Entwicklungen in der PV Posts

Experten halten 10 Terawatt Solarenergie bis 2030 für möglich

Experten halten 10 Terawatt Solarenergie bis 2030 für möglich

Das jährliche Potential der Solarenergie übersteigt den weltweiten Energiebedarf um Längen. Dennoch sind wir laut dem National Renewable Energy Laboratory (NREL) noch weit vom Ziel entfernt, einen signifikanten Anteil des globalen Energiebedarfs aus der Sonne zu gewinnen.

Vier Fragen an … Robert Doelling, Blogger und Experte für Erneuerbare Energien | Milk the Sun – Blog

Robert Doelling wurde 1976 geboren und studierte Marketing an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er engagiert sich privat als Energieblogger und schreibt regelmäßig für das Expertenportal energie-experten.org. Er ist Autor des Fachbuches „Information Performance – Wie aus Kunden die besten Vertriebspartner Ihres Unternehmens werden“ und leitet hauptberuflich die Social Media-Aktivitäten bei der Deutsche Auftragsagentur GmbH (DAA) in Hamburg. Herr Doelling betreut derzeit unter anderem die Portale solaranlagen-portal.com und heizungsfinder.de.

 

„Die Innovationsführerschaft der großen, deutschen Photovoltaikhersteller wurde politisch, aber auch durch den weltweiten Wettbewerb am Standort Deutschland bereits zunichte gemacht.“ – Robert Doelling

Milk the Sun: Lieber Herr Doelling, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Robert Doelling: Ich hege gar keine Erwartungen mehr. Für mich ist die politische Energiewende zu einem respektlosen Hick Hack verkommen auf Kosten derjenigen Bürger und Unternehmen, die sich privat als auch wirtschaftlich für die Energiewende einsetzen. Dabei stört mich gar nicht Mal die Richtung selbst, die Energiewende politisch lenken zu wollen, sondern der Flickenteppich aus vorschnellen Entscheidungen, die keinerlei Sinn ergeben, aber der Energiewende, der Umwelt oder halt den Unternehmen der Erneuerbaren-Branche nur schaden. Nehmen Sie z. B. die Aufhebung des Verbots von Nachtspeicherheizungen, um diese als “Stromspeicher” nutzen zu können. Spricht davon noch irgendjemand? Nein. Nur die Konzerne können weiterhin Ihren Kohlestrom absetzen.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Robert Doelling: Um ehrlich zu sein, sehe ich das EEG selbst nicht als Baustelle. Es gibt eine sinnvolle Degression, die z. B. letztes Jahr das geplante Ausbauziel an PV-Leistung auf den Punkt getroffen hat. Nachbesserungsbedarf besteht beim Netzausbau und bei den Ausnahmeregelungen der EEG-Umlage. Die Erneuerbaren sind eigentlich auf einem sehr guten Weg. Und wenn man über Marktintegration spricht, so sollte man auch über die gleichwertige Marktintegration der etablierten Energiekonzerne reden, die immer noch meinen, sie könnten sich jeglichem Fortschritt und Wettbewerb entziehen. Diese Strategie wird nämlich spätestens dann nach hinten losgehen, wenn die Erneuerbaren wirkliche Kostenparität erreicht haben. Die Erneuerbaren werden dann keine Förderung mehr benötigen und entziehen sich damit auch dem Zugriff politischen Reglements. Sind dann die Netze nicht auf die Erneuerbaren angepasst, wird es tatsächlich kompliziert werden, die Stromversorgung für ein Land wie Deutschland zu sichern. Um diese Baustellen sollte sich Sigmar Gabriel besser kümmern.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Robert Doelling: Also nimmt man die Innovationsführerschaft der großen, deutschen Photovoltaikhersteller, so steht nicht nur zu befürchten, dass diese Schaden nimmt, sondern sie wurde politisch, aber auch durch den weltweiten Wettbewerb am Standort Deutschland bereits zunichte gemacht. Mehrere 10.000 Arbeitsplätze sind bereits verloren gegangen, die man auch nicht mehr wiederbeleben kann. Die Windenergiebranche hat sich aus eigener Kraft frühzeitiger auf dem Weltmarkt etabliert und dazu Kooperationen oder auch das Investment internationaler Konzerne forciert. Hier stehen die Aussichten sicherlich besser, dass Deutschland für die Windkraftunternehmen ein relevanter Unternehmensstandort bleibt. Und glücklicherweise wird auch die aktuelle EEG-Politik da nicht allzu viel dran ändern können.

Milk the Sun: Eine Studie der Deutschen Bank belegte erst kürzlich, dass die PV-Leistung bis 2015 weltweit enorm steigen solle und mit Anlagen von rund 56 Gigawatt Gesamtleistung zu rechnen sei. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem zunehmen. Wie realistisch schätzen Sie diese Prognose ein? Steht wirklich ein zweiter Goldrausch für die Photovoltaik bevor und wenn, wie wird Deutschland davon profitieren können?

Robert Doelling: Das kann gut sein. Ich habe auf der Intersolar 2012 mit Arturo Herrero, Marketingchef bei Jinko Solar, ein Video-Interview führen dürfen. Darin prognostiziert er den Anfang der “Grid-Parity” zumindest in einigen Ländern für das zweite Halbjahr 2013. 2014 könnte sich dieser Effekt also durchaus umfänglicher durchsetzen. Das hat Arturo Herrero jedoch auf den internationalen Markt bezogen. In Deutschland wird das Jahr 2014 vermutlich noch große Enttäuschungen im PV-Bereich bereithalten. Alle diejenigen, die eine PV-Anlage als Renditeobjekt und diejenigen, die zumindest damit kein Geld verlieren wollen, werden sich im nächsten Jahr wohl weiter zurückhalten. Ich sehe aber Potenzial bei denjenigen, die sich mit einer PV-Anlage etwas unabhängiger vom Stromnetz und den hohen Strompreisen machen wollen. Diese Kundengruppe könnte die deutsche PV-Nachfrage in 2014 und 2015 stützen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Kundengruppe dann nicht auch noch zusätzlich beim Eigenverbrauch belastet wird.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Doelling für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews und Artikel auf dem Milk the Sun Blog von und mit Robert Doelling:

Meinung: 8,50 Euro für die Energiewende
Vier Fragen an … Robert Doelling, Energieexperte und Blogger
Gastbeitrag für Milk the Sun: Erholung beim PV-Anlagenzubau erwartet
Frühlingsgefühle – Stimmungsbild der Energiewendeblogger

Conto Energia V und die Herausforderung des Wandels in der PV-Industrie

Gerade ein Jahr nachdem das vierte Gesetz für erneuerbare Energien, die Conto Energia IV, in Kraft getreten war, wird der italienische Photovoltaikmarkt wieder mit neuen gesetzlichen Änderungen konfrontiert. Der neue Erlass, dessen Auszüge Anfang März diesen Jahres veröffentlicht wurden, soll zum Ziel haben der Industrie den Weg in Richtung Netzparität zu ebnen, so der MInister für Wirtschafts- und Umweltentwicklung. Wenn der Gesetzesentwurf auf dem aktuellen Stand in Kraft tritt, werden Einsparungen von 50% und Registerpflicht für Solarstromanlagen über 12 kWh mit neuen und strikteren FiT Kriterien die Folge sein. Nach Einschätzungen der Gewerkschaften könnte die Conto Energia V das Ende der italienischen Photovoltaikbranche bedeuten. Auch jenseits der Veränderungen, die die Conto Energia V mit sich bringt, wird sich die Photovoltaikindustrie weiteren Herausforderungen stellen müssen. Es ist offensichtlich, dass der Photovoltaikmarkt immer stärker und der Wettbewerb immer größer wird. Somit wird es unumgänglich neue Mittel und Wege zu finden mit der Dynamik des Marktes Schritt zu halten – der Conto Energia V folgen langfristig auch weitere Änderungen. Beispielsweise konnte sich selbstständig ein wettbewerbsfähiger Markt durch den starken Rückgang des Silikonpreises etablieren (Silikon ist ein Rohmaterial, das zur Fertigung von Solaranlagen verwendet wird). Solche Entwicklungen kreativ für die Photovoltaikindustrie umzusetzen stellt eine echte Alternative zu oktroyierten Gesetzesänderungen, die den Markt in Schwung bringen sollen. Es gibt wenige Lösungsansätze in der Branche, die auf eine Veränderung des Marktes eingestellt sind. Dabei ist man sich beispielsweise einig, dass die lange Schlange an Mittelsleuten, die den Markt überhäufen und Entwicklungsprozesse oder Projektübernahmen verlangsamen, verkleinert werden muss. Dynamik, Schnelligkeit und Transparenz muss sich die Industrie langfristig auf die Fahnen schreiben, damit Photovoltaik ein zukunftsfähiges und zugängliches Produkt auf europäischem Niveau werden kann.

Auch die deutsche Photovoltaikindustrie sieht sich immer neuen Restriktionen und Wendungen bezüglich der öffentlichen Förderung (Anpassungen des Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG) ausgesetzt. In diesem Moment debattiert Schwarz-Gelb, in welcher Weise aktuelle Kürzungsvorhaben in der Photovoltaikbranche umgesetzt werden sollen (Deckelung der Förderkosten oder monatliche Anpassung). Ähnlich, wie auf dem italienischen Markt, sind auch in Deutschland sinkende Produktionskosten von Solaranlagen, wegen günstigen Rohstoffpreise der Grund für explosionsartige Investitionen und stetig steigende Zahlen von Solarstromerzeugenden. Diese überraschende Entwicklung der letzten Jahre hat auf Bundesebene Kürzungen von Subventionen im Solarsektor zur Folge gehabt. Der Negativpresse und der Befürchtungen eines Einbruches der deutschen Photovoltaikindustrie zum Trotz, müssen die sinkenden Preise der Rohstoffe für PV als wirtschaftliche Chance gesehen werden. Jüngste Entwicklungen lassen eben auch die Vermutung zu, dass Photovoltaik ein zukunftsträchtiger, wettbewerbsfähiger Markt ist, der auf eigenen Beinen stehen kann. Ob in Deutschland oder Italien. Die Photovoltaikindustrie profitiert von kurzen und einfachen Kommunikationswegen zwischen Händlern, Investoren und Projektanbietenden – von neuen Marktplätzen ohne Mittelsleute und Hierarchien, wie auf Milk the Sun.

 

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