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Vier Fragen an … Robert Doelling, Blogger und Experte für Erneuerbare Energien | Milk the Sun – Blog

Robert Doelling wurde 1976 geboren und studierte Marketing an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er engagiert sich privat als Energieblogger und schreibt regelmäßig für das Expertenportal energie-experten.org. Er ist Autor des Fachbuches „Information Performance – Wie aus Kunden die besten Vertriebspartner Ihres Unternehmens werden“ und leitet hauptberuflich die Social Media-Aktivitäten bei der Deutsche Auftragsagentur GmbH (DAA) in Hamburg. Herr Doelling betreut derzeit unter anderem die Portale solaranlagen-portal.com und heizungsfinder.de.

 

“Die Innovationsführerschaft der großen, deutschen Photovoltaikhersteller wurde politisch, aber auch durch den weltweiten Wettbewerb am Standort Deutschland bereits zunichte gemacht.” – Robert Doelling

Milk the Sun: Lieber Herr Doelling, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Robert Doelling: Ich hege gar keine Erwartungen mehr. Für mich ist die politische Energiewende zu einem respektlosen Hick Hack verkommen auf Kosten derjenigen Bürger und Unternehmen, die sich privat als auch wirtschaftlich für die Energiewende einsetzen. Dabei stört mich gar nicht Mal die Richtung selbst, die Energiewende politisch lenken zu wollen, sondern der Flickenteppich aus vorschnellen Entscheidungen, die keinerlei Sinn ergeben, aber der Energiewende, der Umwelt oder halt den Unternehmen der Erneuerbaren-Branche nur schaden. Nehmen Sie z. B. die Aufhebung des Verbots von Nachtspeicherheizungen, um diese als “Stromspeicher” nutzen zu können. Spricht davon noch irgendjemand? Nein. Nur die Konzerne können weiterhin Ihren Kohlestrom absetzen.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Robert Doelling: Um ehrlich zu sein, sehe ich das EEG selbst nicht als Baustelle. Es gibt eine sinnvolle Degression, die z. B. letztes Jahr das geplante Ausbauziel an PV-Leistung auf den Punkt getroffen hat. Nachbesserungsbedarf besteht beim Netzausbau und bei den Ausnahmeregelungen der EEG-Umlage. Die Erneuerbaren sind eigentlich auf einem sehr guten Weg. Und wenn man über Marktintegration spricht, so sollte man auch über die gleichwertige Marktintegration der etablierten Energiekonzerne reden, die immer noch meinen, sie könnten sich jeglichem Fortschritt und Wettbewerb entziehen. Diese Strategie wird nämlich spätestens dann nach hinten losgehen, wenn die Erneuerbaren wirkliche Kostenparität erreicht haben. Die Erneuerbaren werden dann keine Förderung mehr benötigen und entziehen sich damit auch dem Zugriff politischen Reglements. Sind dann die Netze nicht auf die Erneuerbaren angepasst, wird es tatsächlich kompliziert werden, die Stromversorgung für ein Land wie Deutschland zu sichern. Um diese Baustellen sollte sich Sigmar Gabriel besser kümmern.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Robert Doelling: Also nimmt man die Innovationsführerschaft der großen, deutschen Photovoltaikhersteller, so steht nicht nur zu befürchten, dass diese Schaden nimmt, sondern sie wurde politisch, aber auch durch den weltweiten Wettbewerb am Standort Deutschland bereits zunichte gemacht. Mehrere 10.000 Arbeitsplätze sind bereits verloren gegangen, die man auch nicht mehr wiederbeleben kann. Die Windenergiebranche hat sich aus eigener Kraft frühzeitiger auf dem Weltmarkt etabliert und dazu Kooperationen oder auch das Investment internationaler Konzerne forciert. Hier stehen die Aussichten sicherlich besser, dass Deutschland für die Windkraftunternehmen ein relevanter Unternehmensstandort bleibt. Und glücklicherweise wird auch die aktuelle EEG-Politik da nicht allzu viel dran ändern können.

Milk the Sun: Eine Studie der Deutschen Bank belegte erst kürzlich, dass die PV-Leistung bis 2015 weltweit enorm steigen solle und mit Anlagen von rund 56 Gigawatt Gesamtleistung zu rechnen sei. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem zunehmen. Wie realistisch schätzen Sie diese Prognose ein? Steht wirklich ein zweiter Goldrausch für die Photovoltaik bevor und wenn, wie wird Deutschland davon profitieren können?

Robert Doelling: Das kann gut sein. Ich habe auf der Intersolar 2012 mit Arturo Herrero, Marketingchef bei Jinko Solar, ein Video-Interview führen dürfen. Darin prognostiziert er den Anfang der “Grid-Parity” zumindest in einigen Ländern für das zweite Halbjahr 2013. 2014 könnte sich dieser Effekt also durchaus umfänglicher durchsetzen. Das hat Arturo Herrero jedoch auf den internationalen Markt bezogen. In Deutschland wird das Jahr 2014 vermutlich noch große Enttäuschungen im PV-Bereich bereithalten. Alle diejenigen, die eine PV-Anlage als Renditeobjekt und diejenigen, die zumindest damit kein Geld verlieren wollen, werden sich im nächsten Jahr wohl weiter zurückhalten. Ich sehe aber Potenzial bei denjenigen, die sich mit einer PV-Anlage etwas unabhängiger vom Stromnetz und den hohen Strompreisen machen wollen. Diese Kundengruppe könnte die deutsche PV-Nachfrage in 2014 und 2015 stützen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Kundengruppe dann nicht auch noch zusätzlich beim Eigenverbrauch belastet wird.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Doelling für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews und Artikel auf dem Milk the Sun Blog von und mit Robert Doelling:

Meinung: 8,50 Euro für die Energiewende
Vier Fragen an … Robert Doelling, Energieexperte und Blogger
Gastbeitrag für Milk the Sun: Erholung beim PV-Anlagenzubau erwartet
Frühlingsgefühle – Stimmungsbild der Energiewendeblogger

Meinung: 8,50 Euro für die Energiewende

CSU-Chef Horst Seehofer hat erstmals signalisiert in der Frage des 8,50 Euro Mindestlohn auf die SPD zuzugehen. Dann allerdings müsste auch die SPD Zugeständnisse machen. Robert Doelling, Energieblogger, Autor und Energieexperte sieht die Energiewende, zum Opfer der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und Sozialdemokraten werden.

Vier Fragen an … Robert Doelling, Energieexperte und Blogger

Robert Doelling, Jahrgang 1976, hat Marketing an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel studiert und ist Autor des Fachbuches „Information Performance – Wie aus Kunden die besten Vertriebspartner Ihres Unternehmens werden“. Nach mehreren Jahren im Marketing und der Projektentwicklung im Bereich Geothermie leitet Robert Doelling heute die Social Media-Aktivitäten bei der DAA Deutsche Auftragsagentur GmbH in Hamburg und betreut unter anderem die Portale solaranlagen-portal.com und heizungsfinder.de. Privat engagiert sich Robert Doelling als Energieblogger und schreibt regelmäßig für das Expertenportal energie-experten.org.

Robert Doelling: “Ich denke, dass vielen ihr Hemd näher ist als der Rock. Natürlich stimmt man gerne der abstrakt anmutenden Energiewende zu, sofern sie nicht mit unmittelbaren Konsequenzen für einen selbst verbunden ist.”

Milk the Sun: Lieber Herr Doelling, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Robert Doelling: Die Regierung nimmt den Klimawandel immer noch nicht ernst genug. Sämtliche Klimagipfel wie in Kopenhagen oder Doha wurden zur Selbstdarstellung genutzt, aber nicht um gemeinsame Klimaschutzabkommen zu entwerfen und durchzusetzen. Und genauso wie diese Klimapolitik auf der Weltbühne nur sporadisch agiert, so ist auch auf europäischer Ebene nix passiert. Im Gegenteil. Die deutsche Regierung hat sich mit der Verunsicherungstaktik, dass die deutsche Industrie aufgrund unserer Klimaschutzpolitik massenhaft ins Ausland abwandern und dort zu niedrigeren Energiekosten aber bei höherem Verbrauch produzieren könnte, dafür stark gemacht, dass der Emissionshandel weiter an Marktwert verliert.

Und diese europäische Klimapolitik hat wiederum eine verheerende Wirkung auf die deutsche Energiewende, weil viele politische und wirtschaftliche Maßnahmen auf einem funktionierenden Emissionshandel aufgebaut sind: Während Kohlestrom weiterhin verbilligt wird, verlieren Förderprogramme wie Altbausanierungsprogramme, das Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien, die Forschung für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz oder das Programm für kleine Solarstromspeicher eine Finanzierungsmöglichkeit. Eine solche Politik zementiert die monopolistischen Energieerzeugungs- und Energieversorgungsstrukturen in Deutschland und blockiert unnötig die Energiewende.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Robert Doelling: Ich würde mir wünschen, dass sich nach den Wahlen eine Koalition gebildet hat, die zuallererst den Bürgern wieder Vertrauen in die Energiewende zurückgibt. Das wird aber nur gelingen, wenn die zukünftige Regierung nicht mehr versucht, sich durch Polemik, das Malen von Schreckensszenarien und einfachste Tatsachenverdrehung permanent als Anwälte der Industrie und der Energiekonzerne darzustellen, sondern nur, wenn sich die Regierung an die Seite des Bürgers stellt und angemessen und transparent mit der Komplexität der Energiewende umgeht.

Dann wird es aus energiepolitischer Sicht kurzfristig nötig, die Kosten der EEG-Umlage wieder gerecht zu verteilen. Dann sollte die Energiewende auf eine breitere Basis gestellt werden. Die Energiewende umfasst nämlich nicht nur Windräder und Solaranlagen, sondern viele regional differenzierte Lösungen der Strom- und Wärmeerzeugung aus unterschiedlichsten erneuerbaren Energiequellen und selbstverständlich eine wesentliche Verstärkung der Energieeffizienz. All das beschreibt die komplexe Herausforderung der Energiewende, die nur durch ein entschlossenes Bekenntnis und Handeln gestemmt werden kann.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Robert Doelling: Ich teile nicht ganz ihre Ansicht, dass sich zwei gleichwertige Gruppen an Propagandisten gegenüberstehen. Mir erscheinen die Energiewende-Bremser zwar in der Unterzahl, aber dafür wesentlich einflussreicher und medial umso besser aufgestellt. Ich glaube auch nicht, dass es Ordnungsrufe oder Schlichter bedarf. Was wir brauchen sind die politischen Weichenstellungen, die eine Energiewende sowohl attraktiv für die Bürger als auch für die jetzigen Energiekonzerne macht. Es wird immer gerne vergessen, dass die deutsche Volkswirtschaft jährlich einen Betrag von über 85 Milliarden Euro zur Begleichung der Energiekosten, in erster Linie für Öl, Kohle und Gas, aufbringen muss. Und, dass auch Strom aus fossilen Energien weitaus größere, steuerliche Förderungen erhält als jetzt die Erneuerbaren Energien. Unsere Energiewende wird daher auch eine Art Demokratisierung der Energieversorgung mit sich bringen müssen, in der der Bürger im Mittelpunkt steht und entscheidet, wofür sein Geld ausgegeben werden soll.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezies geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Robert Doelling: Ich denke, dass vielen ihr Hemd näher ist als der Rock. Natürlich stimmt man gerne der abstrakt anmutenden Energiewende zu, sofern sie nicht mit unmittelbaren Konsequenzen für einen selbst verbunden ist. Und um dieses ambivalente Verhältnis vieler Bürger zur Energiewende wissen natürlich auch die Parteien und insbesondere die jetzige Regierung. Sie erspart sich daher die Generalkritik an der Energiewende, geht aber gezielt auf Stimmenfang mit gerade diesen kleinen Ängsten und macht sich daher lieber stark für Offshore-Windparks. Sehr ähnlich verhalten sich die Energiekonzerne. Da wird unterschwellig mit Versorgungssicherheit geworben, wohingegen eigentlich gemeint ist: Entweder Du lässt die Finger von der Energiewende oder der Strom wird nicht nur sehr teuer, sondern wir stellen ihn gleich ganz ab. Dies ist ja erst kürzlich wieder angedroht worden, obwohl die Energiekonzerne natürlich immer noch ausgezeichnet mit ihren Kraftwerken verdienen. Positiv finde ich, dass die Bürger das mittlerweile erkannt haben und sich in Deutschland viele neue Bürgerenergiegenossenschaften gründen und das Thema Energiewende in die eigene Hand nehmen. Das zeigt, dass Stéphane Hessel nicht gänzlich ignoriert wurde.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Doelling für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE), Holger Ruletzki (Parabel AG), Franz Alt (Journalist), Arne Horn (DZ-4), Dr. Bernd Köhler (Phoenix Solar), Björn-Lars Kuhn (Proteus Solutions & Energieblogger), Cornelia Daniel-Gruber (Journalistin und Bloggerin), Ove Petersen (GP Joule), Udo Möhrstedt (IBC Solar), Şirvan Çakici (Unicon Energy Services), Rosa Tarragó (Prime Capital AG)

 

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