UK: Das Investment in Solaranlagen befindet sich im Wandel

UK: Das Investment in Solaranlagen befindet sich im Wandel

Das Investment in Solaranlagen in Großbritannien wird sich grundlegend ändern. Grund dafür sind drastische Kürzungen der Einspeisevergütung für kleine bis mittelgroße PV-Anlagen und das Ende der ROC-Vergütung für Solarparks ab 5 Megawatt Größe. Der Wandel vom Photovoltaik-Erstmarkt zum Zweitmarkt für Solaranlagen hat begonnen.

 

Die Nachrichten der einschneidenden Kürzungen bzw. der ganzheitlichen Abschaffung von Vergütungsmodellen für Solaranlagen in Großbritannien ab 2016 schlugen ein wie eine Bombe. Ein aufstrebender und für Investoren interessanter Photovoltaik-Markt mit einem rasanten Zubau an PV-Kapazitäten wurde über Nacht zum Erliegen gebracht. Zumindest sprichwörtlich.

 

Ein Zweitmarkt für Solaranlagen entsteht

Die Entscheidung des Department of Energy and Climate Change (DECC), das ROC-Vergütungsschema für Solarparks ab 5 Megawatt (MW) Leistung komplett einzustampfen, hatte nämlich zunächst einen positiven Effekt. Viele Projektentwickler haben in kurzer Zeit so viele Photovoltaik-Kapazitäten installiert wie möglich, um noch von dem auslaufenden Vergütungsmodell zu profitieren. Das Ergebnis: Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden Solarparks > 5MW mit insgesamt 4 Gigawatt (GW) Leistung installiert. Die gesamte kumulierte Menge an Photovoltaik-Kapazitäten in Großbritannien ist damit bis Ende 2015 auf rund 8 GW angestiegen.

Die Änderungen haben dazu beigetragen, dass der Photovoltaik-Markt in den UK so aktiv ist wie nie zuvor. Dieser Trend wird voraussichtlich noch mindestens ein Jahr anhalten, bis die Frist zur Installation von Solarparks endgültig abgelaufen ist. Experten nehmen an, dass bis dahin genug PV-Anlagen installiert sein werden, die einen Wechsel des System – ähnlich wie in Deutschland – von einem Erstmarkt zu einem Zweitmarkt für laufende Solaranlagen möglich machen.

 

Vergütungskürzungen für kleine Solaranlagen

Photovoltaik-Anlagen unter 5 Megawatt Größe werden weiterhin berechtigt sein, Einspeisevergütungen zu beziehen. Allerdings mit Abstrichen. Die gravierendste Veränderung ist die am 15. Januar 2016 eingetretene Reduzierung der Einspeisevergütung für Solaranlagen um mehr als 70 Prozent. In Zahlen heißt das folgendes:

  • Photovoltaik-Anlagen kleiner als 50 kWp erhalten eine Vergütung von 4,39 £-p/kWh – 4,59 £-p/kWh (weitere Senkungen der Vergütung folgen)
  • Photovoltaik-Anlagen größer als 50 kWp erhalten eine Vergütung von 2,27 £-p/kWh – 2,70 £-p/kWh.
  • Die Export-Tarife der Einspeisevergütung bleiben mit 4,85 £-p für jede eingespeiste aber nicht verbrauchte Kilowattstunde unverändert.

Im Rahmen der neuen Tarife zielt die britische Regierung auf eine Rendite von 4,8 Prozent für PV-Projekte ab. Außerdem wurde eine Obergrenze des Zubaus je nach Anlagengröße für Solarprojekte zwischen 5 und 48,4 MW festgelegt. Laut der veröffentlichten Zubauzahlen von “Ofgem” wurde schon am ersten Tag der Wiedereröffnung des Programmes zur Einspeisevergütung die Obergrenze für unabhängige Photovoltaikanlagen erreicht. Hochgerechnet auf ein Jahr würde das eine Beauftragung und Installation von ungefähr 336 Megawatt neuer Photovoltaik-Kapazitäten pro Jahr bedeuten. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr betrug das Photovoltaik-Wachstum unter den bisherigen Vergütungsschemen rund 1 Gigawatt.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Solarinvestments in Großbritannien kleine Privatanlagen und große Solarparks. Dennoch glaubt die Bauindustrie, dass es in Zukunft einen relevanten Markt für gewerbliche Photovoltaik-Dachanlagen geben wird.

 

Von Privatanlagen und Solarparks hin zu gewerblichen Dachanlagen

Neben dem zuletzt beschleunigten Ausbau von Solarparks größer 5MW, reagieren führende britische Projektentwickler auf das Ende des ROC-Vergütungsmodells mit vermehrten Investments in kommerzielle Photovoltaik-Dachanlagen. Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass der britische PV-Markt beginnt, sich zu diversifizieren. Zum Beispiel gründete „Conergy UK“ im vergangenen Jahr einen separaten Geschäftszweig für Photovoltaik-Dachanlagen, um das weitgehend unberührte neue Potenzial des reifer werdenden Solarmarktes anzuvisieren.

Der Markt für kommerzielle Dachanlagen befindet sich noch immer in Kinderschuhen und liegt weit hinter dem Markt für kleine Solaranlagen. 80 Prozent der insgesamt 4 GW Photovoltaik-Dachanlagen in Großbritannien sind private PV-Anlagen mit einer maximalen Größe von 50 kWp. Aktuell sind lediglich 20 Prozent der PV-Dachanlagen über 50 kWp Größe – in Zahlen 760 Megawatt – kommerziell ausgerichtet. Ob dieses Potenzial trotz der Kürzungen der Einspeisevergütungen weiter ausgebaut werden kann, bleibt abzuwarten.

Ein Lichtblick: Nach Angaben von „Aberdeen Asset Management“ könnten sogar ohne staatliche Subventionen Renditen von fünf bis sieben Prozent mit kommerziellen Dachanlagen erwirtschaftet werden. Möglich wäre das durch die Installation für und den Stromverbrauch von Gemeinden. In die Rendite würden dann Punkte wie verringerte Strom- und Betriebskosten einfließen, die gleichzeitig einen positiven Effekt auf die Bewertung von Immobilien, die Steuerbelastung und den CO2-Ausstoß haben.

 

Quelle: Übersetzung des englischen Originalartikels auf unserem internationalen Blog.

Titelbild: Mik-Lav/shutterstock

Manuel Gonzalez Fernandez

Manuel Gonzalez Fernandez, 28, Journalist, PR-Manager und Blogredakteur bei Milk the Sun. >>I’d put my money on the sun and solar energy. What a source of power! I hope we don’t have to wait until oil and coal run out before we tackle that.<< - Thomas Edison