Solaranlagen Inspektion und Werterhaltung: Darauf kommt es an!

Solaranlagen Inspektion und Werterhaltung: Darauf kommt es an!

Eine Photovoltaik-Anlage ist ein Wert, den es zu erhalten gilt. Daher setzen Betreiber bei der Auswahl der Anlage von Anfang an auf Qualität. Belohnt werden sie mit guten Erträgen. Worauf kommt es bei der Werterhaltung von Solaranlagen an? Was macht eine gute Qualitätssicherung aus?

Im Experten-Interview gibt uns Tobias Brack, Leiter O&M Services bei ADLER Solar, seine Einschätzung zum Thema.

Was kann bereits bei der Planung einer PV-Anlage in Sachen Qualitätssicherung berücksichtigt werden?

Im Rahmen der Planung werden die grundlegenden Komponenten der zukünftigen PV-Anlage definiert. Hier müssen die einzelnen Komponenten wie Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion und ggf. auch Batterien aufeinander abgestimmt werden, so dass im späteren Betrieb keine Probleme auftreten. Schon während dieser frühen Phase sollte klar sein, in welchem Rahmen später Wartung und Monitoring durchgeführt werden sollen, um entsprechendes Equipment wie Datenlogger vorzusehen.

Welche Rolle spielt die Wartung bei der Werterhaltung einer Anlage?

PV-Anlagen sind darauf ausgelegt, über Jahrzehnte zuverlässig Strom zu liefern. Wenn einzelne Komponenten allerdings defekt oder nicht sauber aufeinander abgestimmt sind, kann die Anlage nicht ihre volle Leistung erbringen.

Eine regelmäßige Überprüfung stellt eine nachhaltige und verlässliche Stromerzeugung sicher und ermöglicht zudem, Störungen bzw. Schäden frühzeitig zu erkennen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen ertrags- und sicherheitsrelevanten Mängeln. Bei ersteren handelt es sich um Defekte, die den Gewinn des Betreibers mindern, aber nicht zwingend die Sicherheit der Anlage beeinflussen. Sicherheitsrelevante Mängel müssen unbedingt behoben werden, um weitere oder Folgeschäden zu verhindern – hier besteht ggf. Gefahr für Leib und Leben. Eine regelmäßige technische Betriebsführung und entsprechende Vorsorgemaßnahmen sind daher essentiell, um Mindererträge und Sicherheitsmängel aufzudecken.

Gibt es Fehlerbilder, die Ihnen in der Praxis immer wieder begegnen?

Im Feld finden wir bei unseren O&M-Aufträgen sehr häufig defekte Module. Das können Fehler aus der Fertigung sein, aber auch Schäden durch Hagel oder Überspannungen. Nicht selten begegnen uns defekte Kabelverbindungen, nicht kompatible Steckverbindungen, korrodierte Unterkonstruktionen oder Klemmen, die sich im Laufe der Zeit gelöst haben. Ein großes Problem sind undichte Elektroverteilungen, in die Wasser eingedrungen ist. Dadurch können gefährliche Brände entstehen.

Was macht eine professionelle Wartung aus?

Unabhängig von der täglichen Überprüfung im Monitoring sollte eine PV-Anlage mindestens einmal jährlich physisch gewartet und visuell überprüft werden. Monitoringdaten liefern nur eine begrenzte Sicht auf die Anlage.

Im Rahmen der Wartung werden unter anderem:

  • Module visuell kontrolliert
  • Kabel und Überspannungsschutz überprüft
  • Wechselrichter gewartet
  • Zäune, Beschilderung und Zugangskontrolle kontrolliert.

Bei einer professionellen Wartung wird zudem überprüft, ob alles normgerecht installiert und entsprechend funktionsfähig ist. Hier gilt es, auch alle neuen Richtlinien und Normanpassungen im Blick zu haben. Aktuell gab es z.B. eine Anpassung der Norm zum Überspannungsschutz. Im Rahmen von professionellen Vorsorge- und Wartungsmaßnahmen werden Anlagen auch dahingehend überprüft.

Was gibt es beim Überspannungsschutz zu beachten?

Seit dem 14. Dezember letzten Jahres ist für PV-Anlagen der Einbau eines Blitz-/ Überspannungsschutzes Pflicht, d.h. es müssen – gemäß der VDE Normen 0100-443 und 0100-534 – bei Neu-, Umbauten sowie Erweiterungen von Solaranlagen passende Ableiter verbaut werden. Für Anlagenbetreiber ist der Überspannungsschutz von unschätzbarem Wert: Er sichert die Investition für die PV- und Batteriespeicher-Anlage.

 Zu beachten ist, dass nicht alle Überspannungsableiter Blitzströme mehrere Male ableiten können. Ist Ihre Anlage mit einem Bauteil versehen, das nur einmalig aktiviert werden kann, muss der ausgelöste Ableiter gegen einen neuen ausgetauscht werden.

Ab welcher Anlagengröße sind Monitoring bzw. weiterführende O&M-Lösungen empfehlenswert?

Monitoring ist ein unerlässlicher Bestandteil der Qualitätssicherung. Es sichert nicht nur die Erträge der Anlage, sondern sorgt dafür, dass auch Verschleiß oder Fehler frühzeitig erkannt werden. Kommerzielle Anlagen bzw. Anlagen ab 50 Kilowatt Leistung sollten kontinuierlich überwacht werden, wenn die Betreiber kein eigenes Personal oder keine Kompetenzen dafür haben. Moderne Wechselrichter übernehmen die Überwachung und Datenerfassung wichtiger Anlagenparameter und stellen diese per Schnittstelle zur Verfügung. Jedoch muss man eingehende Fehlermeldungen deuten können, ebenso die Meldungen aus dem Datenlogger bzw. dem Monitoringportal, die zusätzliche Informationen wie Einstrahlungsdaten bereitstellen.

Die Kosten für Überwachung und Wartung werden mit etwa einem Prozent der Investitionssumme für die jährlichen Betriebskosten veranschlagt, auch bei gewerblichen Dachanlagen. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass der Betreiber andernfalls den Totalverlust seiner Anlage riskiert.

Was ist bei kleineren Anlagen zu empfehlen?

Für Kleinanlagen reicht ein Portalzugang meist völlig aus, über den der Betreiber informiert wird, wenn eine Störung auftritt. Zudem lässt sich die Leistungsentwicklung anhand der monatlichen Ertragsdaten sowie der Betriebsdaten am Wechselrichter analysieren.

Was raten Sie bei der Feststellung von Mindererträgen?

Leistungseinbußen sind nicht selten auf einen natürlichen Verschleiß (Degradation) zurückzuführen. Mit der Zeit kann es grundsätzlich zu einer erhöhten Fehleranfälligkeit kommen. Durch gezielte Optimierungsmaßnahmen (Repowering) kann eine Anlage zur ursprünglichen Leistungsfähigkeit zurückgebracht werden – nicht zuletzt dank der aktuellen Technik, die nicht nur günstiger, sondern auch leistungsfähiger, ertragsreicher und einsatzsicherer geworden ist. So amortisiert sich beispielsweise ein neuer Wechselrichter aufgrund seines höheren Wirkungsgrads häufig innerhalb weniger Jahre.