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Mandy Ouw im Interview: “Wir befinden uns immer noch inmitten einer schwierigen Marktkonsolidierungsphase, mit der auch Deutschland stark zu kämpfen hat.”

 Die Germany Trade & Invest (GTAI) ist eine dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zugeordnete Bundes-GmbH. Am 1. Januar 2009 zusammengeführt aus der Bundesagentur für Außenwirtschaft und der Invest in Germany GmbH, widmet sich die GTAI dem Marketing für den Standort Deutschland und versorgt darüber hinaus deutsche Unternehmen mit Informationen zu Auslandsmärkten. Mandy Ouw ist Manager im Bereich Solarenergie, Photovoltaik bei GTAI.

Mandy Ouw ist Managerin im Bereich Solarenergie und Photovoltaik bei der Germany Trade & Invest (GTAI)

Im Interview mit Milk the Sun erklärt Frau Ouw die Aufgaben der GTAI und welche Möglichkeiten die GTAI im Bereich der erneuerbaren Energien hat.

Milk the Sun: Sehr geehrte Frau Ouw, Germany Trade & Invest – wofür steht das Unternehmen? Was sind allgemein die Aufgaben des Unternehmens?

Ouw: Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Bundes haben wir primär zwei Aufgaben: Zum einen unterstützen wir deutsche Unternehmen bei ihrem Auslandsgeschäft mit umfassenden Außenwirtschaftsinformationen zu fast allen Märkten dieser Welt. In unserer Datenbank kann man kostenlos auf Markt- & Branchenanalysen sowie Wirtschafts- & Steuerrechtsinformationen zu über 125 Ländern zugreifen. Zum anderen betreiben wir Standortmarketing und Investorenanwerbung für Deutschland.

Milk the Sun: Sie sind Manager im Bereich Solarenergie und Photovoltaik bei GTAI. Wofür genau sind Sie zuständig?

Ouw: Als Projektmanager im Bereich Investorenanwerbung unterstütze ich ausländische Unternehmen bei Ihrer Ansiedlung in Deutschland, um dadurch letztlich neue Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Durch die Aufteilung in verschiedene Branchen-Teams wie u. a. Chemie, Maschinenbau, Gesundheit oder Erneuerbare Energien sind wir in der Lage besonders branchenspezifisch zu beraten. Für ausländische Investoren bieten wir ein breites Spektrum an kostenlosen Services an wie zum Beispiel projektbezogene Unterstützung in Rechts- & Steuerfragen, Beratung über Förder- & Finanzierungsmöglichkeiten, Organisation von Standortbesuchen sowie Kontaktanbahnung mit Partnern oder Netzwerken. Darüber hinaus veröffentlichen wir regelmäßig aktualisierte Publikationen mit Brancheninformationen. Für die Solarbranche können bspw. diverse Unternehmensübersichten sowie Marktberichte auf unserer Webseite runtergeladenen werden.

Milk the Sun: Zu ihren Aufgaben gehört auch die Vermarktung deutscher Standorte für Unternehmen im Bereich der Solarenergie. Welche Vorteile bietet Deutschland trotz und in der aktuellen schwierigen Lage der Branche hier? Welche Themen sind gefragt?

Ouw: Keine Frage, wir befinden uns immer noch inmitten einer schwierigen Marktkonsolidierungsphase, mit der auch Deutschland als weltgrößter Photovoltaikmarkt stark zu kämpfen hat. Erheblicher Preisdruck, weltweite Überkapazitäten und sinkende Einspeisetarife stellen die Branche vor große Herausforderungen. Trotzdem gibt es neben all den Schwierigkeiten auch besonders positive Entwicklungen, die neue Chancen und erfolgsversprechende Geschäftspotentiale mit sich bringen, vor allem in Deutschland.

Durch die stark gefallenen Anlagenpreise hat sich die Photovoltaik in die Wettbewerbsfähigkeit katapultiert, mithin ist Solarstrom heute deutlich günstiger als Strom vom Energieversorger. Für innovative Dienstleistungen wie neue Finanzierungs- und Leasingkonzepte, Energiehandel und neue Kraftwerksbetreibermodelle eröffnet sich damit ein enormes Wachstumspotential – sowie vor allem auch für technologische Innovationen im Bereich von Speicherlösungen, Demand-Side-Management und Smart Homes.

Deutschland ist Technologieführer und Wegbereiter im Bereich der erneuerbaren Energien. Auch in diesen neuen Innovationsbereichen werden hierzulande heute die Industriestandards von Morgen entwickelt, getestet und optimiert. Dazu bietet Deutschland eine einzigartige Förderlandschaft, die insbesondere im Bereich F&E eine Vorreiterrolle einnimmt.

Milk the Sun: Fast jedes europäische Land besitzt mittlerweile ein Unternehmen, das dieselben Aufgaben wie Ihres übernimmt. Kommt es dabei auch zu direkten Konkurrenzsituationen im Werben um Firmen?

Ouw: Natürlich versucht jedes Land mit schlagkräftigen Argumenten neue Investoren zu werben. Und so gesehen kommt es auch sehr oft zu Konkurrenzsituationen unten den verschiedenen Wirtschaftsförderungsgesellschaften. Deshalb steht für uns die professionelle Beratung im Vordergrund mit dem Anspruch, dem potentiellen Investor bestmöglich mit Rat und Tat während seines gesamten Investitionsvorhabens zur Seite zu stehen. Glücklicherweise verfolgen aber viele Wirtschaftsförderungsgesellschaften auch das Ziel, die heimische Industrie bei Exporten und Auslandsengagements zu unterstützen. So gibt es neben Konkurrenzbereichen auch viele Kooperationsebenen.

Milk the Sun: Arbeitsplätze schaffen – das ist das große Ziel hinter GTAI. In der Photovoltaik-Branche ging die Zahl der Beschäftigten erstmals zurück. Was sagen Sie dazu? Wo liegen die Gründe, welche Möglichkeiten zum Gegensteuern gibt es?

Ouw: Das sind leider die realwirtschaftlichen Folgen der viel zitierten „Marktkonsolidierung“, an denen auch wir in Deutschland nicht spurlos vorbeikommen. Die PV-Industrie hat in den letzten Jahren einen enormen Wirtschaftsboom durchlebt, mit einem extrem schnellem Wachstum. Umso härter schlägt sich nun diese Marktkonsolidierung darnieder. Viele Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass sich Angebot und Nachfrage bereits 2014/2015 einpendeln und so für eine entsprechende Preisstabilität sorgen könnten. Wir sehen zudem neue Marktchancen und Geschäftsmodelle in den Bereichen PV-Dienstleistungen und Systemintegration (mit Hilfe von Speichertechnologien, Smart Homes etc.), so dass wir die Photovoltaik insgesamt weiterhin als klare Wachstumsbranche betrachten.

 

Wir bedanken uns bei Frau Ouw für das Gespräch.

Neuer, anonymer Investor bei Nanosolar in Luckenwalde

Das Werk von Nanosolar im brandenburgischen Luckenwalde hat einen neuen Investor aus der Schweiz, dessen Identität bisher jedoch unbekannt bleibt. Die Produktion der Fabrik soll entsprechend angepasst werden. Der Mitarbeiterstab wird aufgestockt.

Das Nanosolarwerk in Luckenwalde hat einen neuen anonymen Investor aus der Schweiz. istockphoto.com©fotolinchen

Vor sechs Monaten standen die Zeichen für das Werk von Nanosolar im brandenburgischen  Luckenwalde denkbar schlecht. Der amerikanische Betreiber entließ einen Großteil der Belegschaft und die Prognosen sahen ebenso finster aus wie das Februarwetter vor den Fenstern. Nun ändert das Werk seine Produktion. Wie das Unternehmen bekannt gab, hat sich ein neuer Investor gefunden, dessen Identität allerdings vorerst geheim bleibt. Dementsprechend wird das Nanosolarwerk zukünftig seine Produktion an die Bedürfnisse des Schweizer Investors anpassen.

Die neuen Produktionslinien werden sich im Wesentlichen auf zwei Aspekte konzentrieren. Zum einen auf Module, gefertigt aus kristallinem Silizium, die vor allem für große, kommerzielle Anlagen gedacht sein werden. Zum anderen erfolgt eine Konzentration auf Photovoltaikprodukte für Wohngebäude. Erstere werden voraussichtlich vor allem vom Schweizer Investor beansprucht, der diese Module in seinen Solarkraftwerken verbauen wird. Letztere sind vor allem für Kunden mit hochwertigen Immobilien vorgesehen.

Die bisherigen Kunden von Nanosolar werden nach Unternehmensangaben auch weiterhin betreut. Die in den letzten Monaten von 80 auf 20 Mann reduzierte Belegschaft soll, den neuen Produktionsansprüchen entsprechend, wieder aufgestockt werden, so jedenfalls verspricht es die Unternehmensleitung.

Quellen: photovoltaik.eu, pv-tech.org

Frauenhofer ISE: Solarparks stabilisieren Stromnetz

Forscher des Frauenhofer Instituts für Solare Energiesysteme haben in einer Feldstudie nachgewiesen, dass Solarparks stabilisierend auf das Stromnetz wirken. Hierfür wurde ein neues Messsystem entwickelt. Die Forscher werten die Ergebnisse ihrer Studie als Schritt in Richtung Versorgungssicherheit.

Strom aus Solarkraftwerken stabilisiert das Stromnetz zusätzlich. iStockphoto.com©Andy Gehrig

Forscher des Frauenhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg haben in einer Feldstudie nachgewiesen, dass Solarkraftwerke stabilisierend auf das Stromnetz wirken. Bisher gab es zu dieser Frage lediglich Simulationen aber noch keine handfesten Daten und Studien. Es wurde ein sogenannter Low Voltage Though Test (LVTT) durchgeführt. Dabei wird getestet, wie sich die Gesamtleistung der Anlage verhält, wenn die Netzspannung plötzlich zusammenbricht.

Zur Ermöglichung der Messung wurde ein Messsystem entwickelt und in einem speziellen Messcontainer installiert. Dieser wurde im April 2013 für mehrere Wochen in einer Solaranlage platziert. Nach Projektleiter Gregor Dotter sei die größte Herausforderung die synchrone Erfassung von Wechselrichterströmen gewesen. Gelöst wurde das Problem durch den kombinierten Einsatz von GPS, Richtfunkstrecke und Messrechner. Dies ermöglichte einen Vergleich der Ergebnisse aus der Simulations- und aus der Feldversuchsanordnung.

Nach Ansicht der Forscher des ISE hat das erfolgreiche Experiment zwei positive Folgen für die Photovoltaikindustrie. Zum einen leisten die gewonnen Erkenntnisse einen Beitrag zur Sicherheit bezüglich der Netzstabilität. Zum anderen hatte das Experiment den positiven Nebeneffekt, dass eine neue Messtechnik entwickelt wurde, die sowohl für größere Solarparks als auch für kleinere private Photovoltaikanlagen nützlich sein wird. So zumindest hoffen es die Forscher des ISE.

Quelle: photovoltaik.eu

IHS: Photovoltaikzubau in Europa 2013 um sechs GW kleiner als im Vorjahr

Das Marktforschungsinstitut IHS schätzt, dass der PV-Zubau in Europa 2013 knappe sechs Gigawatt kleiner ausfallen wird als noch im Vorjahr. Nach Meinung der Analysten gehen 1,3 Gigawatt zu Schulden der  Antidumpingzölle verloren.

Der PV-Zubau in Europa liegt 2013 laut IHS vorraussichtlich nur noch bei 11,6 GW. iStockphoto.com©Simon-Owler

Laut dem pv-magazine erklärte das Marktforschungsinstitut IHS kürzlich, dass der Photovoltaikzubau in Europa 2013 knapp sechs Gigawatt kleiner ausfallen wird als noch 2012. Demnach hätten die europäischen Dumpingschutzzölle auf chinesische PV-Module 1,3 Gigawatt zu verantworten. 2012 lag der Zubau in Europa noch bei 17,7 Gigawatt. 2013 sind jedoch nur noch 11,6 Gigawatt zu erwarten. Betroffen hiervon sind laut IHS besonders die Länder Deutschland und Italien.

Zwar handele es sich derzeit noch um einen verringerten Zoll  in Höhe von 11,8 Prozent, doch sei ein Nachlassen der Nachfrage trotz allem zu erwarten. Der derzeitige Anstieg der Importe chinesischer PV-Module sei mit dem zu erwartenden Anstieg der Zölle ab August zu erklären.

Global geht der IHS jedoch von einem starken Anstieg des Solarzubaus um 11 Prozent auf 35 Gigawatt aus. Insbesondere ist auf dem asiatischen Markt von einem wachsenden Zubau, um bis zu 15 Gigawatt zu rechnen. Zum ersten Mal sei allerdings kein europäisches Land unter den ersten drei Zubauländern. Demnach erwartet IHS das China und Japan den größten Zubau erleben werden, gefolgt von den USA.

Die im Bereich der Photovoltaiktechnik aufstrebenden Länder werden das diesjährige Wegbrechen des europäischen Marktes nicht kompensieren können. Da jedoch davon ausgegangen werden kann, dass die Schutzzölle nur eine vorrübergehende Erscheinung sein werden, sind Prognosen in diesem Bereich bis zu einem gewissen Punkt unzuverlässig. Bei den im Bereich der Photovoltaiktechnik aufstrebenden Ländern kann bis 2014 von neun Gigawatt Zubau ausgegangen werden. Bis 2017 ist in diesen Ländern sogar mit einem Zubau von bis 17 Gigawatt zu rechnen.

 

Quellen: pv-magazine, solarserver.de

 

TÜV hält vom Hochwasser betroffene PV-Anlagenbesitzer zur Vorsicht an

Photovoltaikanlagen können im Falle eines Hochwassers eine Gefahr für Leib und Leben werden. Der TÜV Rheinland hat wichtige Hinweise gegeben, wie mit Solaranlagen während und nach einer Flut umzugehen ist. Besonders betroffen sind Anlagen, die nicht oberhalb des Hochwasserpegels abschaltbar sind.

Eine vom Hochwasser betroffene Anlage sollte nur durch einen Experten wieder in Betrieb genommen werden. iStockphoto.com©Pedro Castellano

Angesichts der aktuellen Hochwasserkatastrophe in weiten Teilen Deutschlands hat der TÜV Rheinland wichtige Hinweise zum Umgang mit PV-Anlagen im Flutfall bekannt gegeben. Willi Vaaßen, Solarexperte beim TÜV Rheinland, warnt davor überflutete Räumlichkeiten zu betreten, solange die Installationen der Solaranlage noch unter Spannung stehen könnten. Die Gefahren für Leib und Leben sind vielseitig und hoch.

Es wäre mit Stromschlägen oder einer Knallgasexplosion zu rechnen, wenn der Anschluss an das Stromnetz sowie der Wechselrichter sich in Räumen befinden, die unter Wasser stehen. So lange Licht auf die Solaranlage fällt, stehen die Gleichspannungsleitungen und die Anschlusspunkte zwischen den Modulen und dem Wechselrichter unter Spannung. Unabhängig davon, ob das Wechselstromnetz vom Energieversorger abgeschaltet wurde. Vaaßen nimmt hiervon jene Anlagen aus, die über einen separaten Schalter verfügen, der sich in der Nähe des Solargenerators und nicht im überfluteten Bereich befindet.

Um Knallgasexplosionen zu vermeiden rät Vaaßen davon ab offenes Feuer im Keller zu entzünden, wenn sich dort der Wechselrichter befindet. Zuvor müsse gelüftet werden, da sich ansonsten, gerade wenn der Raum längere Zeit unter Wasser stand, zwischen den Plus- und Minuspolen des Wechselrichters Ströme durch das Wasser fließen. Dies ist unabhängig von der Sonneneinstrahlung. Der Strom kann elektrolytisches Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. Das daraus resultierende Risiko einer Explosion, sollte offenes Feuer hinzugefügt werden, ist hoch.

Um die Lebensgefahr zu vermindern, sind Fachleute zu Rate zu ziehen. Ist beispielsweise eine Abschaltung aufgrund des Hochwassers nicht mehr möglich, sollte die Solaranlage durch einen Elektriker in der Nähe des Generators abgeklemmt werden. Im Rahmen der Aufräumarbeiten sollte der Elektriker die Anlage prüfen und eine Einschätzung der Gefahren geben. Sollte es nötig sein, kann ein Elektriker die Anlage fachmännisch abschalten, bis sie zur Gänze kontrolliert und eventuelle Schäden repariert sind.

 

Quelle: photovoltaik.eu

 

aleo solar – Boschtochter noch immer auf Investorensuche

Die Boschtochter aleo solar kämpft weiter um Investoren. Vorstandsvorsitzender York zu Putlitz bestätigt Gespräche mit potentiellen Investoren. Der Kurs von aleo solar wurde auf der siebenten ordentlichen Hauptversammlung bestätigt. Bosch sicherte seine finanzielle Unterstützung bis Ende März 2014 zu. Dr. Stefan Hartung wurde in den Aufsichtsrat gewählt.

Vorstandsvorsitzender York zu Putlitz bestätigt Gespräche mit potentiellen Investoren. iStockphoto.com©Gyula Gyukli

Am vergangenen Freitag fand die siebente ordentliche Hauptversammlung der angeschlagenen Boschtochter aleo solar statt. Neben der Entscheidung, dass Dr. Stefan Hartung in den Aufsichtsrat gewählt wurde und damit die Nachfolge von Dr. Siegfried Dais antritt, stand vor allem die Entwicklung der Investorensuche im Fokus. Nachdem die Robert Bosch GmbH im März seinen Ausstieg aus der kistallinen Photovoltaik bekanntgab, wird derzeit ein Käufer für die Anteile der Bosch-Gruppe (90,7 Prozent) an der aleo solar AG gesucht.

Vorstandsvorsitzender York zu Putlitz bestätigte, dass man in Gesprächen mit möglichen Investoren stünde, allerdings ist nicht zu erwarten, dass aleo solar es in diesem Jahr in die Gewinnzone schaffen sollte. Dies sei nicht zuletzt der sehr schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage zu schulden, so zu Putlitz.

Bosch sicherte indes, unabhängig vom Verkauf seiner Anteile bis März 2014 die Finanzierung von aleo solar zu. Es wird damit gerechnet, dass bis zum dritten Quartal 2013 ein Käufer gefunden sein wird.

Quelle: solarserver.de, pv-magazine

Strafzölle für chinesische PV-Module vorläufig bei 11,8 Prozent

Seit heute gelten die von der Europäischen Kommission erlassenen Antidumpingzölle auf chinessiche Photovoltaikmodule. Vorerst liegen sie bei 11,8 Prozent. Ab August ist ein Anstieg zu erwarten, sollte bis dahin keine Einigung zwischen Beijing und Brüssel erreicht worden sein.

Die Einfuhrzölle fü chinesische PV-Module liegt seit heute bei 11,8 Prozent. iStockphoto.com©BanksPhotos

Ab heute dem 06.06. gelten neue Importzölle auf PV-Module aus China. Sie liegen mit 11,8 Prozent noch unter den Erwartungen, könnten allerdings ab August auf 37,2 bis 67,9 Prozent ansteigen. Doch dies würde nur geschehen, wenn bis dahin zwischen China und der Europäischen Union keine Einigung im Streit um die Preise für chinesische Photovoltaikmodule erzielt werden konnte. Sollte bis zum 06.Dezember keine Lösung in dem Konflikt gefunden sein, könnten die bisher provisorisch eingerichteten Zölle für fünf Jahre beibehalten werden. Eine solche Entwicklung gilt jedoch als unwahrscheinlich, da hohe Einfuhrzölle weder im Interesse Beijings noch Brüssels sind.

EU-Kommissar Karel De Gucht sprach schon vor einigen Tagen davon, dass es sich bei den Zöllen um einen Noteingriff handele, der einem Sektor, der schwer unter Dumping leide, lebensnotwendigen Sauerstoff verschaffe. Der Lobbyverband ProSun, der europäische PV-Produzenten vertritt, begrüßte den Beschluss der Europäischen Kommission. Aus China hagelte es dagegen Kritik. Miao Liansheng, CEO von Chinas größtem PV-Modul Hersteller Yingli Green Holding Co., äußerte sich pikiert über die Strafzölle, die „letztendlich zu höheren Preisen für Solaranlagen führen und in letzter Konsequenz die gesamte Solarindustrie in Europa zum Stagnieren bringen.“

Dass es tatsächlich zu einem Handelskrieg kommt, ist jedoch unwahrscheinlich. Robert Schramm Fuchs, solar analyst bei Macquarie Group Ltd., sagt, dass weder China noch die EU an einer Eskalation interessiert seien. Stattdessen würde eine Schlichtung angestrebt. „Die Aushandlung einer einvernehmlichen Lösung ist sehr wahrscheinlich, da die negativen Folgen der Importzölle für die EU jegliche Vorteile überwiegen würden“, so Schramm Fuchs. Die Einigung zum Beispiel auf einen Minimalpreis für chinesische Solarmodule ist am Wahrscheinlichsten.

Die derzeit erlassenen provisorischen Einfuhrzölle dienen vor allem dazu die Chinesen wieder zurück an den Verhandlungstisch zu holen. Es ist dabei nicht zu übersehen, dass nicht die EU die besseren Karten in der Hand hält. Die Aussicht das China Einfuhrzölle auf europäische Waren erhebt, ist für Brüssel nicht gerade verlockend. Dennoch ist es notwendig, dass Europa seine Position in dieser Frage behauptet, allerdings ist dabei ein elegantes Fingerspitzengefühl unerlässlich.

Quelle: bloomberg.com, pv-magazine, pv-magazine, solar-server.de

 

Franz Alt im Interview: “Atomstrom ist ein Verbrechen an der Schöpfung”

Viele Stunden seiner Zeit widmet Franz Alt dem Schreiben, Recherchieren und Werben für Erneuerbare Energien und die Energiewende. Als langjähriger Fernsehjournalist, Rundfunkreporter und Buchautor hat er über Jahre hinweg Erfahrungen und Informationen gesammelt, die ihn zu einem wichtigen Ansprechpartner auch von Politik und Wirtschaft zum Thema Energiewende und Erneuerbare Energien machten und machen. Auf seiner Homepage sonnenseite.com hält er seine Leser mit aktuellen Berichten und Beiträgen zu seinen Tätigkeiten und zur Energiewende auf dem Laufenden. Für Milk the Sun steht er Rede und Antwort.

Zuhause besitzt Franz Alt eine eigene Photovoltaik-Anlage

Franz Alt

Milk the Sun: Sehr geehrter Herr Alt, im April 1986 kritisierten sie in einem offenen Brief an Helmut Kohl die CDU und deren Umgang mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sowie deren Festhalten an der Kernenergie. Zwei Jahre später verließen Sie die Partei. Jetzt hat Deutschland mit der CDU den Atomausstieg beschlossen. Was denken Sie sich dabei im Rückblick auf Ihre damalige Forderung und die Entwicklung von heute?

Alt: Die CDU hat wohl Fukushima gebraucht, um endlich zu begreifen, was schon mit Tschernobyl zu begreifen gewesen wäre. Atomstrom ist ein Verbrechen an der Schöpfung, das ganze Landstriche unbewohnbar macht. Aber ich bin auch froh, dass die CDU es mittlerweile begriffen hat und den Atomausstieg initialisiert hat. Es hätte aber 25 Jahre früher sein können.

Milk the Sun: Sie haben schon früh eine solare Revolution gefordert, Ihre Homepage heißt nicht grundlos sonnenseite.com. Was fasziniert Sie so besonders an der Möglichkeit, mit der Sonne Strom und Wärme für den Privatgebrauch zu erzeugen?

Alt: In meinem neuen Buch „Auf der Sonnenseite – Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht“, das im März erscheint, beantworte ich unter anderem genau diese Frage. Die Sonne ist die größte Energiequelle aller Zeit. Und sie ist kostenlos. Wir müssen nicht mal mehr Gebäude bauen, in Deutschland stehen genug Gebäude. Wir müssen nur die Dachflächen nutzen. Eineinhalb Prozent der Fläche Deutschlands mit Solaranlagen würden ausreichen, um Deutschland zu 100 Prozent mit Energie zu versorgen. Und so viel benötigen wir nicht mal, da es auch noch andere Erneuerbare Energien gibt, dir wir sinnvoll nutzen können.

Die Sonne schickt uns pro Sekunde 15.000-mal so viel Energie wie wir verbrauchen können. In Indien werden bereits 10.000 Dörfer mit Solarstrom versorgt. Ausschließlich. Diese Dörfer werden mit 100 Prozent Erneuerbaren versorgt. Und das ist auch in Afrika möglich, und in Südamerika.

Solarenergie, Photovoltaik und Windkraft sind für Franz Alt eine Selbstverständlichkeit

Erscheint im März: Das neue Buch von Franz Alt

Milk the Sun: Die Energiewende in Deutschland schreitet voran, Deutschland baut auf Solaranlagen und Windräder. Glauben Sie, dass Deutschland zum guten Vorbild werden kann, auch für Länder wie Frankreich, in denen Erneuerbare Energien ein sehr schweres Standing haben?

Alt: Als ich damals noch Berater für die Bundeskanzlerin Merkel war, sagte sie nach einem Treffen mit dem damaligen französischen Präsidenten Sarkozy zu mir, dass Sarkozy ihr Vorwürfe mache wegen des Atomausstiegs. Es würde ihn die Wahl kosten. Genau so kam es ja dann auch.

Ich glaube, dass wenn wir in Deutschland die Energiewende schaffen, dass die Welt nachziehen wird. Sie tut es jetzt schon. Niemand will technologisch zurückfallen. Erneuerbare Energien sind die Zukunftstechnologien schlechthin. Wer sich dauerhaft von fossilen Energien lösen kann, hat riesige ökonomische Vorteile. Und Deutschland ist Weltführer in den Technologien Windenergie, Solarenergie und Biogas. Das haben auch andere Länder begriffen. China investiert 200 Mrd. US-$ in Erneuerbare, die USA dank Obama mittlerweile 80 Mrd. US-$. Deutschland 60 Mrd. US-$.

Unser Bundeswirtschaftsminister Rösler stellt sich hin, lehnt sich zurück und ruht sich auf den Lorbeeren aus, um gleichzeitig die alte Phalanx der großen Energiekonzerne zu schützen. Das ist nicht langfristig gedacht, das ist kurzfristig gedacht und wird den grauenhaften Folgen des Klimawandels, der viel schneller voranschreitet, als wir noch vor Jahren dachten, nicht gerecht.

Milk the Sun: Zahlreiche Änderungen stehen auch dem EEG bevor. Ist es richtig, die Förderungen weiter zu kürzen? Welche Maßnahmen müsste das neue EEG Ihrer Meinung nach beinhalten/ welche Ziele müsste es umfassen?

Alt: Damit das EEG weiterhin Erfolg hat, muss eines erhalten bleiben: Das Privileg der vorrangigen Einspeisung der erneuerbaren Energien. Dann geht es weiter mit diesen Energien. Wir haben seit 2000 eine Steigerung des Anteils der Erneuerbaren von fünf auf 25 Prozent geschafft – dank des EEG. 57 Länder weltweit haben ähnliche Gesetze erlassen. Unter anderem China und Indien, die Supermächte von morgen. Dieses Privileg ist gerechtfertigt, denn Ökostrom ist der gesellschaftspolitisch wertvollere Strom, weil er keine Folgekosten nach sich zieht.

Ich habe schon immer gesagt, dass die Einspeisevergütungen weniger werden müssen. Fünf Prozent pro Jahr, wie es ursprünglich vorgesehen war, das war gut. Dass dann gerade unser aktueller Bundeswirtschaftsminister Rösler wie auch unser ehemaliger Bundesumweltminister Röttgen die Förderungen bei Solar um bis zu 50 Prozent kürzen, war der Todesstoß für einen großen Teil der Solarbranche. Solche Radikalkürzungen konnte die Branche natürlich nicht verkraften. Das war ein klarer Dienst an der Atombranche. Reduktion mit Augenmaß, das ist okay. Aber keine Radikalschläge.

Milk the Sun: Ein weiteres aktuelles Thema ist der Netzausbau. Der Bundesnetzagentur wird dabei vorgeworfen (unter anderem von Prof. Dr. Jarass in Frontal21), sie habe mit dem Netzausbauplan die Interessen der fossilen Energieproduzenten umgesetzt und einen Plan entwickelt, der deutlich über den Bedarf der Erneuerbaren Energien hinausgeht.

Alt: Da ist etwas dran. Der Ausbau darf nicht zu gigantisch werden. In Süddeutschland, in Bayern und Baden-Württemberg wird kein Windstrom aus Norddeutschland gebraucht. Auch in Süddeutschland gibt es Wind. In dieser Frage stimme ich dem Ministerpräsidenten Bayerns, Horst Seehofer (CDU) zu: Zehn bis 20 Prozent des Strombedarfs in Bayern können von eigenen Windrädern gedeckt werden. Die Bauern, die Handwerker, die Ingenieure in Bayern sollen diese Windräder aufstellen. Der Netzausbau ist wichtig, aber er muss mit Augenmaß betrieben werden.

Offshore-Windparks unterstützen nur wieder die alten Strominteressen. Offshore-Windparks sind zentral, sie wirken der Energiewende entgegen. Das ist eine Strukturfrage. Die Zukunft der Energiegewinnung ist dezentral, regional. Das ist Preiswerter, und das Tolle ist: Sonne und Wind stellen Ihnen keine Rechnung. Aber es gibt eben keine RWE-Sonne und keinen E.ON-Wind. Deshalb wehren sich die großen Energiekonzerne dagegen. Selbiges gilt für dieses riesige Vorhaben in Afrika, Desertec. Mein Desertec heißt Dächertec. Wir haben alle Voraussetzungen dafür, hier in Deutschland.

Milk the Sun: Aktuelle repräsentative Umfragen zeigen, dass die Kern- und die Kohleenergie in Bevölkerung eine katastrophale Reputation aufweisen. Wünschen Sie sich manchmal mehr Engagement und Einsatz der Bürger – oder mehr Mitspracherecht in solchen Fragen?

Alt: Ja. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Aufklärung hilft, Vorurteile abzubauen. Wir brauchen mehr Aufklärung. Wer keinen Atomstrom will, braucht eben Alternativen, wie Windräder. Wenn man mit den Leuten darüber spricht, lernen sie, dass Windräder eine der passenden Alternativen sind. Man kann nicht gegen Atomstrom und gleichzeitig auch gegen Windräder sein.

Milk the Sun: Sehen Sie Probleme auf die Energiewende und die Erneuerbaren Energien zukommen in Bezug auf Speicherprobleme?

Alt: Da haben wir noch Nachholbedarf, das stimmt. Aber Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten daran und machen riesige Fortschritte. Einige Stichworte dazu: Batterien, Pumpspeicher, Druckluftspeicher, Wasserstofftechnologie. Sie alle werden besser und effizienter. Blockheizkraftwerke. Zu der Power to Gas – Technologie sagten mir Forscher des Fraunhofer-Instituts, dass mit der Umwandlung von Strom zu Methan genug Gas produziert werden könnte, um Deutschland vier Monate lang mit Strom versorgen zu können. Vier Monate, einen ganzen Winter. Natürlich brauchen wir dafür neue Leitungen und größere Speicher. Aber die Technologie ist da. Bis in 20 Jahren kann Deutschland 100 Prozent seiner Energie aus Erneuerbaren gewinnen. Das ist realistisch.

Milk the Sun: Welchen Wunsch hat Franz Alt an Politik und Wirtschaft für das kommende Jahr und den Fortgang der Energiewende in Deutschland?

Alt: Ich wünsche mir, dass Politik und Wirtschaft nicht so kurzfristig denken. Die Folgen der fossilen Energiegewinnung werden ausgeklammert. Eine Frage, die ich dabei gerne stelle, ist: Was kostet ein Pförtner, der eine Millionen Jahre Atommüll bewachen muss? Was passiert mit dem ganzen Atommüll den wir produzieren?

Wirtschaft und Politik müssen endlich langfristig denken. Langfristige Ökonomie ist nur mit Erneuerbaren Energien sinnvoll zu gestalten.

 

Wir bedanken uns bei Franz Alt für das Gespräch.