Die MtS-Wochenschau KW 02/03: Grüne News aus Politik, Wirtschaft und PV-Branche

Die Themen der Wochenschau für die KW 02/03 sind unter anderem: Der Kälteeinbruch in den USA, die drohende Pleite des AKW-Betreibers Trepco, die geplante Neuregelung für Erneuerbare Energien in Polen, der Anstieg der Materialkosten für Solarzellen, Chinas Pläne für die Solar – und Windkraftindustrie, der Anstieg der Strompreise, die Erpressung der eigenen Anleger durch Prokon, die Zunahme der Kohlekraft und die Pläne zur Energiewende auf Kredit.

In der MtS-Wochenschau liefert Milk the Sun einen regelmäßigen Überblick über einige der wichtigsten Ereignisse der vergangenen Woche. (C) Photo by Satoru Kikuchi, CC-Attribution, Bestimmte Rechte vorbehalten

USA: Polarer Vortex bringt Kältewelle nach Chicago, New York und den Mittleren Westen

Die Kältewelle in den USA hat in weiten Teilen des Landes für arktische Temperaturen gesorgt. Winterstürme hatten über Tage insbesondere den Norden und den Mittleren Westen im eisigen Griff. Bei polaren Temperaturen und einem Temperaturabfall von teilweise um mehr als dreißig Grad Celsius in 24 Stunden rieten Meteorologen von unnötigen Ausflügen ab. Binnen weniger Minuten sei mit Erfrierungen ungeschützter Hautpartien zu rechnen gewesen. In einigen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Mittlerweile hat sich die Lage allerdings wieder entspannt. Verantwortlich für diesen extremsten Kälteeinbruch seit fast 20 Jahren sei der aus dem Gleichgewicht geratene Polare Vortex.
The New York Times, Huffington Post, Süddeutsche Zeitung (07.01.), Süddeutsche Zeitung (06.01.)

Atomkraftwerk Fukushima: AKW-Betreiber Trepco vor der Pleite

Der Betreiber des havarierten Atomkraftwerk Fukushima steht offensichtlich kurz vor der Pleite. Nun soll die japanische Regierung einspringen und den revidierten Geschäftsplan Trepcos annehmen. Dieser neue Business-Plan ist notwendig geworden, da die Kosten für die Entschädigungszahlungen von 160 000 durch die Havarie des AKW Fukushima betroffenen Anwohner und die Aufräumarbeiten am Unglücksort zunehmend Geld verschlängen, das Trepco nicht hat. Hinzu kämen die jährlich anfallenden hohen Brennstoffkosten, die durch die Kohle-, Öl- und Gasimporte für Trepcos konventionelle Kraftwerke entstünden. Diese waren nach der Abschaltung der AKW notwendig geworden. Tepco hofft nun durch den vorzeitigen (Teil-)Neustart seines größten Nuklearkomplexes im Juli des Jahres bis zu 700 Millionen Euro Brennstoffkosten einsparen zu können. Der Neustart muss erst durch die japanische Regierung bewilligt werden.
Frankfurter Rundschau

Polen: Neue Regelungen für Photovoltaik und Erneuerbare Energien geplant

Für die Photovoltaik in Polen sind neue Regelungen geplant. Laut der zuständigen Regierungsbehörden sollen durch die Neuregelungen niedrigere Strompreise erreicht und EEG-Umlagen, wie sie in Deutschland üblich sind, vermieden werden. Kritiker sehen in dem neuen Gesetzesvorstoß die Handschrift der Kohlelobby. Ihre Kraftwerke würden bevorzugte Behandlung erfahren und die anderen erneuerbaren Energien aus dem polnischen Strommarkt verdrängen.
Milk the Sun Blog

Photovoltaik: Anstieg der Materialkosten könnte Solarzellenpreise ansteigen lassen

Wie die Abteilung EnergyTrend des Unternehmens TrendForce berichtet, dass der Anstieg der Materialkosten und Nachfrage für multikristalline Siliziumwafer und Polysilizium zu einem Anstieg der Preise für PV-Solarzellen führen könnte. EnergyTrend zeigte auf, dass der Preis für ein Kilogramm Polysilizium Ende 2013 bei 18 US-Dollar lag. Im Juli des letzten Jahres bewegte er sich noch bei 16,32 US-Dollar pro Kilo. Für den Januar diesen Jahres sagt ET einen Anstieg des Preises auf 19-20 US-Dollar voraus.
SolarServer

China: Heimische Solarindustrie soll weiter gestützt werden

Die Regierung in China hat beschlossen, angesichts einer steigenden Überkapazität und sinkender Preise an den PV-Märkten, die nationale Solarindustrie auch weiterhin zu unterstützen. Dazu wurde eine Liste von 109 Photovoltaikunternehmen veröffentlicht, die künftig weiterhin auf Förderung aus Peking setzen können. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte kürzlich gemeldet, dass chinesische Unternehmen aufgrund internationaler Überkapazitäten und sinkender Marktpreise für Photovoltaik unter immer stärkeren internationalen Konkurrenzdruck geraten seien. Zusätzlich zu der Förderung der Unternehmen sollen auch dezentrale, nicht ans Netz angeschlossene PV-Anlagen weiter subventioniert und die Entwicklung von Batteriespeichersystemen vorangetrieben werden.
pv magazine

Windkraft: China plant massiven Ausbau der Windkraftanlagen

Laut einem Bericht der BBC arbeitet China derzeit an dem weltweit größten Erweiterungsprogramm für die Windkraftbranche. China ist bereits der weltweit größte Produzent von Windkraft plant allerdings einen erneuten massiven Ausbau. Ziel sei die Produktion von 200 Gigawatt aus Windkraft im Jahr 2020. Derzeit produziert das Land der Mitte gerade mal 75 GW und decke damit lediglich zwei Prozent des Gesamtenergiebedarfs des Landes. Dies soll sich unter anderem auch durch technische Innovationen ändern. Es sei geplant, die zukünftigen Anlagen günstiger im Bau und einfacher in der Wartung zu gestalten und dadurch nicht mehr auf die Importe aus Europa angewiesen zu sein; denn bisher verlassen sich die chinesischen Windanlagenbetreiber vornehmlich auf diese.
BBC

Energiepreise: Konventionelle Stromanbieter erhöhen Preise

Zum Jahreswechsel stieg der Strompreis laut dem Vergleichsportal Verivox um durchschnittlich drei Prozent. Betroffen hiervon sind insbesondere Kunden von konventionellen Stromanbietern. Diese erhöhten ihre Preise trotz der sinkenden Beschaffungskosten. Diese sind im vergangenen Jahr um 14 Prozent gesunken, wurden allerdings durch die steigenden EEG-Umlagen ausgeglichen. Im Konkreten bedeutet der Anstieg einen Haushaltsstrompreis von 28, 28 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Haushalt mit Jahresverbrauch von rund 4 000 Kilowattstunden beliefe sich der Strompreis damit bei rund 1 131 Euro. Zum Vergleich: Der bisherige Strompreis bei gleichem Verbrauch lag im letzten Jahr noch bei 1 091 Euro. Lediglich die Ökostromanbieter haben ihre Arbeitspreise nicht angezogen.
photovoltaik, iwr

Windkraft: Anbieter Prokon erpresst Anleger

Der Windkraftanbieter Prokon droht seinen Anlegern mit der Insolvenz, wenn diese nicht vorerst auf eine Rückzahlung ihres Geldes verzichten würden. Das Ökostromunternehmen von Firmenchef Carsten Rodbertus könnte ansonsten bis Ende Januar zahlungsunfähig sein. Es wäre eine der größten Pleiten am sogenannten Grauen Kapitalmarkt und würde mehr als 75 000 Menschen um ihr Geld bringen. Verbraucherschützer warnen bereits seit Jahren vor dem Unternehmen, das mit großem Werbeaufwand und hohen Renditen für sich wirbt. Nach eigenen Angaben mehr als erfolgreich: Insgesamt soll das Unternehmen bisher 1,4 Milliarden Euro zusammenbekommen haben. Nun scheint es so, als ob das Unternehmen die hohen Renditeversprechen nicht halten kann.
Süddeutsche Zeitung

Energiewende: Kohlekraft nimmt zu

Laut neuesten Zahlen hat die Gewinnung von Energie aus Kohle im letzten Jahr einen Aufschwung erlebt. Demnach soll so viel Strom von Kohlekraftwerken produziert worden sein, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Schuld seien die günstigen Verschmutzungszertifikate im EU-Emissionshandel. Diese Entwicklung sei lediglich durch eine Reform des bisherigen Systems aufzuhalten, anders sei ein wirksamer Klimaschutz nicht zu verwirklichen. Was bleibe sei ein Paradox: Trotz dem steigenden Ausbau und der Subvention von Solar- und Windkraftwerken steige die CO2-Verschmutzung durch Kohlekraftwerke. Kritiker sehen damit die Glaubwürdigkeit Deutschlands in den Fragen des Klimaschutzes und der Energiewende auch international beschädigt.
Spiegel-Online, FAZ, Handelsblatt

CSU: Aigner will die Energiewende auf Pump

Streit in Bayern? Die bayrische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will die Energiewende in ihrem Bundesland zukünftig mit Kreditaufnahmen finanzieren. Ihr Parteichef Horst Seehofer ist strikt dagegen. Aigner ihrerseits widerspricht Seehofer heftig: Ihr Plan die Energiewende zukünftig auf einen 72-Milliarden-Fonds zu stützen, sei ein gangbarer Weg, den Ökostromausbau zwischen zu finanzieren und den Verbraucher nachhaltig zu entlasten. Der Fixbeitrag, den Verbraucher zukünftig zahlen müssten, würde sich nur noch an dem tatsächlichen Verbrauch orientieren. Seehofer beharrt darauf keine neuen Schulden machen zu wollen. Mittlerweile haben sich die anfänglichen Wogen allerdings schon wieder geglättet. Seehofer fordert nun ein schnelles Handeln von Energieminister Gabriel (SPD) und sichert ihm für seine Reform der Energiewende die nötige Unterstützung von Seiten der CSU zu.
Süddeutsche Zeitung (04.01.), energiezukunft.eu, Süddeutsche Zeitung (07.01.), Handelsblatt

 

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