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Vier Fragen an … Björn-Lars Kuhn, IT-Spezialist, freier Journalist und Energieblogger

Björn-Lars Kuhn ist Experte und Allrounder auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien. Als einer der erfolgreichsten Energieblogger Deutschlands hat er seinen Namen bereits tief in der Scene verankert. Durch sein Engagement als Gesellschafter bei Proteus Solutions, seine langjährige Tätigkeit in der IT-Branche und als freier Journalist hat Björn-Lars Kuhn ein umfassendes Fachwissen auf dem Gebiet der Solarbranche vorzuweisen. Die Tätigkeit als Journalist hat ihn zudem zu einer der einflussreichsten Stimmen auf dem Themengebiet der Solar- und Photovoltaikenergie werden lassen.

"Andererseits haben die deutschen Unternehmen immer wieder bewiesen, dass gerade in politisch instabilen Zeiten die besten Innovationen gemacht wurden. " - Björn-Lars Kuhn

„Andererseits haben die deutschen Unternehmen immer wieder bewiesen, dass gerade in politisch instabilen Zeiten die besten Innovationen gemacht wurden. “ – Björn-Lars Kuhn

Milk the Sun: Lieber Herr Kuhn, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Björn-Lars Kuhn: Vor der Bundestagswahl war ich der Ansicht, dass die Energiewende mit dem Scheitern der FDP schneller vorankommt. Das erwies sich allerdings als Trugschluss, wenn man jetzt die Bestrebungen der GroKo und Sigmar Gabriel sieht. Natürlich ist eine tief greifende EEG-Novellierung notwendig, aber das, was der Superminister da aufruft, klingt schon sehr nach Industriepolitik der Großen Vier.

Natürlich wird im Bereich der Konventionellen immer mit Standort Deutschland und Arbeitsplätzen argumentiert, aber auch im Bereich der Erneuerbaren wurden in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze geschaffen, die ja seit über einem Jahr sukzessive weniger werden, wenn man z.B. das Wegsterben der Photovoltaik betrachtet. Da frage ich mich, ob Arbeitsplätze bei RWE oder E.ON mehr wert sind als die in der Nachhaltigkeitsbranche … Und die Aktionäre bekommen wohl immer noch Dividende.

Das, was die Bundesregierung gerade umsetzen will, klingt eher nach operativer Hektik und Schnellschüssen. Man kann nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Björn-Lars Kuhn: Die Erneuerbaren Energien werden sich durchsetzen. Allerdings wird es durch aktuelle politische Maßnahmen zu einer weiteren Verzögerung kommen, weil das System ja in sich falsch aufgesetzt worden ist. Hier sei nur die AusgleichMechV genannt. Langfristig wird das System aber wohl nicht haltbar sein.

Leider haben viel zu wenige Leute die Kompetenz dieses System zu durchschauen, am wenigsten unsere Volksvertreter. Das ist von den konventionellen Anbietern ja auch so gewollt, damit man eine öffentliche Diskussion über Strompreise führen kann. Gehen die Stromgestehungskosten jedoch noch weiter zurück und es geht beispielsweise wesentlich mehr EE-Strom in die Direktvermarktung – z.B. bei 100%-EE-Gemeinden – dann schafft sich das System letztendlich selber ab.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie, aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Björn-Lars Kuhn: Ja, das wird wohl unumgänglich sein. Technologisch mögen wir immer noch die Nase vorn haben und mit dieser Technologie im Ausland punkten können. Aber die Energiewende als solche wird nicht mehr das internationale Vorzeigeobjekt sein. Schaut man sich allein die PV-Zubauzahlen in Italien an, wird schnell deutlich, dass wir in Deutschland eine Energiewendebremse eingeführt haben.

Andererseits haben die deutschen Unternehmen immer wieder bewiesen, dass gerade in politisch instabilen Zeiten die besten Innovationen gemacht wurden. Also könnte es gut sein, dass wir auch neu aufgestellt und gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Björn-Lars Kuhn: Verlierer werden ganz klar die großen PV-Projektierer sein, die es bisher nicht geschafft haben, sich im Ausland zu etablieren. Da werden wohl noch ein paar Unternehmen den Gang zum Amtsgericht beschreiten müssen.

Dazu kommen einige Startups, die mit neuen Geschäftsmodellen in den Markt eingestiegen sind und wohl auch dahingerafft werden. Die geplante Besteuerung des Eigenverbrauchs wird so manche Kalkulation zunichte machen und damit womöglich die Geschäftsgrundlage.

Der Markt in Deutschland wird wohl weiter zurückgehen und als Gewinner können sich die kleinen Solateure fühlen. Denn der Markt der privaten Kleinanlagen wird selbst mit gesetzlichen Änderungen nicht abzuwürgen sein. Der Bürger glaubt an die Energiewende und wird diese vorantreiben.

2014 werden sich trotz Gejammer die Großen Vier als Gewinner fühlen, doch möglicherweise werden sich einige Top-Manager umorientieren, wenn die kurzfristigen Gewinne wieder wegfallen.

International gibt es noch einige interessante Länder, die gerade am Anfang stehen, den Anteil der Erneuerbaren auszubauen. Hier werden sich dann die deutschen Spezialisten vor Ort wiederfinden.

Wir bedanken uns bei Herrn Kuhn für das Interview.

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfen aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Björn-Lars Kuhn:

Vier Fragen an … Björn-Lars Kuhn, Inhaber von Proteus Solution und Energieblogger

Kommentar: Industrieprivilegien und Eigenverbrauch – Die EU-Kommission legt vor

Vier Fragen an … Stefan Dietrich von Windwärts Energie | Milk the Sun – Blog

Dr. Stefan Dietrich ist Pressesprecher der Windwärts Energie GmbH. Der promovierte Politikwissenschaftler kümmert sich neben der Pressearbeit auch um den Windwärts Blog, auf dem er vor allem zu firmeneigenen Projekten und Aktionen bloggt. Das internationale Unternehmen Windwärts Energie hat seinen Fokus auf Onshore-Windenergie gelegt.

"Die Bundesregierung und vor allem das zuständige Ministerium sollen sich eingehend mit den vorliegenden Vorschlägen für ein Marktdesign auseinandersetzen, das die erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt." - Dr. Stefan Dietrich (c)Photo Windwärts Energie GmbH, Fotograf Mark Mühlhaus attenzione

„Die Bundesregierung und vor allem das zuständige Ministerium sollen sich eingehend mit den vorliegenden Vorschlägen für ein Marktdesign auseinandersetzen, das die erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt.“ – Dr. Stefan Dietrich (c)Photo Windwärts Energie GmbH, Fotograf Mark Mühlhaus attenzione

Milk the Sun: Lieber Herr Dietrich, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Stefan Dietrich: Das Ergebnis ist sicherlich enttäuschend. Das Schlimmste ist, dass überhaupt kein Wille zu erkennen ist, die Energiewende wirklich voranzutreiben. Stattdessen scheint es gerade Sigmar Gabriel vor allem darum zu gehen, die Kohleverstromung zu retten. Anstatt ein intelligentes Strommarktdesign zu erarbeiten, sollen jetzt Kapazitätsmärkte eingeführt werden, und damit eine weitere Subvention für die Kohle. Was wir brauchen, ist eine Flexibilisierung des Systems, aber davon ist bislang von diesem Minister und dieser Regierung nichts zu sehen und zu hören. Und wo die lauthals versprochene Kostensenkung herkommen soll, muss uns Herr Gabriel mal in Ruhe erläutern. Den Zubau an Windenergie zu bremsen kann ja wohl keine Wirkung haben. Wo ist denn zum Beispiel die von der SPD im Wahlkampf noch geforderte Senkung der Stromsteuer geblieben?

Eigentlich erwarte ich nicht viel, aber eines schon: Die Bundesregierung und vor allem das zuständige Ministerium sollen sich eingehend mit den vorliegenden Vorschlägen für ein Marktdesign auseinandersetzen, das die erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt stellt. Kurzsichtiges Herumdoktern bringt uns nicht weiter.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Stefan Dietrich: Ganz klar: Die so genannte „EEG-Umlage“ muss abgeschafft werden! Die Verramschung des Erneuerbaren-Stroms über den Spotmarkt der Strombörse hat nur negative Folgen. Sie sorgt insbesondere dafür, dass Kosten einseitig den Privathaushalten und kleinen und mittleren Unternehmen aufgebürdet werden. Der Strompreis vor allem zu Spitzenlastzeiten sinkt, und die Differenz sehen wir auf der Stromrechnung. Dadurch werden Unternehmen subventioniert, die den Strom an der Börse einkaufen können. Die ganze unselige Kostendebatte ist durch die Einführung des finanziellen Wälzungsmechanismus 2009 erst möglich gewesen (war das vielleicht Absicht?). So ist zwischen 2008 und 2012 die Strommenge aus erneuerbaren Energien um 70 % gestiegen, die Summe der Einspeisevergütungen um 80 % – aber die Umlage um 350 %! Gleichzeitig werden neue und moderne Gaskraftwerke unwirtschaftlich, weil sie über den Energy Only-Markt nicht mehr finanziert werden können. Das heißt, die alten Braunkohle-Meiler laufen und laufen… Wir müssen dringend hin zu einer physischen Wälzung des Stroms in die Bilanzkreise der Energieversorgungsunternehmen.

Milk the Sun: Derzeit werden am Drei-Länder-Eck zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland zwei riesige Offshore-Windparks gebaut, die durch den neuen Interkonnektor verbunden sein sollen. Die sogenannte „Kriegers Flak Combined Grid Solution“ soll als ein Pilotprojekt für zukünftige Windkraft-Offshore-Stromnetze dienen. Wie schätzen Sie diese Art von Projekten ein? Können sie einem solchen Führungsanspruch gerecht werden?

Stefan Dietrich: Da wir uns als mittelständisches Unternehmen ausschließlich mit der Onshore-Windenergie beschäftigen, kann ich dazu nichts sagen. Insgesamt sehe ich den Führungsanspruch bei der Energiewende aber eher bei flexiblen und dezentralen Lösungen.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Stefan Dietrich: Das ist nicht nur zu befürchten, zumindest in der Photovoltaik ist es ja bereits Realität. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Nonchalance die Politik Arbeitsplätze gefährdet oder zerstört, wenn es „nur“ um eine Branche geht, die anscheinend vielen Interessenvertretern und Politikern ein Dorn im Auge ist. Was die Windindustrie angeht, bleibt abzuwarten, wie sich die Weltmärkte entwickeln. Ein schwächerer Heimatmarkt ist für die deutschen Hersteller aber sicherlich keine gute Entwicklung.

Was ich aber noch schlimmer finde, ist der offensichtliche politische Wille, eine überwiegend mittelständisch geprägte Branche kaputt zu machen und die Stromversorgung wieder den Konzernen zuzuspielen. Anders ist weder das geplante Auktionsverfahren für erneuerbare Energien zu erklären noch die Frage zu beantworten, warum auch diese Bundesregierung aller selbst angezettelter Kostendebatten zum Trotz so an der Offshore-Windenergie festhält, die Onshore-Windenergie aber beschneidet. Die allem Anschein nach absichtlich herbei geführten Unsicherheiten in den Märkten erhöhen die Risiken und erschweren gerade kleineren Marktteilnehmern die Finanzierung von Projekten.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Dietrich für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Dr. Stefan Dietrich:

Vier Fragen an … Dr. Stefan Dietrich, Pressesprecher von Windwärts Energie

Vier Fragen an … Benjamin Reuter, Journalist | Milk the Sun – Blog

Als freier Journalist schreibt Benjamin Reuter für die WirtschaftsWoche und die ZEIT. Für das Nachhaltigkeitsportal WiWo-Green schreibt Herr Reuter regelmäßig über die entscheidenden Themen rund um die Komplexe Energiewende und Klimawandels.

"Während Deutschland auf die Bremse tritt, gibt der Rest der Welt richtig Gas." - Benjamin Reuter

„Während Deutschland auf die Bremse tritt, gibt der Rest der Welt richtig Gas.“ – Benjamin Reuter

Milk the Sun: Lieber Herr Reuter, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Benjamin Reuter: Herr Gabriel hat ja inzwischen erste Vorschläge öffentlich gemacht, wie er eine Energiewendereform gestalten will. Ohne ins Detail zu gehen, sind sie doch ein erster guter Anfang. Denn ein weiter steigender Strompreis hilft niemandem. Wenn Gabriel es schafft, den Anstieg zu bremsen und die Kosten der Wende auf mehr Schultern zu verteilen (Stichwort Industrieprivileg und Eigenverbrauch) ist das nur gut. Sicher muss man bei Details wie dem Selbstvermarktungszwang und der Drosselung des Ausbaus nochmal schauen, was die ökonomischen Folgen sind – im Positiven wie im Negativen. Ein Problem sieht man aber jetzt schon: Dem Kohleboom in Deutschland wird die Reform nicht stoppen. Da müsste die Politik aber unbedingt ran, um die Energiewende auch für das Klima zum Erfolg zu machen.

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Benjamin Reuter: Die Antwort, wie man einen funktionierenden Strommarkt um Erneuerbare herum baut, kennt derzeit wohl noch niemand. Denn wie schafft man einen Markt für etwas, das keine oder kaum laufende Kosten hat, wie eine Kilowattstunde Sonnenstrom? Stand heute und ohne Einspeisevorrang würde die billige Kohlekraft den teureren Grünstrom immer noch aus dem Netz halten. Sind Erneuerbare in einigen Jahren günstiger als Kohle, fliegt sie wiederum aus dem System. Dann müsste man sich aber um die Reservekapazität oder um Speicher Gedanken machen. Erdgas kommt in beiden Fällen unter die Räder. Man sieht: Da sind noch viele Fragen offen.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Benjamin Reuter: Auf dem Feld der PV ist das ja schon passiert. Windanlagen sind natürlich nicht so leicht zu transportieren, dennoch sind chinesische Anbieter im Anmarsch. Aber wie immer: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wäre China nicht gewesen, wäre PV heute noch viel teurer.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Benjamin Reuter: Erneuerbare werden überall auf der Welt stark zulegen. Das gilt für Wind und Solar. Treiber ist hier zuvorderst China, dann auch die USA und Japan. Aber auch Indien hat große Pläne was Solar angeht und der Nahe Osten sowieso (Stichwort Saudi Arabien). Um die Zukunft der Industrie muss man sich also keine Sorgen machen. In Deutschland wird, wenn Gabriel seinen Willen bekommt, der Ausbau etwas gebremst. Die Hersteller wird das nicht interessieren, weil anderswo ihre Technologien gefragter sind als je zuvor. Während Deutschland also auf die Bremse tritt, gibt der Rest der Welt richtig Gas. Aber vielleicht tut uns eine Verschnaufpause auch ganz gut, um mit kühlem Kopf die zweite Phase der Energiewende anzugehen. Verlierer gibt es in dem Szenario nicht: Denn weniger Kohle oder Öl verbrauchen wir, Deutschland und die Welt, trotz des Booms bei den Erneuerbaren nicht.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Reuter für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Benjamin Reuter:

Vier Fragen an … Benjamin Reuter, freier Journalist

Vier Fragen an … Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft | Milk the Sun – Blog

Carsten Körnig ist der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Solarwirtschaft e.V.. Herr Körnig war der maßgeblich verantwortliche Begründer der bereits 1997 entstandenen Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft e.V. Der BSW Solar sieht sich als Treiber der Energiewende und operiert als Verband an den Schnittstellen zwischen Politik, Wirtschaft und Verbrauchern als Informant und Berater. Er vertritt die Interessen von über 800 Solarunternehmen aus der deutschen Solarbranche.

 

"Von den politischen Weichenstellungen der nächsten Monate hängt ab, ob Deutschland jetzt den Anschluss verliert." - Carsten Körnig

„Von den politischen Weichenstellungen der nächsten Monate hängt ab, ob Deutschland jetzt den Anschluss verliert.“ – Carsten Körnig

Milk the Sun: Lieber Herr Körnig, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Carsten Körnig: Wir stecken mitten in einer Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes. Der Kabinettsbeschluss dazu lässt leider wenig Gutes hoffen. Zwar erkennt die Bundesregierung an, dass die Photovoltaik neben der Windkraft zu einer der tragenden zwei Säulen der Energiewende zählen muss, gleichzeitig plant sie aber, z.B. mit einer geradezu absurden Öko-Abgabe auf die solare Eigenstromerzeugung, erneute Kürzungen durch die Hintertür.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Carsten Körnig: Das EEG soll Investitionen in Erneuerbare Energien anreizen, es darf nicht als Bremsklotz der Energiewende missbraucht werden. Richtig ist es, die Kosten der Energiewende wieder auf breitere Schultern zu verteilen. Aber es ist ein Irrweg, gerade die Träger der Energiewende zweimal zur Kasse zu bitten: für die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage und dann erneut, wenn sie ihren eigenen Strom selbst nutzen wollen. Es ist hingegen an der Zeit und verursachergerecht, die Industrie mit ihren fossilen Kraftwerkparks zumindest anteilig an den Umbaukosten unseres Energiesystems zu beteiligen. Wir sind mit zahlreichen konkreten Vorschlägen auf die Politik zugegangen, wie das EEG zu reformieren wäre. (vgl. Positionspapier des BSW-Solar)

Milk the Sun: Die Kohlekraft ist in Deutschland so stark wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Wie schätzen Sie perspektivisch die Chancen der Erneuerbaren Energien auf den Strommarkt in Konkurrenz zu den traditionellen und etablierten Energieformen ein?

Carsten Körnig: Das wird stark davon abhängen, wie die EEG-Novelle ausgeht und die angekündigte Reform des Energiemarkt-Designs aussehen wird. Die Gestehungskosten erneuerbarer Erzeugungsanlagen können heute schon vielfach mit neuen Kohle- und Gaskraftwerke mithalten. Darüber hinaus haben Erneuerbare Energien keine versteckten Kosten. Im Gegensatz dazu belasten fossile Energieträger die Gesellschaft mit hohen Folgekosten für Umweltschäden und Gesundheitsbelastungen, die im Strompreis unzureichend abgebildet sind. Solange der Emissionshandel am Boden liegt und die Politik nicht den Mut für einen wirklichen Strukturwandel im Energiemarkt hat, werden die wenigen großen Energieversorger aber weiter unsere Gesundheit und Umwelt belasten können und den Energiemarkt dominieren.

Milk the Sun: Abschließend hätten wir von Ihnen gerne eine Prognose für das Jahr 2014. Wie wird der Markt für EE am Ende des Jahres in Deutschland und der Welt aussehen? Wer werden die Gewinner und Verlierer sein?

Carsten Körnig: Die deutsche Photovoltaik-Nachfrage hat sich im letzten Jahr halbiert, auch als eine Folge der letzten EEG-Novelle vor knapp zwei Jahren. Von den politischen Weichenstellungen der nächsten Monate hängt ab, ob Deutschland – einst Ökostrom-Pionier – jetzt den Anschluss verliert. Experten rechnen mit einer Verdoppelung der weltweiten Nachfrage in den nächsten zwei bis drei Jahren. Deutschland darf deshalb gerade jetzt bei der Energiewende nicht die Puste ausgehen. Die Branche braucht einen stabilen und verlässlichen Heimatmarkt, um ihre Technologieführerschaft auch weltweit ausspielen zu können.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Körnig für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews und Artikel auf dem Milk the Sun Blog mit Herrn Carsten Körnig:

Photovoltaik: Große Solarparks in Deutschland laut BSW gefährdet
Vier Fragen an … Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar)
Zusätzliche 50 Millionen Euro Förderung für Photovoltaik
Röttgen und Rösler zeigen Einigkeit über Solarförderung – Aber die Solarbranche geht auf die Barrikaden
Solarbranche protestiert gegen Kürzungspläne des Wirtschaftsministers
Die deutsche Solarwirtschaft schließt 2011 mit neuem Rekord ab
Die Erfolgsgeschichte der deutschen Photovoltaik

Vier Fragen an … Rosa Tarragó, Head of Structured Finance bei SOWITEC | Milk the Sun – Blog

Rosa Tarragó besetzte über die letzten Jahre hinweg verschiedene führende Positionen bei verschiedenen Groß- und Förderbanken. Sie kann auf fast 14 Jahre Berufserfahrung zurückblicken und arbeitete unter anderem auch für Projektentwickler und für die E.on AG. Frau Tarragó war bis 2013 Vice President der KfW IPEX-Bank. Seit Ende des Jahres 2013 ist Frau Tarragó als Head of Structured Finance beim größten Windkraftentwickler in Lateinamerika SOWITEC angestellt. Das von ihr gegründete Unternehmen Molins de vent Tarragó produziert Windräder zur Wasserförderung.

„From a developer point of view , it is needed to have a reform that brings stability of project cash-flows“ – Rosa Tarragó

Milk the Sun: Lieber Frau Tarragó, das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende in Deutschland. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Rosa Tarragó: The reform of the German EEG has eight ambitious objectives: (1) the settlement of a compulsory legal cap to increase the renewable energy quota, (2) to control the technology specific expansion of renewables, (3) to focus on cost-optimized technologies, (4) to limit excessive subventions and implement a fair support degression system, (5) to settle the regulatory framework to facilitate the free power market remuneration after 2017, (6) to contribute to keep the competitiveness of energy-intensive technologies through a fair cost distribution among all power consumers, (7) to be in line with European law and finally (8) to become more simple.

From a developer point of view and taking into account the reservation of private equity, institutional investors and lenders to invest in renewables in Germany, it is needed to have a reform that brings stability of project cash-flows, certainty on the regulatory environment and trust to the sovereign creditworthiness.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Rosa Tarragó: It is true, that there has been a strong sector consolidation mostly affecting German industry. Last three years focused on photovoltaic. About ten years ago the same happened to the wind energy sector. Although in both sectors (photovoltaic and wind) new market players have quickly positioned in a leading position, Germany is characterized by a long term patient sustainable oriented industry, high quality standards and ability to quickly adapt. But this industry philosophy alone cannot provide the continuous leading position within a globalization environment with many market competition biases. Conservative sectors like the German finance sector (both private equity and debt) have to be provided soon with a clear regulatory framework (among others, the definition of Solvency II and Basel III). This will facilitate the appetite, availability and trust of financiers to be present in new renewable energy markets. To avoid risks, financiers will focus on home-market medium-size industry, because this is the ones financiers know the best, is geographically close and can be accompanied easily. As soon as the support of the financial sector is available, German industry will recover the leading position.

Milk the Sun: Derzeit werden am Drei-Länder-Eck zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland zwei riesige Offshore-Windparks gebaut, die durch den neuen Interkonnektor verbunden sein sollen. Die sogenannte „Kriegers Flak Combined Grid Solution“ soll als ein Pilotprojekt für zukünftige Windkraft-Offshore-Stromnetze dienen. Wie schätzen Sie diese Art von Projekten ein? Können sie einem solchen Führungsanspruch gerecht werden?

Rosa Tarragó: From a technical point of view, a very important milestone. From a political point of view and considering the challenges to gain consensus in any multilateral transaction, a high success. It is on the hands of the stakeholders to be able to implement synergies and repeat such reference projects.

Milk the Sun: Eine Studie der Deutschen Bank belegte erst kürzlich, dass die PV-Leistung bis 2015 weltweit enorm steigen solle und mit Anlagen von rund 56 Gigawatt Gesamtleistung zu rechnen sei. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem zunehmen. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem steigen. Wie realistisch schätzen Sie diese Prognose ein? Steht wirklich ein zweiter Goldrausch für die Photovoltaik bevor und wenn, wie wird Deutschland davon profitieren können?

Rosa Tarragó: To believe in a goal (here: 56 GW until 2015) helps to reach it.

 

Wir bedanken uns bei Frau Tarragó für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews und Artikel auf dem Milk the Sun Blog von und mit Rosa Tarragó:

Vier Fragen an … Rosa Tarragó, Senior Analyst Prime Capital

Vier Fragen an … Andreas Kühl, Energieblogger & Betreiber von energynet | Milk the Sun – Blog

Andreas Kühl ist diplomierter Bauphysiker und einer der führenden deutschen Energieblogger. Seine Themenschwerpunkte sind weit gefächert. Sie reichen von den Fragen rund um die Energiewende bis zu den Problemen und Diskussionen nach den Möglichkeiten einer zukunftsfähigen Energieversorgung. Bereits seit 2000 betreibt Andreas Kühl die Website energynet.de, die seit 2006 als Blog besteht.

 

„Wir brauchen für ein weiteres Wachstum der erneuerbaren Energien.“ – Andreas Kühl

Milk the Sun: Lieber Herr Kühl, das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Andreas Kühl: Natürlich möchten alle niedrigere Strompreise haben, das ist völlig verständlich. Daher muss eine Reform des EEGs zunächst einmal untersuchen, wo die Ursachen liegen für den Anstieg der EEG-Umlage. Die größten Brocken müssen dann jeweils diskutiert werden, ob sie aus dem Weg geräumt werden können oder nicht. Es gilt dabei auch zu beachten, welche Maßnahme hält das Wachstum der Erneuerbaren Energien weiter aufrecht. Die EEG-Umlage muss zudem endlich die realen Förderkosten der erneuerbaren Energien darstellen, was derzeit nicht der Fall ist.

Ob die jetzt beschlossenen Änderungen am EEG zu einer Senkung der Umlage beitragen, muss sich erst noch zeigen, wenn sie so umgesetzt werden wie geplant.

Wir brauchen für ein weiteres Wachstum der erneuerbaren Energien, zudem Möglichkeiten neue Märkte zu schaffen, wie zum Beispiel die Direktvermarktung von Ökostrom, jenseits der Strombörse. Das könnte der Eigenverbrauch für Solarstrom im Mehrfamilienhaus sein, genossenschaftliche Organisationen oder die Direktvermarktung des Ökostrom-Anbieters sein. Eine Umlage auf den Eigenverbrauch ist da nur kontraproduktiv.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Andreas Kühl: Das Wachstum in anderen Ländern, vor allem in großen Flächenstaaten, wie USA, China und Indien, aber auch in Japan, wird mit Sicherheit weiter zunehmen. Deutschland ist teilweise schon überholt worden. Man hat in diesen Ländern aber meistens große Anlagen und noch nicht einen so großen Anteil an kleinen, dezentralen Anlagen wie in Deutschland.

Milk the Sun: Derzeit werden am Drei-Länder-Eck zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland zwei riesige Offshore-Windparks gebaut, die durch den neuen Interkonnektor verbunden sein sollen. Die sogenannte „Kriegers Flak Combined Grid Solution“ soll als ein Pilotprojekt für zukünftige Windkraft-Offshore-Stromnetze dienen. Wie schätzen Sie diese Art von Projekten ein? Können sie einem solchen Führungsanspruch gerecht werden?

Andreas Kühl: Zum genannten Projekt kann ich nichts sagen, da weiß ich zu wenig darüber. In die Offshore-Windenergie wird eine große Hoffnung gesetzt. Vor allem die Anbindung an das Stromnetz ist eine große Herausforderung, die gemeistert und finanziert werden muss. Es wird sich dadurch vielleicht zeigen, ob Offshore-Windenergie in großem Maße zur Energiewende beitragen kann, oder ob sie vielleicht noch zu einem Kostentreiber wird.

Milk the Sun: Eine Studie der Deutschen Bank belegte erst kürzlich, dass die PV-Leistung bis 2015 weltweit enorm steigen solle und mit Anlagen von rund 56 Gigawatt Gesamtleistung zu rechnen sei. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem zunehmen. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem steigen. Wie realistisch schätzen Sie diese Prognose ein? Steht wirklich ein zweiter Goldrausch für die Photovoltaik bevor und wenn, wie wird Deutschland davon profitieren können?

Andreas Kühl: Mit jedem technischen Fortschritt  bei den Komponenten der Photovoltaik und bei den Produktionsprozessen wird die Photovoltaik immer günstiger. Heute schon ist Photovoltaik in vielen Anwendungsfällen günstiger als Netzstrom. Alleine dadurch kann ich mir einen weltweiten Boom der Photovoltaik sehr gut vorstellen.

Deutschland kann daran nur partizipieren, wenn es hier weiterhin innovative Unternehmen gibt, die an der Technologie arbeiten und sie weiter entwickeln. Wenn es aber hier keinen Markt mehr gibt, werden diese Unternehmen sich hier nicht mehr halten können.

 

Wir bedanken uns bei Andreas Kühl für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

Weitere Interviews und Artikel auf dem Milk the Sun Blog von und mit Andreas Kühl:

Meinung: Wir brauchen eine ganzheitliche Energiewende und kein Stückwerk
Vier Frage an … Andreas Kühl, Betreiber von energynet
Frühlingsgefühle – Stimmungsbild der Energiewendeblogger
Gastbeitrag: Energieeffizienz spielt eine tragende Rolle in der Energiewende

Vier Fragen an … Robert Doelling, Blogger und Experte für Erneuerbare Energien | Milk the Sun – Blog

Robert Doelling wurde 1976 geboren und studierte Marketing an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er engagiert sich privat als Energieblogger und schreibt regelmäßig für das Expertenportal energie-experten.org. Er ist Autor des Fachbuches „Information Performance – Wie aus Kunden die besten Vertriebspartner Ihres Unternehmens werden“ und leitet hauptberuflich die Social Media-Aktivitäten bei der Deutsche Auftragsagentur GmbH (DAA) in Hamburg. Herr Doelling betreut derzeit unter anderem die Portale solaranlagen-portal.com und heizungsfinder.de.

 

„Die Innovationsführerschaft der großen, deutschen Photovoltaikhersteller wurde politisch, aber auch durch den weltweiten Wettbewerb am Standort Deutschland bereits zunichte gemacht.“ – Robert Doelling

Milk the Sun: Lieber Herr Doelling, nach der Bundestagswahl 2013, den zähen Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung, wie bewerten Sie das Ergebnis im Gesamten? Wie sehen Ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung und vor allem an den neuen Superminister Sigmar Gabriel aus?

Robert Doelling: Ich hege gar keine Erwartungen mehr. Für mich ist die politische Energiewende zu einem respektlosen Hick Hack verkommen auf Kosten derjenigen Bürger und Unternehmen, die sich privat als auch wirtschaftlich für die Energiewende einsetzen. Dabei stört mich gar nicht Mal die Richtung selbst, die Energiewende politisch lenken zu wollen, sondern der Flickenteppich aus vorschnellen Entscheidungen, die keinerlei Sinn ergeben, aber der Energiewende, der Umwelt oder halt den Unternehmen der Erneuerbaren-Branche nur schaden. Nehmen Sie z. B. die Aufhebung des Verbots von Nachtspeicherheizungen, um diese als “Stromspeicher” nutzen zu können. Spricht davon noch irgendjemand? Nein. Nur die Konzerne können weiterhin Ihren Kohlestrom absetzen.

Milk the Sun: Das EEG gilt als eine der wichtigsten Baustellen der Energiewende. Was würden Sie sich bei einer Reform des EEG wünschen, beziehungsweise welche Baustelle halten Sie für die Drängendste?

Robert Doelling: Um ehrlich zu sein, sehe ich das EEG selbst nicht als Baustelle. Es gibt eine sinnvolle Degression, die z. B. letztes Jahr das geplante Ausbauziel an PV-Leistung auf den Punkt getroffen hat. Nachbesserungsbedarf besteht beim Netzausbau und bei den Ausnahmeregelungen der EEG-Umlage. Die Erneuerbaren sind eigentlich auf einem sehr guten Weg. Und wenn man über Marktintegration spricht, so sollte man auch über die gleichwertige Marktintegration der etablierten Energiekonzerne reden, die immer noch meinen, sie könnten sich jeglichem Fortschritt und Wettbewerb entziehen. Diese Strategie wird nämlich spätestens dann nach hinten losgehen, wenn die Erneuerbaren wirkliche Kostenparität erreicht haben. Die Erneuerbaren werden dann keine Förderung mehr benötigen und entziehen sich damit auch dem Zugriff politischen Reglements. Sind dann die Netze nicht auf die Erneuerbaren angepasst, wird es tatsächlich kompliziert werden, die Stromversorgung für ein Land wie Deutschland zu sichern. Um diese Baustellen sollte sich Sigmar Gabriel besser kümmern.

Milk the Sun: Die Branchen rund um die Erneuerbaren Energien sind schon seit langem zu einem ernstzunehmenden weltweiten Wirtschaftszweig angewachsen. Deutschland nahm in diesem Zusammenhang eine Vorreiterrolle ein, insbesondere auf dem Feld der Photovoltaik- und Solartechnologie aber auch bei der Windkraft. Steht zu befürchten, dass sich das in den kommenden vier Jahren ändert und man international von anderen Ländern nicht nur überholt, sondern abgehängt wird?

Robert Doelling: Also nimmt man die Innovationsführerschaft der großen, deutschen Photovoltaikhersteller, so steht nicht nur zu befürchten, dass diese Schaden nimmt, sondern sie wurde politisch, aber auch durch den weltweiten Wettbewerb am Standort Deutschland bereits zunichte gemacht. Mehrere 10.000 Arbeitsplätze sind bereits verloren gegangen, die man auch nicht mehr wiederbeleben kann. Die Windenergiebranche hat sich aus eigener Kraft frühzeitiger auf dem Weltmarkt etabliert und dazu Kooperationen oder auch das Investment internationaler Konzerne forciert. Hier stehen die Aussichten sicherlich besser, dass Deutschland für die Windkraftunternehmen ein relevanter Unternehmensstandort bleibt. Und glücklicherweise wird auch die aktuelle EEG-Politik da nicht allzu viel dran ändern können.

Milk the Sun: Eine Studie der Deutschen Bank belegte erst kürzlich, dass die PV-Leistung bis 2015 weltweit enorm steigen solle und mit Anlagen von rund 56 Gigawatt Gesamtleistung zu rechnen sei. Der Zuwachs von PV soll weltweit extrem zunehmen. Wie realistisch schätzen Sie diese Prognose ein? Steht wirklich ein zweiter Goldrausch für die Photovoltaik bevor und wenn, wie wird Deutschland davon profitieren können?

Robert Doelling: Das kann gut sein. Ich habe auf der Intersolar 2012 mit Arturo Herrero, Marketingchef bei Jinko Solar, ein Video-Interview führen dürfen. Darin prognostiziert er den Anfang der “Grid-Parity” zumindest in einigen Ländern für das zweite Halbjahr 2013. 2014 könnte sich dieser Effekt also durchaus umfänglicher durchsetzen. Das hat Arturo Herrero jedoch auf den internationalen Markt bezogen. In Deutschland wird das Jahr 2014 vermutlich noch große Enttäuschungen im PV-Bereich bereithalten. Alle diejenigen, die eine PV-Anlage als Renditeobjekt und diejenigen, die zumindest damit kein Geld verlieren wollen, werden sich im nächsten Jahr wohl weiter zurückhalten. Ich sehe aber Potenzial bei denjenigen, die sich mit einer PV-Anlage etwas unabhängiger vom Stromnetz und den hohen Strompreisen machen wollen. Diese Kundengruppe könnte die deutsche PV-Nachfrage in 2014 und 2015 stützen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Kundengruppe dann nicht auch noch zusätzlich beim Eigenverbrauch belastet wird.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Doelling für das Interview.

 

Im Rahmen der Fortsetzung der Interviewreihe „Vier Fragen an …“ stellt der Milk the Sun Blog führenden Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Medien vier Fragen zu den Erwartungen an die nationale und internationale Energiepolitik, die Energiewende und  die Reform des EEGs.

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Interview mit Peter Krenz vom brasilianischen IDEAL Institute

Peter Krenz, Solar Fund Verantwortlicher beim IDEAL Institut aus Brasilien, spricht im heutigen Milk the Sun Interview über die Situation des südamerikanischen Marktes für Erneuerbare Energien und die möglichen zukünftigen Entwicklungen.

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