Interviews Posts

Photovoltaik: Interview mit Erik Olsson von Sol Voltaics

Im heutigen Milk the Sun-Interview, spricht Erik Olsson, Vorsitzender der schwedischen Firma Sol Voltaics über die Herausforderungen und Möglichkeiten des PV-Material Marktes und stellt die von Sol Voltaics entwickelte Solink® vor, eine Technologie mit der die Effizienz von PV-Panels erhöht werden kann.

Interview mit Judith Lipp von Toronto Renewable Energy Co-operative (TREC)

Judith Lipp ist der Executive Director von TREC (Toronto Renewable Energy Co-operative). Ihre Erfahrungen sammelte sie vor allem im Management von Erneuerbaren Energien und Policy Development, das vier Länder umschloss. Im Interview mit Milk the Sun spricht sie über die Arbeit des TREC und die Situation der Erneuerbaren Energien in Kanada im Allgemeinen.

Interview: Cornelia Daniel-Gruber spricht über Germany’s Next Top EEG

Energiebloggerinn Cornelia Daniel-Gruber spricht im Milk the Sun Interview über Germany’s Next Top EEG, eine Aktion der Energieblogger, an deren Ende ein stichhaltiger Vorschlag für eine EEG-Reform stehen soll. Ein ambitioniertes Vorhaben, dass die Bürgerenergiewende wieder mehr in den Fokus der energiepolitischen Debatte rücken soll.

Hans-Josef Fell im Interview: „Ich habe meine Grünen Freunde nicht verstanden, dass sie die Chance zu einer schwarz-grünen Koalition ausgeschlagen haben.“

Hans-Josef Fell war von 2002 bis 2013 Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis‘90/Die Grünen für Energiepolitik im Bundestag. Herr Fell hat die Entwicklung des EEG entscheidend geprägt und spricht im Interview mit dem Milk the Sun Blog über seine Pläne nach dem Ausscheiden aus der aktiven Bundespolitik. Herr Fell äußert sich zu der nicht zustande gekommenen schwarz-grünen Koalition und erläutert die Chancen, die Erneuerbare Energien für die Entwicklungspolitik bieten.

Vier Fragen an … Günther Häckl, SMA Vice President Public Affairs

Milk the Sun: Liebe Günther Häckl, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Günther Häckl: „Die Bundesregierung hat sich aus der Vorreiterrolle beim Klimaschutz verabschiedet.“

Günther Häckl: Die Bundesregierung hat sich aus der Vorreiterrolle beim Klimaschutz verabschiedet. Der europäische CO2-Emmissionshandel funktioniert nicht und die Bundesregierung gehört nicht zu denjenigen, die sich für eine Verknappung der Zertifikate mit dem Ziel, die CO2-Preise auf einen angemessenen Wert zu bringen, einsetzt. In Deutschland steigt der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung mit der Folge, dass die CO2-Emmissionen wieder ansteigen. Durch den am Boden liegenden Emissionshandel fehlen auch Mittel für Energieeffizienzmassnahmen im Energie- und Klimafonds. Dadurch bleiben Investitionen, die den Energieverbrauch senken, auf der Strecke.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22. September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Günther Häckl: Die neue Bundesregierung sollte den Umlagemechanismus des EEG ändern, der Kostenentlastungen der Einen in Mehrbelastungen der Anderen verwandelt. Die Umlagebefreiungen für die Industrie sollten zurückgefahren werden. Außerdem muss ein Energiemarktdesign erarbeitet werden, das die Erneuerbaren Energien in den Vordergrund stellt, für Investitionssicherheit sorgt und sicherstellt, dass flexible konventionelle Kapazitäten zur Sicherung der Versorgung kostengünstig und umweltgerecht verfügbar sind. Und nicht zuletzt sollte die neue Regierung eine Industriepolitik betreiben, die unsere Branche dabei unterstützt, unsere weltweite Technologieführerschaft zu behaupten.

 

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist Ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Günther Häckl: Die 12 Thesen der AGORA-Energiewende-Stiftung sind meines Erachtens eine gute Grundlage um die offenen Fragen der Energiewende zu ordnen und Struktur in die Diskussion zu bringen. Die Thesen haben auch bereits eine weite Verbreitung gefunden. Dieser Weg sollte fortgesetzt werden. Wichtig bleibt insgesamt die Versachlichung der Diskussion. Allerdings stellt die zunehmende Komplexität der Thematik auch eine besondere Schwierigkeit für eine allgemeinverständliche und sachliche Darstellung dar. Die Diskussion wird in Fachkreisen vielfach deutlich sachlicher geführt als in den Medien oder in der Politik.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist Ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Günther Häckl: Es ist sehr bedauerlich, dass es diese Grabenkämpfe noch immer gibt. Angesichts der Dringlichkeit des Themas wäre es wünschenswert, dass kurzfristige Einzelinteressen zurückgestellt und gemeinsam an langfristig ausgerichteten, tragfähigen und nachhaltigen Lösungen für die Zukunft gearbeitet wird.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Häckl für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE), Holger Ruletzki (Parabel AG), Franz Alt (Journalist), Arne Horn (DZ-4), Dr. Bernd Köhler (Phoenix Solar), Björn-Lars Kuhn (Proteus Solutions & Energieblogger), Cornelia Daniel-Gruber (Journalistin und Bloggerin), Ove Petersen (GP Joule), Udo Möhrstedt (IBC Solar), Şirvan Çakici (Unicon Energy Services), Rosa Tarragó (Prime Capital AG), Robert Doelling (Energieexperte und Blogger), Benjamin Reuter (freier Journalist), Norbert Hense (Junge Piraten), Anton Berger (Rödl & Partner), Hans-Josef Fell (Bündnis‘90/Die Grünen), Michael Kauch (FDP), Thomas Schubert (Olswang Germany LLP), Margarete von Oppen (Geiser & von Oppen)

 

Vier Fragen an … Margarete von Oppen, Rechtsanwältin und Partnerin bei Geiser & von Oppen

Margarete von Oppen ist Rechtsanwältin und Partnerin der auf  das Recht der Erneuerbaren Energien spezialisierten Sozietät Geiser & von Oppen. Sie berät Unternehmen, Verbände, Banken und öffentliche Hand zu Fragen der Entwicklung von Energieerzeugungsanlagen, zu Strom- und Wärmeversorgungskonzepten, zu Spezialfragen des Erneuerbare Energien Gesetzes, den Schnittstellen zum Energiewirtschaftsrecht einschließlich der europarechtlichen und verfassungsrechtlichen Bezüge. Daneben ist Frau von Oppen vielfältig als Dozentin oder Referentin tätig; sie publiziert in juristischen Fachzeitschriften und in Branchenzeitschriften.

Margarete von Oppen: "Zukunft gestalten, heißt mit Möglichkeiten umgehen und die sind eben nicht erfahrbar sondern nur glaubbar."

Milk the Sun: Liebe Frau von Oppen, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Margarete von Oppen: „Ergebnisse“ hört sich immer danach an, als würde man gezielt auf etwas hinarbeiten.  In diesem Sinne ist es sehr schwer für mich, ein Ergebnis zu identifizieren. Der prägende Eindruck ist der der Halbherzigkeit: Klimaschutz ja, aber möglichst unter Erhalt der bekannten Strukturen.

Milk the Sun: Unabhängig davon, welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Margarete von Oppen: Eine Fortsetzung der Halbherzigkeiten. Im Bereich Erneuerbare Energien wird es sicherlich ein paar schnelle Schüsse zur Änderung des EEG geben. Den Glauben einiger, dass die neue Bundesregierung ein neues „Strommarktdesign“ aus der Tasche zaubert, teile ich nicht. Das ist alles völlig unausgereift und mangels hinreichender Sachkenntnis mehr ein Stochern im Nebel, begleitet von Glaubenskriegen anstelle einer sachlichen Diskussion.  Leider sehe ich auch nicht das Bemühen um Versachlichung.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Margarete von Oppen: Es reicht ja auch nicht aus, zur Ordnung zu rufen. Es muss erst einmal Ordnung geschaffen werden. Um diese Ordnung zu schaffen, müsste man sich einen Überblick über die vielen Stellschrauben verschaffen, die Einfluss auf den Strommarkt haben. Diesen Überblick hat keiner. Und vielleicht ist ein nüchterner Überblick auch ein völlig unrealistischer Wunsch. An jeder Stellschraube hängen Interessen und schon tritt an die Stelle der Analyse der Kampf um Macht, Geld und Glaube.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezies geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Margarete von Oppen: Das ist menschlich. Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. Zukunft gestalten, heißt mit Möglichkeiten umgehen und die sind eben nicht erfahrbar sondern nur glaubbar. Es ist doch immerhin schon etwas, dass in unserer Gesellschaft überhaupt ein offener Diskurs über Fürs und Widers möglich ist. Je nach dem auf welcher Seite man steht, freut man sich oder bedauert, dass man sich in diesem Diskurs mehr oder weniger durchgesetzt hat.

 

Wir bedanken uns bei Frau von Oppen für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE), Holger Ruletzki (Parabel AG), Franz Alt (Journalist), Arne Horn (DZ-4), Dr. Bernd Köhler (Phoenix Solar), Björn-Lars Kuhn (Proteus Solutions & Energieblogger), Cornelia Daniel-Gruber (Journalistin und Bloggerin), Ove Petersen (GP Joule), Udo Möhrstedt (IBC Solar), Şirvan Çakici (Unicon Energy Services), Rosa Tarragó (Prime Capital AG), Robert Doelling (Energieexperte und Blogger), Benjamin Reuter (freier Journalist), Norbert Hense (Junge Piraten), Anton Berger (Rödl & Partner), Hans-Josef Fell (Bündnis‘90/Die Grünen), Michael Kauch (FDP), Thomas Schubert (Olswang Germany LLP)

 

Vier Fragen an … Thomas Schubert, Rechtsanwalt und Partner bei Olswang Germany LLP

Thomas Schubert, LL.M. (Boston) ist Rechtsanwalt und Partner bei der internationalen Sozietät Olswang in Berlin. Er berät deutsche und internationale Mandanten vornehmlich aus den Branchen Technologie und Erneuerbare Energien zu gesellschaftsrechtlichen und insolvenzrechtlichen Fragen. Er ist spezialisiert auf Unternehmenskäufe und Restrukturierungen im Bereich der Erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarbranche.

Thomas Schubert: "Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Energieversorgung Deutschlands hat die ursprünglichen Vorgaben übertroffen. Jedoch hat die Politik der letzten Jahre für sehr viel Unsicherheit gesorgt – und das nicht nur in der Branche selbst sondern auch bei der gesamten Bevölkerung."

Milk the Sun: Lieber Herr Schubert, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Thomas Schubert: Den Zahlen nach ist das Ergebnis gut. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Energieversorgung Deutschlands hat die ursprünglichen Vorgaben übertroffen. Jedoch hat die Politik der letzten Jahre für sehr viel Unsicherheit gesorgt – und das nicht nur in der Branche selbst sondern auch bei der gesamten Bevölkerung. Dies begann mit dem Hin und Her beim Atomausstieg, setzte sich fort beim Absenken der Einspeisevergütung und ging bis hin zur Diskussion über die „Strompreisbremse“. Ferner musste insbesondere die deutsche Solarbranche in dieser Zeit einen erheblichen Dämpfer hinnehmen und nicht wenige Marktteilnehmer sind ausgeschieden. Im Augenblick scheint die Energiewende daher eine „Verschnaufpause“ eingelegt zu haben. Insgesamt ist festzuhalten, dass viele Erfolge des deutschen Generationen-Projektes Energiewende in den letzten Jahren leider kaputt geredet worden sind.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Thomas Schubert: Entscheidend ist, dass die neue Bundesregierung eine verlässliche und geradlinige Energiepolitik umsetzt und dabei die Zielsetzungen der Energiewende nicht aus den Augen verliert. Ferner muss die Diskussion über erneuerbare Energieträger sowie den Netzausbau wieder versachlicht werden und sich klar am langfristigen Umbau der deutschen Energieversorgung orientieren. Dabei ist wichtig, dass niemand über Gebühr belastet wird. Industrie und Gewerbe müssen weiterhin in der Lage sein, zu bezahlbaren Strompreisen produzieren zu können. Auch dürfen die Energiekosten der privaten Haushalte nicht weiter steigen. Um Versorgungsicherheit und Bezahlbarkeit sicherzustellen, sind Brückentechnologien, wie beispielsweise der vorübergehend verstärkte Einsatz von Erdgas bei der Energieversorgung, angemessen mit einzubeziehen. Ferner sind Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich der Energiespeicherung sowie der E-Mobilität voranzutreiben, damit Deutschland hier künftig eine Vorreiterrolle einnehmen kann. Wenn die Energiewende in Deutschland gelingt, wird sie Vorbild für den Umbau der Energieversorgung weltweit sein – und von dem erreichten technologischen Vorsprung werden unsere Wirtschaft und Bevölkerung langfristig profitieren können.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Thomas Schubert: Wichtig ist, keine falschen Erwartungen zu wecken. Der Umbau der Energieversorgung braucht Zeit. Dass die Energiewende durch Netzausbau und Einspeisevergütung zunächst Geld kostet, ist bereits klar geworden. Ebenso klar sollte die Politik aber auch herausstellen, dass durch die Umstellung auf eine nachhaltige Energieversorgung mittel- bis langfristig erheblich Geld gespart werden kann. Denn Sonne, Wind und Wasserkraft stehen kostenfrei als „Brennstoff“ zur Verfügung. Durch die Nutzung erneuerbarer Energieträger schonen wir nur nicht unsere unmittelbare Umwelt, sondern leisten einen Beitrag zur Stabilisierung des Weltklimas. Es darf nicht ernsthaft in Frage stehen, dass wir genau dies den nachfolgenden Generationen schuldig sind. Wenn die Politik bei der Diskussion über die Energiewende diese nachhaltigen Ziele im Auge behält und sich nicht nur am tagesaktuellen Stimmungsbarometer orientiert, dürfte dies bereits zu einer Versachlichung der Debatte beitragen.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Thomas Schubert: Wir haben seit Rio 1992 schon eine ganze Menge erreicht. Insbesondere Deutschland nimmt eine Vorreiterrolle bei einer nachhaltigen Umwelt- und Energiepolitik ein. Die Energiewende ist ein Großprojekt, das unseren Energiemix sowie die Art der Energieversorgung durch die Reduzierung der fossilen Energieträger und eine vermehrt dezentrale Versorgung grundlegend ändern wird. Auch wird die zunehmende E-Mobilität unsere Fortbewegungsgewohnheiten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nachhaltig beeinflussen. Bei einem solchen Großprojekt ist es vollkommen normal, dass Grabenkämpfe nicht ausbleiben und der Prozess länger dauert, als es sich die Befürworter wünschen. Entscheidend ist, dass die anstehenden Änderungen von der überwiegenden Mehrzahl der Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern aktiv unterstützt und mitgetragen werden. Hierfür bedarf es noch viel Überzeugungsarbeit und Zeit, begründete Bedenken angemessen zu berücksichtigen. Insbesondere darf der Wandel die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands nicht beeinträchtigen. Aber ich glaube, dass wir bereits auf einem guten Weg sind und die Energiewende zu einem großen Erfolg werden wird.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Schubert für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE), Holger Ruletzki (Parabel AG), Franz Alt (Journalist), Arne Horn (DZ-4), Dr. Bernd Köhler (Phoenix Solar), Björn-Lars Kuhn (Proteus Solutions & Energieblogger), Cornelia Daniel-Gruber (Journalistin und Bloggerin), Ove Petersen (GP Joule), Udo Möhrstedt (IBC Solar), Şirvan Çakici (Unicon Energy Services), Rosa Tarragó (Prime Capital AG), Robert Doelling (Energieexperte und Blogger), Benjamin Reuter (freier Journalist), Norbert Hense (Junge Piraten), Anton Berger (Rödl & Partner), Hans-Josef Fell (Bündnis‘90/Die Grünen), Michael Kauch (FDP)

Vier Fragen an … Michael Kauch, Bundestagsabgeordneter und Umweltpolitischer Sprecher der FDP

Milk the Sun: Lieber Herr Kauch, die Liste derer, denen in den letzten Monaten und Jahren ein Ausbremsen der Energiewende vorgeworfen wurde, ist lang. Wie schätzen Sie die klimapolitischen Ergebnisse der letzten Legislaturperiode der schwarz-gelben Regierung ein, der nach Kanzlerin Merkel „erfolgreichsten Bundesregierung seit der Wiedervereinigung“?

Michael Kauch: "Unter keiner Regierung wurden die Erneuerbaren Energien in Deutschland so stark ausgebaut wie unter Schwarz-Gelb."

Michael Kauch: Unter keiner Regierung wurden die Erneuerbaren Energien in Deutschland so stark ausgebaut wie unter Schwarz-Gelb. Wir haben den Öko-Strom-Anteil von 16 auf 25 Prozent gesteigert. Gleichzeitig haben wir die notwendigen Grundlagen gelegt, um das Stromnetz entsprechend auszubauen und stabil zu halten. Zugleich haben wir die Solar-Subventionen um etwa zwei Drittel abgesenkt. Das hat nicht zu einer Ausbaubremse geführt. Im Gegenteil, der Ausbau ist so groß gewesen wie nie zuvor. Das zeigt: die Energiewende muss nicht besonders teuer sein, um erfolgreich zu sein. Neben Klimaschutz im Stromsektor haben wir auch die Gebäudesanierung vorangebracht. Das Gebäudesanierungsprogramm ist eine Erfolgsgeschichte und wir haben es auf hohem Niveau von 1,8 Milliarden Euro pro Jahr dauerhaft finanziert. Leider hat der von Rot-Grün dominierte Bundesrat eine steuerliche Abschreibung für die energetische Sanierung verhindert. Hier wäre noch einmal ein ähnliches Volumen für den Klimaschutz investiert worden.

Milk the Sun: Unabhängig davon welche Partei nach dem 22.September in den Bundestag einziehen wird und unabhängig von der dann herrschenden Koalition, kommen auf die neue Bundesregierung viele wichtige und prägende energiepolitischen Entscheidungen zu. Was erwarten Sie sich von der Bundesregierung nach den Wahlen?

Michael Kauch: Es geht nun darum, die Energiewende mit Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit zu verbinden. Stromproduzenten müssen mehr Verantwortung für ihr Produkt übernehmen. Deshalb wollen wir mittlere und große Neuanlagen erneuerbarer Energien in die Direktvermarktung überführen. Sie sollen einen festen Zuschlag pro Technologie als Förderung erhalten, aber keine staatlich festgesetzten Mindestpreise mehr, dann spüren sie besser Angebot und Nachfrage. Biogasanlagen können dann den Strom einspeisen, wenn er gebraucht wird. Generell brauchen wir zudem eine Reform des Strommarktes. Neben Kilowattstunden müssen auch gesicherte Kapazitäten, z.B. aus Gaskraftwerken oder Biomasse-Anlagen, honoriert werden. Nur so bleibt das Stromnetz dauerhaft stabil und die Refinanzierung aller Anlagen gesichert. Denn bei weiter sinkenden Börsenpreisen für Kilowattstunden rechnet sich sonst am Ende keine neue Anlage mehr.

Milk the Sun: Derzeit herrscht eine große Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung, wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht. Der einzelne erstickt in einem Schwall an Pro-und-Anti-Propaganda, was letztendlich lediglich Verunsicherung und Verwirrung zur Folge hat. Es gibt nur wenige Stimmen die zur Ordnung rufen und die Diskussion auf eine sachliche und logische Ebene zurückführen wollen. Wie ist ihr Vorschlag für ein konstruktiveres Vorgehen in diesen Fragen?

Michael Kauch: Das Wichtigste ist, nicht nur Forderungen und Modelle in die Öffentlichkeit zu tragen. Vielmehr muss zunächst einmal erklärt werden, wie der Strommarkt, wie die Strombörse und wie das bisherige Fördermodell der Erneuerbaren funktioniert. Das wissen viele Bürger nicht und können daher auch mit den politischen Vorschlägen oft wenig anfangen.

Milk the Sun: Stéphane Hessel bezeichnete den Kampf für eine nachhaltige und feste Umweltpolitik als eine der Hauptaufgaben der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen des Klimas geben ihm Recht. Dennoch passiert verhältnismäßig wenig, obwohl es letztendlich um die Existenz der menschlichen Spezis geht. Wie ist ihr Standpunkt dazu, dass sich angesichts eines derart dringenden Themas noch immer in politischen und wirtschaftlichen Grabenkämpfen ergeben wird?

Michael Kauch: Man braucht Visionen, aber auch die Mühen der Ebene. Das Stromnetz bleibt eben nicht nur mit gutem Willen bei schwankender Windkraft stabil. Das muss man managen. Und wie das geht, darüber muss man auch politisch streiten, über den besten Weg zum Ziel einer Energieversorgung, die sauber, sicher und bezahlbar ist. Politischer Streit ist nicht schlecht. Unproduktiv wird es aber, wenn aus rein parteipolitischen Gründen etwa die steuerliche Abschreibung der Gebäudesanierung von den rot-grünen Ländern blockiert wird. Alle waren sich im Grundsatz einig, aber man wollte der Regierung keinen Erfolg gönnen. Unabhängig davon, muss man aber den Blick auch über die Grenze hinaus richten. Selbst wenn wir absolut vorbildlich sind, bringt das bei einem Anteil von 3 Prozent an den weltweiten Emissionen kaum einen Effekt für das Klima. Wohl oder übel müssen wir daher auf den mühsamen internationalen Verhandlungsprozess um CO2-Reduktionen setzen und zugleich die technologische Zusammenarbeit gerade mit den stark wachsenden Schwellenländern ausbauen, damit saubere Technologie nicht nur in Deutschland und der EU eingesetzt wird.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Kauch für das Interview.

 


Im Rahmen der Interviewreihe “Vier Fragen an …” stellt der Milk the Sun Blog bis zur Bundestagswahl am 22.September 30 Tage lang führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die Energiepolitik Deutschlands der zurückliegenden und kommenden Jahre. Bisher interviewten wir Sebastian Bolay (DIHK), Heiko Schwarzburger (Photovoltaik), Corinna Lang (CleanEnergy Project), Patrick Jüttemann (klein-windkraftanlagen.com), Christian Leers (PV-Experte), Robert Schwarz (BTO Management Consulting), Lothar Lochmaier (Freier Journalist), Michael Richter (Sonneninvest AG), Kilian Rüfer (SUSTAINMENT), Udo Schuldt (Blogger), Thorsten Zoerner (Solution Architect), Prof. Dr. Eicke Weber (Fraunhofer ISE), Falko Bozicevic (GoingPublic Magazin), Carsten Körnig (Solarwirtschaft e.V.), Denis-Mariel Kühn (EGBB), Doreen Brumme (Freie Journalistin), Erhard Renz (sonnenfluesterer.de), Sabine Eva Rädisch (Autorin und Bloggerin), Bart Markus (Wellington Partners), Prof. Volkmar Liebig (avesco Financial Services AG), Dr. Tim Meyer (Grünstromwerk GmbH), Alexander Fehr (Fehrdeal & Energieblogger), Thomas Nasswetter (Ritter Gruppe und Blogger), Dr. Stefan Dietrich (Windwärts Energie), Sylvia Pilarsky-Grosch (BWE), Holger Ruletzki (Parabel AG), Franz Alt (Journalist), Arne Horn (DZ-4), Dr. Bernd Köhler (Phoenix Solar), Björn-Lars Kuhn (Proteus Solutions & Energieblogger), Cornelia Daniel-Gruber (Journalistin und Bloggerin), Ove Petersen (GP Joule), Udo Möhrstedt (IBC Solar), Şirvan Çakici (Unicon Energy Services), Rosa Tarragó (Prime Capital AG), Robert Doelling (Energieexperte und Blogger), Benjamin Reuter (freier Journalist), Norbert Hense (Junge Piraten), Anton Berger (Rödl & Partner), Hans-Josef Fell (Bündnis‘90/Die Grünen)

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