EEG Posts

Kitschige Berichterstattung deutscher Leitmedien und eine Wahrheit über die EEG-Umlage

Unabhängige Berichterstattung sieht anders aus. In den ARD Tagesthemen wurde am vergangenen Sonntag eine etwas saloppe Darstellung der Entwicklung des EEG und der Konsequenzen für die Bundesbürger ausgestrahlt. Eine Mutter hält Fläschchen, Baby und die letzte Stromrechnung in die Kamera, dazu der Kommentar, dass in über 600.000 Haushalten schon der Strom abgeschaltet worden sei. Die Energiewende sei nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Herausforderung. Photovoltaik.eu hat die Zahlen, die auch in der Berichterstattung des Spiegels auftauchen, nachrecherchiert. Nicht 600.000, sondern 157.600 Haushalte konnten ihre Energierechnung (Strom, Gas und Wasser, wohlgemerkt) nicht rechtzeitig zahlen und haben deshalb kurzfristig keinen Strom gehabt. Inwiefern diese Zahl überhaupt mit der EEG-Umlage verbunden ist, wurde gar nicht erläutert. Es ist natürlich richtig, dass die EEG-Umlage steigt. Sie liegt heute bei knapp 3,5 ct/kWh und hat seit Einführung um 70% zugelegt. Aber um diesen Umstand zu erläutern ist die Betrachtung der Fragestellung wichtig: Welche Faktoren lassen die EEG-Umlage stetig wachsen? Denn in den Berichterstattungen der Leitmedien wurde ein Aspekt konsequent außer Acht gelassen. Die Regierung selbst gestaltet Höhe und Verteilung jeder Umlage. Und in diesem Punkt wird es beim EEG interessant.

Gebäude der Bundesnetzagentur Bonn

Ein Bericht der Bundesnetzagentur bringt Licht ins Dunkel der ARD-Berichterstattung

Laut eines Berichtes der Bundesnetzagentur vom März 2012 könnte die EEG-Umlage bei 3 ct/kWh (!) liegen. Die aktuelle Umlage von knapp 3,5 ct, Tendenz steigend, ist einerseits dem Anlagenzubau, ungünstigen Kalkulationsgrundlagen und vor allem zu großen Teilen einer unfairen Verteilung anzurechnen. Konkret heißt das laut Bundesnetzagentur „dass die privilegierten Unternehmen im Jahr 2012 zwar 18% des Gesamtverbrauchs (an Strom) verursachen, aber lediglich für einen Anteil von 0,3 Prozent am gesamten Umlagebetrag aufkommen. Folglich müssen 2,5 Mrd. Euro zusätzlich von den nicht-privilegierten Letztverbrauchern, in aller Regel sind dies Haushaltskunden sowie industrielle und gewerbliche Kleinverbraucher getragen werden.“ Wäre ein Beitrag über diese Gründe der steigenden EEG-Umlage, vor allem für Endverbraucher, nicht spannender? Die Feststellungen in diesem Bericht haben im Übrigen nicht beeinflusst, dass die Hürde für  eine EEG-Umlage-Befreiung nach oben gesetzt wird. Im Gegenteil: Die Grenze des minimalen Stromverbrauches im Jahr, um als Vielverbraucher-Unternehmen befreit zu werden, ist gesunken von 10 GW auf 1 GW. Zum Verständnis: Jedes Unternehmen, das in Deutschland so viel Strom im Jahr verbraucht wie 250 Einfamilienhaushalte, ist von der EEG-Umlage befreit. Das sind viele. Und der Rest, schlappe 2,5 Mrd. Euro, bleiben bei denjenigen hängen, die zum Beispiel die ARD als Protagonisten einer Anti-EEG-Kampagne auswählt. „Mit Sorge beobachtet die Bundesnetzagentur daher die Tendenzen, die den regulären umlagepflichtigen Letztverbraucherabsatz immer weiter reduzieren.“ Das wäre eine Meldung wert. Zu ergänzen um die deutlich gestellte Frage nach dem Veröffentlichungsdatum des im März vorliegenden Berichts. Denn der ging im Mai online – nach den Landtagswahlen in NRW.

Quellen: Bericht der Bundesnetzagentur, Recherche von Photovoltaik.eu, Tagesthemen zur EEG-Umlage

Photovoltaik-Boom über Europas Grenzen hinaus

Laut der aktuellen Studie „Global Market Outlook for Photovoltaics until 2016“ der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) expandiert die Photovoltaikbranche weiter. 300 bis 500 Prozent Wachstum bis zum Jahr 2016 werden erwartet. Heute steht ein Großteil der Anlagen in Italien und Deutschland, jedoch befindet sich schon jetzt die meisten Top-Ten-PV-Standorte nicht in Europa, sondern beispielsweise in China, USA, Japan und Australien.

 

Grafik: PV Marktanteile von Nicht-EU Ländern heute

 

PV Marktanteile von Nicht-EU Ländern heute

 

Global betrachtet sind die Aussichten für das Wachstum der PV Branche nach EPIA optimistisch. In dem Bericht werden verschiedene Szenarien dargestellt, auf deren Grundlage das globale Wachstum voraussichtlich stattfinden wird. Das  „Policy-Driven Scenario“ setzt ein politisches Klima voraus, das die Solarindustrie langfristig stützt – in Deutschland hieße das beispielsweise das Festhalten an Solarförderung und am EEG. Bei weltweit günstigen politischen Rahmenbedingungen dieser Art, hält EPIA sogar ein globales Wachstum bis zu 340 Gigawatt für möglich.

 

Grafik: Entwicklung globaler PV Kapazitäten bis 2016

 

Quelle EPIA - Globale Entwicklung Photovoltaik Industrie bis 2016

 

Die günstige Lage der PV Industrie im Jahr 2011 für Deutschland und Italien sind nach den Aussagen des Berichtes an eine Reihe von Entwicklungen geknüpft: die Abkehr von Atomkraft und der gesellschaftliche Wunsch hin zum Ausbau Erneuerbarer Energiegewinnung, der Preisabfall von Modulen und die Akzeptanz von Photovoltaik als lukrative Assetklasse in der Wirtschaft. Für 2012 und 2013 sind die Zuwachsraten, gerade in Deutschland, aller Voraussicht nach eher niedrig. Die starken Wachstumszahlen sind schwer zu halten. Für 2012 wird ein Zuwachs von fünf bis acht GW erwartet.

 

Grafik: Quelle EPIA – Entwicklung PV Industrie Europa bis 2020

 

Quelle EPIA - Entwicklung PV Industrie Europa bis 2020

 

Europa war 2011 das Zugpferd mit 75 Prozent Beteiligung am PV-Marktwachstum – bezogen auf weltweite Neuinstallationen und Netzzugänge. Dennoch sind die sonnigen Aussichten für die Zukunft klar an das Potential von Ländern gebunden, die noch keine ausgeprägte PV-Industrie, dafür aber die besten klimatischen Voraussetzungen haben. „Other countries, especially in the Sunbelt region, have enormous potential for solar development that has only just begun to be tapped.“

 

Aufatmen! Solarkürzungen doch gekippt

Foto Reichstagskuppel - Bundesrat stoppt geplante EEG-NovelleErst das Nein der Länder am 11.5. bei der Abstimmung über die EEG-Novelle und dann die katastrophalen Wahlergebnisse am Sonntag in NRW – Norbert Röttgen bringt der Solarindustrie Deutschlands unfreiwillig die Sonne wieder zurück. Die geplanten Kürzungen bleiben der Solarwirtschaft vorerst erspart. Ein Brancheninsider kommentiert die Situation seit diesem Wochenende so: „Bis zu den Neuverhandlungen im Vermittlungsausschuss wird die Industrie wieder einen Aufschwung erleben. Die 7 GW Grenze wird bestimmt geknackt, denn seit Freitag ist Photovoltaik in Deutschland wieder ein profitables Geschäft.“ Trotzdem bleiben die hohen Abgaben der Endverbraucher weiter Thema. Die boomende Wirtschaft mit Sonnenenergie wird mit 7 Mrd. Euro jährlich aus den Umlagen der Stromverbraucher bezahlt. Eine schlaue Lösung muss her, um die Probleme in der deutschen Wachstumsbranche Solar, mit über 200 produzierenden Unternehmen, die rund 110.900 Arbeitsplätze geschaffen haben, freiwirtschaftlich umzugestalten. Im Moment sind Zwei Drittel im Bundesrat gegen die geplanten Einsparungen – damit ist die Politik sich darüber einig, dass Veränderungen nicht mit drastischen Kürzungen beginnen können, der Rest bleibt abzuwarten. Milk The Sun startet Dank dieser Topnachricht voller Energie in die Woche!

Erst melken, dann speichern – die Batterie ist Photovoltaik-Zukunft

„Speicher spielen eine entscheidende Rolle beim Umbau der Stromversorgung“, meint Batterieexperte Matthias Vetter vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hervor im Interview mit Intersolar. Batterien stellen einen wichtigen Faktor in der Energiegewinnung mit Sonne dar. Sie regulieren die Einspeisung, also die Netzstabiltät und sie speichern übermäßig produzierte Energie zumindest kurz- und mittelfristig. Die Forschung und Investition in Batterietechnologie ist für die Photovoltaikindustrie verlockend. Heutige politische Rückschläge für die Branche, wie jüngst die geplanten Kürzungen der Solarförderung, nicht zuletzt aufgrund einer sogenannten Überschwemmung des Marktes mit sauberem Strom, könnten durch langfristige Speichermöglichkeiten etwas abgefedert werden. Derzeit wird in der Branche viel in die optimale Speichertechnologie und Lebenserhaltungsdauer von Batterien investiert. Hybridvarianten und leistungsfähige Lithiumbatterien, wie sie auch in Elektro-Fahrzeugen verwendet werden, stehen im Fokus um Solarstrom effizienter einsetzen zu können. Die Idee über Batteriesysteme allein die übermäßig produzierte Menge an Solarstrom zu halten ist jedoch nicht realistisch, meint Matthias Vetter. Denn Deutschland wird bei einer Einspeisung von 30% beispielsweise, „nicht umhinkommen, auch saisonale Speicher auf Basis von Wasserstoff einzusetzen und das Strom- und Gasnetz bidirektional zu koppeln.“ Speichersysteme für die Energiewende sind viel diskutiert. Auch auf der Intersolar Europe Conference am 11. Juni 2012 in München stellen Experten bei der Electricity Storage-Vortragsreihe die verschiedenen Batterietechniken und ihre jeweiligen Anwendungsgebiete vor. Eine anschließende Podiumsdiskussion soll die Frage dazu klären, welcher Speicher sich für welchen Einsatz am besten eignet.

Milk The Sun ist mittendrin in der Neugestaltung der Photovoltaikbranche – deshalb auch auf der Intersolar Messe vom 13.-15. Juni 2012. Besuchen Sie uns an Stand B2.170D.

 

Die neue Einspeisevergütung – Herausforderung und Chance

Die letzte Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist erst vor zwei Monaten in Kraft getreten. Trotzdem plant die Bundesregierung erneut Änderungen an dem Gesetz, die vor allem die Förderungen der Solarenergie betreffen. Für den Ausbau der Photovoltaik in Deutschland waren die umfangreichen staatlichen Förderungen zweifelsohne von großer Bedeutung. Die Bundesrepublik konnte ihre Vorreiterrolle auf dem Solarmarkt behaupten und sich als einer der führenden Standorte für Produktion, Forschung und installierter Photovoltaik-Leistung etablieren. Bislang wurde in Deutschland eine Leistung von knapp 25 Gigawattpeak (GWp) installiert, allein im letzten Jahr kamen 7,5 GWp hinzu[1]. Durch die Kürzungen muss die Solarbranche in Zukunft zwar einige Einschnitte hinnehmen, allerdings werden diese durch den technologischen Fortschritt abgefedert und bieten sogar die Chance, die bislang starren Strukturen des Solarmarktes aufzuweichen.

 

Investitionen in den deutschen Solarmarkt lohnen sich:

                • Die Produktion von Solarstrom bleibt auch mit den neuen Einspeisevergütungen attraktiv und rentabel
                • Durch den technologischen Fortschritt wird bald Netzparität erreicht und Förderungen werden komplett überflüssig
                • Neue Vermarktungsstrukturen machen den Solarmarkt liquider und transparenter

1.      Eckdaten der neuen Fördertarife

 

Der aktuelle Gesetzesentwurf der Bundesregierung sieht folgende wesentliche Änderungen vor[2]:

                • Eine einmalige und deutliche Absenkung der Tarife, um diese an die gesunkenen Marktpreise von Photovoltaikmodulen anzupassen. Die Änderung tritt für Dachanlagen voraussichtlich zum 1. April 2012 in Kraft, für Freiflächenanlagen zum 1. Juli.
                • Bisher wurde Solarstrom zu 100 % vergütet. Jetzt können sich Besitzer kleinerer Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 Kilowattpeak (kWp) 85 % ihres Stroms vergüten lassen, alle anderen Anlagenbesitzer 90 %.
                • Bisher wurden die Tarife alle sechs Monate reduziert. Künftig werden die Tarife monatlich 0,15 Cent gekürzt.
                • Der Photovoltaik-Zubau soll dadurch auf 2500 – 3500 Megawattpeak (MWp) pro Jahr reduziert werden.

Entwicklung der Einspeisevergütungen seit 2010:

 

Inbetriebnahme 30 kWp 100 kWp bis 1 MWp über 1 MWp Freiflächen
01.01.2010 39,14 37,23 35,23 29,37 28,43
01.07.2010 34,05 32,39 35,23 25,55 25,02
01.10.2010 33,03 31,42 29,73 24,79 24,26
01.01.2011 28,74 27,33 25,86 21,56 21,11
01.01.2012 24,43 23,26 21,98 18,33 17,94
Neu: bis 10 kWp bis 100 kWp entfällt bis 1 MWp bis 10 MWp bis 10 MWp
ab 01.03.2012 19,50 16,50 13,50 13,50
Kürzung um 20,2 % 29,0 % 24,9 % 26,4 % 24,7 %
ab 01.05.2012 monatliche Degression 0,15
ab 01.01.2013 18,15 15,15 12,15 12,15
ab 01.01.2014 16,35 13,35 10,35 10,35
ab 01.01.2015 14,55 11,55 8,55 8,55
ab 01.01.2015 12,75 9,75 6,75 6,75

(Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit; www.EEG-2011.de)

2.      Solarstrom bleibt rentabel

Die neuen Einspeisevergütungen stellen Projektentwickler und Unternehmen der Solarbranche sicherlich vor neue Herausforderungen. Trotz der Kürzungen ist die Produktion von Solarstrom aber weiterhin rentabel.

Entwicklungsausblick für die verschiedenen Anlagetypen:

Kleinere Dachanlagen bis zu 10 kWp:

                • Die Kürzungen fallen für diese Anlagen wenig drastisch aus. Die für den 1. Juli geplante Kürzung um 15 % wird lediglich um 5  % erhöht und ein paar Monate vorgezogen.

                • Je nachdem mit welchen Modulen gebaut wird, ergeben sich für diese Analgen immer noch Renditen von 5 – 8 %[3]. Die Investition in eine Solaranlage ist dadurch immer noch attraktiver als die Investition in eine ähnlich sichere und langfristige Kapitalanlage.

                • Nach Berechnungen der Welt Online wird Strom aus Dachanlagen ab dem 1. Januar 2014 um 4 %, ab dem 1. Januar 2015 sogar um 22 % höher vergütet, als es nach dem bisherigen Fördersystem der Fall gewesen wäre. Diese Berechnung beruht allerdings auf der Annahme, dass der Zubau konstant bei rund 7,5 Gigawattpeak pro Jahr bleibt[4].

                • Private Dachanlagen werden durch die 85 %-Regel zum Eigenverbrauch angehalten. Bei einem derzeitigen Strompreis von 24 Cent pro Kilowattstunde zahlt sich der Eigenverbrauch aus und steigert die Rendite der Anlage. Langfristig wird die Produktion von Sonnenstrom immer preiswerter, während die Stromkosten steigen.

                • Ein wesentlicher Rückgang der Nachfrage ist in diesem Marktsegment nicht zu erwarten.

Bei größeren Dach- und Freiflächenanlagen:

                • Die Kürzungen betragen bei diesen Anlagen rund 25 % der bisherigen Fördertarife. Hinzu kommt, dass der produzierte Strom nur noch zu 90 % vergütet wird. Die restliche Strommenge muss direkt an der Strombörse vermarktet werden.

                • Nach der Absenkung der Tarife können große Freiflächenanlagen immer noch mit Renditen von bis zu 6 % rechnen, prognostiziert Patrick Hummel von der UBS. Dadurch findet eine Marktanpassung des bisher stark überförderten Segments statt[5].

                • Sogenannte Konversionsflächen – das sind brachliegende Militär-, Industrie- oder Deponieflächen – werden durch die neue Vergütung für eine Übergangsphase unattraktiver. Durch sinkende Modulkosten wird aber dieses Marktsegment wieder für Investoren attraktiv.

Sowohl mit kleineren Anlagen als auch mit größeren Anlagen lassen sich trotz der reduzierten Einspeisetarife noch immer Gewinne erzielen. Die Nachfrage nach Solaranlagen wird daher nicht wesentlich einbrechen – zumal Investitionen in eine PV-Anlage häufig umweltpolitisch motiviert sind.

3.      Preisentwicklung und Netzparität

Durch den technischen Fortschritt und den verstärkten internationalen Wettbewerb sind die Preise für Solarmodule in den letzten Jahren stetig gesunken. Polykristalline Module aus deutscher Produktion sind derzeit für durchschnittlich 1,07 Euro pro Wattpeak erhältlich. Der Preisunterschied zum Dezember vergangenen Jahres liegt bei 4,5 %. Polykristalline Module aus China kosten derzeit noch 0,79 Euro pro Wattpeak und sind im Vergleich zum Dezember um 2,5 % gesunken[6]. Neben den gesunkenen Preisen steigt die Energieeffizienz der Module.

Die Grafik des Bundesverbandes Solarwirtschaft zeigt, dass die Preise für Solarmodule in den letzten 5 Jahren insgesamt um mehr als 50 % gefallen sind:

Durch diese Preisentwicklung wird zum Jahreswechsel 2012/2013 die Netzparität für Solarstrom erreicht. Das bedeutet, dass die Produktionskosten von Solarstrom nicht mehr teurer sind, als der Kauf des Stroms vom Stromversorger. Ab diesem Moment ist die Produktion von Solarstrom an sich rentabel und nicht mehr auf staatliche Förderungen angewiesen. Die folgende Grafik zeigt die Systempreisentwicklung im Vergleich zur Tarifhöhe in den letzten Jahren. Zwar wird hier noch von der Förderkürzung zum 1. Juli um 15 % ausgegangen, deutlich wird aber, dass die Systemkosten zum Ende des letzten Quartals 2011 deutlich unter der EEG-Vergütung lagen. Eine Anpassung der Tarife an diese Preise fördert also nur das selbstgesteckte Ziel der Branche bald die Netzparität zu erreichen.

Kosten und Förderung von Solarstrom seit 2008 halbiert: (Quelle: BSW-Solar; http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/bsw_solar_fakten_pv.pdf)

4.      Chancen für den Erst- und Zweitmarkt

Für den Erstmarkt ergeben sich aus der Kürzung der Förderung vor allem folgende Konsequenzen: Bisher zeichnet sich der Erstmarkt – der Handel von Projektrechten – durch lange Maklerketten aus. Um Flächenbesitzer, Projektentwickler und Investoren zusammen zu bringen, waren bislang viele Vermittler notwendig. Die neuen Tarife ermöglichen aber nicht mehr die Gewinnmargen, um den Handel von Projektrechten für so viele Vermittler lukrativ zu machen. Genau hier setzt Milk the Sun an. Lange Vermittlerketten werden durch die Plattform umgangen. Flächenbesitzer, Projektentwickler und Investoren können sich direkt miteinander vernetzen. Einerseits werden so Maklergebühren gespart, was die Rendite insgesamt wieder erhöht, andererseits gewinnt der Markt so deutlich mehr Transparenz. Auch Pachtmodelle lohnen sich so immer noch, auch wenn in Zukunft mit Sicherheit Leasing- oder Bürgersolarkonzept an Attraktivität gewinnen werden.

Der Zweitmarkt wird noch attraktiver: Der Kauf von bereits laufenden Solaranlagen als Kapitalanlage wird immer attraktiver und unproblematischer. Nicht nur sind die tatsächlichen Erträge der Anlage bekannt – was sie als Investition noch sicherer macht – sondern man erhält für den eingespeisten Strom auch die bisher gültige Einspeisevergütung. Erwirbt man beispielsweise eine Anlage mit einer Leistung von 80 kWp, die am 01.07.2010 ans Netz ging, erhält man auf den ins Netz eingespeisten Solarstrom, die zu dem damaligen Zeitpunkt geltenden, fast doppelt so hohen Vergütungen.

[1] Bundesverband Solarwirtschaft: Statistische Zahlen der deutschen Solarstrombranche, Januar 2012, http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/bsw_solar_fakten_pv.pdf

[2] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: EU-Effizienzrichtlinie und Erneuerbare-Energien-Gesetz, 23.02.2012, http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ergebnispapier__eu-effizienzrichtlinie.pdf

[3] Schultz, Stefan: So lohnt sich die Solaranlage auch künftig, Spiegel Online, 29.02.2012, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817172,00.html

[4] Wetzel, Daniel: Solarkürzung wirkt nur auf kurze Zeit, Welt Online, 29.02.2012, http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article13894344/Solarkuerzung-wirkt-nur-auf-kurze-Sicht.html

[5] Schultz, Stefan: So lohnt sich die Solaranlage auch künftig, Spiegel Online, 29.02.2012, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817172,00.html

[6] Vgl. PVX Spotmarkt Preisindex Solarmodule, http://www.solarserver.de/service-tools/photovoltaik-preisindex.html

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