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Online-Interview zum Thema Operations und Maintenance (O&M) einer Photovoltaikanlage

Der Online-Marktplatz Milk the Sun und das Unternehmen PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler starten eine gemeinsame Onlinebefragung zum Thema Wartung, Instandhaltung, Pflege und Betrieb einer Photovoltaik-Anlage, auch O&M genannt. Die Ergebnisse aus der Befragung sollen Transparenz bei den Kunden von O&M-Dienstleistungen schaffen und Stärken und Schwächen des Angebots- und Leistungsspektrums von O&M-Unternehmen aufdecken.

Milk the Sun PhotovoltaikZentrum Ziegler

iStockphoto.com©Pedro Castellano

Damit Photovoltaik-Anlagen effizient und rentabel geführt werden können, ist es notwendig, den Betrieb der Anlage dauerhaft zu überwachen. Dafür bieten Unternehmen sogenannte O&M-Dienstleistungen an, über die sie einen einwandfreien Betrieb der Anlage garantieren. Dazu gehören, neben Reparaturen, Instandhaltung und Reinigung, die Überwachung des Betriebs sowie der gesamten Peripherie. Das auf Marktforschung spezialisierte Unternehmen PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler und der Online-Marktplatz für PV-Projekte Milk the Sun starten die onlinebasierte Umfrage, um die Hauptaspekte rund um die Leistungen der O&M-Unternehmen sichtbar zu machen.

Geschäftsführer Michael Ziegler ist sich sicher, dass gerade O&M-Anbieter, die nach dem Verkauf der Anlage an den Kunden auch die O&M-Leistungen übernehmen, nicht so neutral bzw. unbefangen gegenüber dem Kunden agieren wie O&M-Anbieter, die nicht am Verkauf der Anlage beteiligt waren.

Laut Felix Krause, Geschäftsführer von Milk the Sun, dürften die Ergebnisse für Anlagenbetreiber und O&M-Anbieter gleichermaßen interessant und aufschlussreich sein. Schließlich soll die Studie Verbesserungspotenzial bei O&M-Anbietern sichtbar machen und Kunden als Leitfaden dienen, worauf bei der Auswahl eines solchen Anbieters zu achten ist.

Die Umfrage, die über das Onlinepanel Photovoltaikumfrage.de durchgeführt wird, richtet sich an alle Besitzer von Solarstromanlagen, die O&M-Leistungen an ihrer Anlage durch ein externes Unternehmen durchführen lassen. Die Umfrage beinhaltet Fragen zu Themen wie O&M-Verträgen, Informationsaustausch, Kundenbetreuung und Kosten der bezogenen O&M-Angebote. Das Studienergebnis, das nach Auswertung erworben werden kann, dient einer genaueren Einschätzung von O&M-Angeboten sowie einer besseren Marktübersicht. Dies gilt sowohl in Bezug auf das Leistungsspektrum und die Verlässlichkeit von O&M-Partnern bei z.B. Defekten oder Routine-Arbeiten an den Anlagen als auch in Bezug auf die Interessen und Bedürfnisse von Kunden bei der Zusammenarbeit mit O&M-Partnern.

Die Dauer der Umfrage beträgt etwa 8 bis 12 Minuten und ist unter http://www.photovoltaikumfrage.de/wartung erreichbar.

„Leitstern 2012“ für Brandenburg, Bayern und Sachsen-Anhalt

Die fortschrittlichsten Bundesländer in Bezug auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien sind in Berlin mit dem „Leitstern 2012“ ausgezeichnet worden. Die Gesamtwertung des von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) nach 2008 und 2010 zum dritten Mal verliehenen Preises ging an Brandenburg, das sich knapp vor Bayern durchsetzte. Während Bayern den Leitstern des besten „Aufsteigers“ erhielt, bekam Sachsen-Anhalt den Leitstern für die Kategorie „Wirtschaftsmotor“. Damit wurde die Rolle des Bundeslandes beim technologischen und wirtschaftlichen Wandel durch Erneuerbare Energien gewürdigt.

Der Leitstern wird vor dem Hintergrund der Studie „Vergleich der Bundesländer: Analyse der Erfolgsfaktoren für den Ausbau Erneuerbarer Energien 2012“ vergeben. Die Studie, die im Auftrag der AEE vom Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie dem Zentrum für Sonnenenergie– und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) erstellt wird, Untersucht die Bundesländer anhand von 53 Indikatoren auf ihre Entwicklung bei den Erneuerbaren Energien.

Die Ergebnisse des Bundesländervergleichs können sie hier einsehen

Photovoltaik in den USA: Kalifornien

Staat: KalifornienSolarenergie Erneuerbare
Fläche: 423.970 km²
Einwohner: 37,2 Mio
Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch: 20,6%
Installierte Photovoltaik: 1.406 MW

Im Südwesten der USA liegt der mit über 37,2 Mio. Einwohnern bevölkerungsreichste Staat des Landes: Kalifornien. Hauptstadt Kaliforniens ist Sacramento. Die größte Stadt Kaliforniens ist mit Abstand Los Angeles mit rund 3,8 Mio. Einwohnern. Zu den bekanntesten Städten Kaliforniens zählt zudem San Francisco.

Photovoltaik

Massiver Zubau an Großprojekten erwartet

Größter Photovoltaik-Markt der Vereinigten Staaten

Kalifornien ist die achtgrößte Wirtschaft der Erde. Viele Institute und Universitäten in den USA haben Forschungsschwerpunkte auf Themen der Erneuerbaren Energien gelegt. Derzeit sind dort 1.406 MW Photovoltaik-Leistung installiert. In Planung und Bau sind allerdings bereits Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 15 GW. Dabei werden in Kalifornien vor allem massig Großprojekte mit 1 MWp oder mehr gebaut.

Innerhalb der USA ist Kalifornien der größte Markt für Photovoltaik. Neben der größten installierten Leistung an PV gibt es in Kalifornien zahlreiche Werke und Fertigungsstätten für hotovoltaik-Module und Systeme.

Richtlinien für Stromversorger für Erneuerbare Energien

Kalifornien hat seinen Stromversorgern Richtlinien für den Anteil Erneuerbarer Energien auferlegt. Bis 2020 müssen die Stromkonzerne 33 Prozent ihres Stroms aus regenerativen Energiequellen produzieren. Dafür sind zwei zu erreichende Zwischenstufen festgelegt: 20 Prozent müssen bereits 2013 erreicht sein, 2016 25 Prozent. Diese Richtlinie nennt sich Renewable Portfolio Standard (RPS).

Allerdings können sich Stromversorger teilweise noch durch sogenannte Tradable Renewable Energy Credits (TRECs) bei Stromkraftwerken Erneuerbarer Energie einkaufen, die nicht dem jeweiligen Unternehmen gehören. Deren Anteil darf jedoch bis 2013 nicht 25 Prozent und bis 2017 nicht 10 Prozent des gesamten Anteils des RPS-Bedarfs übersteigen.

Photovoltaik

Golden Gate Bridge in San Francisco, Kalifornien. Fotograf: Niewiroski Jr.

Einspeisevergütungen und Fördergelder

Die Feed-in-Tarifs (FiTs) in Kalifornien, festgelegt von der California Public Utilities Comission (CPUC), erlauben es Privatbesitzern von Kraftwerken Erneuerbarer Energien von einer Größe bis zu 3 Megawatt (MW), in Verträge mit Laufzeiten von 10, 15 und 20 Jahren einzusteigen. Der produzierte Strom wird dann auf Basis eines marktangepassten Preises, Re-Mat (Renewable Market Adjustment Tariff), verkauft. Der Startpreis nach CPUC liegt bei 89,23$ (68,2234€) pro Megatwattstunde (MWh).

Stromerzeuger in öffentlicher Hand, die mehr als 75.000 Kunde haben, müssen zudem bis spätestens 1. Juli 2013 Einspeisevergütungsprogramme innerhalb festgelegter Richtlinien umsetzen. Die Vergütungen sind bis zu einer kumulativen Kapazität von 750 MW (für Kraftwerke sowohl in privater als auch in öffentlicher Hand) verfügbar. Bioenergien steht eine eigene Kapazität von 250 MW nur aus privater Hand zur Verfügung.

Für Industrie-Design, Herstellung, Produktion und Fertigung sauberer Energien gewährt der Staat Kalifornien eine Steuerbefreiung auf Ausgaben für Vertrieb sowie Anlagenbetrieb.

Weiter Programme und Kampagnen

Die Go Solar California! Campaign unterstützt sonnenbetriebene Kraftwerke aller Art durch verschiedene Rabatte und Zuschüsse mit einem Budget von 3,3 Milliarden $ (2,52 Mrd. €). Zudem werden von verschiedenen Programmen und Institutionen Finanzierungsmöglichkeiten speziell für Erneuerbare Energie-Projekte Angeboten.

Viele Städte, Kommunen und Regionen in Kalifornien bieten zudem zahlreiche weitere Vergünstigungen, Hilfen und Vergütungen für Erneuerbare Energien an.

 

Reihe Photovoltaik in den USA:

1. Photovoltaik in den Vereinigten Staaten (USA) – Ein Überblick
2. Kalifornien
3. New Jersey

Quellen: DSIRE, Treehugger, Acore.org

Photovoltaik in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) – Einführung

Während die USA bei der Windenergie der zweitgrößte Markt weltweit ist, hinkt sie trotz gerade in den südlichen Staaten hervorragender natürlicher Voraussetzungen bei der Photovoltaik noch hinterher.  Noch. Wirft man einen Blick auf bereits im Bau oder zumindest in der Entwicklungsphase befindliche Projekte, so dürfte sich das binnen kürzester Zeit ändern: Addiert man die Leistung der geplanten Kraftwerke, kommt man zu dem Ergebnis, dass sich die USA bereits im Laufe des nächsten Jahres an die Spitze der Länder mit der höchsten installierten Gesamtleistung setzen und Deutschland überholen wird.

Photovoltaik Erneuerbare

iStockphoto.com©Pgiam.jpg

Problem Gesetzgebung

Die USA, drittgrößtes Land der Erde, besteht aus 50 Staaten. Jeder dieser Staaten hat eine eigene, von anderen Staaten unabhängige Gesetzgebung für die Erneuerbaren Energien und die Photovoltaik. Wer in den USA also Interesse am Bau, Kauf oder an der Investition in eine Photovoltaik-Anlage hat, muss sich vorher über die Unterschiede bzw. die Gegebenheiten der in Frage kommenden Staaten informieren. Und selbst damit wäre noch nicht alles getan: Selbst einzelne Kommunen und Städte sind berechtigt, Einspeisevergütungen anzubieten. So wurden 2008 in der Stadt Gainesville/ Florida die ersten FiTs (Feed-In Tarifs/ Einspeisevergütungen) für Photovoltaikstrom gezahlt.

Auch was die Ziele für den Ausbau der Erneuerbaren angeht, folgen die Staaten ihren eigenen Vorstellungen und Richtlinien und nicht etwa landesweiten Vorgaben aus der Regierung des Weißen Hauses in Washington. Die Staaten Kalifornien und Colorado haben sich einen Erneuerbaren-Anteil von 33 Prozent bis zum Jahre 2020 als Ziel gesetzt, Iowa setzt verstärkt auf Windkraft und produziert bereits knapp 20 Prozent seines Stromes durch Windenergie.

Konzentration bisher auf einzelne Staaten

Obwohl die Sonneneinstrahlung in den USA fast überall über 1200 kWh/m² übersteigt, konzentriert sich der Photovoltaik-Zubau auch aufgrund genannter Unterschiede der FiTs auf einige wenige Staaten. Größter Markt ist der Staat Kalifornien, gefolgt von Arizona und New Jersey. Die Einstrahlung in den südlichen Staaten Kalifornien, Arizona, New Mexico und Texas erreicht teilweise mehr als 1950 kWh/m².

Solarenergie Ölförderung Verinigte Staaten Erneuerbare

Fotograf: Arne Hückelheim

Landesweiter Ausblick

Ein landesweiter Ausblich für die Vereinigten Staaten von Amerika muss sich vor allem auf die Einstellung von Politik und Wirtschaft zum Thema Energiewende und Photovoltaik richten. Dabei setzen viele Unterstützer der Erneuerbaren ihre Hoffnung in den Wiedergewählten Präsidenten Barack Obama, der bereits in seiner ersten Amtsperiode versuchte, die Abhängigkeit der USA von fossilen Brennstoffen zu senken. Ihm gegenüber steht aber eine starke Opposition der Republikaner, die bekannt dafür ist, harte Klientelpolitik für die Lobby der fossilen Energie zu betreiben.

Neue Ölbohrtechniken und neue Methoden zur Erdgasförderung (z.B. Fracking) lassen die USA zu einem immer größeren Energieexporteur anwachsen, was die Position der Erneuerbaren Energien massiv schwächt. Schon bald könnte die USA zum größten Ölproduzenten weltweit aufsteigen. Eine Energiewende in der Form wie sie momentan in Deutschland stattfindet erscheint daher nicht realistisch. Dennoch werden die USA um die Vorteile der Erneuerbaren Energien nicht herumkommen, auch weil die Bewegungen für alternative Energien an Einfluss gewinnen. Es ist damit zu rechnen, dass die USA in Zukunft auch eine führende Position in der Stromproduktion aus Photovoltaik-Systemen einnehmen wird.

Milk the Sun wird in den kommenden Wochen einzelne Staaten der USA unter die Lupe nehmen und Informationen zu Erneuerbaren Energien und Photovoltaik in diesen Staaten veröffentlichen.

 

Reihe Photovoltaik in den USA:

1. Photovoltaik in den Vereinigten Staaten (USA) – Ein Überblick
2. Kalifornien
3. New Jersey

 

Quellen: Solarserver.de, renewable-energy-concepts.com

Klimaforscher Mojib Latif: Energiewende „generationsübergreifendes Thema“

Prof. Dr. Mojib Latif ist Klimaforscher, Meteorologe und Hochschullehrer. Der geborene Hamburger ist Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Bekannt ist er aus Fernseh- und Radiosendungen, durch seine Beiträge und Diskussionen rund um den Klimawandel und die Globale Erwärmung. Zudem ist er Autor zahlreicher Sach- und Fachbücher.

Fotograf: Björn Láczay

Milk the Sun: Herr Prof. Dr. Latif, aktuelle Studien sagen einen merklich spürbaren Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen voraus. Von welchen Zahlen müssen wir aus ihrer Sicht ausgehen?

Latif: Wir gehen davon aus, dass sich ohne Klimaschutz die Temperatur im weltweiten Durchschnitt um bis zu 4°C bis zum Ende des Jahrhunderts erhöht.

Milk the Sun: Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Latif:  Wir stoßen große Mengen von Treibhausgasen aus, allen voran Kohlendioxid (CO²). Das entsteht hauptsächlich durch die Verbrennung der fossilen Brennstoffe (Erdöl, Erdgas und Kohle) zur Energiegewinnung. Es ist seit mehr als 100 Jahren bekannt, dass CO² die Erdoberfläche und die unteren Luftschichten wärmt.

Milk the Sun: Welche Möglichkeiten sehen Sie, um dem entgegen zu steuern?

Latif: Wir müssen andere Formen der Energiegewinnung nutzen, die die Umwelt nicht über Gebühr belasten. Hier bieten sich die Erneuerbaren Energien an, insbesondere die Sonnenenergie, die Windenergie und die Erdwärme.

Milk the Sun: Deutschland hat den Atomausstieg beschlossen, das Land beginnt, sich auf Erneuerbare Energien umzustellen. Ist das der richtige Schritt für eine sicherere, umweltfreundlichere Zukunft?

Latif: Absolut! Das wird Deutschland auch in ökonomischer Sicht fit für die Zukunft machen. Die nächste industrielle Revolution steht an, und ein wichtiger Teil dieser werden die Erneuerbaren Energien sein.

Milk the Sun: Welche Rolle sehen Sie für die Photovoltaik in dieser Diskussion?

Latif: Die Photovoltaik wird auch künftig ihren Platz haben. In Deutschland wird aber auch die Windenergie sehr wichtig bleiben. In den Wüsten werden solarthermische Kraftwerke eine wichtige Rolle spielen.

Milk the Sun: Als Klimaforscher und Hochschullehrer haben Sie Kontakt zu Menschen aus verschiedenen Generationen. Stellen Sie generationsbedingte Unterschiede im Bewusstsein für nachhaltigen Umgang mit dem Planeten fest?

Latif: Ältere Menschen sagen mir des Öfteren, dass die jungen Menschen die Probleme lösen müssen. Und ich höre auch oft, dass sich die Installation etwa von Photovoltaik für sie, die Älteren, nicht mehr lohnen würde. Ich halte das für Grund falsch. Es handelt sich hier um ein generationsübergreifendes Thema, an dem alle mitarbeiten müssen. Von den jungen Menschen wünschte ich mir mehr Einmischung. Wir brauchen eine breite Bewegung.

Milk the Sun: Welche Rolle kann und muss die Politik spielen, damit das Bewusstsein und gleichzeitig auch das nachhaltige Handeln und Wirtschaften möglich wird?

Latif: Die Politik muss die langfristigen Rahmenbedingungen setzen, damit man die Innovationsfreude in die richtigen Bahnen lenkt. Wir können den Umbau in eine CO²-freie Weltwirtschaft schaffen. Die wirtschaftlichen Anreize müssen aber da sein, damit auch die entsprechenden Investitionen in die Entwicklung der Erneuerbaren Energien, der Energiespeicherung und der Netze fließen.

Milk the Sun: Welche Hoffnungen hat Prof. Dr. Mojib Latif für den Umgang mit dem Klimawandel im Allgemeinen und die Energiewende in Deutschland im Speziellen?

Latif: Ich bin ein grenzenloser Optimist. Die deutsche Energiewende wird gelingen. Dazu braucht es aber eben auch den Druck von unten. Jeder kann mitmachen, auf die eine oder andere Art. Nicht umsonst gibt es den Atomausstieg nur in Deutschland. Weil es eben eine jahrzehntelange Bewegung gegeben hat. Und das hat sich am Ende ausgezahlt.

 

Wir danken Prof. Dr. Mojib Latif für das Gespräch.

Akzeptanz: Erneuerbare beliebt, EEG-Umlage nicht, Atom- und Kohlekraft auch nicht

Eine repräsentative Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien zeigt, dass die Zustimmung für  den Ausbau Erneuerbare Energien in Deutschland nach wie vor sehr hoch ist. Bundesweit beurteilten 93% der Studienteilnehmer den Ausbau mit „wichtig“, „sehr wichtig“ oder gar „außerordentlich wichtig“. Gegenüber den Vorjahren ist das zwar ein Verlust von 2%, dennoch ist der Wert ein mehr als beachtliches Ergebnis. Schlusslicht nach Bundesländern ist Brandenburg – mit 87%.

EEG-Umlage wird zunehmend kritischer gesehen

Die steigende EEG-Umlage stößt bei den Befragten aber zunehmend auf Ablehnung. Sprachen sich 2011 noch bundesweit 78% dafür aus, dass die Umlage zumindest „angemessen“ wenn nicht sogar „zu niedrig“ sei. Angesprochen auf die EEG-Umlage von rund 5 Cent 2013 konnten sich nur noch 47% mit diesen Antwortmöglichkeiten anfreunden. Besonders in strukturschwächeren neuen Bundesländern war die Zustimmung gering (Sachsen-Anhalt 25%, Brandenburg 34%, Thüringen 35%).

Akzeptanz Windanlage Atomkraftwerk Kohlekraftwerk

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

Direktvergleich Erneuerbarer: Photovoltaik hat besten Ruf

Was die Akzeptanz von Erneuerbaren Energien in der Nachbarschaft angeht, steht die Photovoltaik unter den großen alternativen Energien nach wie vor am höchsten im Kurs. 77% der Befragten bewerteten Solarparks in der Nachbarschaft mit „finde ich gut“ oder gar „finde ich sehr gut“. Damit bestätigte die Solarenergie den Wert aus dem Vorjahr. 2010 waren es „nur“ 74%. Leicht gestiegen in den letzten beiden Jahren ist auch die Zustimmung für Windenergieanlagen. Die 61% aus diesem Jahr bedeuten eine Steigerung von 5% seit 2010. Gesunken seit 2010 ist hingegen die Akzeptanz von Biomasseanlagen in der Nachbarschaft. Während sich 2010 noch 40% mit „finde ich gut“ oder „finde ich sehr gut“ zu dieser Form der Energiegewinnung äußerten, waren es 2011 und 2012 nur noch je 36%.

Katastrophaler Ruf für Atom- und Kohlekraftwerke

Keinen guten Stand in der Gesellschaft scheinen Atom- und Kohlekraft zu haben. Mit 19% im Saarland erreicht die Kohlekraft im Vergleich der Bundesländer ihren Höchstwert, der Schnitt liegt jedoch bei gerade mal 8%. Noch weniger Ansehen verzeichnet die Atomkraft: 8% in Thüringen sind für sie das höchste der Gefühle. Der Schnitt liegt bei 3%.

Die Daten der Studie können hier eingesehen werden.

Energiewende mal anders: Kabarettist Rolf Miller im Interview

Rolf Miller ist Kabarettist und Gewinner des deutschen Kabarettpreises 2011 in Nürnberg. In odenwäldischer Mundart behandelt er in seinen Auftritten gesellschaftlich relevante Themen. Auf seiner Homepage wird er beworben mit den Worten: „Er weicht aus. Er verschweigt. Er sagt nichts. Und das einzigartig.“ Für uns sagt er dennoch etwas – zum Thema Energiewende.

Milk the Sun: Herr Miller, sie sind aktuell auf Tournee mit ihrem Programm Tatsachen. Ihre Kunstfigur beschrieben Sie als eher unpolitisch. Sind die Politik und die „Tatsachen“ rund um die Energiewende dennoch interessant für Sie?

Miller: Nachdem laut Jonathan Messe Politik Teil der Kunst ist, ist auch das äh…Ding.

Photovoltaik Kabarett

Fotograf: Christian Bordes

Milk the Sun: In einem Interview mit Good News Stuttgart gaben sie an, dass sich Ihre Satire gegen den Wähler richte, nicht gegen die Gewählten. Auch Sie sind Wähler und als Stromkunde von den steigenden Preisen betroffen. Wie unterscheiden sich die Meinungen des Rolf Miller und seiner Kunstfigur dazu?

Miller: Die Figur weiß Bescheid, sie ist für Atom. Miller nicht. Ich kenne nicht mal meinen aktuellen Anbieter. Ich vermute: Telekom. bin aber, nachdem ein Atom-Endlager keins ist, für Erneuerbares.

Milk the Sun: Was hat Ihre Kunstfigur eigentlich mit Kernenergie am Hut?

Miller:Sie kennt nichts anderes. Ich erinnere an den Film: Mein Freund das Atom. Das hat die Kunstfigur in der sogenannten „BRD“, ich glaube im schwarzen Kanal, genannt Realschule Walldürn, vorgeführt bekommen.

Milk the Sun: Und mit Solarenergie?

Miller: Machen.

Milk the Sun: Verspüren Sie als Kabarettist mit künstlerischem Anspruch auch die Pflicht, Ihre persönliche Meinung zu politischen Themen an das Publikum zu transportieren?

Miller: Das tue ich, da man rückschließen kann aus dem Halbsatz, den ich weglasse.

Milk the Sun: Was wünscht sich Rolf Miller für den Weitergang der Energiewende?

Miller: Die Rettung der Welt. Formel 1 mit wiederaufladbaren elektrischen Rollstühlen. Ich bin gegen Verschwendung, gegen Formel 1 und Boxen, aber für Sport. Mehr Energie für Regeneration!

 

Milk the Sun bedankt sich für das Gespräch und wünscht Rolf Miller viel Spaß bei der aktuellen Tour.

Miller: Das wünsch ich mir auch. Und allen, die Ihre Zeitung lesen und mich über Tui buchen!

 

Photovoltaik in: Deutschland

Land: DeutschlandPhotovoltaik Solaranlage Stromverbrauch
Fläche: 357.121 km²
Einwohner: 81,9 Mio.
Landessprache: Deutsch
Staatsform: parlamentarische Demokratie

Stromverbrauch: 615.250 GWh
Stromexporte:  16 GWh
Anteil Strom aus Erneuerbaren: 20,3%
Anteil Photovoltaik: 4,5%
Installierte Photovoltaikleistung: 30.631 MWp
Sonneneinstrahlung: 900 kWh/m² – 1.200 kWh/m²

Photovoltaik in Deutschland

Die Photovoltaik in Deutschland hat in diesem Jahrhundert bisher einen ungesehenen Siegeszug hingelegt. Etwa 19.340 GWh wurden im Jahr 2011 durch Photovoltaik-Anlagen produziert. In keinem anderen Land der Welt stehen Solaranlagen die mehr Leistung erzeugen könnten (auch wenn die USA Deutschland im Laufe des nächsten Jahres wohl überholen wird).

1990 belief sich der Gesamtanteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch noch auf 3,1 Prozent. Seitdem nehmen die Erneuerbaren Jahr für Jahr (Ausnahme 1996) einen höheren Anteil ein – 2011 wurden die 20 Prozent überschritten (20,3). Der Anteil der Photovoltaik an der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien betrug knapp unter 15,7 Prozent. Zum  Vergleich: 1990 waren es noch 0,003 Prozent, 2000 erreichte die Photovoltaik 0,16 Prozent.

Die installierte Leistung der Photovoltaik in Deutschland stieg von 0,6 MWp 1990 über 76 MWp 2000 auf 25.039 MWp 2011. Mit den aktuellen Zahlen für das Jahr 2012 erreicht die Photovoltaik in Deutschland damit bereits eine installierte Leistung von über 30 GWp.

Der Siegeszug der Photovoltaik in Deutschland ist auch eng verknüpft an das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). In vielen Ländern ist es Vorbild dafür, wie Regierungen den Ausbau Erneuerbarer Energien ankurbeln können.

Stromeinspeisungsgesetz 1991

Der Vorgänger des EEG wurde am 7. Dezember 1990 in Deutschland beschlossen. In Kraft trat es ab dem 1. Januar 1991. Das „Gesetz über die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz (Stromeinspeisungsgesetz)“  verpflichtete die Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) erstmalig, Strom aus Erneuerbaren Energien abzunehmen und zu vergüten.

Die Vergütung wurde prozentual auf die Durchschnittserlöse von zwei Jahren zuvor berechnet. Für Strom aus Sonne und Wind wurde ein Wert von 90 Prozent festgelegt. 1998 waren das umgerechnet 0,08 €/kWh.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Photovoltaik

2000: Am 1. April des Jahres 2000 nahm das neue EEG den Platz des Stromeinspeisungsgesetzes ein. Neben einer Differenzierung für die verschiedenen Stromquellen beinhaltete es eine teilweise Absenkung der Vergütungen. Das EEG 2000 förderte Solaranlagen mit mindestens 0,506 €/kWh. Dabei sah es jedoch vor, nur Anlagen bis zu einer Gesamtgrenze von 350 MWp zu fördern.

2002: In diesem Jahr fand eine Anpassung der Vergütungssätze des EEG statt. Für die Photovoltaik wurde die Vergütung um 5 Prozent gesenkt, sodass die Förderung bei minimal 0,481 €/kWh lag.

2003: Da bereits 2003 der Zubau von PV mit einer Leistung 350 MWp erreicht worden war, wurde das sogenannte PV-Vorschaltgesetz eingeführt. Es garantierte weiterhin Vergütungen für Solaranlagen, die bei mindestens 0,457 €/kWh lagen.

2004: Eine novellierte Fassung des EEG trat am 1. August 2004 in Kraft. Änderungen waren vor allem angepasste Förderungssätze. Die minimale Förderung für Strom aus Photovoltaik betrug 0,457 €/kWh.

2009: Die nächste größere Änderung des EEG trat am 1. Januar 2009 in Kraft. Es wurde konzipiert, um den Anteil Erneuerbarer Energien bis zum Jahre 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen. Photovoltaik-Anlagen-Betreiber wurden verpflichtet, den Standort und die Größe ihrer Anlage bei der Bundesnetzagentur zu melden.

Der Photovoltaik wurde eine gleitende Degression der Vergütungssätze auferlegt. Bei höherem Zubau wurde die garantierte Vergütung im Folgejahr schneller abgesenkt. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht seitdem regelmäßig den neu geltenden Degressionssatz.

2012: Die im Juni 2011 beschlossene Novelle des EEG für das Jahr 2012 veränderte vor allem die Vergütungssätze der Einspeisetarife. Am 1. Januar 2012 trat die Novelle in Kraft, die auch starke Kürzungen für Solaranlagen vorsah.

Rückwirkend zum 1. April 2012 wurde im Juni die sogenannte Photovoltaik-Novelle erlassen. So werden seitdem Anlagen von maximal 10 MW gefördert, die Vergütungsklassen selbst wurden verändert. Zudem findet seitdem eine monatliche Degression statt. Die genauen Änderungen können folgender Tabelle entnommen werden:

Die Degression ab  Februar wird abhängig von den Vormonaten bis spätestens Ende Januar von der Bundesnetzagentur bekannt gegeben.

Grip Parity

Deutschland ist eines von drei europäischen Ländern, das in diesem Jahr die Netzparität erreicht, gemeinsam mit Italien und Spanien.

Ausblick

Der Zubau der Photovoltaik in Deutschland hat enorm abgenommen – und ist dennoch weiterhin enorm, verglichen mit anderen europäischen Staaten. Die Photovoltaik genießt in Deutschland in der Bevölkerung einen exzellenten Ruf, weshalb weitere Zubau-Maßnahmen sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Sektor gerade auf Dachflächen  realistisch sind. Große Freiflächen-Solarparks wird es wohl aufgrund der fehlenden EEG-Unterstützung für Anlagen über 10 MWp nur noch selten geben. Ein Gesamtausbau zwischen 6-7 GW im Jahr 2013 erscheint realistisch.

Quellen: Bundesumweltministerium (2,3), Sonne-24.de, udo-leuschner.de, IWR.de, Bundesnetzagentur, Photovoltaik-Web.de, Photovoltaik.eu

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