„Kohle und Atom, raus aus unsrem Strom!“ – Auf der Demo

„Kohle und Atom, raus aus unsrem Strom!“ – Auf der Demo

Schaufeln die Politiker der Energiewende ihr eigenes Grab?

Schaufeln die Politiker der Energiewende ihr eigenes Grab?

12.000 Demonstranten sind am 10. Mai in Berlin gegen die Energiepolitik der deutschen Bundesregierung auf die Straßen gegangen. 12.000 Demonstranten haben während ihrem fünf Kilometer langen Marsch durch das Regierungsviertel lautstark gegen Sigmar Gabriel und seine EEG-Novelle protestiert und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Das Aus von Kohle- und Atomstrom wurde vehement gefordert, die Bevormundung der energieintensiven Industrie stark kritisiert, die Gleichstellung und der Ausbau der Erneuerbaren Energien schnellstmöglich gefordert und die Ignoranz der Politiker heftig angegriffen. Zum Abschluss einer großartigen Demonstration trugen die Bands „Revolverheld“ und „Seeed“ mit einem kostenlosen Konzert und eigenen Worten ihren Teil zur Energiewende-Demo bei und verschafften der Stimme der Demonstranten noch einmal ordentlich Nachdruck. Das Volk muss gehört werden. Energiewende jetzt!

Das Volk wird auf der Demo eine Stimme für die Energiewende

Das Volk wird eine Stimme für die Energiewende

Es war ein schöner Tag, dieser Samstag am 10. Mai 2014. Die Sonne schien, obwohl Regen angesagt war. Als wolle Sie mitteilen: „Die Sonne ist für alle da – immer und kostenlos“. Sie war ein schönes Symbol im Rahmen der Demonstration, die an diesem Tag gegen die Energiepolitik der Regierung stattfand. 12.000 Menschen sind unter dem Motto „Energiewende nicht kentern lassen“ auf den Straßen und auf der Spree durch das Berliner Regierungsviertel flaniert um klarzustellen: Die Energiewende scheitert, wenn ihr (die Politiker) nicht endlich die Erneuerbaren Energien bedingungslos fördert und endlich einseht, dass uns Kohle- und Atomstrom nicht weiterbringen. Belastet nicht diejenigen, die Erneuerbare Energien unterstützen! Unter dieser Prämisse haben sich Energiegenossenschaften, Familien von jung bis alt, Straßenkünstler, Musiker und Einzelkämpfer zu einer Stimme vereint. Um für die Energiewende zu kämpfen und an die Vernunft der Politiker zu appellieren.

 

Alleine aus München im Namen und Interesse unserer Erde zur Demo angereist

Alleine aus München im Namen und Interesse unserer Erde angereist

„Wir haben nur eine Erde“

Sogar aus München waren Gegner der aktuellen Energiepolitik und Befürworter Erneuerbarer Energien angereist. Wir haben uns mit einem 24-jährigen Einzelkämpfer unterhalten, der mit dem Motto „Wir haben nur eine Erde“ angereist war.

Milk the Sun: „Auf deinem Plakat steht u.a. „Wir haben nur eine Erde“. Was ist deine Message heute?“

Einzelkämpfer: „Es ist ganz wichtig, dass wir unbedingt auf andere Energiequellen umsteigen, denn sonst haben wir irgendwann mal ein Problem. Alle 30 Jahre findet im Schnitt eine Atomkatastrophe statt, und die sind ganz, ganz schwer zu kompensieren, und wenn wir jetzt bald in der Antarktis auch schon nach Öl pumpen müssen, dann finde ich das ganz persönlich nicht so schön für unsere Erde.“

Milk the Sun: „Stell dir vor, ich wäre Sigmar Gabriel. Was würdest du mir jetzt sagen?“

Einzelkämpfer: „Denken Sie mal darüber nach, wie viele Erden und Leben wir haben.“

Milk the Sun: „Was sollen wir konkret verändern?“

Einzelkämpfer: „Wir müssen unbedingt in erneuerbare Energiequellen investieren und auf diese umsteigen. Jetzt noch Atom und Kohle zu subventionieren ist einfach nur falsch.“

Milk the Sun: „Dass Atom- und Kohlekraft nur noch negative Aspekte mit sich bringen ist allen klar. Was sagst du zu Fracking?“

Einzelkämpfer: „Fracking? Find‘ ich noch schlimmer! Wenn wir in die Erde bohren und dann noch chemische Stoffe reinpumpen, und dabei noch tausende, auch quatsch, Millionen Liter Wasser verschwenden, um ein bisschen Gas rauszupumpen, um das letztendlich in Strom zu verarbeiten, ist einfach nur Mist. Warum holen wir den Strom nicht einfach zum Beispiel aus Windrädern?

 

Ein politischer Diskurs mit lauter Musik und starken Parolen

Die Demonstranten bringen Ihre Stimme vor das Kanzleramt

Die Demonstranten bringen Ihre Stimme vor das Kanzleramt

Es herrschte gute Stimmung bei gutem Wetter unter den Aktivisten. Angeheizt durch die inspirierenden und modernen Redner auf den Bussen der Organisatoren „Campact!“ und dem Bundesverband Windenergie (BWE) gab es immer wieder gemeinsame Schlachtrufe und Flashmobs. „Stoppt den Deckel! Für Sonne und den Wind!“ war ein immer wieder auflebender Schlachtruf, dessen Aussage unter keinen Umständen fehlverstanden werden kann. Auf der Reise durch das Regierungsviertel, vorbei an den verschiedenen Gebäuden der Bundesländer, gab es immer wieder Informationen der Redner zu aktuellen Streitthemen und Ungereimtheiten im Bezug auf die Energiewende in den einzelnen Bundesländern. So gab es unter anderem Informationen über Ziele des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, die durch die „Deckelung“ der Regierung nicht erzielt werden können, Hintergründe der geplanten Sonnensteuer und viele weitere Hintergrundinformationen. Die Demonstration fungierte als ein kleiner politischer Diskurs, der einem die Problematik hinter der kurz vor dem Scheitern stehenden Energiewende leicht veranschaulichte. Um jedoch nicht zu trocken zu wirken, gab es immer wieder laute und bassgeladene Musik, die die Menschenmenge aufheizte und mit neuer Energie versorgte. „Wir lassen uns nicht unterkriegen von einem System mit Dinosaurier-Technologie!“ Starke Slogans, gefolgt von starken Bässen der fetzigen Musik. „So sollte Politikunterricht in der Schule auch sein“, hörte ich sogar einen Jungen sagen.

 

„Kehren Sie zurück zu alten SPD-Traditionen“

Die Message der Teilnehmer ist eindeutig: Erneuerbare Energien statt Kohle und Atom!

Die Message der Teilnehmer ist eindeutig: Erneuerbare Energien statt Kohle und Atom!

Die Energiewende wird als „größtes Projekt unserer Zeit“ betitelt. Sie soll für eine saubere und regenerative Energiegewinnung sorgen und das Klima schützen. Wer allerdings glaubt, die Energiewende wäre ein modernes Thema, dem sich nur junge Leute anhängen, hat sich getäuscht. Wir haben uns mit einer Rentnerin, 65, unterhalten, die aktiv mitdemonstrierte und einen Schritt in Richtung der alten SPD-Traditionen fordert.

Milk the Sun: „Wie ist Ihr Stand heute zur Energiewende-Demo?“

Rentnerin, 65: „Von der Energiewende-Demo bin ich sehr begeistert, es sind heute etwa 16.000 Menschen hier dabei und ich denke, diese Stimme pro Erneuerbare Energien kann nicht mehr ignoriert werden. Ich hoffe, dass es falls notwendig noch viele mehr solcher Demos geben wird.“

Milk the Sun: „Wenn Sie die Chance hätten, Sigmar Gabiel etwas zu sagen, was würden Sie Ihm mit auf den Weg geben wollen?“

Rentnerin, 65: „Kehren Sie zurück zu den SPD-Traditionen! Ich bin sehr entsetzt, wie er sich in letzter Zeit an die Industrie herangenähert hat und wirklich das Volk vergisst.“

Milk the Sun: „Tragen Sie selber zur Energiewende bei?“

Rentnerin, 65: „Ich hoffe, dass ich etwas dazu beitrage. Ich beziehe meinen Strom von LichtBlick, fahre kein Auto sondern Öffentliche oder Fahrrad… oder indem ich mich zum Beispiel hier engagiere.“

Milk the Sun: „Wie sehen Sie die Chancen, dass mit so einer Demo wirklich das Gewissen der Politiker erreicht und somit zum Nachdenken  angeregt wird, und sich vielleicht wirklich was ändern könnte?“

Rentnerin, 65: „Die Chancen stehen sehr gut. Die Politiker werden auf jeden Fall darüber nachdenken, was sie machen, und sie können es vor allem nicht mehr unbehelligt machen. Ich glaube wir erreichen schon ihr Gewissen und ich hoffe, dass dieses Gewissen auch steht.“

Milk the Sun: „Wir sehen hier heute ganz schön, das Volk hat und ist eine gemeinsame Stimme. Mit welchem Satz  würden Sie Ihre Stimme beschreiben?“

Rentnerin, 65: „Es MUSS eine Änderung stattfinden, es MUSS das Volk gehört werden und vor allen Dingen MUSS die Energie zukunftsgerecht sein.“

 

Menschen aus ganz Deutschland mit ganz eigenen Formen des Protests

Es war schön an diesem sonnigen Tag, die Vielfalt der Menschen zu sehen, die für ein gemeinsames Ziel kämpfen. Menschen aus der Umgebung oder von ganz weit weg. Menschen mit vielen verschiedenen Ideen, ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. Ob selbstgestaltete Plakate, skurrile Kostüme oder gar spontan inszenierte Diskussionen über politische Streitthemen. Wer was zu sagen hatte, der tat das auch – und zwar mit Nachdruck. Ganz provokant tat dies eine Gruppe von Menschen, verkleidet als Feen, Tagebau-Kumpel und Hochofen-Arbeitern. Mit selbstgebastelten Kohle-Briketts aus Schaumstoff warfen und traten die Tagebau-Kumpel nach den Feen, die Hochofen-Arbeiter in schaurigen, schwarzen und gruseligen Kostümen schlugen mit Eisenstäben nach ihnen. Nach einer Weile der Angst entschlossen wir uns, diese Gruppe auf ihre extravagante Art des Protests anzusprechen.

 

„Lasst die Erneuerbaren Energien sich auch erneuern!“

Skurrile Kostüme - klare Aussagen

Skurrile Kostüme – klare Aussagen

Milk the Sun: „Ihr seid angsteinflößend. Wer seid ihr?“

Gruppe: „Wir sind Straßen- und pro-forma-Künstler aus der Lausitz. Wir sind politisch engagiert and we hold up the mirror on society and try to bring to ponder!“ (Wir halten der Gesellschaft einen Spiegel vor und versuchen, zum Nachdenken anzuregen).

Milk the Sun: „Während der ganzen Demo tretet ihr schon selbstgebastelte Kohle-Briketts durch die Gegend, gegen die Menschen und eine schöne Fee. Was wollt ihr damit signalisieren?“

Gruppe: „Wir sind für den Stopp der Braunkohleförderung in Brandenburg, weil die Bürger und die Kultur dadurch immer wieder aufs Neue vertrieben werden und am Ende einfach nur ausgelaugte schwarze Erde hinterlassen wird.“

Milk the Sun: „Was ist eure Message für heute?“

Gruppe: „Schluss mit nicht erneuerbaren Energien – und lasst die erneuerbaren Energien sich auch erneuern!“

Milk the Sun: „Gibt es etwas, das ihr der Regierung gerne sagen möchtet?“

Gruppe: „Menschen und alt eingesessene Familien verlieren an der Lausitz schon seit Jahrzehnten immer wieder ihren Boden und ihre Identität. Diese Menschen werden vom Kohlebau vertrieben und sollen sich immer und immer wieder woanders etwas Neues aufbauen. Das ist einfach nur menschenverachtend und was bleibt immer nur übrig? Einöden mit NICHTS! Das ist der Anfang vom Ende und wenn man in die Lausitz geht, sieht man kilometerweit NICHTS – und da waren Menschen – und immer wieder sind diese Menschen vertrieben worden. Das ist einfach gegen die menschliche Seele.“

„So wie es jetzt aussieht, verzögert die Energiewende nur das Ende. Lasst uns gemeinsam unserem Konsum und den Verbrauch minimieren, bevor wir vor uns als Menschen die Achtung verlieren.“

 

Und dann waren da noch Seeed und Revolverheld auf der Demo

Seeed und Revolverheld als großes Finale einer großen Demonstration

Seeed und Revolverheld als großes Finale einer großen Demonstration

Wir haben heute großartige Menschen auf einer großartig geplanten und durchgeführten Demonstration durch das Berliner Regierungsviertel getroffen und sind froh, ein Teil davon gewesen zu sein. Doch was wäre eine großartige Demonstration ohne ein großartiges Ende, welches der Stimme des Volkes gegen die Regierung noch einmal richtig Nachdruck verleiht?

Zum großen Finale gab es noch einmal Reden von Politikern und Veranstaltern, ehe zwei Berliner Bands das Rampenlicht betraten. Seeed und Revolverheld hauten noch einmal 90 Minuten lang auf die Pauke und gaben ihre erfolgreichsten Songs mit einem Elan und einer Selbstverständlichkeit zum Besten, dass allen Beteiligten klar war: Wir haben auch Prominenz auf unserer Seite, unsere Stimme wird damit noch lauter und viel wichtiger noch: Wir werden gehört!

Die Demo abgeschlossen hat Peter Fox, Frontmann von Seeed, mit folgenden Worten: „Macht immer weiter so. Doch seid nicht nur sauer auf die Politiker. Jeder fasst sich hier auch bitte mal an seine eigene Nase. Tschüss, Berlin!“

Das Fazit des Abends kam allerdings von Campact!, den Organisatoren der Energiewende-Demo: „Die Belastung des Eigenverbrauchs von selbsterzeugtem Solarstrom ist wie, als würde man eine Mehrwertsteuer auf den Verspeis von eigens im Garten angepflanzte Tomaten erheben!“

Die Sonne schien inzwischen nicht mehr. Sie hat ihren Soll für diesen Tag mehr als erfüllt. Dafür wehte der Wind gegen Ende des Abends. Eine weitere Ressource der erneuerbaren Energien. Sie stehen nie still und sind für alle da. Immer und kostenlos.

Manuel Gonzalez Fernandez

Manuel Gonzalez Fernandez, 28, Journalist, PR-Manager und Blogredakteur bei Milk the Sun. >>I’d put my money on the sun and solar energy. What a source of power! I hope we don’t have to wait until oil and coal run out before we tackle that.<< - Thomas Edison

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