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PV-Zölle: Brüssel strebt Kompromiss mit Beijing an

Die Europäische Kommission setzt sich gegen den Widerstand aus einigen Mitgliedsstaaten durch und will seine Zollforderungen an China im Streit um Photovoltaikmodulimporte durchsetzen. Allerdings sei ein Kompromiss angestrebt.

Brüssel und Beijing streben im Streit um die Erhöhung der Zölle für chinessiche PV-Modul einen Kompromiss an.iStockphoto.com©scibak

Die Europäische Kommission unter Karel De Gucht hat sich im Streit um die Anhebung der Zölle auf Photovoltaikmodule aus China durchgesetzt. Einige EU-Mitgliedsländer, darunter auch Deutschland, hatten sich gegen die Anhebung ausgesprochen. Erste Details zu den neuen Schutzzöllen, die wahrscheinlich lediglich vorläufig gelten sollen, sollen am Mittwoch bekannt gegeben werden. Mit einem Inkrafttreten ist am Donnerstag zu rechnen.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird allerdings ein Kompromiss von China und EU angestrebt. Mit diesem solle ein „Handelskrieg“ vermieden werden. Laut EU-Kommissar Karel De Gucht verhielten sich alle Beteiligten sehr konstruktiv und engagiert.

Laut EU-Recht ermöglichen die provisorischen Zölle neue Verhandlungspositionen. So wäre es beispielsweise möglich, sich auf einen Minimalpreis zu einigen, für den chinesische Produkte in Europa verkauft werden dürften. Wenn die Verhandlungen jedoch scheitern, und dies wäre der Fall wenn bis Dezember keine Einigung erzielt wurde, könnten die provisorischen Zölle für fünf Jahre dauerhaft in Kraft treten. Beijing hatte sich bereits letzten Monat „notwendige Maßnahmen“ zur Wahrung seiner Interessen vorbehalten, sollte keine Einigung erzielt werden.

Die Affäre um den Aufstieg chinesischer Photovoltaikmodulhersteller auf dem europäischen Raum zieht sich bereits seit Monaten hin. Europäische Produzenten sprechen davon das chinesische Firmen fast 80% am europäischen Photovoltaikmarkt halten. Im Vergleich dazu waren es vor wenigen Jahren kaum mehr als 0%. Insbesondere Länder wie Frankreich und Italien äußerten ihren Unmut über diesen Zustand und äußerten den Verdacht, dass der Aufstieg der chinesischen Konkurrenz nicht mit legalen Mitteln erfolgen konnte. Aus diesem Grund treibt die Europäische Kommission eine Anhebung der Zölle voran, um so die schädigenden Dumpingpreise der chinesischen Firmen zu unterbinden.

Laut der Allianz für bezahlbare Energie (AFASE) sprachen sich angeblich 18 von 27 Mitgliedsstaaten gegen die geplanten Schutzzölle aus. Die AFASE startete in diesem Zusammenhang eine Onlinepetition und rief Kommissar Karel De Gucht dazu auf, von einer Anhebung der Zölle abzusehen, da sonst der europäische PV-Markt zusammenzubrechen drohe. Sie erhielt dabei indirekte Rückendeckung vom deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger. Die AFASE erfuhr daraufhin von Seiten der Lobbygruppe ProSun harsche Kritik. Die AFASE würde von chinesischen Unternehmen unterstützt, so ProSun und sprach von „Panikmache“ durch die AFASE.

Quellen: Reuters, Solar-Server

 

AFASE schaltet Internetpetition gegen geplante EU-Zölle auf chinesische Photovoltaik-Module

Die Allianz für bezahlbare Solarenergie (AFASE) sammelt in einer Internetpetition Stimmen gegen die von der EU geplante Einführung von höheren Zöllen auf Photovoltaik-Module aus China. Die AFASE wirft EU-Handelskommissar Karel De Gucht vor, eine Verteuerung von Solarenergie in Kauf zu nehmen. EU-Kommissar Günther Oettinger warnt indes vor einem Handelskrieg mit China.

Wie wird die boomende englische Solarbranche auf die EU-Einfuhrzölle auf chinesische Module reagieren?

Der britische PV-Markt entwickelte sich in den letzten Jahren sehr positiv, nachdem die Regierung vor zwei Jahren eine Einspeisevergütungen (Feed in Tariff) einführte. Aber wie werden die neuen EU-Zölle auf chinesische Solarmodule die britische Solarindustrie verändern? Dieser Artikel ist auf Englisch hier verfügbar.

Einwurf: Sascha Röber zu den Strafzollen für Photovoltaik-Module

Die vergangenen zehn Jahre kannten die Hersteller von Photovoltaik-Modulen nur eine Richtung: nach oben. Die Welt gierte danach, immer mehr Produktionskapazitäten zur Gewinnung von Sonnenstrom auf Dächer und Äcker zu bringen. Das Know-How kam zu einem großen Teil aus Deutschland, wo die Industrie zum einen die Produktionsmaschinen erfand und baute und zum anderen auch die Produktion der Module selbst übernahm. Ab Mitte des letzten Jahrzehnts ging man dazu über, sein Know-How auch vor allem chinesischen Herstellern zugänglich zu machen. Das erhöhte die Kapazitäten und den Output.

Es folgte, was folgen musste: Einem stürmischen Aufbau folgte eine erste massive Korrektur. Als im ersten Halbjahr 2011 die Hersteller begannen, auf ihrer Produktion sitzenzubleiben, gingen die Modulpreise in den Keller. Innerhalb weniger Monate brachen die Modulpreise um über 40% ein. Kostete das Wp Anfang 2011 bei chinesischen Herstellern noch knapp 1 US$, lag der Preis im Q3 bereits bei unter 60 US-Cent. Auch im darauffolgenden Jahr gaben die Preise nochmals nach, wenn auch nicht mehr so deutlich. Heute zahlt man für chinesische multikristalline Module etwas über 50 US-Cent, für Module aus deutscher Produktion zwischen 15 und 25 Cent mehr. Die Preisunterschiede haben zahlreiche Gründe. Die Investitionsaufwendungen für Produktionskapazitäten sind in Deutschland höher, ebenfalls die Lohn(stück)kosten. Das Zinsniveau für deutsche Produzenten hingegen dürfte z.T. deutlich niedriger sein als das ihrer chinesischen Konkurrenten, denn die Zinssätze in China liegen deutlich über denen des Euro-Raums.

Deutsche Modulhersteller, einst hoch gelobt und zu einem großen Teil im ostdeutschen “Solar Valley” angesiedelt, starben wie die Fliegen, weil sie bei diesem Preisniveau einfach nicht mehr in der Lage waren, wenigstens ihre Fixkosten zu decken. Hersteller wie z.B. Solon gerieten in den Sog der Pleiten. Entweder, weil sie auf ihren Produkten sitzenblieben, die Finanzierungskosten nicht mehr erwirtschafteten oder die massiven Abschreibungen auf Handeslbestände nicht mehr aufbringen konnten.

Die Regierung Merkel reagierte 2012 mit massiven Absenkungen der Einspeisetarife, indem das EEG innerhalb weniger Monate entsprechend geändert wurde. Das Ruder wurde dabei übertrieben stark herumgerissen. Hier rächte sich die Untätigkeit der Regierung in den Vorjahren: Wären die Einspeisevergütungen, wie von vielen Marktakteuren immer wieder in den Jahren zuvor gefordert, sukzessive in kleineren Schritten gesenkt worden, hätten sich Hersteller und Projektierer entsprechend darauf einrichten können. Nun aber stürzte die krasse Absenkung der Vergütungen nicht nur die Hersteller, sondern auch Projektierer in den Abgrund. Da bspw. Freiflächenanlagen mit einer Gesamtleistung von über 10 MWp plötzlich und ohne nachvollziehbare Begründung aus dem EEG-Vergütungsregime vollständig herausfielen, fielen auch Firmen um, die sich auf solare Großprojekte spezialisiert hatten (Bsp. Solarhybrid AG).

Anfang Juni wird also die EU-Kommission darüber entscheiden, ob auf chinesische Module Strafzölle zu zahlen sein werden – nach derzeitigem Kenntnisstand knapp 50% auf den Nettopreis. Damit werden sich polykristalline Komponenten auf einen Schlag auf ca. 75 US-Cent verteuern, was sie also in etwa auf ein Niveau mit Modulen aus europäischer Produktion macht. Toll, mögen da manche jubeln, dann haben sie also keinen Vorteil mehr gegenüber der heimischen Produktion. Das sichert Arbeitsplätze.

Schön wär’s. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus.

Die massiven Absenkungen der Einspeisevergütungen im Jahr 2012 führten dazu, dass an der Verwendung chinesischer Module überhaupt kein Weg mehr vorbeiführte. Die schon damals deutlich billigeren Komponenten waren erforderlich, um bei gegebenen Vergütungen und sonstigen Kosten für Modultische, Wechselrichter, Verkabelung usw. (sog. BOS-Kosten) Projekte realisieren zu können, für die sich noch Investoren fanden. Bei einer Renditeerwartung von 6-8% IRR konnten so noch größere Freiflächenanlagen gebaut werden, die auch einen Markt fanden. Die Modulkosten machen bei derzeitigen Preisen in etwa 40-45% der gesamten Kosten aus. Bleiben alle anderen Kosten gleich (wovon auszugehen ist) und ändern sich die Mindestrenditeanforderungen der Investoren nicht (wovon nicht auszugehen ist), sind PV-Projekte bei nun sogar monatlich fallenden Einspeisevergütungen folglich nicht mehr wirtschaftlich realisierbar. Projektierer, die sich rein auf den deutschen Markt spezialisiert haben, werden damit keine Geschäftsgrundlage mehr haben. Ein Ausweichen auf Module europäischer Hersteller ist nicht möglich, da diese die Kosten eines Projektes genau dorthin treiben würden, wohin sie die Strafzölle auf chinesische Module nun hieven werden

Die massive Absenkung der PV-Vergütungen unter dem EEG wurden 2012 mit den stark gefallenen Modulpreisen begründet. Nun werden die Modulpreise starkt steigen, aber die Vergütung fällt jeden Monat weiter. Mit Strafzöllen ist also niemandem gedient. Die chinesischen Modulproduzenten sehen sich längst nach alternativen Märkten um, und vor allem im asiatisch-pazifischen Raum entstehen gerade gewaltige neue Märkte: Japan, Thailand, Malaysia. Europa wird aus deren Sicht überhaupt nicht mehr benötigt. Die Strafzölle werden den chinesischen Herstellern also mittelfristig wohl kaum schaden. Sie werden der chinesischen Regierung jedoch eine exzellente Vorlage für die Auferlegung von Zöllen auf Waren aus Europa bieten. Gerade Deutschland, dessen Export mit China in den vergangenen Jahren von einem Höchststand zum nächsten eilte, wird darunter ganz besonders leiden, während die deutschen Modulhersteller weiter in die Insolvenz gehen werden. Die Strafzölle werden sich also als ein Bommerang für Europa und ganz besonders für Deutschland herausstellen. Und Frank Asbeck, der mit seiner Initiative EU Pro Sun für die Strafzölle auf China-Module an vorderster Front kämpfte, wird seiner Firma Solarworld damit auch nicht aus der finanziellen Klemme helfen können, in der sich das Unternehmen bereits seit Monaten befindet.

Zum Autor: Sascha Röber arbeitet bei einem der größten Entwickler und Projektierer für EE-Projekte in Europa als Bereichsleiter Unternehmensfinanzierung . Die erneuerbaren Energien sind für ihn seit jeher ein wichtiges Anliegen. Sein Beitrag spiegelt ausschließlich seine privaten Meinungen wieder.

EU beschließt Strafzölle für chinesische Photovoltaikmodule

Wie bereits vermutet – EU: Ab 6. Juni wohl Strafzölle auf chinesische Solarmodule – hat die EU heute Importzölle auf chinesische Photovoltaikmodule auf den Weg gebracht. Die Strafzölle sollen ab dem 06. Juni fällig werden und bei durchschnittlich 47% liegen.

Bis 5. Juni haben die Mitgliedstaaten der EU die Möglichkeit eine Stellungnahmen an die Kommission zu übermitteln verhindert werden können die Einfuhrzölle dadurch aber nicht. Einige Experten sind besorgt, dass diese Strafzölle einen Handelskrieg zwischen Europa und China auslösen könnten.

China, derzeit der größte Solar-Produkt-Hersteller der Welt,ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Allein im vergangenen Jahr verkauft China Solarmodule und zugehörigen Komponenten im Wert von 21 Milliarden  in Europa.

 

Krise der chinesischen Solarindustrie

Die deutsche Photovoltaikbranche verzeichnet auch 2012 Erfolge. Trotz Kürzungen der staatlichen Fördergelder, Insolvenzen großer Unternehmen wie Q-Cells oder Sovello und natürlich der Konkurrenz aus China, die mit ihren „Dumpingpreisen“ in Verruf geraten ist.

Jetzt werden plötzlich neue Töne angeschlagen. Die Beijing Business Today berichtet, dass auch die chinesische Solarbranche in einer Krise steckt. Die Schulden der zehn größten Solarzellenhersteller des Landes, darunter auch die LDK Solargroup und Suntech, belaufen sich, nach Angaben des amerikanischen Investmentunternehmens Maxim Group, auf 17,5 Milliarden US-Dollar. Die gesamte Solarindustrie sei hoch verschuldet.
Xiao Han, Analyst der Branche für erneuerbare Energien führt als Gründe auf, dass auch in China die Preise innerhalb kürzester Zeit so stark gefallen seien, dass die Produktion größtenteils nicht mehr rentabel ist. Zudem spricht er von hohem Konkurrenzdruck und Überproduktion. Die Strafzölle der US-Regierung und, ganz aktuell, die Klage der europäischen Solarindustrie gegen die PV-Billigproduktion aus China wirken sich natürlich ebenfalls belastend auf die Wirtschaft aus.

Obwohl weltweit die Preise für PV-Anlagen fallen, wächst der Photovoltaikmarkt kontinuierlich weiter. Der Anteil der Solarenergie am Gesamtstromverbrauch in Deutschland beträgt derzeit stolze 3,1%. Aufgrund der sinkenden Produktionskosten können nach wie vor stabile Renditen erzielt werden. Ein lukratives Geschäft für Investoren. Ob sich die gesteigerte Nachfrage auch stabilisierend auf die Preise auswirken wird, bleibt abzuwarten.

 

Mehr dazu unter TheEpochTimes.

 

Protektionismus in den USA mit Antidumping-Zoll

PV-Anlagen auf einem IndustriedachFür China ist es ein herber Schlag, was sich das US-Handelsministerium jetzt überlegt hat. Sonderzölle zwischen 31% und 250% sollen chinesische Hersteller daran hindern billig nachgeahmte Solarprodukte in den US-Markt einzuführen. Viele Produzenten am chinesischen PV-Markt sind entrüstet über diese Entscheidung. Oft werden Module in den USA aus chinesischen Teilen gebaut, die Nachfrage ist groß. Laut Handelsministerium konnte China den Solarzellenexport in den vergangenen Jahren verdoppeln und kommt jetzt auf ein Volumen von 3,1 Milliarden Dollar. Chinesische Solaranbieter haben einen Weltmarktanteil von über 60 Prozent. Jetzt drohen Umsatzeinbußen und die Behauptung wird laut, dass die Zölle nicht gerechtfertigt seien. Die gesamte Zukunft der Solarindustrie baue auf Wettbewerb und Innovation auf und brauche keine Restriktionen dieser Art, so Suntech-Finanzchef Andrew Beebe. Das regelt der US-amerikanische Wirtschaftsraum ab sofort anders. Um den Markt nicht gänzlich chinesischen Billig-Solarprodukten zu überlassen, hält die USA ab sofort ein Schutzschild über seinen Solarmarkt. Auf Module, die bis zu drei Monaten rückwirkend produziert wurden, wird der Zoll erhoben. An der Börse lässt sich der Effekt schon ablesen. Die Aktien der amerikanischen Solarhersteller Solarworld und Firstsolar sind teilweise bis zu 18% gestiegen. Obwohl berechtigte Gründe für Kritik an dieser Zollerhebung anzuführen sind, ist China am wenigsten in der Position sie auszusprechen. Wegen wirtschaftlicher und politischer Verschlossenheit steht es selbst häufig in der Kritik. Dennoch – es wird sich insbesondere für die chinesischen Hersteller die Lage aufgrund der von den USA beschlossenen Anti-Dumping-Zölle zunächst verschärfen. IHS iSuppli, ein Marktforschungsunternehmen prognostiziert einen Rückgang asiatischer Modulverkäufe in die USA um 45 % in diesem Jahr. Chinesische Unternehmen sind daher ganz besonders darauf angewiesen diese Absatzverluste durch Verkäufe an anderen Märkten auszugleichen.

Dr.-Ing. E. h. Frank Asbeck präsentiert den Aktionären den Geschäftsverlauf der SolarWorld AG. Aus Sicht deutscher Modulhersteller wird die Meldung positiv aufgefasst. „Illegale chinesische Handelspraktiken zerstören den Solarmarkt und gefährden zahlreiche Arbeitsplätze“ sagt Frank Asbeck, Chef der deutschen Solarworld AG. Für ihn sei das Urteil aus den USA ein “Signal an Europa, wo vergleichbare Maßnahmen greifen müssen”. Asbeck hofft, dass auch die EU-Kommission bald aktiv wird. Ob die deutsche Solarwirtschaft davon profitiert ist fragwürdig. Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin argumentiert anders. Die Gefahr Gegenmaßnahmen von China heraufzubeschwören wegen einer kurzfristigen Aktion seien nicht außer Acht zu lassen. Er sieht den Grund für die Nachfrage in den USA nicht zuletzt im stetigen Preisverfall. Anti-Dumping-Zölle sind wieder ein künstlicher Eingriff in den Markt zulasten der Konsumenten. Positive Effekte für die deutsche Solarbranche seien nicht zu erwarten – vor allem, weil es kaum noch Zellen- und Modulhersteller in Deutschland gibt und die große Mehrheit chinesische oder taiwanesische Zellen verbaut.

Quellen: dpa/Reuters

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