Vier Fragen an … Robert Schwarz, Partner & Prokurist bei BTO Management Consulting

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Robert Schwarz ist Partner und Prokurist der BTO Management Consulting AG in Berlin, eine Beratungsgesellschaft mit dem Fokus auf die Energie-, Öl- und Gaswirtschaft inklusive der zugehörigen Infrastruktur und Vice President New Business bei der Centrosolar Group AG, München, wo er die Erschließung neuer Geschäftsfelder und die Entwicklung künftiger Vermarktungs- und Vergütungsmodelle für die Photovoltaik verantwortet.

Robert Schwarz: "Der funktionsfähige Emissionshandel sowie ein modernisiertes EEG sehe ich als stärkste Klimaschutzinstrumente, sollte ein verursachergerechte CO2-Tax europäisch umsetzbar sein, wäre dies ein Meilenstein in Sachen Klimaschutz."

Milk the Sun: Lieber Herr Schwarz, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Robert Schwarz: Der energie- und klimapolitische Schlingerkurs der letzten vier Jahre ist in seiner Ambivalenz nicht zu übertreffen, begonnen mit dem Ausstieg vom Ausstieg über die unsäglichen Korrekturen am EEG einschließlich des Themas Direktvermarktung hin zu einer seit Monaten in ihren Entscheidungen gelähmten „Strompreisbremsen-Regierung“. Im Ergebnis sehen sie einen nicht-funktionierenden Energiemarkt und weiterhin Fehl-Allokationen von hohen Subventionsbeträgen, die sowohl Nutzer als auch Produzenten verunsichert haben. Das Thema Klimaschutz wurde erfolgreich in den Hintergrund der öffentlichen Debatte zugunsten einer Strompreisdiskussion gerückt, wichtige Investitionen aufgrund unsicherer Rahmenbedingungen zurückgehalten, notwendige Infrastrukturen einfach abgeschaltet.

 Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Robert Schwarz: Ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz und eine sachliche parteiübergreifende Diskussion über ein neues Marktdesign der Energiewirtschaft. Bisher erkenne ich in den Wahlversprechen leider keinen geeigneten Ansatz Emissionen zu reduzieren, noch die Bereitschaft eine Energiewende meistern zu wollen. Der funktionsfähige Emissionshandel sowie ein modernisiertes EEG sehe ich hierbei als stärkste Klimaschutzinstrumente, sollte eine verursachergerechte CO2-Tax europäisch umsetzbar sein, wäre dies ein Meilenstein in Sachen Klimaschutz.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Robert Schwarz: Die aktuelle Untersuchung der deutschen Umwelthilfe(Die Energiewende in Deutschland – Dichtung und Wahrheit)  greift die in die Diskussion geführten Argumente auf und untersucht nüchtern deren Tragfähigkeit. Ich wünsche mir hier mehr objektive Information der Bürger auf der Grundlage möglichst Lobby-freier Fakten.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Robert Schwarz: Jeder Stakeholder hat seine Interessen und berechtigte Argumente für oder gegen eine effiziente Klimapolitik. Aber es gibt Initiativen die konträre Interessen bündeln.  Ich habe z.B. den Carbon War Room (CWR) als eine wirksame und handlungsfähige Initiative kennengelernt. „Das Ziel: den CO2-Ausstoß im großen Stil reduzieren und damit viel Geld verdienen.“ Die Initiatoren des CWR verstehen den Kampf gegen den Klimawandel als Chance zur Schaffung von Wohlstand in diesem Jahrhundert durch Energieeinsparungen und die massive Reduktion des Verbrauch fossiler Energieträger.  Es werden Konzepte gesucht und umgesetzt die konkrete Ergebnisse erzielen – CO2-Reduktion. Grabenkämpfe werden so meines Erachtens obsolet durch best-practice.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Schwarz für das Interview

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte)

 

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