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Windkraft in der EU: Offshore-Interkonnektor von 50 Hertz in der Ostsee geplant

Die EU unterstützt mit 150 Millionen Euro den geplanten Offshore-Interkonnektor der Unternehmen 50 Hertz und Energienet.dk. Das geplante Pilotprojekt „Kriegers Flak Combined Grid Solution“ wird als Vorbild für zukünftige Windkraft-Offshore-Stromnetze dienen und im Dreiländereck zwischen Schweden, Dänemark und Deutschland in der Ostsee entstehen.

Meinung: Erfolg der Energiewende braucht weiterhin massiven Druck aus der Bevölkerung

„Die Energiewende ist nicht mehr aufzuhalten.“ Diese Aussage höre ich oft. Vielleicht stimmt sie auch. Das heißt aber nicht, dass wir uns als Gesellschaft zurücklehnen können und nicht weiter für die Energiewende kämpfen müssen.

Vier Fragen an … Patrick Jüttemann, Betreiber von klein-windkraftanlagen.com

Patrick Jüttemann Betreibt das Kleinwindkraftportal klein-windkraftanlagen.com. Das Kleinwindkraftportal bietet umfassende Informationen zu kleinen Windkraftanlagen. Dies bezeichnet Anlagen unter 100 kW, die einer verbrauchernahen Stromerzeugung dienen. Herr Jüttemann beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit Erneuerbaren Energien. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Themenkomplex der Klein-Windkraft.

Patrick Jüttemann: "Insgesamt wurde in der Energie- und Klimapolitik eher eine Beunruhigung der Bevölkerung und Wirtschaftsakteure erreicht, es fehlt der klare Kurs."

Milk the Sun: Lieber Herr Jüttemann, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Partick Jüttemann: Konkrete Beschlüsse werden herausgezögert. Bundesminister Altmaier reist viel rum, als wäre er noch in der Findungsphase. Insgesamt wurde in der Energie- und Klimapolitik eher eine Beunruhigung der Bevölkerung und Wirtschaftsakteure erreicht, es fehlt der klare Kurs. Vor allem in Bezug auf die Erneuerbaren Energien werden vorwiegend angebliche Probleme und Fehlentwicklungen thematisiert. Das gefällt mir überhaupt nicht.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Partick Jüttemann: Einen klaren Kurs basierend auf einem klaren Plan. Vor allem verlange ich faire und transparente Rahmenbedingungen für die dezentrale Energieversorgung durch Erneuerbare Energien. Die meisten Deutschen glauben an Erneuerbare Energien und viele sind auch bereit in umweltfreundliche Energietechnik für den Eigenverbrauch zu investieren. Seien es private Hausbesitzer, Gewerbetriebe oder Landwirte. Mein Spezialgebiet sind Kleinwindkraftanlagen: Es sollte z.B. möglich sein, den Kleinwind-Strom unbürokratisch an den Nachbarn zu verkaufen, um den Verbrauch vor Ort zu erhöhen. Denn nur der Eigenverbrauch des Stroms einer Kleinwindanlage ist wirtschaftlich, die Einspeisung nicht. Genehmigungsrechtlich wird allerdings oft vorgeschrieben, dass nur der Besitzer der Anlage den Strom selbst verbrauchen darf. Solche Regelungen verhindern eine dezentrale Energiewende.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Partick Jüttemann: Dieser Zustand hängt wohl mit dem Wahlkampf zusammen. So wie die Parteien sich einst auf den Atomausstieg geeinigt haben, müssen sie sich nach der Wahl auf einen Plan hin zu 100% Erneuerbare Energien einigen. Die meisten Parteien stimmen diesem Weg zu. Wir benötigen eine parteiübergreifende Kommission unterstützt durch wissenschaftliche Expertise, die einen langfristigen Plan aufstellt.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Partick Jüttemann: In der Tat ist es fatal, dass gerade in letzter Zeit in der Diskussion zur Energiewende das Hauptziel nicht thematisiert wird, die Rettung unseres Planeten. Dass sogar in Deutschland das große klimapolitische Ziel an Bedeutung verliert, hängt meiner Meinung nach mit gezielten Lobby-Aktionen zusammen. Es werden Nebenschauplätze eröffnet, wie die Kritik an den Erneuerbaren Energien. Der langfristige Nutzen der Ökoenergien wird in der Diskussion so in den Hintergrund gedrängt. Auffallend ist zudem die zunehmende Aktivität von Klimawandel-Leugnern in Deutschland. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Strohfeuer nach der Wahl wieder nachlassen.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Jüttemann für das Interview.

 


 

Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project)

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