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Hans-Josef Fell im Interview: „Verfehlte schwarz-gelbe Energiepolitik“

Hans-Josef Fell, seit 2002 Sprecher für Energiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, gilt mitunter als „Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetz“. Im Interview mit Milk the Sun äußert er sich zu EEG, Photovoltaik und die Zukunft der Erneuerbaren.

Solarstrom Erneuerbare Milk the SunMilk the Sun: Sehr geehrter Herr Fell,

die Regierung möchte das EEG reformieren, Bundesumweltminister Peter Altmaier legte bereits erste Reformvorschläge vor. Die Landesumweltminister sprachen sich derweil in Kiel auf ihrer Konferenz für eine rasche Erarbeitung einer neuen Ausbaustrategie aus. Ist eine Änderung nötig? Welche Faktoren muss das neue EEG Ihrer Meinung nach beinhalten und berücksichtigen?

Fell: Das EEG ist das weltweit erfolgreichste Instrument für die Förderung der Erneuerbaren Energien. In seinen Kernelementen muss das EEG erhalten bleiben, damit es seine Wirkung für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien beibehalten kann. Selbstverständlich muss das EEG auch immer wieder an die Marktentwicklung angepasst werden. Als erstes muss es von überflüssigen Kosten, wie die ausufernden Befreiungen für die Industrie, befreit werden. Und zweitens muss die Berechnung der EEG Umlage so verändert werden, dass die preissenkende Wirkung der Erneuerbaren Energien an der Strombörse auch beim Stromkunden ankommen und nicht nur die Gewinne der Stromkonzerne erhöhen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien darf dabei auf keinen Fall gedrosselt werden, alleine schon aus Klimaschutzgründen, aber auch, weil die Kosten für fossile Energien permanent steigen, während die Erzeugungskosten für die Erneuerbaren weiter sinken werden.

Milk the Sun: Viele Stromkunden beschweren sich über die Erhöhung der EEG-Umlage für 2013. Gerade Privathaushalte kommt die Umlage teuer zu stehen. Wie erklären Sie den Kunden, dennoch weiter auf erneuerbare Energie zu setzen?

Fell: Zum einen muss man sagen, dass die Unterstützung für die Erneuerbaren Energien ungebrochen groß ist in der Gesellschaft. Die Menschen in Deutschland stehen weiterhin hinter dem Ablösen der atomaren und fossilen Energiewirtschaft, vor allem auch weil viele erkannt haben, dass sie nun selbst an den Vorteilen der Stromerzeugung teilhaben können und nicht nur vier Konzerne. Dennoch muss natürlich die Politik dafür sorgen, dass die Strompreise in Deutschland bezahlbar bleiben, vor allem für einkommensschwache Haushalte. Die entscheidenden Kostentreiber beim Strompreis sind aber nicht die Erneuerbaren Energien, sondern die verfehlte schwarz-gelbe Energiepolitik mit uferlosen Befreiungen von der EEG-Umlage und den Netzentgelte, die Erhöhung der Liquiditätsreserve, die Befreiung für Eigenstromerzeugung aus Kohle und die verfehlte Marktprämie. Zudem geben die Stromkonzerne die enorme kostensenkende Wirkung von Wind- und Solarstrom an den Strombörsen nicht an die Kunden weiter, sondern erhöhen damit ihre Profite. Auch die steigenden Kohle- und Erdölpreise spielen eine oft unterschätzte Rolle für steigende Strompreise. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien hat das wenig zu tun.

Milk the Sun: Laut mrn-news.de hält der langjährige Ministerpräsident Hessens, Roland Koch, die Photovoltaik für ein Auslaufmodell. Was sagen Sie zu dieser These?

Fell: Das überrascht mich eigentlich weniger. Roland Koch hat schon als Ministerpräsident die Erneuerbaren Energien immer bekämpft, übrigens mit dem Ergebnis, dass Hessen im bundesweiten Durchschnitt als einer der Schlusslichter gilt. Aber Herr Koch verschätzt sich da völlig. Gerade die Photovoltaik entwickelt sich immer mehr zur billigsten Stromerzeugung, weshalb immer mehr Menschen auf ihren Dächer Eigenstromerzeugung anstreben. Koch und übrigens auch sein Nachfolger Volker Bouffier haben gemeinsam, dass sie die Energiewirtschaft ungerne in Bürgerhand sehen, sie gehören zu den klaren Besitzstandsbewahrern der fossilen Energiewirtschaft. Einfamilienhäuser mit einer Solaranlage auf dem Dach gehören sicherlich nicht dazu.

Milk the Sun: Welche Rolle wird die Photovoltaik zukünftig in Deutschland spielen?

Fell: Im grünen Strommix wird die Photovoltaik neben der Windenergien die größte Rolle spielen. Die Kosten für die Solarenergie sind in den letzten Jahren stark gefallen und werden damit zunehmend wettbewerbsfähig.

Milk the Sun: Sie sprachen sich mehrfach für eine Energiegewinnung Deutschlands aus 100% Erneuerbaren aus. Bis wann und unter welchen Voraussetzungen könnte dieses Ziel erreicht werden?

Fell: In Deutschland, aber auch weltweit könnten wir bis 2030 die Energiegewinnung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umstellen, wenn die richtigen politischen Weichen gestellt werden. Dass dies technologisch machbar und sogar ökonomisch sinnvoll ist, haben die Kalifornischen Universitäten Stanford und Davis in einer Studie bewiesen – und diese wissen wovon sie reden, immerhin wurde von dort die Industrierevolution der Informationstechnologien organsiert. Was wir brauchen ist aber der politische Wille die fossile Energiewirtschaft ablösen zu wollen. Das fällt vielen immer noch schwer.

 

Milk the Sun bedankt sich bei Hans-Josef Fell für das Gespräch

Neue EEG-Vergütungssätze im Überblick

Reichstagsgebäude mit KuppelDer Kompromiss über die EEG-Novelle, der am 27. Juni vom Vermittlungsausschuss getroffen und spätestens am 6. Juli in Kraft tritt, enthält wenige, jedoch interessante Änderungen im Vergleich zu den bereits beschlossenen Vergütungssätzen. Eine Besonderheit ist durch das unerwartete Hinzufügen einer neuen Vergütungskategorie für Anlagen mit einer Anschlussleistung zwischen 10 und 40 Kilowatt (KW) entstanden. Der Vergütungssatz liegt in dieser Kategorie um zwei Cent höher als für Anlagen ab 40 Kilowatt. Mittelgroße Anlagen erhalten damit höhere Zuschüsse als vom Bundestag ursprünglich festgelegt.

Neue EEG Vergütungssätze für Dach- und Freiflächenanlagen ab 1. April 2012

Dieses Anlagensegment macht etwa ein Viertel des Marktes aus. Die Betreiber solcher Anlagen erhalten 18,5 Cent pro Kilowattstunde für 90 Prozent des erzeugten Stroms. Experten rechnen für dieses Jahr mit einem ähnlich hohen Anteil. Diese Entscheidung bietet viele Interpretationsmöglichkeiten. Zum einen drückt es ein Marktanreizprogramm für Investition und Forschung in die Speichertechnologie aus, bevor ein weiterer Zubau gefördert wird und langfristig könne man diese Entscheidung auch als Abwendung von Photovoltaikanlagen als Renditeobjekt hin zu Photovoltaik als Systemlösungen zur eigenen Energieversorgung interpretieren.

Gleich bleibt, dass die Neuerungen rückwirkend zum 1. April gelten. Zudem ist nur noch eine bestimmte Strommenge pro Jahr vergütungsfähig. Selbst verbrauchter Strom wird nicht mehr vergütet. Die Sätze selbst verringern sich ab sofort monatlich. Bis Ende Juni bzw. September 2012 gilt jedoch noch eine Übergangsfrist für die alte Einspeisevergütung. Nur geringfügige Änderungen sieht der Kompromiss bei Solarparks vor: Für die Zusammenfassung mehrerer Freiflächenanlagen zu einer Gesamtanlage gilt künftig ein Umkreis von 2 km statt bisher 4 km. Die Begrenzung auf 10 MW für Freiflächenanlagen bleibt dagegen erhalten. Die Vergütungssätze vom 01.01.2012 (siehe unten) gelten noch für Dachanlagen, deren Netzanschlussbegehren (gemäß § 5 EEG) vor dem 24. Februar 2012 gestellt wurden und die bis zum 30. Juni 2012 in Betrieb genommen werden. Ebenso für Freiflächenanlagen deren Beschluss über die Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplanes vor dem 1.März getroffen wurde und die bis 30. Juni fertiggestellt wird. Für Freiflächenanlagen auf Konversionsflächen gilt dies abweichend bis 30. September (hier gilt dann bei Inbetriebnahme nach dem 30.6.2012 und vor dem 1.10.2012 abweichend ein Vergütungssatz von 15,95 ct/kWh).

Neue EEG Vergütungssätze für Anlagen an oder auf Gebäuden (Dach, Fassade) und Freiflächen

Für das kommende Jahr können auf Basis der Daten der aktuellen Novelle folgende Einspeisetarife erwartet werden:

Neue EEG Vergütungssätze für Dach- und Freiflächen ab 1.1.2013

Quelle: BSW – Bundesverband Solarwirtschaft e.V.

EEG-Konsens in Sicht – Vermittlungsausschuss tagt heute

Foto Reichstagskuppel - Vermittlungausschuss EEG-NovelleNach Medienberichten entscheidet die Arbeitsgruppe des Vermittlungsausschusses, besetzt mit Fachpolitikern aus den Bundestagsfraktionen sowie Vertretern aus Landes- und Bundesregierung über einen Kompromiss der die künftige Förderung von Solarstromanlagen betrifft. Damit könnte der Brennpunkt EEG-Novelle endlich zu einem verträglichen Ende gebracht werden. Bereits gestern hatte sich die Expertengruppe in den meisten Punkten dem Konsens genähert und wird seiner endgültigen Entscheidung, nach einer letzten Verhandlungsrunde im Vermittlungsausschuss heute noch vom Bundestag und Bundesrat zustimmen lassen. Ziel ist es die Änderungen, die nach wie vor rückwirkend zum 1. April in Kraft treten, noch vor der Sommerpause gesetzlich zu konsolidieren. Laut Medieninformationen, soll die Kürzung milder ausfallen als ursprünglich vorgesehen. Damit sind die Hauptkritikpunkte an der ursprünglichen EEG-Novelle anscheinend gehört worden. Es sollte einfach zu schnell zu viel gestrichen werden. Die bisher geplanten Neuerungen hätte dem wirtschaftlichen Hoffnungsträger der Zukunft Erneuerbare Energie  jeden Vorsprung geraubt und die mögliche Entwicklung eines freien PV-Marktes von vorn herein verhindert.

www.unendlich-viel-energie.de: Verteilung der Erneuerbaren Energien innerhalb der EU 2010  Die Details der Beschlüsse lassen sich bisher nur vermuten. So soll die Erhaltung des mittleren Anlagensegments bei Dachanlagen durch Einführung einer Vergütungsklasse 10 bis 40 kWp mit 18,5 ct/kWh (ab 1. April) gewährleistet werden. Zusätzlich gibt es wahrscheinlich Einigung darüber, dass auf eine Absenkung des Zubaukorridors ab 2014 verzichtet werden soll. Es ist auch im Gespräch die Förderung bei Erreichen einer installierten Gesamtleistung in Deutschland von 52 Gigawatt auslaufen zu lassen. Dabei soll gleichzeitig der Netz- und Marktzugang für den Solarstrom gesichert bleiben.

Für Photovoltaikparks sollen die Kürzungen ebenfalls abgemildert werden. Der Abstand zwischen Freiflächenanlagen mit 10 MW Anlagenbegrenzung beträgt nun zwei Kilometer und nicht, wie ursprünglich geplant vier Kilometer. Die ursprüngliche Regelung hätte massive Rentabilitätseinbußen für alle innerhalb der letzten 24 Monate errichteten Parks bedeutet. Sie alle fielen in die Kategorie. Auch die 10 MW-Grenze an sich ist nach wie vor in der Diskussion.

Uneinigkeit hingegen herrscht nach wie vor bei der Eingrenzung des Marktintegrationsmodells und der damit verbundenen Beschränkung der vergütungsfähigen Solarstromerzeugung auf 80 Prozent (Anlagen bis 10 kWp) bzw. 90 Prozent (Anlagen zwischen 10 und 1.000 kWp). Eine mögliche Alternative wäre es hier eine Bagatellgrenze für Kleinanlagen bis 10 kWp einzuführen. Nicht zuletzt ist auch die Förderung von dezentralen Energiespeichern im Gespräch. Neben der Speicherförderung besteht in den Verhandlungskreisen auch der Wille, die bereits in den vergangenen Jahren begonnenen Anstrengungen zur Forschungsunterstützung im Bereich der Photovoltaik weiter zu intensivieren.

Quelle: BSW Bundesverband Solarwirtschaft e.V.

Großbritannien: Neue Einspeisevergütung auf 1. August verschoben

Solar panel on an industrial rooftopAb dem 1. August gelten neue Tarife für die Förderung von Solarstrom und Solaranlagen im Vereinigten Königreich. Nach langen politischen Debatten werden die Pläne zur Kürzung der Einspeisevergütung – Feed-in Tariffs (FiTs) weiterhin umgesetzt. Ursprünglich war die nächste Kürzung für den 1. Juli vorgesehen. Die Regierung verschob den Termin auf den 1. August. Die FiTs, die ab diesem Datum gelten, sind Folge einer drastischen Kürzungswelle, die seit Februar die Preise konstant nach unten schraubt. Im Vergleich zum Einspeisevergütungspreis bis Ende Juli liegt der Rückgang bei knapp30%.

 

fitariffs.co.uk_UK Feed in Tariffs aktuellfitariffs.co.uk_August_feed_in_tariffs_UK

 

Vergleicht man den Einspeisevergütungspreis von 2010 für eine Anlage bis zu 4 kWp auf einem sanierten Dach mit dem heutigen, ist die Vergütung um 27,3 p (= 32 ct) gesunken. Das entspricht einem Preisverfall von knapp 300%. Die sukzessive Anpassung der Tarife ist auf einen PV-Boom zurückzuführen. Durch die im April 2010 verabschiedete Einspeisevergütung in Höhe von bis zu 43,3 p/kW ( =51 ct/kW) ist ein Zubau mit Anlagen die Folge gewesen. Das geplante Budget für die FiTs wurde schneller als erwartet verbraucht. Allerdings sind die Mechanismen der Anpassung nicht fix. Ursprünglich sollte aufgrund der Menge an PV-Neuzugängen, die ans Stromnetz gehen gekürzt werden – vergleichbar mit der Idee des atmenden Deckels für das deutsche EEG – um den Zusatz erweitert auch die Entwicklung der Modulpreise am Markt gegebenenfalls zu inkludieren. Die FiTs von PV-Anlagen sollten alle 3 Monate, beginnend vom 1. Februar nominal um 3,5% sinken. Nach scheinbarer Übereinkunft von Regierung, Opposition und Verbänden wurde zuletzt trotzdem eine ganz eigene Grundlage gewählt, um die Kürzungen zu errechnen und zu rechtfertigen. Die Kürzungen zum August beziehen sich auf die sogenannte „Review Phase 2“ und sind nicht langfristig in Stein gemeißelt. Die britische PV-Branche versucht demnach die Kürzungen zu kompensieren und muss zusätzlich mit großen Verunsicherungen umgehen. Eine sichere Sache ist Photovoltaik im Vereinigten Königreich im Moment leider nicht. Ein Kommentar auf Feed in Tariffs.co.uk verdeutlicht die Situation: „ Don’t use this table!!We are seeing if it is even possible to produce a table of future tariffs, when changes will be so frequent and so uncertain.”

 

Quellen: Feed in Tariffs ; Department of Energy and Climate Change

 

Die EEG-Novelle – Politik macht Solarwirtschaft schwach

Foto Bundestag BerlinDas von Umweltminister und NRW-Spitzenkandidat Norbert Röttgen am Mittwoch beschlossene Gesetzespaket, die EEG-Novelle, stößt in den Ländern auf Ablehnung. Die EEG-Novelle, die weitere Solarförderungskürzungen vorsieht, wird in den Regierungen der östlichen Bundesländer Deutschlands abgelehnt.

Folgen der geplanten EEG Novelle für deutsche PV Industrie – Die Kürzung zwischen 20 und 40% rückwirkend ab 1. April betrifft Länder, die große Solarunternehmen beheimaten, sehr stark – Arbeitsplätze sind von den politischen Entscheidungen dieser Tage abhängig. So werden voraussichtlich Sachsen-Anhalt (Q-Cells, 1300 Mitarbeitende entlassen), Sachsen (Solarworld, Verlust von 300 Mio. Euro in 2011) und Thüringen gegen die Anpassungen des Erneuerbare-Energien-Gesetz stimmen. Die Haltung der Regierungen von Berlin und Brandenburg (Schließung First Solar, Wegfall von 1200 Arbeitsplätzen) als Zünglein an der Waage wird eine entscheidende Rolle spielen beim geplanten Votum am Freitag. Es könnte auf ein Vermittlungsverfahren hinauslaufen. Ob dies ein Gewinn für die Solarbranche ist, muss von mehreren Seiten betrachtet werden, denn weitere Verzögerungen und wenig politisch Endgültiges bringt die Sicherheit und Dynamik in der Photovoltaik nicht zurück. Mittelfristig hingegen ist eine Ablehnung weiterer Kürzungen ein Hoffnungsschimmer – für Solarunternehmen, die mehrheitlich Mitarbeitende entließen und mit starken Auftragsrückgängen kämpfen. Die Zahl, die BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten König nennt – 10.000 verlorene Arbeitsplätze -, ist nicht nur innerhalb der Solarwirtschaft schmerzlich zu verkraften, sondern auch mit Blick auf die Arbeitsmarktlage im Bundesgebiet ein herber Schlag. Photovoltaik und die Solarindustrie sind wachsende Märkte, die in Deutschland gebraucht werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Länder am 11. Mai verhalten. In NRW wird am Sonntag gewählt. (Quelle: dpa, Reuters)

 

Die neue Einspeisevergütung – Herausforderung und Chance

Die letzte Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist erst vor zwei Monaten in Kraft getreten. Trotzdem plant die Bundesregierung erneut Änderungen an dem Gesetz, die vor allem die Förderungen der Solarenergie betreffen. Für den Ausbau der Photovoltaik in Deutschland waren die umfangreichen staatlichen Förderungen zweifelsohne von großer Bedeutung. Die Bundesrepublik konnte ihre Vorreiterrolle auf dem Solarmarkt behaupten und sich als einer der führenden Standorte für Produktion, Forschung und installierter Photovoltaik-Leistung etablieren. Bislang wurde in Deutschland eine Leistung von knapp 25 Gigawattpeak (GWp) installiert, allein im letzten Jahr kamen 7,5 GWp hinzu[1]. Durch die Kürzungen muss die Solarbranche in Zukunft zwar einige Einschnitte hinnehmen, allerdings werden diese durch den technologischen Fortschritt abgefedert und bieten sogar die Chance, die bislang starren Strukturen des Solarmarktes aufzuweichen.

 

Investitionen in den deutschen Solarmarkt lohnen sich:

                • Die Produktion von Solarstrom bleibt auch mit den neuen Einspeisevergütungen attraktiv und rentabel
                • Durch den technologischen Fortschritt wird bald Netzparität erreicht und Förderungen werden komplett überflüssig
                • Neue Vermarktungsstrukturen machen den Solarmarkt liquider und transparenter

1.      Eckdaten der neuen Fördertarife

 

Der aktuelle Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht folgende wesentliche Änderungen vor[2]:

                • Eine einmalige und deutliche Absenkung der Tarife, um diese an die gesunkenen Marktpreise von Photovoltaikmodulen anzupassen. Die Änderung tritt für Dachanlagen voraussichtlich zum 1. April 2012 in Kraft, für Freiflächenanlagen zum 1. Juli.
                • Bisher wurde Solarstrom zu 100 % vergütet. Jetzt können sich Besitzer kleinerer Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 Kilowattpeak (kWp) 85 % ihres Stroms vergüten lassen, alle anderen Anlagenbesitzer 90 %.
                • Bisher wurden die Tarife alle sechs Monate reduziert. Künftig werden die Tarife monatlich 0,15 Cent gekürzt.
                • Der Photovoltaik-Zubau soll dadurch auf 2500 – 3500 Megawattpeak (MWp) pro Jahr reduziert werden.

Entwicklung der Einspeisevergütungen seit 2010:

 

Inbetriebnahme 30 kWp 100 kWp bis 1 MWp über 1 MWp Freiflächen
01.01.2010 39,14 37,23 35,23 29,37 28,43
01.07.2010 34,05 32,39 35,23 25,55 25,02
01.10.2010 33,03 31,42 29,73 24,79 24,26
01.01.2011 28,74 27,33 25,86 21,56 21,11
01.01.2012 24,43 23,26 21,98 18,33 17,94
Neu: bis 10 kWp bis 100 kWp entfällt bis 1 MWp bis 10 MWp bis 10 MWp
ab 01.03.2012 19,50 16,50 13,50 13,50
Kürzung um 20,2 % 29,0 % 24,9 % 26,4 % 24,7 %
ab 01.05.2012 monatliche Degression 0,15
ab 01.01.2013 18,15 15,15 12,15 12,15
ab 01.01.2014 16,35 13,35 10,35 10,35
ab 01.01.2015 14,55 11,55 8,55 8,55
ab 01.01.2015 12,75 9,75 6,75 6,75

(Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; www.EEG-2011.de)

2.      Solarstrom bleibt rentabel

Die neuen Einspeisevergütungen stellen Projektentwickler und Unternehmen der Solarbranche sicherlich vor neue Herausforderungen. Trotz der Kürzungen ist die Produktion von Solarstrom aber weiterhin rentabel.

Entwicklungsausblick für die verschiedenen Anlagetypen:

Kleinere Dachanlagen bis zu 10 kWp:

                • Die Kürzungen fallen für diese Anlagen wenig drastisch aus. Die für den 1. Juli geplante Kürzung um 15 % wird lediglich um 5  % erhöht und ein paar Monate vorgezogen.

                • Je nachdem mit welchen Modulen gebaut wird, ergeben sich für diese Analgen immer noch Renditen von 5 – 8 %[3]. Die Investition in eine Solaranlage ist dadurch immer noch attraktiver als die Investition in eine ähnlich sichere und langfristige Kapitalanlage.

                • Nach Berechnungen der Welt Online wird Strom aus Dachanlagen ab dem 1. Januar 2014 um 4 %, ab dem 1. Januar 2015 sogar um 22 % höher vergütet, als es nach dem bisherigen Fördersystem der Fall gewesen wäre. Diese Berechnung beruht allerdings auf der Annahme, dass der Zubau konstant bei rund 7,5 Gigawattpeak pro Jahr bleibt[4].

                • Private Dachanlagen werden durch die 85 %-Regel zum Eigenverbrauch angehalten. Bei einem derzeitigen Strompreis von 24 Cent pro Kilowattstunde zahlt sich der Eigenverbrauch aus und steigert die Rendite der Anlage. Langfristig wird die Produktion von Sonnenstrom immer preiswerter, während die Stromkosten steigen.

                • Ein wesentlicher Rückgang der Nachfrage ist in diesem Marktsegment nicht zu erwarten.

Bei größeren Dach- und Freiflächenanlagen:

                • Die Kürzungen betragen bei diesen Anlagen rund 25 % der bisherigen Fördertarife. Hinzu kommt, dass der produzierte Strom nur noch zu 90 % vergütet wird. Die restliche Strommenge muss direkt an der Strombörse vermarktet werden.

                • Nach der Absenkung der Tarife können große Freiflächenanlagen immer noch mit Renditen von bis zu 6 % rechnen, prognostiziert Patrick Hummel von der UBS. Dadurch findet eine Marktanpassung des bisher stark überförderten Segments statt[5].

                • Sogenannte Konversionsflächen – das sind brachliegende Militär-, Industrie- oder Deponieflächen – werden durch die neue Vergütung für eine Übergangsphase unattraktiver. Durch sinkende Modulkosten wird aber dieses Marktsegment wieder für Investoren attraktiv.

Sowohl mit kleineren Anlagen als auch mit größeren Anlagen lassen sich trotz der reduzierten Einspeisetarife noch immer Gewinne erzielen. Die Nachfrage nach Solaranlagen wird daher nicht wesentlich einbrechen – zumal Investitionen in eine PV-Anlage häufig umweltpolitisch motiviert sind.

3.      Preisentwicklung und Netzparität

Durch den technischen Fortschritt und den verstärkten internationalen Wettbewerb sind die Preise für Solarmodule in den letzten Jahren stetig gesunken. Polykristalline Module aus deutscher Produktion sind derzeit für durchschnittlich 1,07 Euro pro Wattpeak erhältlich. Der Preisunterschied zum Dezember vergangenen Jahres liegt bei 4,5 %. Polykristalline Module aus China kosten derzeit noch 0,79 Euro pro Wattpeak und sind im Vergleich zum Dezember um 2,5 % gesunken[6]. Neben den gesunkenen Preisen steigt die Energieeffizienz der Module.

Die Grafik des Bundesverbandes Solarwirtschaft zeigt, dass die Preise für Solarmodule in den letzten 5 Jahren insgesamt um mehr als 50 % gefallen sind:

Durch diese Preisentwicklung wird zum Jahreswechsel 2012/2013 die Netzparität für Solarstrom erreicht. Das bedeutet, dass die Produktionskosten von Solarstrom nicht mehr teurer sind, als der Kauf des Stroms vom Stromversorger. Ab diesem Moment ist die Produktion von Solarstrom an sich rentabel und nicht mehr auf staatliche Förderungen angewiesen. Die folgende Grafik zeigt die Systempreisentwicklung im Vergleich zur Tarifhöhe in den letzten Jahren. Zwar wird hier noch von der Förderkürzung zum 1. Juli um 15 % ausgegangen, deutlich wird aber, dass die Systemkosten zum Ende des letzten Quartals 2011 deutlich unter der EEG-Vergütung lagen. Eine Anpassung der Tarife an diese Preise fördert also nur das selbstgesteckte Ziel der Branche bald die Netzparität zu erreichen.

Kosten und Förderung von Solarstrom seit 2008 halbiert: (Quelle: BSW-Solar; http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/bsw_solar_fakten_pv.pdf)

4.      Chancen für den Erst- und Zweitmarkt

Für den Erstmarkt ergeben sich aus der Kürzung der Förderung vor allem folgende Konsequenzen: Bisher zeichnet sich der Erstmarkt – der Handel von Projektrechten – durch lange Maklerketten aus. Um Flächenbesitzer, Projektentwickler und Investoren zusammen zu bringen, waren bislang viele Vermittler notwendig. Die neuen Tarife ermöglichen aber nicht mehr die Gewinnmargen, um den Handel von Projektrechten für so viele Vermittler lukrativ zu machen. Genau hier setzt Milk the Sun an. Lange Vermittlerketten werden durch die Plattform umgangen. Flächenbesitzer, Projektentwickler und Investoren können sich direkt miteinander vernetzen. Einerseits werden so Maklergebühren gespart, was die Rendite insgesamt wieder erhöht, andererseits gewinnt der Markt so deutlich mehr Transparenz. Auch Pachtmodelle lohnen sich so immer noch, auch wenn in Zukunft mit Sicherheit Leasing- oder Bürgersolarkonzept an Attraktivität gewinnen werden.

Der Zweitmarkt wird noch attraktiver: Der Kauf von bereits laufenden Solaranlagen als Kapitalanlage wird immer attraktiver und unproblematischer. Nicht nur sind die tatsächlichen Erträge der Anlage bekannt – was sie als Investition noch sicherer macht – sondern man erhält für den eingespeisten Strom auch die bisher gültige Einspeisevergütung. Erwirbt man beispielsweise eine Anlage mit einer Leistung von 80 kWp, die am 01.07.2010 ans Netz ging, erhält man auf den ins Netz eingespeisten Solarstrom, die zu dem damaligen Zeitpunkt geltenden, fast doppelt so hohen Vergütungen.

[1] Bundesverband Solarwirtschaft: Statistische Zahlen der deutschen Solarstrombranche, Januar 2012, http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/bsw_solar_fakten_pv.pdf

[2] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: EU-Effizienzrichtlinie und Erneuerbare-Energien-Gesetz, 23.02.2012, http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ergebnispapier__eu-effizienzrichtlinie.pdf

[3] Schultz, Stefan: So lohnt sich die Solaranlage auch künftig, Spiegel Online, 29.02.2012, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817172,00.html

[4] Wetzel, Daniel: Solarkürzung wirkt nur auf kurze Zeit, Welt Online, 29.02.2012, http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article13894344/Solarkuerzung-wirkt-nur-auf-kurze-Sicht.html

[5] Schultz, Stefan: So lohnt sich die Solaranlage auch künftig, Spiegel Online, 29.02.2012, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817172,00.html

[6] Vgl. PVX Spotmarkt Preisindex Solarmodule, http://www.solarserver.de/service-tools/photovoltaik-preisindex.html

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