Meinung: Das Bundesbedarfsplangesetz und die kleinen Schritte Richtung Desertec-EUMENA

Bereits am 07.Juni verabschiedete der Bundesrat das sogenannte Bundesbedarfsplangesetz und macht damit den Weg für das Voranschreiten der Energiewende frei. Geplant sind Ausgaben von bis zu 10 Milliarden €, die in den Ausbau eines Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Netzes fließen sollen. Deutschland macht damit einen kleinen Schritt in Richtung eines Supergrids, dass, wenn es tatsächlich einmal zustande kommen sollte, Europa, Nordafrika und den Nahen Osten mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen könnte.

Der geplante ausbau der HGÜ-Leitungen wird in Norddeutschland produzierte Windenergie nach Süddeutschland leiten. iStockphoto.com©franckreporter

 

Diskussionen über die Rentabilität und den praktischen Nutzen von einem Stromnetz das auf erneuerbaren Energien – vor allem Wind und Solarenergie – basiert, sind en Vogue, doch oft genug frustrierend. Am Ende steht viel zu oft die Ankündigung, dass es dochnoch eine ganze Weile dauern wird, bis erneuerbare Energien die Stromversorgung von Land XY komplett übernehmen können. Bis dahin, so die oft von Politik und Fernsehrundenexperten wiedergekäute und propagierte Auffassung, müsse man eben in den sauren Apfel beißen, der dann Kohle- oder Atomenergie heißt.

Eine solche Auffassung ist insbesondere für jene Leute frustrierend, die sich mit dem Themenkomplex wissenschaftlich befassen. Denn es existieren Alternativen zum Weiterlaufen der AKW oder dem Ausweichen auf die Kohlekraftwerke.

Eine Möglichkeit stellt die Transmission dar. Konkret heißt das, dass große Stromleitungen gelegt werden müssten, die Strom von Regionen, die mit genügend erneuerbaren Energiequellen ausgestattet sind, in jene Regionen überführen, in denen sie benötigt wird. Dieses Übertragungsverfahren nennt sich Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) und ist kein neues Konzept, sondern basiert auf einem alten Verfahren. Die ersten Versuche mit der HGÜ wurden bereits 1892 durchgeführt, damals zwischen Miesbach und München. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sind eine ganze Menge Verbesserungen erfolgt. Der Vorteil bleibt, dass HGÜ-Leitungen große Mengen Gleichstroms in die entsprechenden Regionen transportieren könnten, wo die nötige Umwandlung in Gleichstrom vorgenommen werden müsste.

Gerade dem Süden Deutschlands macht derzeit die Umstellung auf die erneuerbaren Energien zu schaffen. Gerade im Süden befinden sich die Mehrzahl der noch aktiven AKW. Das heißt, während sich der Norden Deutschlands mit der Zeit auf die Umstellung auf erneuerbare Energie vorbereiten konnte – der Bau der Windparks in Norddeutschland begann schon vor Jahren – und endlich seine beiden stärksten Karten auszuspielen kann (viel Platz und viel Wind), kommt die Energiewende dem Süden Deutschlands eher ungelegen. Man hatte sich in diesen Regionen auf die langjährige Beständigkeit der Atomkraft verlassen können. Um einem Energienotstand in den Industrie- und Bevölkerungsstarken Regionen Deutschlands entgegen zu wirken, ist der Ausbau des HGÜ-Netzes unabdinglich.

Deutschland ist, genau wie alle anderen Länder Europas und letztlich der Welt auf die Transmission angewiesen. Mit ihr ist die Etablierung eines Supergrids möglich. Am Beispiel Deutschlands heißt das, dass der in Norddeutschland im Überfluss produzierte Strom aus Windenergie in den Süden transferiert werden kann. Das Anfang Juni im Bundesrat verabschiedete Bundesbedarfsplangesetz regelt eben diesen Sachverhalt. Der Bund wird sich an dem Projekt mit bis zu 10 Milliarden € beteiligen. Geplant sind drei HGÜ-Korridore (A,C und D), die, in Nord-Süd-Achse verlaufend, den, auf den Off-Shore-Windparks der Nordsee gewonnenen, Strom nach Süddeutschland transportieren sollen.

Diese HGÜ-Trassen gelten als Grundlage für das zukünftige Supergrid, das letztlich Teil des Desertec-EUMENA-Projektes sein wird. Mit Desertec sollen die verschiedenen erneuerbaren Energiequellen miteinander verbunden werden.  So wird ein Europa und Nordafrika umfassendes Stromnetz geschaffen, das sich aus Windkraft, Geothermie, Biomasse, Wasserkraft und Solarenergie speisen wird.

Was bei Desertec-EUMENA schon fast größenwahnsinnig wirken mag, bekommt, mit der Übertragung auf Nordamerika oder Asien, oder gar die ganze Welt, einen tatsächlich futuristischen Touch. Der Plan des HGÜ-Leitungsausbaus in Deutschland kann als ein kleiner Schritt in diese Richtung gewertet werden.

 

Quellen: grist, iEEE Spectrum, netzentwicklungsplan.de,