Vier Fragen an… Arne Horn, Solarexperte und Vertriebsleiter bei DZ-4

Arne Horn ist einer der Köpfe hinter DZ-4, einem jungen Unternehmen aus Hamburg. DZ-4 sieht in der dezentralen Energieversorgung die Verfahrensweise der Zukunft und setzt es sich zum Ziel, ihren Kunden eine private Energiewende zu ermöglichen. Arne Zorn organisiert den Vertrieb des DZ-4 Modells. Herr Horn kann auf 10 Jahre Erfahrung in der Solarbranche zurückblicken. Zuletzt arbeitete er als Vertriebsleiter in Südeuropa und Afrika bei LDK Solar.

“Für Deutschland hoffe ich, dass wir endlich einen gesetzlichen Rahmen erhalten, der länger Bestand haben wird als 12 bis 18 Monate. Nur dann wird sich die deutsche EE Industrie auch gesund entwickeln können und seine wichtige internationale Rolle beibehalten.” – Arne Horn

Milk the Sun: Lieber Herr Horn, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Arne Horn: Das Ergebnis der Koalitionsverhandlung bedeutet zuerst nur einmal, dass wir endlich eine handlungsfähige Regierung haben. Dies ist zu begrüßen. Nun ist abzuwarten, was Sigmar Gabriel aus seiner starken Stellung als Energieminister macht. Eine schnelle Reform des EEGs ist von ihm angedacht und auch notwendig. Der erste Vorschlag der Gesetzesnovelle geht leider aber absolut in die falsche Richtung. Leider wird er zu einem noch weiteren Ausbau der Kohleenergie führen und insbesondere die starke Belastung des Eigenverbrauches von Solarstrom sehe ich als sehr kritisch. Weiterhin befürchte ich, dass der Prozess bis zur Verabschiedung des Gesetzes länger dauern wird, als angedacht und die damit verbundenen Unsicherheiten und aufgeschobenen Investitionsentscheidungen der Branche sehr schaden werden.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Arne Horn: Die Zukunft der Erneuerbaren Energien schätze ich wie schon immer als sehr positiv ein. Sie ist nachweislich für die gesamte Volkswirtschaft am günstigsten und schafft viele Arbeitsplätze im Mittelstand, aber auch für die Exportwirtschaft. Die Technologie ist an vielen Stellen ausgereift und erprobt. Es führt in einer ökonomisch wie ökologisch ausgeglichenen Zukunft nichts an ihnen vorbei.
Da die Energiewirtschaft eine der am stärksten reguliertesten Branchen ist, hängt aber das Ausmaß ihrer Perspektiven und Wachstums natürlich mit diesem Rahmen zusammen. Dabei sollten wir unseren Blick auf eine Technologie richten, die aktuell viel mehr in Konkurrenz zur Kohlekraft steht – nämlich moderne Gaskraftwerke. Es sind nicht die Erneuerbaren Energien, die durch die Kohlekraft verdrängt werden, sondern eben diese ebenfalls umweltfreundlichere Technologie. Problem ist nur, dass sie sich wegen eines am Boden liegenden CO2-Zertifkathandels nicht rechnet. Hier sehe ich ebenfalls großen Handlungsbedarf für die Politik.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Arne Hornn: Natürlich besteht hier eine Gefahr und wir als Industrie, Mittelstand und Gesellschaft haben es selber in der Hand, dies positiv zu beeinflussen. Aus einer globalen Perspektive können wir uns sogar darüber freuen, wenn mehr und mehr Länder dem Vorbild Deutschlands nacheifern und ebenfalls Erneuerbare Energien als eine tragende Säule Ihrer Energieversorgung etablieren.
Die Autoindustrie hat es uns vorgemacht, wie es geht. Deutsche Autos sind weltweit führend und werden hierzulande gefertigt. Warum sollte dies nicht auch mit der Solar- oder Windbranche gehen? Nur musste die Automobilbranche in Ihren Anfängen „nur“ gegen die Lobby der Pferdefuhrwerke ankämpfen.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Arne Horn: Wir werden einen globalen Markt sehen, der weiter rasant wächst. Die Kernmärkte werden China, Japan, Indien und die USA sein.
Für Deutschland hoffe ich, dass wir endlich einen gesetzlichen Rahmen erhalten, der länger Bestand haben wird als 12 bis 18 Monate. Nur dann wird sich die deutsche EE Industrie auch gesund entwickeln können und seine wichtige internationale Rolle beibehalten. Davon werden dann letztendlich alle profitieren.

Wir danken Herrn Horn für das Interview.

 

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Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der milk the sun blog führenden Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews mit Arne Horn:

Vier Fragen an… Arne Horn, Vertriebsleiter bei DZ-4

Manuel Gonzalez Fernandez

Manuel Gonzalez Fernandez, 28, Journalist, PR-Manager und Blogredakteur bei Milk the Sun. >>I’d put my money on the sun and solar energy. What a source of power! I hope we don’t have to wait until oil and coal run out before we tackle that.<< - Thomas Edison