Meinung: Solarmythen oder Die Disziplinlosigkeit und der drohende Stromausfall

Der Winter steht wieder einmal vor der Tür und wieder einmal drohen die Stromkonzerne mit Horrorszenarien. Das Gespenst des deutschlandweiten Blackouts wird beschworen und durch die Kanäle der Medienlandschaft getrieben. Am Ende ist das Schreckgespenst jedoch lediglich ein alters mottenzerfressenes Bettlaken, vor dem niemand Angst haben muss.

Die Angst vor einem deutschlandweiten Blackout verhindert logische Entscheidungen. iStockphoto.com©franckreporter

Die Chefs der großen Vier werden nicht müde zu betonen, dass nur der Erhalt der Rentabilität der traditionellen Kraftwerke die Versorgungssicherheit mit Energie gewährleisten und Schlimmeres verhindern kann. Kürzlich meldete sich zum Beispiel RWE-Chef Peter Terium in der Süddeutschen Zeitung zu Wort und betonte, dass er befürchte, dass es zu europaweiten Stromengpässen kommen könnte, wenn die Kraftwerke mangels Rentabilität abgeschaltet werden müssten.

Diese Art der Rhetorik beinhaltet zwei grundlegende Züge: Zum einen die subversive Verschreckung durch die Erzeugung von Horrorszenarien und zum anderen beinhaltet sie die Ursache und den Beweis für den Erfolg der Energiewende. Doch der Reihe nach.

Die Kontrolle durch Angst

Die ständige Betonung der großen Energiekonzerne, dass ein Verzicht auf ihre Kraftwerke sich negativ für die Verbraucher auswirken kann, ist im besten Falle unglaubwürdig. Im schlimmsten Falle skrupellos berechnend. In jedem Fall ist es unangenehm offensichtlich. Hinter diesen Äußerungen, die selten eine logische Argumentation beziehungsweise eine lösungsorientiere Situationserkennung aufweisen, geht es vorrangig um die Erzeugung eines Klimas der Angst. Angst ist in dieser Rechnung Kontrolle. Wo Angst existiert, verlassen sich Menschen auf den bestehende Status Quo. Der Erhalt des Status Quo ist für die großen Energiekonzerne in Deutschland (und global) gleichbedeutend mit ihrem Überleben. Aus diesem Grund werden so viele Horrorszenarien wie möglich erzeugt, um die Angst weiter anzuheizen.

Was diesem Vorgehen in die Hände spielt, ist die Unwissenheit. Es gibt niemanden, der genau vorher sehen kann, was exakt passieren wird. Jene Stimmen, die versuchen zu beruhigen, indem sie Zahlen und Statistiken liefern, die die Aussagen der Status Quo-Orientierten wiederlegen sollen, leisten ihren Beitrag zu einer Verwirrung, in deren Folge wiederum Unsicherheit entsteht. Diese Unsicherheit befeuert die gewollte Angst. Das heißt also, dass dem Ziel derer, die den Energie-Status Quo erhalten wollen, mit jedem Gegenargument in die Hände gespielt wird. Denn aus Sicht der einfachen Verbraucher, ist es nicht ersichtlich welche der beiden Seiten Recht behalten wird.

Die Gegenseite der Angst

Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren Stromengpässe, die nur durch die Mobilisierung der letzten Reserven überbrückt werden konnten. Es ist ein Fakt, dass Betreiber von alten Kohle- und Gaskraftwerken insgesamt weniger einnehmen, weil ihnen Wind-, Solar und Biogasanlagen Konkurrenz machen. Das wachsende Stromangebot drückt den Preis und das Geld, das eine verkaufte Kilowattstunde in die Kassen spült wird weniger. In der Folge nehmen die traditionellen Versorger Milliarden Euro weniger ein und erwirtschaften für einige Kohle- und Gaskraftwerke weniger als die laufenden Betriebskosten. Das in einem solchen Fall die unrentablen Kraftwerke abgeschaltet werden sollen, ist nur konsequent und auch gänzlich im Sinne der Energiewende.

Nicht gewollt ist natürlich ein bundesweiter Blackout. Doch dieser steht gar nicht bevor, wenn alle Seiten ihre Pflichten erfüllen. Wie Spiegel Online berichtet, liegt der Grund für die Beinaheblackouts in den letzten Wintern nicht etwa an der Unzuverlässigkeit der Erneuerbaren Energien, sondern an der Unzuverlässigkeit der Stromanbieter. Diese hielten nachweislich ihre Reserveverträge nur unzureichend ein und riskierten damit, dass in Notsituationen die Energie fehlen und die Lichter erlöschen würden.

Der Abwurf des Jochs

Eine konkrete Notwendigkeit zur Angst, dass der Strom knapp werden könnte, besteht demnach also für den Verbraucher nicht. Die Ressourcen sind vorhanden. Lediglich zwei Faktoren befördern das Bild der vermeintlichen Unsicherheit und diese Gründe sind eisensteinsche Städte. Stattdessen sehen wir eine Industrie, die versucht sich selbst zu erhalten, weil sie den Anschluss nicht geschafft hat, nicht schaffen will, oder nicht schaffen kann und daher den Geist der zukünftigen Weihnacht beschwört. Dieser Geist zeigt aber nur ein mögliches und kein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintretendes Szenario. Sicherlich ist die Gefahr eines Blackouts ebenso existent, wie die Gefahr von einem Auto überfahren zu werden, aber deswegen ist es ihr Eintreten noch lange nicht. Schließlich bleibt man auch nicht in seiner Wohnung sitzen nur aufgrund der Möglichkeit auf der Straße überfahren zu werden. Man hält sich an gewisse Regeln und achtet darauf, dass man keinem vorüber fahrenden Auto in den Kühler rennt. Und ebenso wie es notwendig ist seine Wohnung zu verlassen, um sich die für das Leben notwendigen Nahrungsmittel zu kaufen und die sozialen Kontakte zu unterhalten, ist es notwendig, die Energiewende durchzuführen und sich von umweltunverträglicher Energieversorgung zu lösen.

Die einzige wirkliche Alternative, um das Joch der Angst abzuwerfen, besteht also darin sich als Verbraucher vor Augen zu führen, wie die derzeitige Faktenlage aussieht: dass keine Gefahr besteht, solange sich alle Beteiligten an ihre Pflichten halten, dass Angst lähmt und Panik vermieden werden muss, da es sonst zu einer Entscheidungsunfähigkeit kommt, dass Konzerne ebenso wie Bürgervertreter und Interessensverbände, die versuchen ihre Verbraucher und Bürger mittels Horrorszenarien zu erpressen, nicht nur jegliche Glaubwürdigkeit, sondern vor allem jegliche Legitimation einbüßen. Wenn sich die Verbraucher also nicht von ihrer Angst leiten lassen, dann ist es möglich logische und schlüssige Entscheidungen zu treffen und sich jenseits von stumpfer Rhetorik einen sicheren Stand zu schaffen.

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