Solar in Deutschland Posts

Bundesverband Energiespeicher BVES gegründet

Der wachsende Bedarf an Energiespeichern durch die Energiewende hat zur Gründung eines neuen Spitzenverbandes zur Weiterentwicklung der Energiespeicherung geführt. Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) vertritt die wachsende Branche und soll zum schnelleren Aufbau eines stabilen Energiespeichermarkts auch für nachhaltige Energiequellen wie der Photovoltaik in Deutschland sorgen.

Bundesverband Energiespeicher vereint EnergiespeicherunternehmenEnergiespeicher notwendig um Versorgungssicherheit zu gewährleisten

Energiespeicherunternehmen erleben aufgrund der Energiewende einen Aufschwung. Grund dafür ist die wachsende Notwendigkeit, Energiespeicher gezielt einzusetzen, um Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Ende September des vergangenen Jahres wurde deshalb der Bundesverband Energiespeicher (BVES) mit Sitz in Berlin gegründet. Ziel des Verbandes ist es, die wichtigen Entscheidungsträger der Branche zusammenzubringen und die Marktentwicklung durch ein enges Kontaktnetzwerk voranzutreiben.

Gründungspräsident des Verbandes, Prof. Dr. Eicke R. Weber,  gleichzeitig Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie und Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg. „Unser Verband sieht seine Mission darin, die Energiespeicherung als Energieressource neben der konventionellen und erneuerbaren Erzeugung zu etablieren, um eine effizientere, verlässlichere, preisgünstigere und sicherere Energieversorgung zu fördern. Um diese Vision zu erfüllen, wollen wir den Aufbau eines stabilen Energiespeichermarkts in Deutschland fördern, der dann auch als Modell für weitere Märkte in Europa und anderen Länder weltweit dienen wird.“, so Prof.Dr. Weber.

BVES koordiniert gemeinsame Entwicklungsaktivitäten

Zur Mitgliedschaft eingeladen sind diejenigen Unternehmen, die in die Herstellung, Planung, den Verkauf und den Betrieb von Energiespeicherlösungen involviert sind. Im Blickpunkt des Interesses der Verbandsgruppe steht die Weiterentwicklung der Energiespeicherung über Politik, Bildungsarbeit, Beratung und Forschung. Der BVES steht dabei auch für unternehmensübergreifende Koordination gemeinsamer Entwicklungsaktivitäten zur Nutzung und Anwendung von Energiespeichern. Dazu plant der Verband zunächst die Erstellung einer „Energiespeicher Roadmap“, in der eine klare Position zur Rolle der Energiespeicher in Bezug auf die Energiewende in Deutschland bezogen werden soll. Die erste Mitgliederversammlung findet am 19. März 2013 in Düsseldorf im Rahmen der Energy Storage Konferenzmesse statt.

Geschäftsführer des BVES ist Dr. Harald Binder, der zuletzt als Vice President und General Manager von Applied Matierals tätig war. Derzeit ist Dr. Binder, der 2010 eine Beratungsfirma gründete, für verschiedene Mandate in der Solar-, Energiespeicher- und Halbleiterindustrie verantwortlich. Zudem ist Dr. Binder aktives Mitflied des Kuratoriums des Instituts für Mikroelektronik (IMS) in Stuttgart als auch Vorsitzender der SEMI Europe PV Group.

Quelle: Bundesverband Energiespeicher

Photovoltaik-Anlagen-Recycling: Interview mit Wilfried Taetow vom PV Cycle

Die Photovoltaik-Branche erlebt weltweit einen Zuwachs an Kunden und Freunden. Die Stromgewinnung aus Solaranlagen wird immer effizienter, die Kosten immer geringer. Doch ein Problem, das nur selten seinen Weg in die Öffentlichkeit findet, ist die Frage nach dem danach. Was passiert eigentlich mit veralteten Photovoltaik-Anlagen? Milk the Sun sprach mit Wilfried Taetow, Präsident der Non-profit-Organisation PV CYCLE.

Solaranlagen lassen sich gut recyclen, sagt der Präsident des PV CYCLEMilk the Sun: Sehr geehrter Herr Taetow, was ist eigentlich der PV CYCLE?

Taetow: PV Cycle ist eine Industrievereinigung, die 2007 mit dem Ziel gegründet wurde die PV-Alt­mo­dule seiner Mitglieder sachgerecht und auf nachhaltige Weise in ganz Europa zu sammeln und zu recyceln. Die Mitglieder von PV CYCLE übernehmen damit schon heute freiwillig die Verpflichtungen der Her­steller, die erst im kommenden Jahr zur gesetzlichen Pflicht werden wird.  Seit Beginn der aktiven Sammlung im Juni 2010 konnten europaweit bereits über 5.000 Tonnen PV-Altmodule gesammelt und recycelt werden. PV CYCLE repräsentiert heute mit über 250 Mitgliedern rund 90 Prozent des Euro­pä­ischen PV-Markts und bietet Rücknahme- und Recyclinglösungen für alle heute existierenden PV-Technologien. PV CYCLE ist das führende Rücknahme- und Recyclingprogramm speziell für PV-Module in Europa und ist in allen EU- und EFTA Staaten aktiv.

Milk the Sun: Wie finanziert sich ein solches Projekt?

Taetow: Alle Rücknahme- und Recyclingdienstleistungen, die wir kostenfrei dem Besitzer von PV-Altmodulen unserer Mitglieder anbieten, werden von unseren Mitgliedern, also den Herstellern oder Importeuren der Module, finanziert.

Milk the Sun: Welche Vorteile hat PV CYCLE gegenüber der eigenen Entsorgung der Photovoltaik-Anlage

Taetow: Der Vorteil unseres Rücknahme- und Recyclingdienstes besteht in der flächendeckenden Sammlung von PV-Altmodulen in ganz Europa und einer Vielzahl an langjährig getesteten Recyclinglösungen für alle PV-Technologien. Als einziges Rücknahme- und Recyclingprogramm bieten wir sowohl fixe Sammelstellen – zum jetzigen Zeitpunkt rund 280 in ganz Europa – als auch einen Direkt-Abholdienst für Mengen ab 40 PV-Modulen. Die Module müssen vom De-Installateur einfach nur abmontiert und entsprechend der Menge entweder bei einer unserer Sammelstellen abgeliefert oder für den Abtransport durch unsere Spediteure vorbereitet werden. Für den Modulbesitzer entstehen keinerlei Zusatzkosten für die Entsorgung ihres PV-Modulabfalls und die Besitzer können sicher sein, dass die Module fachgerecht und nach bester verfügbarer Technik recycelt werden.

Milk the Sun: Was genau passiert mit Anlagen, die von PV CYCLE abgeholt werden?

Taetow: Nach der Sammlung der ausrangierten PV-Module werden diese zu einem unserer Recyclingpartner geliefert und dort weiter behandelt. Je nach eingesetzter PV-Technologie  werden PV-Module entweder bei eigens geschaffenen Spezial-Recyclingbetrieben oder bei bestehenden Flachglas­recyclern bearbeitet. Als Resultat wird Glas, Aluminium, Kupfer aber auch eine Reihe verschiedener Halbleitermaterialien zurückgewonnen. Diese recycelten Materialien werden von den Recycling­unternehmen als Sekundärrohstoffe weiterverkauft und können dann für die Produktion von neuen Produkten verwendet werden.

Ausgemusterte SolarmoduleMilk the Sun: Sind die Baustoffe einer Solaranlage vollständig recyclebar? Welche Abfallstoffe können nicht wiederverwertet werden?

Taetow: PV CYCLE sammelt und recycelt die PV-Module. Andere elektrische Komponenten einer PV-Anlage, wie z.B. die Inverter unterliegen bereits heute den nationalen WEEE-Gesetzen und müssen von den entsprechenden Herstellern gesammelt und entsorgt werden.

Die von unseren Partnern eingesetzten Recyclingtechnologien können bereits heute einen großen Prozentsatz des Glases, der Metalle sowie bestimmter Halbleitermaterialien, zurückgewinnen. Selbst die Anschlussboxen und -Kabel werden recycelt. Im Schnitt können zwischen 80 und 90 Gewichtsprozent eines PV-Moduls recycelt werden.

Milk the Sun: Gibt es für die Umwelt besonders schädliche Reststoffe in Photovoltaik-Anlagen?

Taetow: Alle heute verwendeten PV-Module wurden sowohl während des Betriebs als auch bei deren Entsorgung als sicher für Mensch und Umwelt eingestuft. PV CYCLE arbeitet nur mit Recycling­partnern, die sicherstellen, dass beim Recycling keine gefährlichen Stoffe in die Umwelt gelangen.

Milk the Sun: Bis spätestens zum 1. Quartal 2014 müssen laut photovoltaik.eu alle EU-Länder das nationale Recht auf die europäische WEEE-Richtlinie zur Entsorgung von Elektronik-Schrott angepasst haben. Was sind die Hauptaspekte dieser Richtlinie und warum ist sie für PV-Anlagen notwendig?

Taetow: Das ist richtig.  Die im Sommer 2012 verabschiedete neue WEEE-Richtlinie verpflichtet die EU-Staaten bis Februar 2014 diese Richtlinie in nationale Gesetze umzusetzen. Neben zahlreichen anderen Änderungen spezifiziert die neue Richtlinie erstmals PV-Module als Elektrogeräte. D.h. dass in Zukunft für die Hersteller oder Importeure von PV-Modulen die gleichen Verpflichtungen gelten wie für die Hersteller von anderen Elektrogeräten. Zu den wesentlichen Verpflichtungen zählen die Registrierung, die kostenlose Rücknahme und Entsorgung der Altgeräte, die Kennzeichnungspflicht und das regelmäßige Reporting.

Milk the Sun: Erwarten Sie gravierenden Änderungen für das Recyclen von Solaranlagen in den kommenden Jahren?

Taetow: Das Recycling von PV-Solarmodulen ist eine relativ junge Branche und die gesammelten Mengen sind noch relativ klein. Allerdings sind die in fernerer Zukunft zu erwartenden Mengen erheblich. So wurden in den Jahren 2011 und 2012 jeweils ca. 750.000 Tonnen PV-Module allein in Deutschland installiert. Wir schätzen, dass in Deutschland ca. 3,2 Millionen Tonnen PV-Module existieren, die irgendwann zum Abfall werden. Es ist zu erwarten, dass mit Zunahme der gesammelten Mengen die Recyclingunternehmen in Verbesserung und Optimierung ihrer Technologie investieren werden. PV CYCLE  unterstützt aktiv solche Fortentwicklungen in der Recyclingtechnologie. Bereits heute können zwischen 80 und 90 Prozent eines PV-Moduls recycelt werden.  Eine weitere Steigerung der Recyclingquote dürfte bei entsprechenden Mengen möglich sein.

Abholbereite Solarmodule vor einer PV-Anlage Milk the Sun: Welche Aspekte im Hinblick auf die Entsorgung der Module sollte ein Investor beachten, wenn er eine PV-Anlage baut oder kauft?

Taetow: Der Abbau der PV-Anlage am Ende der Nutzungsdauer sowie die fachgerechte Entsorgung der PV-Module sollten bereits beim Bau bzw. Erwerb einer Anlage berücksichtigt werden. Der Eigentümer sollte wissen, für welche Pflichten, Leistungen und Kosten er zuständig ist und welche Pflichten, Leistungen und Kosten ggf. von dem Modul-Hersteller übernommen werden.  So sollte jedem Eigentümer bewusst sein, dass PV-Module in Zukunft Elektrogeräte sind, die keinesfalls in den Hausmüll oder auf die Bauschutt-Deponie gehören.

Die neue WEEE-Richtline bzw. die zukünftigen nationalen Gesetze verpflichten den Hersteller (bzw. Importeur)  der Module zur Sammlung und Entsorgung.  Allerdings sollte vorher genau geprüft werden auf welche Art und Weise der Hersteller der Module dieser Verpflichtung nachkommen wird. Es empfiehlt sich daher den Hersteller der Module zu kontaktieren und um konkrete Auskunft zu bitten.

Im Vergleich zum Recycling wird der Aspekt der Sammlung häufig unterschätzt. Dabei fallen mehr als die Hälfte der Entsorgungskosten für die Sammlung und den Transport an.  Es sollte deshalb genau geprüft werden, wo und auf welche Weise der Hersteller plant, seiner Sammelpflicht nachzukommen.  Ein Verweis auf die öffentlichen Sammelstellen für Elektro-Altgeräte (Wertstoffhöfe) erscheint mir dabei nicht ausreichend, wenn es sich um PV-Anlagen mit vielleicht Tausenden von Modulen handelt.

Milk the Sun: Gibt es besondere Aspekte für PV-Anlagen im Ausland?

Die Rücknahme und die Entsorgung der PV-Module werden zwar in der WEEE-Richtlinie von den Modul-Herstellern gefordert.  Allerdings regeln die einzelnen EU-Staaten diese Verpflichtungen sehr unterschiedlich. Es ist deshalb sehr ratsam sich über die jeweilige Gesetzeslage und deren praktische Umsetzung, insbesondere was die Sammlung betrifft, genau zu informieren. Leider sind die Vorschriften und Regeln in den Staaten der EU so unterschiedlich, dass man keine generelle Antwort geben kann.

 

Milk the Sun bedankt sich bei Herrn Taetow für das Interiew.

Solarboom trotz Förderkürzungen

Laut Bundesnetzagentur wurden Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von über 7.300 Megawatt (MW) in den Monaten Januar bis November des vergangenen Jahres an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, mehr als je zuvor zu diesem Zeitpunkt. Damit könnte 2012 trotz Kürzungen der PV-Förderungen das Rekordjahr 2011 (7.500 MW) noch übertreffen.

Dass die Zielvorgabe der Bundesregierung (2.500 bis 3.500 MW) damit zum dritten Mal in Folge deutlich übertroffen wurde, spiegelt sich auch in der gestiegenen EEG-Umlage wieder. Diese finanziert die garantierten Förderungen für neue Photovoltaikanlagen.

EEG-Umlage macht den Kunden zu schaffen

iStockphoto.com©Ulrich Knaupe

Solarstrom vor Windstrom

Die Leistung der Solaranlagen in Deutschland summierte sich damit nach den Daten der Bundesnetzagentur Ende November auf 32.059 MW. Damit liegt die Stromgewinnung aus Photovoltaik gemessen an der installierten Kapazität vor der Windenergie, die auf geschätzte 31.200 MW kommt. Da aber die Bedingungen für Windkraft in Deutschland etwas besser sind als für Solarenergie ist die tatsächliche Ausbeute bei der Windkraft noch höher.

Der Bundesverband Solarwirtschaft berichtet derweil, dass 2012 rechnerisch der Stromverbrauch von acht Millionen Haushalten durch die 1,3 Mio. PV-Anlagen gedeckt wurde, was einem Zuwachs von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.  Bis zum Jahr 2030 soll der Solarstromanteil, der derweil bei knapp 5 Prozent liegt, auf mindestens 20 Prozent anwachsen.

 

Quelle: faz.net

Prof. Dr. Jarass: „Netzentwicklungsplan steht im klaren Widerspruch zur Energiewende“

Prof. Dr. Lorenz Jarass ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule RheinMain. Er ist Spezialist auf dem Gebiet der Steuern und der Energieversorgung, wird regelmäßig zu Anhörungen der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments oder der Deutschen Bundesregierung eingeladen. Zudem veröffentlicht Jarass regelmäßig Publikationen zu seinen Forschungsgebieten. Im Interview mit Milk the Sun spricht Jarass, dessen neues Buch „Welchen Netzumbau erfordert die Energiewende?“ heißt, über die Energiewende, die Photovoltaik und den geplanten Netzausbau.

Netze für Photovoltaik und Erneuerbare Energien zu großMilk the Sun: Sehr geehrter Prof. Jarass, Deutschland nimmt eine Vorreiterrolle in Sachen Energiewende ein. Der Atomausstieg wurde von der Bundesregierung in kürzester Zeit durchgesetzt. Ist die Energiewende richtig und wichtig?

Jarass: Energiewende heißt: Atomausstieg, weniger fossiler und mehr erneuerbare Energieträger. Dieses Ziel muss nachhaltig verfolgt werden: Verringerung der Klimaerwärmung (CO²-Problem), weniger Notwendigkeit, unsere Jugend weltweit Gas- und Ölreserven sichern zu lassen, geringere Abhängigkeit von Importen aus politisch und wirtschaftlich instabilen Ländern.

Milk the Sun: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat vor kurzem den Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur entgegen genommen und vorgestellt. Der Plan sieht gewaltige neue Trassen für den Stromtransport vor. Ist dieser Ausbau notwendig?

Jarass: Der Bundesbedarfsplan fordert einen weit überdimensionierten Netzumbau mit vielen neuen Leitungen, der zudem die Ziele der Energiewende – Reduzierung der CO²-Emissionen durch verminderten Einsatz fossil befeuerter Kraftwerke – konterkariert.

Die resultierenden unnötigen Kosten müssten vom Stromverbraucher getragen werden zusätzlich zu den enormen kurzfristigen Belastungen für die Energiewende.

Milk the Sun: Werden durch den Netzentwicklungsplan bewusst die fossilen Energieerzeuger gefördert?

Jarass: Genauso ist es. Das Stromnetz soll so stark ausgebaut werden, dass z.B. auch bei Starkwindeinspeisung alle Kohlekraftwerke, die das wollen, gesichert ins Netz einspeisen können. Dies steht im klaren Widerspruch zur Energiewende.

Milk the Sun: Wird die Energiewende für die Interessen mächtiger Industrien und Lobbys benutzt, um Profite und deren Möglichkeiten zu steigern?

Jarass: Wie schon gesagt: Energiewende heißt: Mehr erneuerbare, weniger fossile Energien. Der vorgelegte Netzausbauplan behindert dieses Ziel, weil er Einspeisung von Kohlestrom auch parallel zur Starkwindeinspeisung ermöglichen würde. Dies würde die derzeit hohe Akzeptanz der Energiewende zerstören: Dann würde der Stromverbraucher EEG-Umlage bezahlen, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu fördern. Und trotz erfolgreichem Ausbau der Erneuerbaren Energien müsste der Stromverbraucher erhöhte Netzentgelte bezahlen, um einen Ausbau der Netze für die gesicherte Einspeisung von Kohlekraftwerken auch bei Starkwindeinspeisung zu finanzieren. Ein Neubau von Leitungen sollte ausschließlich für die Integration von Erneuerbaren Energien in die allgemeine Energieversorgung gemacht werden. Damit wäre nur ein deutlich geringerer Netzausbau erforderlich und damit wesentlich geringere Kosten für die Stromverbraucher.

Milk the Sun: Was kann ein Privatkunde dagegen tun?

Jarass: Der Privatkunde kann selbst Strom erzeugen, z.B. durch eine Photovoltaikanlage, und er kann auch Energie einsparen, z.B. durch eine Hausdämmung.

Milk the Sun: Wie müsste Ihrer Meinung nach das Netz in Deutschland gestaltet und ausgebaut werden?

Jarass: Das Stromnetz sollte nur so stark ausgebaut werden, wie es für eine vernünftige Integration der erneuerbaren ‚Energien erforderlich ist, keinesfalls aber, wie derzeit vorgesehen, auch für eine zusätzlich Einspeisung von Kohlestrom auch bei Starkwindeinspeisung,

Milk the Sun: Windenergie und Photovoltaik sind inzwischen die größten Energieerzeuger in Deutschland. Welche weiteren Chancen sehen Sie für diese Arten der Energiegewinnung in den kommenden Jahren?

Jarass: Photovoltaik und Windenergie wird bei weiter sinkenden Produktionskosten zukünftig auch verstärkt zur Warmwassererzeugung und mittelfristig auch zur Hausheizung eingesetzt werden.

 

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Jarass für das Interview.

„Wir brauchen ein gutes Monitoring“ – CSU-Politiker Dr.Nüßlein im Interview

Der Wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Dr. Georg Nüßlein, nimmt im Interview mit Milk the Sun Stellung zu Fragen rund um die Energiewende. Nüßlein ist seit 2002 Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU-Fraktion.

Erneuerbare Energien müssen überwacht werdenMilk the Sun: Sehr geehrter Herr Dr. Nüßlein, die Umweltminister der Länder sprachen sich auf ihrer Kieler Konferenz für eine schnelle Erarbeitung einer Ausbaustrategie aus. Änderungen des EEG stehen also bevor. Welche Faktoren muss das neue EEG Ihrer Meinung nach beinhalten? Welche Umstände muss es berücksichtigen? Welche Ziele muss es haben?

Nüßlein:Das EEG geht auf das unter Helmut Kohl begründete Stromeinspeisegesetz zurück. Schwarz-Gelb hatte damals richtig gesehen: Mittelständische Stromproduzenten haben nur eine Chance gegen Oligopol und Netzmonopol, wenn sie einen Einspeiseanspruch und eine garantierte Einspeisevergütung haben. Das darauf aufbauende EEG war und ist dabei in weiten Teilen ein Markteinführungsgesetz. Noch vor einigen Jahren wäre ein Anteil von rund 25 Prozent Erneuerbaren am Strom schwer vorstellbar gewesen. Seit Einführung des Stromeinspeisegesetzes bzw. EEGs haben die Erneuerbaren viel geschafft. Im Zuge dieser Hinführung zur Marktreife, aber auch in Anbetracht eines inzwischen beträchtlichen Anteils der Erneuerbaren muss künftig insbesondere eine bessere Integration der Erneuerbaren erfolgen, aber etwa auch ein weiterer Ausbau der bereits vorhandenen Mechanismen zur Marktintegration. Ziel muss es sein, das EEG baldmöglichst auf die Idee des Stromeinspeisegesetzes als Wettbewerbsinstrument zurück zu entwickeln. Im Übrigen ist die Anwendung des EEG bei Photovoltaik bereits heute auf 52 GW-Leistung gedeckelt.

Milk the Sun: Zum neuen Jahr steigen die Strompreise für die meisten Kunden deutlich an. In der Digitalen Pressemappe der CSU-Landesgruppe mahnen sie an, dass die Bezahlbarkeit der Energie sichergestellt werden muss. Welche Maßnahmen müssen dafür ergriffen werden? Wie sieht es mir Befreiung für stromintensive Unternehmen aus?

Nüßlein: Die Energiewende kostet Geld, das ist und war unstrittig. Aber die Kosten müssen für die Verbraucher finanzierbar sein. Dabei muss es darum gehen, die Kosten für den Zubau der Erneuerbaren zu begrenzen, nicht den Zubau selbst. Bezüglich des Hinführens zur notwendigen Marktreife darf ich auf meine Antwort auf Ihre erste Frage verweisen. Darüber hinaus hatte die CSU im Herbst 2012 einen Vorstoß dahin unternommen, die EEG-Umlage nur bis 4,5 Cent/ Kilowattstunde auf die Verbraucher umzulegen; dies in Verbindung mit einer fondfinanzierten Zwischenlösung. Nötig ist aber meines Erachtens auch, den Berechnungsmechanismus bei der EEG-Umlage entsprechend anzupassen, denn derzeit spiegelt sich der kostensenkende Effekt der Erneuerbaren an der Börse gerade nicht bei der EEG-Umlage wieder, im Gegenteil.

Zu Ihrer Frage nach den Befreiungstatbeständen für energieintensive Unternehmen: Wenn wir uns vor Augen führen, dass der Industriestrompreis etwa in Frankreich 2011 pro Kilowattstunde um rund 4 Cent günstiger war als in Deutschland, dann ist im Grundsatz unstrittig, dass wir für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Unternehmen etwas tun müssen – denn daran hängen wichtige Arbeitsplätze. Das hatte sogar Rot/Grün erkannt und die Ausgleichsregelung in ihrer Regierungsverantwortung eingeführt, auch wenn der eine oder andere Kollege von der Opposition das heute nicht mehr gerne hört.  Heute muss das Augenmerk ganz klar darauf liegen, dass die Ausgleichsregelungen im Vergleich zu nichtbefreiten Unternehmen und privaten Verbrauchern ausgewogen und auch insofern statthaft sind.

Milk the Sun: Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell, sieht einen Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 als realistisch an. Können Sie diese Meinung teilen? Welches Ziel muss sich Deutschland für den Ausbau der Erneuerbaren setzen?

Nüßlein: Unsere Regierung hat die Ziele bereits gesetzlich verankert – der Anteil der Erneuerbaren im Strombereich soll 2050 mindestens 80 % sein. Das ist ein absolut ambitioniertes Ziel aus heutiger Perspektive. Und ich halte an der Stelle nichts davon, mit einer „höher, schneller, weiter-Mentalität“ im Zweifel allenfalls Papier zu bemühen, das als bekannt geduldig gilt. Wir brauchen ein gutes Monitoring bei der Entwicklung in der Praxis – kein weiteres Nachjustieren auf dem Papier.

Im Zusammenhang mit der Verantwortung gegenüber den privaten wie gewerblichen Verbrauchern plädiere ich deshalb für ein wohlabgewogenes Vorgehen, damit die Strompreise bezahlbar bleiben und die Verfügbarkeit von Energie sicher ist. So rührt eine nicht unerhebliche Kostenlast bei der EEG-Umlage aus rot/grüner Regierungszeit, weil Rot/Grün das Thema Marktreife damals völlig aus dem Blick verloren hatte …

Milk the Sun: Deutschland ist nach wie vor das Land mit der höchsten installierten Photovoltaikleistung. Welche Rolle kann die Photovoltaik in Zukunft in Deutschland spielen?

Nüßlein: Photovoltaik soll auch in Deutschland Zukunft haben. Für die deutschen Unternehmen besteht die Herausforderung darin, künftig ganzheitliche Systemlösungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, um eine effektive Integration wachsender Mengen an Strom aus Photovoltaikanlagen in die Stromnetze zu ermöglichen. Ein wichtiger Markt sind da aus meiner Sicht ganz zweifellos Eigenverbrauchslösungen.

Milk the Sun: Ein vieldiskutiertes Thema rund um die Energiewende ist die Frage nach der Speichermöglichkeit des produzierten Stromes aus Erneuerbaren. Welche Möglichkeiten sehen Sie dafür momentan; welche Schritte müssen für die Energieversorgung der Zukunft gegangen werden?

Nüßlein: Wir brauchen Energiespeicher, um schwankende Stromerzeugung aus Erneuerbaren ausgleichen zu können. Für mich ist unstrittig, dass wir Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Energiespeicher intensivieren müssen. Ferner war es ein wichtiger Ansatz, Speicher von der EEG-Umlage und den Netzentgelten zu befreien. Im Sommer 2012 wurde auf Initiative der CSU gerade im Hinblick auf dezentrale Speicher ein Entschließungsantrag auf den Weg gebracht: Unter anderem ging es dabei um ein Marktanreizprogramm für Speicher. Auf Basis dessen erfolgt gerade die Ressortabstimmung für eine Förderung von Batteriespeichersystemen zur Nutzung mit PV-Anlagen. Eines steht fest: Eine Energieversorgung auf regenerativer Basis wird Überkapazitäten aufweisen. Deshalb brauchen wir Speicher.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Nüßlein für das Gespräch.

Ökostrom in Deutschland bei 23 Prozent

Laut BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) steigt der Ökostromanteil in Deutschland im laufenden Jahr auf rund 23 Prozent. Das Teilte der Verband am Dienstag in Berlin mit.

Photovoltaik so stark wie nie in Deutschland

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Endgültige Zahlen zum Strommix 2012 liegen aber erst im Januar vor, doch auszugehen ist davon, dass auch in diesem Jar der Ökostrom vor der Kernenergie platziert ist. 2011 erzeugten die Kraftwerke aus Solarenergie, Wind, Biogas und Wasser noch 20 Prozent des Stromes.

Trotz acht stillgelegter Atomkraftwerke verzeichnet Deutschland einen massiven Anstieg an Stromexporten. Den 6,3 Millarden Kilowattstunden (kWh) folgen in diesem Jahr rund 23 Millarden kWh. Wichtigster Energieträger im letzten Jahr war Braunkohle mit 24 Prozent Anteil.

 

Quelle: co2-handel.de

Franz Alt im Interview: „Atomstrom ist ein Verbrechen an der Schöpfung“

Viele Stunden seiner Zeit widmet Franz Alt dem Schreiben, Recherchieren und Werben für Erneuerbare Energien und die Energiewende. Als langjähriger Fernsehjournalist, Rundfunkreporter und Buchautor hat er über Jahre hinweg Erfahrungen und Informationen gesammelt, die ihn zu einem wichtigen Ansprechpartner auch von Politik und Wirtschaft zum Thema Energiewende und Erneuerbare Energien machten und machen. Auf seiner Homepage sonnenseite.com hält er seine Leser mit aktuellen Berichten und Beiträgen zu seinen Tätigkeiten und zur Energiewende auf dem Laufenden. Für Milk the Sun steht er Rede und Antwort.

Zuhause besitzt Franz Alt eine eigene Photovoltaik-Anlage

Franz Alt

Milk the Sun: Sehr geehrter Herr Alt, im April 1986 kritisierten sie in einem offenen Brief an Helmut Kohl die CDU und deren Umgang mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sowie deren Festhalten an der Kernenergie. Zwei Jahre später verließen Sie die Partei. Jetzt hat Deutschland mit der CDU den Atomausstieg beschlossen. Was denken Sie sich dabei im Rückblick auf Ihre damalige Forderung und die Entwicklung von heute?

Alt: Die CDU hat wohl Fukushima gebraucht, um endlich zu begreifen, was schon mit Tschernobyl zu begreifen gewesen wäre. Atomstrom ist ein Verbrechen an der Schöpfung, das ganze Landstriche unbewohnbar macht. Aber ich bin auch froh, dass die CDU es mittlerweile begriffen hat und den Atomausstieg initialisiert hat. Es hätte aber 25 Jahre früher sein können.

Milk the Sun: Sie haben schon früh eine solare Revolution gefordert, Ihre Homepage heißt nicht grundlos sonnenseite.com. Was fasziniert Sie so besonders an der Möglichkeit, mit der Sonne Strom und Wärme für den Privatgebrauch zu erzeugen?

Alt: In meinem neuen Buch „Auf der Sonnenseite – Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht“, das im März erscheint, beantworte ich unter anderem genau diese Frage. Die Sonne ist die größte Energiequelle aller Zeit. Und sie ist kostenlos. Wir müssen nicht mal mehr Gebäude bauen, in Deutschland stehen genug Gebäude. Wir müssen nur die Dachflächen nutzen. Eineinhalb Prozent der Fläche Deutschlands mit Solaranlagen würden ausreichen, um Deutschland zu 100 Prozent mit Energie zu versorgen. Und so viel benötigen wir nicht mal, da es auch noch andere Erneuerbare Energien gibt, dir wir sinnvoll nutzen können.

Die Sonne schickt uns pro Sekunde 15.000-mal so viel Energie wie wir verbrauchen können. In Indien werden bereits 10.000 Dörfer mit Solarstrom versorgt. Ausschließlich. Diese Dörfer werden mit 100 Prozent Erneuerbaren versorgt. Und das ist auch in Afrika möglich, und in Südamerika.

Solarenergie, Photovoltaik und Windkraft sind für Franz Alt eine Selbstverständlichkeit

Erscheint im März: Das neue Buch von Franz Alt

Milk the Sun: Die Energiewende in Deutschland schreitet voran, Deutschland baut auf Solaranlagen und Windräder. Glauben Sie, dass Deutschland zum guten Vorbild werden kann, auch für Länder wie Frankreich, in denen Erneuerbare Energien ein sehr schweres Standing haben?

Alt: Als ich damals noch Berater für die Bundeskanzlerin Merkel war, sagte sie nach einem Treffen mit dem damaligen französischen Präsidenten Sarkozy zu mir, dass Sarkozy ihr Vorwürfe mache wegen des Atomausstiegs. Es würde ihn die Wahl kosten. Genau so kam es ja dann auch.

Ich glaube, dass wenn wir in Deutschland die Energiewende schaffen, dass die Welt nachziehen wird. Sie tut es jetzt schon. Niemand will technologisch zurückfallen. Erneuerbare Energien sind die Zukunftstechnologien schlechthin. Wer sich dauerhaft von fossilen Energien lösen kann, hat riesige ökonomische Vorteile. Und Deutschland ist Weltführer in den Technologien Windenergie, Solarenergie und Biogas. Das haben auch andere Länder begriffen. China investiert 200 Mrd. US-$ in Erneuerbare, die USA dank Obama mittlerweile 80 Mrd. US-$. Deutschland 60 Mrd. US-$.

Unser Bundeswirtschaftsminister Rösler stellt sich hin, lehnt sich zurück und ruht sich auf den Lorbeeren aus, um gleichzeitig die alte Phalanx der großen Energiekonzerne zu schützen. Das ist nicht langfristig gedacht, das ist kurzfristig gedacht und wird den grauenhaften Folgen des Klimawandels, der viel schneller voranschreitet, als wir noch vor Jahren dachten, nicht gerecht.

Milk the Sun: Zahlreiche Änderungen stehen auch dem EEG bevor. Ist es richtig, die Förderungen weiter zu kürzen? Welche Maßnahmen müsste das neue EEG Ihrer Meinung nach beinhalten/ welche Ziele müsste es umfassen?

Alt: Damit das EEG weiterhin Erfolg hat, muss eines erhalten bleiben: Das Privileg der vorrangigen Einspeisung der erneuerbaren Energien. Dann geht es weiter mit diesen Energien. Wir haben seit 2000 eine Steigerung des Anteils der Erneuerbaren von fünf auf 25 Prozent geschafft – dank des EEG. 57 Länder weltweit haben ähnliche Gesetze erlassen. Unter anderem China und Indien, die Supermächte von morgen. Dieses Privileg ist gerechtfertigt, denn Ökostrom ist der gesellschaftspolitisch wertvollere Strom, weil er keine Folgekosten nach sich zieht.

Ich habe schon immer gesagt, dass die Einspeisevergütungen weniger werden müssen. Fünf Prozent pro Jahr, wie es ursprünglich vorgesehen war, das war gut. Dass dann gerade unser aktueller Bundeswirtschaftsminister Rösler wie auch unser ehemaliger Bundesumweltminister Röttgen die Förderungen bei Solar um bis zu 50 Prozent kürzen, war der Todesstoß für einen großen Teil der Solarbranche. Solche Radikalkürzungen konnte die Branche natürlich nicht verkraften. Das war ein klarer Dienst an der Atombranche. Reduktion mit Augenmaß, das ist okay. Aber keine Radikalschläge.

Milk the Sun: Ein weiteres aktuelles Thema ist der Netzausbau. Der Bundesnetzagentur wird dabei vorgeworfen (unter anderem von Prof. Dr. Jarass in Frontal21), sie habe mit dem Netzausbauplan die Interessen der fossilen Energieproduzenten umgesetzt und einen Plan entwickelt, der deutlich über den Bedarf der Erneuerbaren Energien hinausgeht.

Alt: Da ist etwas dran. Der Ausbau darf nicht zu gigantisch werden. In Süddeutschland, in Bayern und Baden-Württemberg wird kein Windstrom aus Norddeutschland gebraucht. Auch in Süddeutschland gibt es Wind. In dieser Frage stimme ich dem Ministerpräsidenten Bayerns, Horst Seehofer (CDU) zu: Zehn bis 20 Prozent des Strombedarfs in Bayern können von eigenen Windrädern gedeckt werden. Die Bauern, die Handwerker, die Ingenieure in Bayern sollen diese Windräder aufstellen. Der Netzausbau ist wichtig, aber er muss mit Augenmaß betrieben werden.

Offshore-Windparks unterstützen nur wieder die alten Strominteressen. Offshore-Windparks sind zentral, sie wirken der Energiewende entgegen. Das ist eine Strukturfrage. Die Zukunft der Energiegewinnung ist dezentral, regional. Das ist Preiswerter, und das Tolle ist: Sonne und Wind stellen Ihnen keine Rechnung. Aber es gibt eben keine RWE-Sonne und keinen E.ON-Wind. Deshalb wehren sich die großen Energiekonzerne dagegen. Selbiges gilt für dieses riesige Vorhaben in Afrika, Desertec. Mein Desertec heißt Dächertec. Wir haben alle Voraussetzungen dafür, hier in Deutschland.

Milk the Sun: Aktuelle repräsentative Umfragen zeigen, dass die Kern- und die Kohleenergie in Bevölkerung eine katastrophale Reputation aufweisen. Wünschen Sie sich manchmal mehr Engagement und Einsatz der Bürger – oder mehr Mitspracherecht in solchen Fragen?

Alt: Ja. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Aufklärung hilft, Vorurteile abzubauen. Wir brauchen mehr Aufklärung. Wer keinen Atomstrom will, braucht eben Alternativen, wie Windräder. Wenn man mit den Leuten darüber spricht, lernen sie, dass Windräder eine der passenden Alternativen sind. Man kann nicht gegen Atomstrom und gleichzeitig auch gegen Windräder sein.

Milk the Sun: Sehen Sie Probleme auf die Energiewende und die Erneuerbaren Energien zukommen in Bezug auf Speicherprobleme?

Alt: Da haben wir noch Nachholbedarf, das stimmt. Aber Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten daran und machen riesige Fortschritte. Einige Stichworte dazu: Batterien, Pumpspeicher, Druckluftspeicher, Wasserstofftechnologie. Sie alle werden besser und effizienter. Blockheizkraftwerke. Zu der Power to Gas – Technologie sagten mir Forscher des Fraunhofer-Instituts, dass mit der Umwandlung von Strom zu Methan genug Gas produziert werden könnte, um Deutschland vier Monate lang mit Strom versorgen zu können. Vier Monate, einen ganzen Winter. Natürlich brauchen wir dafür neue Leitungen und größere Speicher. Aber die Technologie ist da. Bis in 20 Jahren kann Deutschland 100 Prozent seiner Energie aus Erneuerbaren gewinnen. Das ist realistisch.

Milk the Sun: Welchen Wunsch hat Franz Alt an Politik und Wirtschaft für das kommende Jahr und den Fortgang der Energiewende in Deutschland?

Alt: Ich wünsche mir, dass Politik und Wirtschaft nicht so kurzfristig denken. Die Folgen der fossilen Energiegewinnung werden ausgeklammert. Eine Frage, die ich dabei gerne stelle, ist: Was kostet ein Pförtner, der eine Millionen Jahre Atommüll bewachen muss? Was passiert mit dem ganzen Atommüll den wir produzieren?

Wirtschaft und Politik müssen endlich langfristig denken. Langfristige Ökonomie ist nur mit Erneuerbaren Energien sinnvoll zu gestalten.

 

Wir bedanken uns bei Franz Alt für das Gespräch.

Online-Interview zum Thema Operations und Maintenance (O&M) einer Photovoltaikanlage

Der Online-Marktplatz Milk the Sun und das Unternehmen PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler starten eine gemeinsame Onlinebefragung zum Thema Wartung, Instandhaltung, Pflege und Betrieb einer Photovoltaik-Anlage, auch O&M genannt. Die Ergebnisse aus der Befragung sollen Transparenz bei den Kunden von O&M-Dienstleistungen schaffen und Stärken und Schwächen des Angebots- und Leistungsspektrums von O&M-Unternehmen aufdecken.

Milk the Sun PhotovoltaikZentrum Ziegler

iStockphoto.com©Pedro Castellano

Damit Photovoltaik-Anlagen effizient und rentabel geführt werden können, ist es notwendig, den Betrieb der Anlage dauerhaft zu überwachen. Dafür bieten Unternehmen sogenannte O&M-Dienstleistungen an, über die sie einen einwandfreien Betrieb der Anlage garantieren. Dazu gehören, neben Reparaturen, Instandhaltung und Reinigung, die Überwachung des Betriebs sowie der gesamten Peripherie. Das auf Marktforschung spezialisierte Unternehmen PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler und der Online-Marktplatz für PV-Projekte Milk the Sun starten die onlinebasierte Umfrage, um die Hauptaspekte rund um die Leistungen der O&M-Unternehmen sichtbar zu machen.

Geschäftsführer Michael Ziegler ist sich sicher, dass gerade O&M-Anbieter, die nach dem Verkauf der Anlage an den Kunden auch die O&M-Leistungen übernehmen, nicht so neutral bzw. unbefangen gegenüber dem Kunden agieren wie O&M-Anbieter, die nicht am Verkauf der Anlage beteiligt waren.

Laut Felix Krause, Geschäftsführer von Milk the Sun, dürften die Ergebnisse für Anlagenbetreiber und O&M-Anbieter gleichermaßen interessant und aufschlussreich sein. Schließlich soll die Studie Verbesserungspotenzial bei O&M-Anbietern sichtbar machen und Kunden als Leitfaden dienen, worauf bei der Auswahl eines solchen Anbieters zu achten ist.

Die Umfrage, die über das Onlinepanel Photovoltaikumfrage.de durchgeführt wird, richtet sich an alle Besitzer von Solarstromanlagen, die O&M-Leistungen an ihrer Anlage durch ein externes Unternehmen durchführen lassen. Die Umfrage beinhaltet Fragen zu Themen wie O&M-Verträgen, Informationsaustausch, Kundenbetreuung und Kosten der bezogenen O&M-Angebote. Das Studienergebnis, das nach Auswertung erworben werden kann, dient einer genaueren Einschätzung von O&M-Angeboten sowie einer besseren Marktübersicht. Dies gilt sowohl in Bezug auf das Leistungsspektrum und die Verlässlichkeit von O&M-Partnern bei z.B. Defekten oder Routine-Arbeiten an den Anlagen als auch in Bezug auf die Interessen und Bedürfnisse von Kunden bei der Zusammenarbeit mit O&M-Partnern.

Die Dauer der Umfrage beträgt etwa 8 bis 12 Minuten und ist unter http://www.photovoltaikumfrage.de/wartung erreichbar.

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