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Gastbeitrag: Energiegipfel im Kanzleramt: Bund gegen Länder

Sascha Röber, Autor und Betreiber von erneuerbar.wordpress.com, mit einem Gastbeitrag passend zum heutigen Energiegipfel:

Ende Januar dieses Jahres wartete Bundesumweltminister Peter Altmaier mit einem Konzept zur Begrenzung des Strompreises auf. Das „Strompreisbremse“ genannte Papier wurde von Altmaier der Öffentlichkeit vorgestellt. Es trug vor allem die Handschrift seines Kabinettskollegen Philipp Rösler und bildete einen gewissen Höhepunkt in der Diskussion um die Bezahlbarkeit von Strom, die vor allem in den letzten Monaten des vergangenen Jahres eines der beherrschenden Themen in der Medienlandschaft gewesen war. Plötzlich ging es nicht mehr um Sinn oder Unsinn des Ausstiegs aus dem Atomstrom. Es ging auch nicht mehr darum, ob Deutschland weiterhin den Pfad der deutlichen CO2-Reduktion gehen sollte. Es schien einzig und allein noch darum zu gehen, ob ein Hartz-IV-Empfänger in Zukunft noch seine Stromrechnung bezahlen könne.

Am 24. Mai 2012 leistete Peter Altmaier im Rahmen seiner Vereidigung als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit den im Art. 56 GG vorgeschriebenen Amtseid. Damit schwor er insbesondere, „das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes“ zu wahren und zu verteidigen. Diesen Eid scheint Altmaier jedoch knapp acht Monate danach völlig vergessen zu haben. Sein Konzept steht nämlich nicht nur in krassem Gegensatz zum EEG, das fixe Vergütungssätze für grünen Strom über mehrere Jahre garantiert. Er scheute sich mit seinem Papier auch nicht, neben durchaus diskussionswürdigen Vorschlägen wie z.B. der Rücknahme ausufernder Ausnahmeregelungen für die stromintensive Industrie gleich auch den rechtsstaatlichen Grundsatz des Rückwirkungsverbots bei Gesetzesänderungen in Frage zu stellen. Es sollten nämlich Betreiber von Bestandsanlagen, die Vergütungen aus dem EEG-Regime erhalten, das gesamte Jahr 2014 über 1,5% „Energie-Soli“ bezahlen.

Was soll man von solchen Vorschlägen eines Bundesministers halten, der sich explizit gegen geltendes Recht stellt? Ein Ausrutscher? Unwissenheit?

Wie soll man darüber hinaus die im Konzept vorgesehene Maßnahme bewerten, die EEG-Umlage auf 5,277 ct/kWh gesetzlich zu begrenzen, wenn sich die Höhe dieses Betrages vor allem aus dem Wälzmechanismus ergibt, der die Differenz aus (nicht vorhersagbarem) Börsenpreis und fixen EEG-Vergütungen abbildet?

Seine „Strompreisbremse“ wirft viele Fragen auf. Keine davon wird bislang beantwortet.

Das Jahr 2013 ist ein sog. Superwahljahr. Neben drei Landtagswahlen (Niedersachsen, Hessen und Bayern) steht vor allem auch die Bundestagswahl im September im Kalender. Letztes Jahr ging Baden-Württemberg an grün-rot. Niedersachsen hat schwarz-gelb im Januar dieses Jahres ebenfalls verloren. Volker Bouffier dürfte nach den Erfahrungen der Landtagswahlen 2008 und dem Verlust der OB-Posten in Frankfurt und Wiesbaden hinsichtlich der hessischen Landtagswahlen auch einigermaßen nervös sein. Und mit Blick auf den Koalitionspartner FDP, der in den Umfragen der vergangenen zwei Jahre regelmäßig als Splittergruppe deutlich unter der 5%-Marke herumdümpelt, ist Angela Merkel alles andere als entspannt. Daher wird Altmaier als Retter des kleinen Mannes vorgeschickt.

Um die Richtigkeit seiner Mission zu untermauern, stellt Peter Altmaier in einem FAZ-Interview am 19. Februar eine unvorstellbar große Zahl in den Raum: Eine Billion Euro soll die Energiewende Deutschland bis Ende der Dreißiger Jahre kosten, wenn er nicht mit seiner Strompreisbremse dagegenhalte. Selbst seine Ministerialen können auf Nachfrage nicht erklären, wie ihr Chef auf diese Phantasiezahl gekommen sein könnte. Und keine vier Wochen später widerlegt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) diese Monsterzahl: Altmaier habe grob falsche Angaben gemacht und schlicht fehlerhaft gerechnet. Aber: Die Billion ist in die Welt gesetzt. Altmaier hat damit die Deutungshoheit über die angeblichen Kosten der Energiewende errungen, und nun bleibt es den Fachleuten überlassen, ihn zu widerlegen. Das ist zwar einfach. Viel schwieriger ist es jedoch, Altmaiers Fehler und absichtlichen Falschbehauptungen einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen. Während die Billion in Windeseile die Runde gemacht hatte, war die Widerlegung deren Richtigkeit kaum mehr als eine mediale Randnotiz. Lediglich auf Twitter ließ sich der Bundesumweltminister auf die Studie ein, und zwar äußerst dünnhäutig und wenig professionell: „Diese angebliche Studie ist mit das Dümmste, was mir in letzter Zeit untergekommen ist. Unglaublich“. Die in ihr aufgeführten Zahlen konnte er bis heute allerdings nicht entkräften.

In dieser Gemengelage geht es heute ins Kanzleramt. Merkel, Rösler und Altmaier für den Bund, Ministerpräsidenten/-innen für die Länder.

Peter Altmaier wird es nicht ergehen wie seinem Amtsvorgänger Norbert Röttgen. Der flog aus dem Kabinett, weil er die Wahl in Nordrhein-Westfalen als CDU-Spitzenkandidat vergeigt hatte. Altmaier ist „nur“ Bundesminister und muss sich lediglich um die Bundespolitik kümmern. Aber genau da liegt der Hase begraben.

Röber. "Mit seiner völlig unausgereiften „Strompreisbremse“ verbreitert Altmaier lediglich den Graben, der zwischen den Zielen der Bundesregierung und denen der Bundesländer klafft."©iStockphoto.com

Dieser Graben entwickelt sich zunehmend zum Hemmschuh für den Erfolg der Energiewende. Während die Länder bereits seit längerer Zeit richtig Gas geben und den Ausbau der sauberen Stromerzeugung vorantreiben, schaffen es Umwelt- und Wirtschaftsministerium nicht, die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dennoch kann es beim heutigen Energiegipfel nicht ums große Ganze gehen. Eine vollumfängliche Neugestaltung der Energielandschaft – und genau die ist für ein Gelingen der Energiewende zwingende Grundvoraussetzung – steht heute nicht auf dem Programm. Stattdessen wird es darum gehen, gegen Altmaiers und Röslers absurden Forderungen mit brauchbaren und nachvollziehbaren Konzepten aufzuwarten. Diese wurden im Vorfeld bereits vorgelegt. So machte in der letzten Woche der Bundesverband WindEnergie (BWE) bereits konkrete Vorschläge, die im Kern vor allem auf ein standortdifferenziertes Vergütungsmodell für Wind Onshore und die Abschaffung des SDL-Bonus‘ abstellen. Die Grünen, – sie stellen mit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Eveline Lemke die Verhandlungsführerin für die rot-grünen Bundesländer -, gehen ebenfalls mit konstruktiven Vorschlägen in die Elefantenrunde. Bei ihnen steht die Rückkehr zur ursprünglichen Grenze von 10 GWh jährlichem Stromverbrauch als Untergrenze für die Befreiung stromintensiver Betriebe von der EEG-Umlage auf dem Zettel, wie auch die Beteiligung großer Eigenverbraucher an der EEG-Umlage.

Es gibt damit eine gewisse Schnittmenge zwischen Bund und Ländern. Gerade den Ländervertretern liegt am Herzen, die Diskussion um die Unbezahlbarkeit der Energiewende möglichst rasch wieder ad acta zu legen. Ob es in entscheidenden Bereichen zu einer Einigung kommen wird, bleibt abzuwarten. Die Sondierungsgespräche am Dienstag dieser Woche waren ohne durchschlagende Ergebnisse beendet worden. Bärbel Höhn, stv. Fraktionsvorsitzende der Bundesgrünen, hatte gar getwittert: „Gespräche bei Altmaier abgebrochen.“

Zu hoffen bleibt, dass der Gipfel vor allem auch dazu beiträgt, die Diskussion endlich wieder dorthin zu bekommen, wo sie hingehört: Nämlich gemeinschaftlich Lösungen zu finden, die die Energiewende zu einem Erfolg für das Land machen. Und zur Energiewende gehört viel mehr als lediglich die Stromrechnung. Zum Beispiel, dass sich Altmaier wieder an seinen Amtseid erinnert.

Steigende Strompreise durch Strompreis-Sicherung?

Der neue Vorstoß von Bundesumweltminister Peter Altmaier bezüglich des EEG, der unter dem Titel „Vorschlag zur Einführung einer Strompreis-Sicherung im EEG“ veröffentlich wurd, soll durch die Deckelung der EEG-Umlage den Strompreis gering halten. Damit lässt sich schlussfolgern, dass Altmaier die Schuld für den steigenden Strompreis im Ökostrom sieht. Aber wäre denn diese Deckelung der Umlage tatsächlich das Ende der Preissteigerung? Und wäre sie das Ende der Energiewende? Gestern setzte sich das Wirtschaftsmagazin plusminus der ARD genau damit auseinander.

Umlage-Befreiung macht die Hälfte der letzten Steigerung aus

Geschätzt wird, dass sich die Kosten der EEG-Umlage bis 2017 um sieben Milliarden Euro erhöhen, was mit der aktuellen Umlageberechnung zu einer Steigerung von rund einem Drittel führen würde, nämlich von 5,28 Cent pro kWh auf 7,28 c/kWh. Altmaiers Pläne sehen vor, dass die Umlage nächstes Jahr eingefroren wird und danach um maximal 2,5 Prozent pro Jahr erhöht wird. 2017 würde die Umlage damit 5,68 c/kWh erreichen.

Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes für Energieverbraucher, dazu: „Dieser Plan ist vor allem gut für die Stromkonzerne. Die Erneuerbaren Energien werden dadurch ausgebremst“. Stattdessen müsse Altmaier bei den Ausnahmen für Unternehmen anfangen. Derzeit machen die Befreiungen der Industrie die Hälfte der aktuellsten Umlagesteigerung aus, nämlich 0,8 c/kWh. Altmaier möchte diese Befreiungen aber nur in geringem Maße beschränken, abschaffen möchte er sie nicht. Denn das würde natürlich auch auf großen Widerstand in der Wirtschaft treffen.

Energie-Soli rechtlich fragwürdig

Stattdessen sieht der Vorschlag zur „Strompreis-Sicherung“ die Einführung eines Energie-Solis vor, ein nachträglich gesetzlich verpflichtender Verzicht für Bestandsanlagenbesitzer Erneuerbarer Energien auf die bereits garantierten Förderungen. Für „rechtlich fragwürdig“ hält Henning Dettmer vom Bundesverband Windenergie diese Idee. Tatsächlich scheint der rückwirkende Eingriff in getätigte Investitionen mit dem Grundgesetz nicht vereinbar zu sein.

Solarenergie ist auf der eigenen Dachfläche anbringbar

Ausbaustop? Altmaier möchte Eigenverbraucher zur Kasse beten. iStockphoto.com©Jenna Wagner

Umlage-Zahlungen für den Eigenverbrauch bei Photovoltaik-Anlagen

Die Einspeisevergütung für Photovoltaik möchte Altmaier indes erst massiv senken und dann ganz abschaffen. Somit wäre Solarenergie nur noch für den Eigenverbrauch sinnvoll. Aber selbst das könnte sich ändern. Altmaiers Vorstoß sieht vor, dass diejenigen, die in PV-Anlagen für den Eigenverbrauch investiert haben, zusätzlich die EEG-Umlage für den selbst produzierten und verbrauchten Strom bezahlen. Ein weiterer Ausbau der Photovoltaik erscheint damit zumindest fragwürdig.

Flexibilisierung der Einspeisevergütung bevorteilt Großkonzerne

Der nächste Vorschlag des Bundesumweltministers betrifft alle Arten von Erneuerbaren Energien. Altmaier möchte den „Zahlungsbeginn der Einspeisevergütung für Neuanlagen flexibilisieren“. Bedeutet: Nach Anschluss einer Anlage ans Stromnetz könnte es Monate dauern, bis die Besitzer ihre Einspeisevergütung erhalten. Henning Dettmer dazu: „Das trifft vor allem den Mittelstand, Privatinvestoren und Anlagen in Bürgerhand.“ Denn: Große Konzerne könnten sich eine solche Verzögerung freilich leisten.

Strompreis-Sicherung damit nicht garantiert

Altmaiers Vorschläge könnten zudem unangenehme Nebenwirkungen an der Strombörse mit sich ziehen: Derzeit lässt der billige Ökostrom die Nachfrage nach dem teureren Strom aus konventionellen Energieträgern zurückgehen, was zu einer Preissenkung führt. Das Ausbremsen der Erneuerbaren Energien hingegen könnte jedoch dazu führen, dass der Strompreis an der Börse wieder steigt – was den Stromkonzernen weitere Möglichkeiten zu Strompreissteigerungen einräumt. Die Bezahlbarkeit für den Verbraucher ist damit nicht garantiert.

Quelle: plusminus, ARD

Dänemark: Von Photovoltaik-Boom zu Photovoltaik-Boom?

Die Solarenergie in Dänemark hat im vergangenen Jahr ein exponentielles Wachstum erlebt. Dafür sorgten angenehme Rahmenbedingungen gerade für private Haushalte. Doch das Wachstum kam zu einem abrupten Ende, als die dänische Regierung die Gesetzgebung veränderte. Dennoch erwarten Experten einen neuen Boom, angetrieben durch Wohnungsunternehmen.

Dänemark könnte weiter von Photovoltaik profitieren

Die Kombination aus fallenden Preisen von Modulen für Dachflächen einerseits und großzügigen Zuschüssen andererseits ließ die Anzahl von Wohn- und Dachanlagen in Dänemark stark ansteigen. Waren Ende 2011 nur Dachflächen von 3.000 Haushalten mit Photovoltaik-Anlagen versehen, so stieg diese Zahl innerhalb von kaum zwölf Monaten auf mehr als 43.000. Die installierte Leistung stieg damit von zehn Megawatt (MW) auf 223 MW und übertraf damit bereits acht Jahre vorher das für 2020 anvisierte Ziel für Solarenergie von 200 MW.

Obwohl der bezuschusste Solar-Boom nun gestoppt wurde, nachdem die dänische Regierung im vergangen November beschloss, die Förderungen zu kürzen, ist Dänemark nach wie vor ein attraktiver Wachstumsmarkt. Am 21. März wird dies eines der grundlegenden Themen der PV-Konferenz „The Solar Future: Denmark“, die in Kopenhagen stattfinden wird.

Die Energiepreise, die in Dänemark mit 26,8 Cent pro Kilowattstunde (wovon sich über 22 Cent aus Steuern zusammensetzen) zu den teuersten in Europa gehören, werden die Erneuerbaren Energiequellen weiter antreiben. Experten glauben, dass ein neuer Boom nicht lange auf sich warten lassen wird. Mit der neuen Gesetzgebung sind Photovoltaik-Anlagen mit einer Größe von mehr als sechs MW berechtigt, Zuschüsse zu erhalten, wodurch der Bau größerer Anlagen gefördert wird. Das steigert die Möglichkeiten für Wohnungsunternehmen und Firmen, Subventionen für PV-Systeme auf dem eigenen Dach zu erhalten.

Photovoltaik-Dachanlagen könnten in Dänemark weiteren Schub erfahren. iStockphoto.com©Richard Schmidt-Zuper

Die dänische Interessengruppe für Wohnungsunternehmen, Danmarks Almene Boliger, die aus rund 650 Mitgliedern besteht und eine halbe Million Wohnungen abdeckt, hat ihre Begeisterung für die neuen Regelungen bereits ausgedrückt.

Eine neue Umfrage zeigt, dass 75 Prozent der dänischen Wohnungsunternehmen großes Interesse daran haben, in Photovoltaik zu investieren. Und das möglichst innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Aufgrund von strikten Regulierungen bezüglich der Energieeffizienz zwischen den Jahren 2015 bis 2020 ist der Photovoltaik-Markt auch für Bürogebäude vielversprechend.

Die 5,6 Millionen Einwohner des skandinavischen Landes haben einen großen sozialen und politischen Konsens zu Erneuerbaren Energien entwickelt. Das dänische Parlament hat beschlossen, dass bis 2020 die dänische Energieversorgung zu 35 Prozent aus Erneuerbaren bestehen solle,  im Jahr 2050 gar zu 100 Prozent.

Quelle: Solarplaza

„Wir brauchen ein gutes Monitoring“ – CSU-Politiker Dr.Nüßlein im Interview

Der Wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Dr. Georg Nüßlein, nimmt im Interview mit Milk the Sun Stellung zu Fragen rund um die Energiewende. Nüßlein ist seit 2002 Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU-Fraktion.

Erneuerbare Energien müssen überwacht werdenMilk the Sun: Sehr geehrter Herr Dr. Nüßlein, die Umweltminister der Länder sprachen sich auf ihrer Kieler Konferenz für eine schnelle Erarbeitung einer Ausbaustrategie aus. Änderungen des EEG stehen also bevor. Welche Faktoren muss das neue EEG Ihrer Meinung nach beinhalten? Welche Umstände muss es berücksichtigen? Welche Ziele muss es haben?

Nüßlein:Das EEG geht auf das unter Helmut Kohl begründete Stromeinspeisegesetz zurück. Schwarz-Gelb hatte damals richtig gesehen: Mittelständische Stromproduzenten haben nur eine Chance gegen Oligopol und Netzmonopol, wenn sie einen Einspeiseanspruch und eine garantierte Einspeisevergütung haben. Das darauf aufbauende EEG war und ist dabei in weiten Teilen ein Markteinführungsgesetz. Noch vor einigen Jahren wäre ein Anteil von rund 25 Prozent Erneuerbaren am Strom schwer vorstellbar gewesen. Seit Einführung des Stromeinspeisegesetzes bzw. EEGs haben die Erneuerbaren viel geschafft. Im Zuge dieser Hinführung zur Marktreife, aber auch in Anbetracht eines inzwischen beträchtlichen Anteils der Erneuerbaren muss künftig insbesondere eine bessere Integration der Erneuerbaren erfolgen, aber etwa auch ein weiterer Ausbau der bereits vorhandenen Mechanismen zur Marktintegration. Ziel muss es sein, das EEG baldmöglichst auf die Idee des Stromeinspeisegesetzes als Wettbewerbsinstrument zurück zu entwickeln. Im Übrigen ist die Anwendung des EEG bei Photovoltaik bereits heute auf 52 GW-Leistung gedeckelt.

Milk the Sun: Zum neuen Jahr steigen die Strompreise für die meisten Kunden deutlich an. In der Digitalen Pressemappe der CSU-Landesgruppe mahnen sie an, dass die Bezahlbarkeit der Energie sichergestellt werden muss. Welche Maßnahmen müssen dafür ergriffen werden? Wie sieht es mir Befreiung für stromintensive Unternehmen aus?

Nüßlein: Die Energiewende kostet Geld, das ist und war unstrittig. Aber die Kosten müssen für die Verbraucher finanzierbar sein. Dabei muss es darum gehen, die Kosten für den Zubau der Erneuerbaren zu begrenzen, nicht den Zubau selbst. Bezüglich des Hinführens zur notwendigen Marktreife darf ich auf meine Antwort auf Ihre erste Frage verweisen. Darüber hinaus hatte die CSU im Herbst 2012 einen Vorstoß dahin unternommen, die EEG-Umlage nur bis 4,5 Cent/ Kilowattstunde auf die Verbraucher umzulegen; dies in Verbindung mit einer fondfinanzierten Zwischenlösung. Nötig ist aber meines Erachtens auch, den Berechnungsmechanismus bei der EEG-Umlage entsprechend anzupassen, denn derzeit spiegelt sich der kostensenkende Effekt der Erneuerbaren an der Börse gerade nicht bei der EEG-Umlage wieder, im Gegenteil.

Zu Ihrer Frage nach den Befreiungstatbeständen für energieintensive Unternehmen: Wenn wir uns vor Augen führen, dass der Industriestrompreis etwa in Frankreich 2011 pro Kilowattstunde um rund 4 Cent günstiger war als in Deutschland, dann ist im Grundsatz unstrittig, dass wir für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Unternehmen etwas tun müssen – denn daran hängen wichtige Arbeitsplätze. Das hatte sogar Rot/Grün erkannt und die Ausgleichsregelung in ihrer Regierungsverantwortung eingeführt, auch wenn der eine oder andere Kollege von der Opposition das heute nicht mehr gerne hört.  Heute muss das Augenmerk ganz klar darauf liegen, dass die Ausgleichsregelungen im Vergleich zu nichtbefreiten Unternehmen und privaten Verbrauchern ausgewogen und auch insofern statthaft sind.

Milk the Sun: Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, sieht einen Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 als realistisch an. Können Sie diese Meinung teilen? Welches Ziel muss sich Deutschland für den Ausbau der Erneuerbaren setzen?

Nüßlein: Unsere Regierung hat die Ziele bereits gesetzlich verankert – der Anteil der Erneuerbaren im Strombereich soll 2050 mindestens 80 % sein. Das ist ein absolut ambitioniertes Ziel aus heutiger Perspektive. Und ich halte an der Stelle nichts davon, mit einer „höher, schneller, weiter-Mentalität“ im Zweifel allenfalls Papier zu bemühen, das als bekannt geduldig gilt. Wir brauchen ein gutes Monitoring bei der Entwicklung in der Praxis – kein weiteres Nachjustieren auf dem Papier.

Im Zusammenhang mit der Verantwortung gegenüber den privaten wie gewerblichen Verbrauchern plädiere ich deshalb für ein wohlabgewogenes Vorgehen, damit die Strompreise bezahlbar bleiben und die Verfügbarkeit von Energie sicher ist. So rührt eine nicht unerhebliche Kostenlast bei der EEG-Umlage aus rot/grüner Regierungszeit, weil Rot/Grün das Thema Marktreife damals völlig aus dem Blick verloren hatte …

Milk the Sun: Deutschland ist nach wie vor das Land mit der höchsten installierten Photovoltaikleistung. Welche Rolle kann die Photovoltaik in Zukunft in Deutschland spielen?

Nüßlein: Photovoltaik soll auch in Deutschland Zukunft haben. Für die deutschen Unternehmen besteht die Herausforderung darin, künftig ganzheitliche Systemlösungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, um eine effektive Integration wachsender Mengen an Strom aus Photovoltaikanlagen in die Stromnetze zu ermöglichen. Ein wichtiger Markt sind da aus meiner Sicht ganz zweifellos Eigenverbrauchslösungen.

Milk the Sun: Ein vieldiskutiertes Thema rund um die Energiewende ist die Frage nach der Speichermöglichkeit des produzierten Stromes aus Erneuerbaren. Welche Möglichkeiten sehen Sie dafür momentan; welche Schritte müssen für die Energieversorgung der Zukunft gegangen werden?

Nüßlein: Wir brauchen Energiespeicher, um schwankende Stromerzeugung aus Erneuerbaren ausgleichen zu können. Für mich ist unstrittig, dass wir Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Energiespeicher intensivieren müssen. Ferner war es ein wichtiger Ansatz, Speicher von der EEG-Umlage und den Netzentgelten zu befreien. Im Sommer 2012 wurde auf Initiative der CSU gerade im Hinblick auf dezentrale Speicher ein Entschließungsantrag auf den Weg gebracht: Unter anderem ging es dabei um ein Marktanreizprogramm für Speicher. Auf Basis dessen erfolgt gerade die Ressortabstimmung für eine Förderung von Batteriespeichersystemen zur Nutzung mit PV-Anlagen. Eines steht fest: Eine Energieversorgung auf regenerativer Basis wird Überkapazitäten aufweisen. Deshalb brauchen wir Speicher.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Nüßlein für das Gespräch.

Interview mit Cornelia Daniel: Österreichische „Aushungerungspolitik“

Cornelia Daniel ist aktive Bloggerin im Bereich Erneuerbare Energien, lebt Ihre Einstellung gegenüber Nachhaltiger Energiegewinnung auch im Alltag. Aus Ihrer persönlichen Überzeugung heraus gründete sie 2011 das Unternehmen Dachgold in Österreich. Im Interview mit Milk the Sun spricht sie über ihr Unternehmen, die Erneuerbaren Energien und die Photovoltaik in Deutschland, Österreich und weltweit.

Dachgold unterstütz Solaranlagen-Bau von Firmen

„Solarenergie gehört dorthin, wo Menschen untertags sind“

Milk the Sun: Sehr geehrte Frau Daniel, was muss man sich unter Ihrer Firma Dachgold vorstellen?

 

Daniel: Dachgold ist ein Solar-Beratungsunternehmen, welches verschiedenste Projekte rund um Solarenergie umsetzt und unterstützt. Einerseits die Beratung von Gewerbebetrieben, die mit dem Projektmanagement eines solchen Vorhabens keine eigenen Mitarbeiter abstellen möchten bzw. können und auch gar keinen direkten Zugang zum Markt haben, und andererseits die Erstellung von Informationsprodukten für einen raschen Ausbau der Solarenergie in Österreich. Dabei meine ich mit Solarenergie sowohl Photovoltaik als auch Solarthermie, da beide Technologien erst am Anfang der Applikation im Gewerbebereich stehen und ich der Meinung bin, dass Solarenergie vor allem dorthin gehört, wo die Menschen untertags sind.

Milk the Sun: Auf Ihrem Xing-Profil geben Sie an, dass Sie unter anderem Unternehmen suchen, „die noch nicht wissen, dass sie eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage wollen“. Welche Argumente sprechen denn für einen PV-Anlage auf dem Dach eines Unternehmens?

Daniel: Ich nenne es gerne: Einfrieren der Energiekosten. Man kann sich mittlerweile mit einem Gestehungskostenrechner sehr gut ausrechnen, wie viel die Kilowattstunde (kWh) erzeugter PV-Strom kostet. Wir sind hier mittlerweile bei 10-15ct/kWh wenn die Anlage 25 Jahre läuft. Sieht man sich die Strompreissteigerungen der letzten Jahre an, ergeben sich daraus deutliche Sparpotenziale. Manche Unternehmen bauen die Anlage natürlich auch aus steuerlichen Gründen. Leider ist es aber kein Produkt, welches man mit überschüssigem Gewinn noch schnell im Dezember einkauft. In Deutschland ist der Kauf einer Anlage anscheinend recht unkompliziert. Hier in Österreich kann das ganze Unterfangen schon mal bis zu einem Jahr oder mehr dauern. Deshalb unterstütze ich Unternehmen in diesem Prozess.

Milk the Sun:  Auch Österreich öffnet sich mehr und mehr für den PV-Markt, das Jahr 2012 war nach Aussagen des Bundesverband Photovoltaic Austria ein Rekordjahr. Was erwarten Sie von der Österreichischen Regierung an Änderung für die Solarförderung?

Daniel: Dasselbe wie vermutlich alle in der Branche. Einen Wegfall des Deckels, eine Vereinfachung der Bewilligungsverfahren und eine Vereinheitlichung der Förderungen. Wir haben insgesamt mindestens elf verschiedene Förderungen. Ein Ökostromgesetz, eine fürchterlich innovationshemmende Investitionsförderung vom Bund und neun Bundesländer, die ihre eigenen Regelungen machen. Zusätzlich noch unterschiedlichste Gemeinde- und Unternehmensvarianten. Der Deckel verhindert aber die meisten Investitionen (Anm. es werden pro Jahr nur ca. 50-100 MWp mit einem Einspeisetarif gefördert, das tolle Jahr 2012 kommt daher, weil letztes Jahr aufgestaute Anträge mit einem Extrabudget bewilligt wurden). Die Österreicher wären furchtbar wild darauf einen Teil ihrer Ersparnisse, die auf der Bank vergammeln, in den Ausbau von Erneuerbaren zu stecken. Wir erwarten dabei auch gar nicht so horrende Renditen, wie es in Deutschland der Fall war. Die Förderungen werden gestürmt, auch wenn es nur 18ct/kWh für 13 Jahre gibt und all das bei höheren Anlagenpreisen und mühsameren Behördenwegen als in Deutschland. Leider schrecken aber auch viele davor zurück, weil diese Unsicherheit für Unternehmen, die auch ein Budget machen müssen, nicht tragbar ist. Ich habe das gesunde Marktpotenzial für Österreich mal auf 293 MWp geschätzt. Wir haben heuer anscheinend die 200 MWp-Marke geknackt, aber die ist eben einmalig. Wenn nichts passiert, fallen wir nächstes Jahr wieder zurück, statt gesund zu wachsen.

Ich will hier aber eigentlich nicht so negativ schreiben, es hat sich schon wirklich viel getan und das Jahr 2012 war tatsächlich ein Meilenstein. Jetzt ist nur die große Frage, wie wir den Einbruch in 2013 verhindern, wenn die Regierung die Zeichen der Zeit nicht selbst erkennt. Es muss einerseits gelingen, den Deckel zu beseitigen und wir müssen es schaffen uns von der Förderung zu lösen und Eigenverbrauchssysteme zu schaffen. Im Haushaltsbereich sind kleine Anlagen ja bereits ohne Förderung wirtschaftlich, im Gewerbe hängt es vom Strompreis des Unternehmens ab, der manchmal jenseits der 15ct-Marke liegt. Dann ist es natürlich noch schwierig. Es gibt aber eben eine erste Zielgruppe, die es nun heißt, zu informieren, dass sie die perfekten Kunden sind. Mit 100.000 kWh Jahresverbrauch und Stromkosten über 13ct/kWh sollte man sich schleunigst an einen Anlagenbauer wenden.

Milk the Sun: Muss sich etwas in der Bevölkerung tun? Wie ist die Akzeptanz der Österreicher bezüglich Erneuerbarer und PV Ihrer Einschätzung nach?

Daniel: Wie gesagt, die Österreicher stünden eigentlich Schlange und der Wirtschaftimpuls könnte wahnsinnig groß ausfallen, wenn es ein langfristiges System gäbe. Viele hören aber nur ständig in den Medien: „Förderbudget in zwei Minuten vergeben“ und schrecken zurück, obwohl so ziemlich alle, die den Weg wirklich ernsthaft einschlagen, auch irgendwann zum Zug kommen und die Anträge so überbucht sind, weil aufgrund des dummen Systems alle Leute doppelt und dreifach einreichen. Das „irgendwann“ ist natürlich auch Teil des Problems, was viele Millionen auf dem Sparbuch verweilen lässt. Von deutschen Kollegen, die in Österreich sind, höre ich außerdem oft, dass die Österreicher nicht ganz so renditegetrieben sind. Ich würde sagen, wir wurden durch die Aushungerungspolitik in dem Bereich etwas anders „erzogen“. Unternehmen müssen aber durchaus rechnen und so braucht es gerade in dem Bereich noch etwas bessere Anreizsysteme, bis auch hier die Netzparität zuschlägt. Diese können natürlich auch steuerlicher Natur sein. Die Schweiz ist hier recht gut aufgestellt.

Dachflächen von Unternehmen für Solarthermie und Photovoltaik nutzen

„Wir müssen Mut zu völlig neuen Ideen haben“

Milk the Sun: Sie bloggen regelmäßig auf ecoquent-positions.com, warten immer wieder mit überraschenden, spontanen und spaßigen Ideen auf, wie z.B. ein Preissauschreiben für weniger CO²-Ausstoß statt der Weltklimakonferenz. Ist das der Weg, den die Erneuerbaren Energien verstärkt gehen müssen? Fehlt es der Branche in gewissen Bereichen an Kreativität?

Daniel: Ja, die Idee war tatsächlich sehr spontan, weil es eben statt Konsenslösungen wirklich positive Anreizsysteme Braucht. Die ganze Branche ist sehr technikgetrieben und arbeitet oft ein bisschen an den Menschen vorbei. Wir müssen in jedem Fall etwas mehr Mut zu völlig neuen Ideen haben. Ich ertappe mich ja wie soeben oben demonstriert selbst manchmal im Jammertal, aber genau diese Einstellung hat eine rasche Entwicklung in der Vergangenheit verhindert. Es braucht Projekte und Umsetzungsansätze, die auch außerhalb der Energieblase wahrgenommen werden und das funktioniert gerade über Kreativität vermutlich sehr gut.

Milk the Sun: Wir von Milk the Sun durchbrechen mit unserem Unternehmen die lange Zeit üblichen Makler-Ketten bei dem Verkauf von Photovoltaik-Projekten und Anlagen. Haben sich in den letzten Jahre einzelne Personen über Gebühr an der Solarenergie-Branche bereichert?

Daniel: Ui, heikles Thema. Leider muss ich dem teilweise zustimmen. Ich habe ja am Beginn meiner PV-Karriere in einem Photovoltaik-Investmentunternehmen gearbeitet und Großprojekte in Italien und Spanien gesehen. Märkte wie diese, wo durch falsche Förderpolitik so viel Geld „übrig“ ist zum Verteilen, ziehen naturgemäß die falschen Leute an. Ich glaub in Italien war jeder Immobilienmakler auf einmal Solarprojektierer und hat ein Vermögen fürs Ausfüllen der Netzanfrage verlangt. Natürlich waren nicht alle so, aber es gab da schon einige, die sich mit einem einzigen Projekt reichgestoßen haben, aber auch genügend, die auf die Schnauze gefallen sind, weil es eben doch nicht so einfach ist, ein Projekt von vorn bis hinten durchzuprojektieren. Mich haben vor allem immer diese größenwahnsinnigen Ideen gestört, bei denen alle die Dollarzeichen in den Augen blitzen hatten. Weiß nicht wie viele 100 MW Projekte ich am Tisch hatte und ich glaub es gibt ja bis jetzt noch kein einziges, oder? Damals habe ich mir eben geschworen, dass ich diese Großprojekte meiden werden und mich, zwei Jahre bevor es in Österreich losgeht, auf Gewerbebetriebe konzentrieren möchte, da die Sonnenenergie eben dorthin gehört, wo die Menschen untertags auch sind. Dann brauchen wir auch nicht so viele Speicher.

Milk the Sun: Eine freche Frage zum Abschluss: Sie geben als eines Ihrer Missionen aus, dass jeder Österreicher und jede Österreicherin in einem Satz den Unterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik erklären kann. In einem Satz Frau Daniel: Was ist der Unterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik?

Daniel: Das ist ja gar nicht frech, ich freue mich sehr über diese Frage! Die Antwort ist so einfach, dass es so traurig ist, dass die Antwort so wenige kennen. Solarthermie macht Wärme für Heizung, Warmwasser und Industrieprozesse und Photovoltaik produziert elektrischen Strom für Fernseher E-Auto &Co. Ich habe übrigens auch mal eine Bildanleitung geschrieben, wie man die so ähnlich aussehenden Dinger auf dem Dach unterscheiden kann.

 

Wir bedanken uns bei Frau Daniel für das Gespräch.

Über 610 Megawatt Zubau an Photovoltaik im Oktober

Solaranlage Oktober Megawatt

iStockphoto.com©Simon-Owler

Die Bundesnetzagentur hat Zahlen für den Zubau von Photovoltaik-Anlagen im Oktober veröffentlich. In Deutschland wurden in diesem Monat demnach Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 610 Megawatt (MW) installiert.

Die genaue Summe der installierten Leistung beträgt 611,856 MWp, verteilt auf 19.150 Photovoltaik-Anlagen. Wenig überraschend befinden sich nur vier Anlagen darunter, die mehr als zehn MWp Leistung erreichen. Denn seit dem 1. Oktober werden Anlagen mit einer Leistung von über 10 MWp nach dem EEG nicht mehr gefördert. Die sechs größten Anlagen des Monats stehen allesamt in Neuhardenberg in Brandenburg.

Die in diesem Jahr bisher neu hinzugekommene Leistung beläuft sich damit auf insgesamt mehr als 6.838 MWp. Zuwachsstärkster Monat war der Juni mit über 1.790 MWp Nennleistung.

Die aktuellen Einspeisevergütungen nach dem EEG erstrecken sich von 0,1208 €/ kWh für Anlagen zwischen ein und zehn MWp bis hin zu 0,1745 €/ kWh für Solaranlagen bis zehn kWp. Für Januar ist eine weitere Senkung um 2,5 Prozent geplant. Bis Ende Januar hat die Bundesnetzagentur Zeit, die Degression für die Folgemonate bis April 2013 zu veröffentlichen.

Quelle: Bundesnetzagentur; Photovoltaik.eu

Spanischer Strombedarf zu 4,8% durch Solar-Technologien gedeckt

Laut dem Monatsbericht September der nationalen Energiekommission Spaniens (CNE) ist der Strombedarf in diesem Monat zu 3,2%  durch Photovoltaikanlagen gedeckt worden. Solarthermische Kraftwerke sorgten für weitere 1,6% des Strombedarfs.

Photovoltaik EEG ErneuerbareInsgesamt ist die solare Stromerzeugung in Spanien monatlich zurückgegangen. Waren es im Juli noch 932 Gigawattstunden (GWh) Strom aus Photovoltaik-Anlagen, so kamen im September nur noch 674 GWh zusammen.

Die Solarthermik erreichte im Juli noch 537 GWh, demgegenüber stehen 338 GWh im September. Insgesamt kommt Spanien auf einen Anteil von 31% an Erneuerbaren Energien.

Die Gesamtsumme an Einspeisevergütungen für Erneuerbare in Spanien lag im September bei 377 Millionen Euro. 126 Millionen Euro davon wurden für Photovoltaik-Strom vergeben, 34 Millionen Euro für solarthermisch erzeugten Strom.

Quelle:  Solarserver

Zukunftsmarkt? Erneuerbare Energien und Photovoltaik in Polen

EEG Photovoltaik Polen Wierzchosławice hat es vorgemacht, weitere Anlagen sollen nun folgen: Das 10.000 Einwohnerdorf eröffnete im September 2011 seinen 1-MW-Solarpark und produzierte damit zehnmal so viel Leistung über Photovoltaik wie alle Anlagen zuvor in Polen zusammen. Polen scheint einer der Zukunftsmärkte der Photovoltaik zu sein. Gespannt warten viele Anleger und Investoren bereits auf Neuigkeiten von der polnischen Regierung. Denn eines ist klar: Ein Erneuerbare-Energien-Gesetz wird bald kommen.

Bereits Ende des Jahres 2011 legte Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak einen Entwurf für ein Erneuerbare-Energien-Gesetz vor. Erwartet wird indes aber, dass ein endgültiges Gesetz wohl erst Mitte des nächsten Jahres erlassen wird. Inhaltlich zeichnet sich ab, dass der Anteil der Erneuerbaren bis zum Jahre 2020 auf rund 19% der gesamten Stromproduktion gesteigert werden soll. Eine garantierte Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen über 15 Jahre steht im Raum. Dabei sollen vor allem kleinere und Kleinstanlagen hoch subventioniert werden. Aber auch für Strom aus größeren Anlagen sind rentable Zuschüsse geplant.

Zertifikate-Handel über Quoten
Bisher sind die Erneuerbaren in Polen über ein Quoten- und Zertifikate-System in das allgemeine Energien-Gesetz integriert. Energieversorger müssen entsprechend einer staatlich vorgegebenen Quote „grüne Zertifikate“ vorweisen. Diese werden für die Erzeugung von regenerativer Energie vergeben oder sind auf dem Markt erhältlich. Ihr Wert liegt derzeit bei rund 277 Złoty (PLN), etwa 66,50 €. Doch noch gibt es viele Schlupflöcher. Die Energieversorger können Ersatzzahlungen leisten, die nur minimal teurer sind als die Zertifikate selbst. Dafür müssen sie nur nachweisen, dass sich in unmittelbarer Nähe keine Anlagen für Strom aus erneuerbaren Energien befinden.

Als Ansporn für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Polen dienen auch Fakten aus der aktuellen Energiegewinnung: Über vier Fünftel der polnischen Stromproduktion stammt aus Kohlekraftwerken aus den 70er und 80er Jahren. Einige werden aus Altersgründen bald vom Netz gehen, bis 2020 Kraftwerke mit einer Leistung von rund 7 GW, bis 2030 gar von rund 15 GW. Gleichzeitig wird mit einer zunehmenden Nachfrage nach Strom gerechnet. Erneuerbare Energien könnten dafür in die Bresche springen.

Wandel auch von Administration und Gesellschaft abhängig
Ins Stocken geraten könnte ein rapider Ausbau durch bürokratische Hürden. Investoren sollten sich jedenfalls vorher informieren, ob die geplanten Flächen zum Beispiel als landwirtschaftliche Fläche ausgeschrieben sind. Umwidmungs-Anträge für solche Flächen haben nur bei schlechtem Ackerland wirklich Aussicht auf Erfolg. Zudem müssen für Anlagen über zwei Megawatt Leistung Netzprüfungs-Gutachten erstellt werden, was zu Verzögerung des Netzanschlusses führen kann.

Die polnische Regierung geht in ihren Planungs-Szenarien von einem Zubau der Photovoltaik von maximal 1,8 GW bis 2020 aus. Von einer Deckelung der Leistung war bisher zwar nicht die Rede, dennoch ist zu befürchten, dass bei einem enormen Ausbau der Solarstrom-Leistung in kurzer Zeit etwaige Förderungen wieder gestrichen werden.

Fest steht, dass sich über die nächsten Jahre in Polen die Zusammensetzung des Strommix verändern wird. Mitentscheidend für Ausmaß und vor allem die Geschwindigkeit der Veränderungen werden vor allem die Details des kommenden Erneuerbare-Energien-Gesetz sein, sowie die Bereitschaft der Gesellschaft und Kommunen, neuen Projekten Platz zu bieten.

Quellen: photovoltaik.eu, photovoltaik.org, Sonne Wind & Wärme 8/2012 S.228-229, EurObserv’ER, Gramwzielone.pl

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