Solar in Deutschland Posts

Photovoltaik in: Deutschland

Land: DeutschlandPhotovoltaik Solaranlage Stromverbrauch
Fläche: 357.121 km²
Einwohner: 81,9 Mio.
Landessprache: Deutsch
Staatsform: parlamentarische Demokratie

Stromverbrauch: 615.250 GWh
Stromexporte:  16 GWh
Anteil Strom aus Erneuerbaren: 20,3%
Anteil Photovoltaik: 4,5%
Installierte Photovoltaikleistung: 30.631 MWp
Sonneneinstrahlung: 900 kWh/m² – 1.200 kWh/m²

Photovoltaik in Deutschland

Die Photovoltaik in Deutschland hat in diesem Jahrhundert bisher einen ungesehenen Siegeszug hingelegt. Etwa 19.340 GWh wurden im Jahr 2011 durch Photovoltaik-Anlagen produziert. In keinem anderen Land der Welt stehen Solaranlagen die mehr Leistung erzeugen könnten (auch wenn die USA Deutschland im Laufe des nächsten Jahres wohl überholen wird).

1990 belief sich der Gesamtanteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch noch auf 3,1 Prozent. Seitdem nehmen die Erneuerbaren Jahr für Jahr (Ausnahme 1996) einen höheren Anteil ein – 2011 wurden die 20 Prozent überschritten (20,3). Der Anteil der Photovoltaik an der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien betrug knapp unter 15,7 Prozent. Zum  Vergleich: 1990 waren es noch 0,003 Prozent, 2000 erreichte die Photovoltaik 0,16 Prozent.

Die installierte Leistung der Photovoltaik in Deutschland stieg von 0,6 MWp 1990 über 76 MWp 2000 auf 25.039 MWp 2011. Mit den aktuellen Zahlen für das Jahr 2012 erreicht die Photovoltaik in Deutschland damit bereits eine installierte Leistung von über 30 GWp.

Der Siegeszug der Photovoltaik in Deutschland ist auch eng verknüpft an das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). In vielen Ländern ist es Vorbild dafür, wie Regierungen den Ausbau Erneuerbarer Energien ankurbeln können.

Stromeinspeisungsgesetz 1991

Der Vorgänger des EEG wurde am 7. Dezember 1990 in Deutschland beschlossen. In Kraft trat es ab dem 1. Januar 1991. Das „Gesetz über die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz (Stromeinspeisungsgesetz)“  verpflichtete die Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) erstmalig, Strom aus Erneuerbaren Energien abzunehmen und zu vergüten.

Die Vergütung wurde prozentual auf die Durchschnittserlöse von zwei Jahren zuvor berechnet. Für Strom aus Sonne und Wind wurde ein Wert von 90 Prozent festgelegt. 1998 waren das umgerechnet 0,08 €/kWh.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Photovoltaik

2000: Am 1. April des Jahres 2000 nahm das neue EEG den Platz des Stromeinspeisungsgesetzes ein. Neben einer Differenzierung für die verschiedenen Stromquellen beinhaltete es eine teilweise Absenkung der Vergütungen. Das EEG 2000 förderte Solaranlagen mit mindestens 0,506 €/kWh. Dabei sah es jedoch vor, nur Anlagen bis zu einer Gesamtgrenze von 350 MWp zu fördern.

2002: In diesem Jahr fand eine Anpassung der Vergütungssätze des EEG statt. Für die Photovoltaik wurde die Vergütung um 5 Prozent gesenkt, sodass die Förderung bei minimal 0,481 €/kWh lag.

2003: Da bereits 2003 der Zubau von PV mit einer Leistung 350 MWp erreicht worden war, wurde das sogenannte PV-Vorschaltgesetz eingeführt. Es garantierte weiterhin Vergütungen für Solaranlagen, die bei mindestens 0,457 €/kWh lagen.

2004: Eine novellierte Fassung des EEG trat am 1. August 2004 in Kraft. Änderungen waren vor allem angepasste Förderungssätze. Die minimale Förderung für Strom aus Photovoltaik betrug 0,457 €/kWh.

2009: Die nächste größere Änderung des EEG trat am 1. Januar 2009 in Kraft. Es wurde konzipiert, um den Anteil Erneuerbarer Energien bis zum Jahre 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen. Photovoltaik-Anlagen-Betreiber wurden verpflichtet, den Standort und die Größe ihrer Anlage bei der Bundesnetzagentur zu melden.

Der Photovoltaik wurde eine gleitende Degression der Vergütungssätze auferlegt. Bei höherem Zubau wurde die garantierte Vergütung im Folgejahr schneller abgesenkt. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht seitdem regelmäßig den neu geltenden Degressionssatz.

2012: Die im Juni 2011 beschlossene Novelle des EEG für das Jahr 2012 veränderte vor allem die Vergütungssätze der Einspeisetarife. Am 1. Januar 2012 trat die Novelle in Kraft, die auch starke Kürzungen für Solaranlagen vorsah.

Rückwirkend zum 1. April 2012 wurde im Juni die sogenannte Photovoltaik-Novelle erlassen. So werden seitdem Anlagen von maximal 10 MW gefördert, die Vergütungsklassen selbst wurden verändert. Zudem findet seitdem eine monatliche Degression statt. Die genauen Änderungen können folgender Tabelle entnommen werden:

Die Degression ab  Februar wird abhängig von den Vormonaten bis spätestens Ende Januar von der Bundesnetzagentur bekannt gegeben.

Grip Parity

Deutschland ist eines von drei europäischen Ländern, das in diesem Jahr die Netzparität erreicht, gemeinsam mit Italien und Spanien.

Ausblick

Der Zubau der Photovoltaik in Deutschland hat enorm abgenommen – und ist dennoch weiterhin enorm, verglichen mit anderen europäischen Staaten. Die Photovoltaik genießt in Deutschland in der Bevölkerung einen exzellenten Ruf, weshalb weitere Zubau-Maßnahmen sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Sektor gerade auf Dachflächen  realistisch sind. Große Freiflächen-Solarparks wird es wohl aufgrund der fehlenden EEG-Unterstützung für Anlagen über 10 MWp nur noch selten geben. Ein Gesamtausbau zwischen 6-7 GW im Jahr 2013 erscheint realistisch.

Quellen: Bundesumweltministerium (2,3), Sonne-24.de, udo-leuschner.de, IWR.de, Bundesnetzagentur, Photovoltaik-Web.de, Photovoltaik.eu

Über 610 Megawatt Zubau an Photovoltaik im Oktober

Solaranlage Oktober Megawatt

iStockphoto.com©Simon-Owler

Die Bundesnetzagentur hat Zahlen für den Zubau von Photovoltaik-Anlagen im Oktober veröffentlich. In Deutschland wurden in diesem Monat demnach Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 610 Megawatt (MW) installiert.

Die genaue Summe der installierten Leistung beträgt 611,856 MWp, verteilt auf 19.150 Photovoltaik-Anlagen. Wenig überraschend befinden sich nur vier Anlagen darunter, die mehr als zehn MWp Leistung erreichen. Denn seit dem 1. Oktober werden Anlagen mit einer Leistung von über 10 MWp nach dem EEG nicht mehr gefördert. Die sechs größten Anlagen des Monats stehen allesamt in Neuhardenberg in Brandenburg.

Die in diesem Jahr bisher neu hinzugekommene Leistung beläuft sich damit auf insgesamt mehr als 6.838 MWp. Zuwachsstärkster Monat war der Juni mit über 1.790 MWp Nennleistung.

Die aktuellen Einspeisevergütungen nach dem EEG erstrecken sich von 0,1208 €/ kWh für Anlagen zwischen ein und zehn MWp bis hin zu 0,1745 €/ kWh für Solaranlagen bis zehn kWp. Für Januar ist eine weitere Senkung um 2,5 Prozent geplant. Bis Ende Januar hat die Bundesnetzagentur Zeit, die Degression für die Folgemonate bis April 2013 zu veröffentlichen.

Quelle: Bundesnetzagentur; Photovoltaik.eu

Wenn Wasser Wind und Sonne speichert – Pumpspeicherkraftwerke für die Energiewende?

Die Energiewende in Deutschland ist nicht nur eine Frage der Stromerzeugung an sich, sondern auch eine Frage dessen, wie der erzeugte Strom sinnvoll an die Endverbraucher weitergegeben werden kann.  Um auch zu Spitzenlastzeiten, wie zum Beispiel abends zwischen 20 Uhr und 22 Uhr, eine sichere Stromerzeugung zu ermöglichen, muss Solar- und Windenergie auf Abruf geliefert werden können – auch wenn die Sonne schon untergegangen ist und der Wind gerade eine Auszeit nimmt.

Solarenergie Erneuerbare

Unterbecken des größten deutschen Pumpspeicherkraftwerkes Goldisthal, Thüringen (1.060 MW) Fotograf: Störfix

Bergauf bergab – Das Prinzip der Pumpspeicherkraftwerke

Eine Möglichkeit, überschüssige Energie so zu benutzen, dass sie bei Bedarf wieder abrufbar ist, bietet das Pumpspeicherkraftwerk. Österreich ist in dieser Technologie Vorreiter in Europa: 17,5% aller Pumpspeicherleistung  des Kontinents ist im Alpenstaat beheimatet, bei nur 2,5% Anteil an der gesamteuropäischen Stromerzeugung.

Das Prinzip hinter dieser Art von Kraftwerken ist so einfach wie effizient: Wird Energie ungenutzt erzeugt, so wird sie dazu benutzt, Wasser von einem niedrig gelegeneren Becken in ein höher gelegeneres zu pumpen. So ist die Energie über das Wasser gespeichert und kann bei Bedarf, wie zu Spitzenlastzeiten, durch eine Turbine wieder in das untere Becken fallen gelassen werden. Dadurch wird Strom erzeugt. Der Wirkungsgrad solcher Anlagen liegt bei 70 bis 80 Prozent, vereinzelt sogar darüber.

Neuer Sinn für alte Bergwerke

Doch auch Pumpspeicherkraftwerke sind nicht unumstritten.  Im Schwarzwald regt sich seit Jahren Widerstand gegen ein geplantes Großprojekt am Schluchsee. Dort soll das größte Pumpspeicherkraftwerk  Deutschlands entstehen.  Eine Bürgerinitiative beklagt eine drohende Veränderung des Landschaftsbildes wie auch der Trinkwasserqualität. Zudem seien durch den Bau bedrohte Pflanzen- und Tierarten gefährdet. Auch wird den Eigentümern vorgeworfen, das Projekt vor allem dazu nutzen zu wollen, eigene Kohle- und Kernkraft zu speichern.

Die Möglichkeit für Pumpspeicherkraftwerke gibt es aber nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Tiefe. Der größte Autokonzern Europas, Volkswagen, lässt unbenutzte und aufgegebene Bergwerke im Harz auf die Möglichkeit untersuchen, sie zu Pumpspeichern umzubauen. Der Autobauer beteiligt sich an einer Wirtschaftlichkeitsberechnung, nachdem Ingenieure des Energieforschungszentrums Niedersachsen (EFZN) in Goslar eine grundsätzliche Eignung alter Bergwerke als Pumpspeicher sahen.

Zechen als neuer Standort der Energiewende

Auch  im Ruhrgebiet läuft, an der Universität Duisburg-Essen, eine Machbarkeitsstudie zu der Frage, ob sich alte Zechen in Pumpspeicherkraftwerke umfunktionieren lassen. Von einem oberirdisch angelegten See soll Wasser in die Stollen stürzen, um dort Turbinen anzutreiben. Die Fallhöhe würde sogar die der Alpen übersteigen. Zusätzlich könnte die Wärme, die in der Tiefe das Wasser aufheizt, genutzt werden. Mit beteiligt sind an der Studie neben der Universität Duisburg Essen auch die Universität Bochum, die Ruhrkohle AG, der Technologiedienstleister DMT und das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung Politikberatung.

Bisher gibt es in Deutschland sieben Pumpspeicherkraftwerke mit einer Leistung über 400 MW. Acht weitere sind im Bau. Klar ist, dass Energiespeicherung gerade für die Energiewende von großer Bedeutung ist. Pumpspeicherkraftwerke werden aller Voraussicht nach ihren Platz darin finden.

Quellen: Wirtschaftsblatt.at, Spiegel Online Milliardenschwerer Kraftwerksausbau, Machbarkeitsstudie, Manager Magazin, BDEW

Zusammenarbeit erfolgreich: Plauener Schulen erzeugen PV-Strom

Die Produktion von Solarstrom wird immer günstiger, und immer mehr Unternehmen und öffentliche Einrichtungen können davon profitieren. Eine von Milk the Sun vermittelte Zusammenarbeit trägt nun Früchte: Die Firmen Luz Solar und tnt Solar haben drei Plauener Schulen und eine Sporthalle mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet.  Auf den Gebäuden, die unter der Kommunalen Gebäude- und Anlagenverwaltung stehen,  wurde knapp drei Wochen gebaut. Die Projektrechte wurden über die Online-Plattform von Milk the Sun gehandelt.

Sporthalle Solar Unterricht MilktheSunDer erzeugte Strom geht zu 10 Prozent zu einem garantierten Festpreis über 20 Jahre an die Stadt Plauen, so kommt eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten zustande; die Anlagenbetreiber könnenRenditen erwarten, die über die aktuellen Vergütung sätze des EEG hinausgehen.

Die jeweiligen Erzeugerdaten, der Wirkungsgrad oder die Leistungswerte der Solaranlagen sollen so aufbereitet werden, dass sie sinnvoll im Unterricht der bebauten Schulen eingesetzt werden können.

Die Anlagen haben eine Leistung von jeweils ca. 25 kWp. Einmal mehr zeigt sich, dass auch die Investition in kleinere Photovoltaikprojekte sinnvoll und lohnenswert ist.

Weitere Projekte können Sie unter MilktheSun.com finden.

Plauen Anlage Unterricht

 

Strompreiserhöhungen: Vorwand Energiewende

Im Schnitt rund zwölf Prozent mehr müssen Verbraucher im kommenden Jahr für ihren Strom bezahlen. Offenbar deutlich mehr, als durch die Energiewende erklärt werden kann.

Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die Energiekonzerne durch die angekündigten Erhöhungen des Strompreises 2,1 Milliarden Euro zu viel von ihren Kunden verlangten. Laut Bund der Energieverbraucher e.V. wäre eine Preissteigerung von sechs bis acht Prozent mit Verweis auf staatliche Mehrkosten wie die erhöhte EEG-Umlage nachvollziehbar.

Dass der Strom aufgrund der Erneuerbaren Energien allerdings mittlerweile deutlich günstiger zu kaufen ist, ist indes beim Endverbraucher auf der Stromrechnung nicht zu erkennen. Stattdessen haben die Versorger ihre Margen erhöht. Die Kostensenkungen werden also nicht an den Kunden weitergegeben.

Um sich gegen zu hohe Strompreise zur Wehr zu setzen, empfiehlt der Bund der Energieverbraucher entweder, dem Versorger schriftlich das Recht auf Preiserhöhungen streitig zu machen, oder aber, und dazu rät auch das Kartellamt, den Versorger zu wechseln.

Quelle: Bund der Energieverbraucher e.V.

Umweltminister einigen sich über weiteres Vorgehen in Sachen EEG-Reform

Sowohl Bundesumweltminister Peter Altmaier als auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger waren zu Gast, als sich die Umweltminister der Länder in Kiel auf Eckdaten für eine rasche Reform des EEG einigten. Der Umweltminister Schleswig-Holsteins, Robert Habeck von den Grünen, lies verlauten, dass konkrete Vorschläge für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bis zum Sommer ausgearbeitet werden sollen.

Umweltminister Konferenz Kiel ErneuerbareDamit der Strom für Verbraucher auch in Zukunft bezahlbar sei, müsse eine Reform des EEG zeitnah durchgezogen werden. Langfristige Kalkulation von Vergütungen sei ebenso Teil des Reformplanes wie Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien.

Ablehnung fand die Idee der Festlegung von Länderkontingenten. Genauer unter die Lupe genommen werden sollen die Ausnahmeregelungen für energieintensive Unternehmen. Für Ökostrom soll es eine generelle Netzanschluss- und Durchleitungsverpflichtung geben.

Habeck fügte an, dass die einzelnen Sparten der Erneuerbaren gesonderten Analysen zu ihren Vor- und Nachteilen unterzogen werden sollen. So könnten Möglichkeiten gefunden werden, bestehende Differenzen zwischen Energie aus Biomasse, Solar und Onshore- und Offshore-Windanlagen aufzulösen.

Quelle: Proplanta

Foto: iStockphoto.com©Ulrich Knaupe

Hans-Josef Fell im Interview: „Verfehlte schwarz-gelbe Energiepolitik“

Hans-Josef Fell, seit 2002 Sprecher für Energiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, gilt mitunter als „Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetz“. Im Interview mit Milk the Sun äußert er sich zu EEG, Photovoltaik und die Zukunft der Erneuerbaren.

Solarstrom Erneuerbare Milk the SunMilk the Sun: Sehr geehrter Herr Fell,

die Regierung möchte das EEG reformieren, Bundesumweltminister Peter Altmaier legte bereits erste Reformvorschläge vor. Die Landesumweltminister sprachen sich derweil in Kiel auf ihrer Konferenz für eine rasche Erarbeitung einer neuen Ausbaustrategie aus. Ist eine Änderung nötig? Welche Faktoren muss das neue EEG Ihrer Meinung nach beinhalten und berücksichtigen?

Fell: Das EEG ist das weltweit erfolgreichste Instrument für die Förderung der Erneuerbaren Energien. In seinen Kernelementen muss das EEG erhalten bleiben, damit es seine Wirkung für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien beibehalten kann. Selbstverständlich muss das EEG auch immer wieder an die Marktentwicklung angepasst werden. Als erstes muss es von überflüssigen Kosten, wie die ausufernden Befreiungen für die Industrie, befreit werden. Und zweitens muss die Berechnung der EEG Umlage so verändert werden, dass die preissenkende Wirkung der Erneuerbaren Energien an der Strombörse auch beim Stromkunden ankommen und nicht nur die Gewinne der Stromkonzerne erhöhen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien darf dabei auf keinen Fall gedrosselt werden, alleine schon aus Klimaschutzgründen, aber auch, weil die Kosten für fossile Energien permanent steigen, während die Erzeugungskosten für die Erneuerbaren weiter sinken werden.

Milk the Sun: Viele Stromkunden beschweren sich über die Erhöhung der EEG-Umlage für 2013. Gerade Privathaushalte kommt die Umlage teuer zu stehen. Wie erklären Sie den Kunden, dennoch weiter auf erneuerbare Energie zu setzen?

Fell: Zum einen muss man sagen, dass die Unterstützung für die Erneuerbaren Energien ungebrochen groß ist in der Gesellschaft. Die Menschen in Deutschland stehen weiterhin hinter dem Ablösen der atomaren und fossilen Energiewirtschaft, vor allem auch weil viele erkannt haben, dass sie nun selbst an den Vorteilen der Stromerzeugung teilhaben können und nicht nur vier Konzerne. Dennoch muss natürlich die Politik dafür sorgen, dass die Strompreise in Deutschland bezahlbar bleiben, vor allem für einkommensschwache Haushalte. Die entscheidenden Kostentreiber beim Strompreis sind aber nicht die Erneuerbaren Energien, sondern die verfehlte schwarz-gelbe Energiepolitik mit uferlosen Befreiungen von der EEG-Umlage und den Netzentgelte, die Erhöhung der Liquiditätsreserve, die Befreiung für Eigenstromerzeugung aus Kohle und die verfehlte Marktprämie. Zudem geben die Stromkonzerne die enorme kostensenkende Wirkung von Wind- und Solarstrom an den Strombörsen nicht an die Kunden weiter, sondern erhöhen damit ihre Profite. Auch die steigenden Kohle- und Erdölpreise spielen eine oft unterschätzte Rolle für steigende Strompreise. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien hat das wenig zu tun.

Milk the Sun: Laut mrn-news.de hält der langjährige Ministerpräsident Hessens, Roland Koch, die Photovoltaik für ein Auslaufmodell. Was sagen Sie zu dieser These?

Fell: Das überrascht mich eigentlich weniger. Roland Koch hat schon als Ministerpräsident die Erneuerbaren Energien immer bekämpft, übrigens mit dem Ergebnis, dass Hessen im bundesweiten Durchschnitt als einer der Schlusslichter gilt. Aber Herr Koch verschätzt sich da völlig. Gerade die Photovoltaik entwickelt sich immer mehr zur billigsten Stromerzeugung, weshalb immer mehr Menschen auf ihren Dächer Eigenstromerzeugung anstreben. Koch und übrigens auch sein Nachfolger Volker Bouffier haben gemeinsam, dass sie die Energiewirtschaft ungerne in Bürgerhand sehen, sie gehören zu den klaren Besitzstandsbewahrern der fossilen Energiewirtschaft. Einfamilienhäuser mit einer Solaranlage auf dem Dach gehören sicherlich nicht dazu.

Milk the Sun: Welche Rolle wird die Photovoltaik zukünftig in Deutschland spielen?

Fell: Im grünen Strommix wird die Photovoltaik neben der Windenergien die größte Rolle spielen. Die Kosten für die Solarenergie sind in den letzten Jahren stark gefallen und werden damit zunehmend wettbewerbsfähig.

Milk the Sun: Sie sprachen sich mehrfach für eine Energiegewinnung Deutschlands aus 100% Erneuerbaren aus. Bis wann und unter welchen Voraussetzungen könnte dieses Ziel erreicht werden?

Fell: In Deutschland, aber auch weltweit könnten wir bis 2030 die Energiegewinnung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umstellen, wenn die richtigen politischen Weichen gestellt werden. Dass dies technologisch machbar und sogar ökonomisch sinnvoll ist, haben die Kalifornischen Universitäten Stanford und Davis in einer Studie bewiesen – und diese wissen wovon sie reden, immerhin wurde von dort die Industrierevolution der Informationstechnologien organsiert. Was wir brauchen ist aber der politische Wille die fossile Energiewirtschaft ablösen zu wollen. Das fällt vielen immer noch schwer.

 

Milk the Sun bedankt sich bei Hans-Josef Fell für das Gespräch

Prof.Dr.Quaschning im Interview: „Warum gibt es noch keine Do-It-Yourself-Anlage?“

Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, nimmt Stellung zu Fragen rund um die Energiewende, das EEG und der Photovoltaik. Bekannt ist er unter anderem auch als Autor verschiedener Fach- und Sachbücher und als Betreiber der Webseite erneuerbare-energien-und-klimaschutz.de

Erneuerbare PhotovoltaikProf.Dr.Quaschning bei der Demonstration eines photovoltaischen Konzentratormoduls vor Studierenden der HTW Berlin. Foto: HTW Berlin / Gregor Strutz

Milk the Sun: Sehr geehrter Herr Quaschning, Deutschland ist nach wie vor mit Abstand das Land mit der größten Energiegewinnung über Photovoltaiksysteme. Dennoch sagen Prognosen einen Einbruch des Zubaus voraus, nicht zuletzt aufgrund auslaufender Subventionen durch das EEG. Politiker streiten sich darüber, ob das EEG überhaupt fortgesetzt werden soll. Steht der Ausbau der Photovoltaik in Deutschland vor dem Aus?

Quaschning: Die Photovoltaik in Deutschland ist derzeit schwer unter Beschuss. Hauptgrund sind aber nicht die ausufernden Kosten, denn die Photovoltaik ist inzwischen preiswerter als die Offshore-Windenergie. Der hohe Solaranteil verdrängt zunehmend konventionelle Kraftwerke aus dem Netz und macht diese unrentabel. Die Gewinne der großen Energiekonzerne leiden darunter und diese machen nun Druck, Tempo aus der Energiewende herauszunehmen. Inzwischen gibt es aber schon Geschäftsmodelle, nach denen die Photovoltaik in Deutschland auch ohne EEG profitabel sein kann. Insofern werden die Gegner einer schnellen Energiewende den Photovoltaikausbau vielleicht etwas ausbremsen können, ganz aufhalten lässt er sich allerdings nicht mehr.

Milk the Sun: Ist das EEG noch zeitgemäß? Wie sähe ein angepasstes EEG Ihrer Meinung nach aus?

Quaschning: Ziel des EEGs war es schon immer, die erneuerbaren Energien in den Markt zu überführen und sich letztendlich selbst überflüssig zu machen. Auch hatte das EEG schon immer Geburtsfehler. So ist wenig nachvollziehbar, warum man in Hamburg die gleiche Vergütung für Solarstrom erhält wie im Allgäu, wenn die Unterschiede bei der Solarstrahlung 20 Prozent betragen. In Hamburg war ein rentabler Betrieb immer nur schwer zu erreichen, im Allgäu dagegen eine Traumrendite kein Problem. Das führt dann zur Neiddebatte über die angeblichen Solarabzocker. Es gibt Regionen, die einen starken Solarzubau noch gut vertragen. In anderen Regionen sind dagegen für einen weiteren Ausbau erhebliche Investitionen in die Netzinfrastruktur erforderlich. Durch einen weiteren Ausbau der Photovoltaik müssen außerdem recht bald Überschüsse tagsüber gespeichert und nachts wieder zur Verfügung gestellt werden. Ein weiterentwickeltes EEG muss diesen Entwicklungen durch regional unterschiedliche und zeitvariable Tarife gerecht werden. Damit ließe sich schon sehr viel erreichen, bis wir in einigen Jahren dann ganz ohne EEG-Förderung auskommen können.

Milk the Sun: In einem Gespräch mit der Fachzeitschrift photovoltaik haben sie 200 Gigawatt als einen realistischen Wert für die solare Energiegewinnung im Jahr 2040 ausgegeben. Vor allem Dachflächen sollen vermehrt für die Stromgewinnung über PV-Systeme genutzt werden. Die Subventionen durch das EEG werden zunehmend gedrosselt; einige Politiker fordern gar ein komplettes Ende des EEG. Wie ließe sich einem Hausbesitzer dennoch vermitteln, auf Solarenergie zu setzen?

Quaschning: Wir haben bereits heute die Grid Parity erreicht. Das bedeutet, der eigene Solarstrom ist preiswerter als der Bezug von Strom aus dem Netz. Bedingung dafür ist, dass der überwiegende Teil des Stroms auch selbst verbraucht und nicht mehr in das Netz eingespeist wird. Das lässt sich derzeit nur mit sehr kleinen Anlagen erreichen. Mit steigenden Preisen für den Endkundenstrom und mit fallenden Preisen für Photovoltaikanlagen und Speicher werden sich sehr bald auch Anlagen in vernünftiger Größe ganz ohne EEG-Vergütung rechnen. Dann werden sie auch gebaut. Außerdem könnte die Branche noch mehr Kreativität an den Tag legen. Warum gibt es noch keine Do-It-Yourself-Anlage, die auch der Laie selbst anschließen kann? Einen Staubsauger mit 2 kW Leistung kann schließlich auch jeder ans Netz bringen. Mir leuchtet nicht ein, warum das nicht auch mit einer 2-kW-Photovoltaikanlage funktionieren kann. Wenn es diese bei einem Discounter im Angebot gibt, werden viele zuschlagen, ohne vorher noch irgendeine komplizierte Wirtschaftlichkeitsberechnung zu machen.

Solarstrom EEGMilk the Sun: Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung sprach vor kurzem vom „Märchen vom teuren Ökostrom“. Viele Kosten und Folgekosten der Stromgewinnung aus fossilen Brennstoffen würden nicht über Umlagen auf den Strompreis selbst sondern über Subventionen aus der Steuerkasse bezahlt und ließen die konventionelle Energiegewinnung nur billiger aussehen. Werden Verbraucher so nicht getäuscht? Wie sähe eine faire Kostendarlegung für Endkunden aus?

Quaschning: Das extremste Beispiel für die möglichen Folgekosten ist Fukushima. Die bislang bekannten Schäden belaufen sich auf rund 100 Milliarden Euro, die zum großen Teil vom Steuerzahler beglichen werden müssen. Würde man diese Summe auf die Stromerzeugung aus diesem Kraftwerk umlegen, wäre die angeblich so teure Photovoltaik ein Schnäppchen dagegen. Auch bei fossilen Kraftwerken entstehen durch Luftverschmutzung und Klimawandel erhebliche Schäden und Risiken, die wiederum von der Allgemeinheit und nicht den Verursachern getragen werden. Würden all diese externen Kosten auf den Strompreis umgelegt, wäre bereits jetzt kein Atomkraft- oder Kohlekraftwerk mehr konkurrenzfähig. Die Diskussion über die angeblich viel zu hohen Kosten der erneuerbaren Energien ist unter diesem Hintergrund nur vorgeschoben, um Argumente für eine Drosselung des Ausbaus zu haben. Wir brauchen einen Ausstiegsplan aus der Atomenergie und den fossilen Energien, der einen wirksamen Klimaschutz ermöglicht. Das bedeutet, bis spätestens 2040 sollte unsere Energieversorgung vollständig auf erneuerbaren Energien basieren. Alles andere wird die nachfolgenden Generationen sehr teuer zu stehen bekommen.

Milk the Sun: Welche Rolle spielt die Politik dabei?

Quaschning: Wir haben weltweit eine sehr enge Verzahnung der Energiekonzerne mit der Politik. Ausgediente Politiker landen nicht selten in führenden Positionen in den Konzernen. Durch den Einfluss ist es bislang stets gelungen, eine sehr konzernfreundliche Energiepolitik durchzusetzen. Auch der Einfluss der Kohlelobby ist enorm. Aus Angst vor dem Verlust von Wählerstimmen ist ein schneller Ausstiegsplan aus der Kohlenutzung in Deutschland ein Tabu. Hier bräuchte es mehr Politiker mit Mut als solche, die nur auf Sicht regieren.

Milk the Sun: Seit 2004 sind sie Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. Dort haben Sie viel mit jungen Menschen zu tun, die ein Eigeninteresse an regenerativer Energiegewinnung mitbringen. Wie sehen junge Menschen Ihrer Erfahrung nach die Energiewende?

Quaschning: Die Energiewende ist durchaus auch ein Generationenproblem. Die älteren Generationen können sich eine schnelle Energiewende oft nicht vorstellen, da sie mit Erdöl, Erdgas, Kohle und Atomkraft aufgewachsen sind. Junge Menschen haben da keine Berührungsängste. Sie wissen, dass sie noch viel länger mit den Folgen unserer heutigen Energiewirtschaft leben müssen als ihre Eltern und sind nicht in den alten Denkmustern verhaftet. Für sie ist eine schnelle Energiewende nichts Unmögliches.

Milk the Sun: Welche Hoffnungen setzen sie in den Studiengang Regenerative Energien und Ihre Studenten?

Quaschning: Wir haben im Prinzip noch eine Generation für die vollständige Energiewende Zeit, ohne dass uns das Weltklima komplett kollabiert. In unserem Studiengang versuchen wir, mit einer modernen und zukunftsorientierten Ausbildung den Wandel unserer Energieversorgung zu unterstützen. Wenn ich sehe, welchen Elan viele unserer Studierenden an den Tag legen, bin ich fest davon überzeugt, dass eine schnelle Energiewende zu schaffen ist.

 

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Volker Quaschning für das Gespräch

Keine Info mehr verpassen!

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren Newsletter an und verpassen Sie keine Info mehr.

Daten werden vertraulich behandelt.