiT Kriterien die Folge sein. Nach Einschätzungen der Gewerkschaften könnte die Conto Energia V das Ende der italienischen Photovoltaikbranche bedeuten. Auch jenseits der Veränderungen, die die Conto Energia V mit sich bringt, wird sich die Photovoltaikindustrie weiteren Herausforderungen stellen müssen. Es ist offensichtlich, dass der Photovoltaikmarkt immer stärker und der Wettbewerb immer größer wird. Somit wird es unumgänglich neue Mittel und Wege zu finden mit der Dynamik des Marktes Schritt zu halten – der Conto Energia V folgen langfristig auch weitere Änderungen. Beispielsweise konnte sich selbstständig ein wettbewerbsfähiger Markt durch den starken Rückgang des Silikonpreises etablieren (Silikon ist ein Rohmaterial, das zur Fertigung von Solaranlagen verwendet wird). Solche Entwicklungen kreativ für die Photovoltaikindustrie umzusetzen stellt eine echte Alternative zu oktroyierten Gesetzesänderungen, die den Markt in Schwung bringen sollen. Es gibt wenige Lösungsansätze in der Branche, die auf eine Veränderung des Marktes eingestellt sind. Dabei ist man sich beispielsweise einig, dass die lange Schlange an Mittelsleuten, die den Markt überhäufen und Entwicklungsprozesse oder Projektübernahmen verlangsamen, verkleinert werden muss. Dynamik, Schnelligkeit und Transparenz muss sich die Industrie langfristig auf die Fahnen schreiben, damit Photovoltaik ein zukunftsfähiges und zugängliches Produkt auf europäischem Niveau werden kann.

Auch die deutsche Photovoltaikindustrie sieht sich immer neuen Restriktionen und Wendungen bezüglich der öffentlichen Förderung (Anpassungen des Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG) ausgesetzt. In diesem Moment debattiert Schwarz-Gelb, in welcher Weise aktuelle Kürzungsvorhaben in der Photovoltaikbranche umgesetzt werden sollen (Deckelung der Förderkosten oder monatliche Anpassung). Ähnlich, wie auf dem italienischen Markt, sind auch in Deutschland sinkende Produktionskosten von Solaranlagen, wegen günstigen Rohstoffpreise der Grund für explosionsartige Investitionen und stetig steigende Zahlen von Solarstromerzeugenden. Diese überraschende Entwicklung der letzten Jahre hat auf Bundesebene Kürzungen von Subventionen im Solarsektor zur Folge gehabt. Der Negativpresse und der Befürchtungen eines Einbruches der deutschen Photovoltaikindustrie zum Trotz, müssen die sinkenden Preise der Rohstoffe für PV als wirtschaftliche Chance gesehen werden. Jüngste Entwicklungen lassen eben auch die Vermutung zu, dass Photovoltaik ein zukunftsträchtiger, wettbewerbsfähiger Markt ist, der auf eigenen Beinen stehen kann. Ob in Deutschland oder Italien. Die Photovoltaikindustrie profitiert von kurzen und einfachen Kommunikationswegen zwischen Händlern, Investoren und Projektanbietenden – von neuen Marktplätzen ohne Mittelsleute und Hierarchien, wie auf Milk the Sun.