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Gastbeitrag: Investitionen in deutsche Photovoltaikanlagen optimieren, ohne sich dabei einen Sonnebrand zu holen

Martin Supancic von Sojitz Europe schreibt über die Grundlagen von Investitionen in Photovoltaik, mit einem Schwerpunkt auf das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) und betrachtet dabei die Reduzierungen der Einspeisevergütung sowie die Kosten und Optimierungspotenziale für Photovoltaikprojekte im Allgemeinen. Dieser Artikel ist auf Englisch hier verfügbar.

Gastbeitrag: Energiegipfel im Kanzleramt: Bund gegen Länder

Sascha Röber, Autor und Betreiber von erneuerbar.wordpress.com, mit einem Gastbeitrag passend zum heutigen Energiegipfel:

Ende Januar dieses Jahres wartete Bundesumweltminister Peter Altmaier mit einem Konzept zur Begrenzung des Strompreises auf. Das „Strompreisbremse“ genannte Papier wurde von Altmaier der Öffentlichkeit vorgestellt. Es trug vor allem die Handschrift seines Kabinettskollegen Philipp Rösler und bildete einen gewissen Höhepunkt in der Diskussion um die Bezahlbarkeit von Strom, die vor allem in den letzten Monaten des vergangenen Jahres eines der beherrschenden Themen in der Medienlandschaft gewesen war. Plötzlich ging es nicht mehr um Sinn oder Unsinn des Ausstiegs aus dem Atomstrom. Es ging auch nicht mehr darum, ob Deutschland weiterhin den Pfad der deutlichen CO2-Reduktion gehen sollte. Es schien einzig und allein noch darum zu gehen, ob ein Hartz-IV-Empfänger in Zukunft noch seine Stromrechnung bezahlen könne.

Am 24. Mai 2012 leistete Peter Altmaier im Rahmen seiner Vereidigung als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit den im Art. 56 GG vorgeschriebenen Amtseid. Damit schwor er insbesondere, „das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes“ zu wahren und zu verteidigen. Diesen Eid scheint Altmaier jedoch knapp acht Monate danach völlig vergessen zu haben. Sein Konzept steht nämlich nicht nur in krassem Gegensatz zum EEG, das fixe Vergütungssätze für grünen Strom über mehrere Jahre garantiert. Er scheute sich mit seinem Papier auch nicht, neben durchaus diskussionswürdigen Vorschlägen wie z.B. der Rücknahme ausufernder Ausnahmeregelungen für die stromintensive Industrie gleich auch den rechtsstaatlichen Grundsatz des Rückwirkungsverbots bei Gesetzesänderungen in Frage zu stellen. Es sollten nämlich Betreiber von Bestandsanlagen, die Vergütungen aus dem EEG-Regime erhalten, das gesamte Jahr 2014 über 1,5% „Energie-Soli“ bezahlen.

Was soll man von solchen Vorschlägen eines Bundesministers halten, der sich explizit gegen geltendes Recht stellt? Ein Ausrutscher? Unwissenheit?

Wie soll man darüber hinaus die im Konzept vorgesehene Maßnahme bewerten, die EEG-Umlage auf 5,277 ct/kWh gesetzlich zu begrenzen, wenn sich die Höhe dieses Betrages vor allem aus dem Wälzmechanismus ergibt, der die Differenz aus (nicht vorhersagbarem) Börsenpreis und fixen EEG-Vergütungen abbildet?

Seine „Strompreisbremse“ wirft viele Fragen auf. Keine davon wird bislang beantwortet.

Das Jahr 2013 ist ein sog. Superwahljahr. Neben drei Landtagswahlen (Niedersachsen, Hessen und Bayern) steht vor allem auch die Bundestagswahl im September im Kalender. Letztes Jahr ging Baden-Württemberg an grün-rot. Niedersachsen hat schwarz-gelb im Januar dieses Jahres ebenfalls verloren. Volker Bouffier dürfte nach den Erfahrungen der Landtagswahlen 2008 und dem Verlust der OB-Posten in Frankfurt und Wiesbaden hinsichtlich der hessischen Landtagswahlen auch einigermaßen nervös sein. Und mit Blick auf den Koalitionspartner FDP, der in den Umfragen der vergangenen zwei Jahre regelmäßig als Splittergruppe deutlich unter der 5%-Marke herumdümpelt, ist Angela Merkel alles andere als entspannt. Daher wird Altmaier als Retter des kleinen Mannes vorgeschickt.

Um die Richtigkeit seiner Mission zu untermauern, stellt Peter Altmaier in einem FAZ-Interview am 19. Februar eine unvorstellbar große Zahl in den Raum: Eine Billion Euro soll die Energiewende Deutschland bis Ende der Dreißiger Jahre kosten, wenn er nicht mit seiner Strompreisbremse dagegenhalte. Selbst seine Ministerialen können auf Nachfrage nicht erklären, wie ihr Chef auf diese Phantasiezahl gekommen sein könnte. Und keine vier Wochen später widerlegt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) diese Monsterzahl: Altmaier habe grob falsche Angaben gemacht und schlicht fehlerhaft gerechnet. Aber: Die Billion ist in die Welt gesetzt. Altmaier hat damit die Deutungshoheit über die angeblichen Kosten der Energiewende errungen, und nun bleibt es den Fachleuten überlassen, ihn zu widerlegen. Das ist zwar einfach. Viel schwieriger ist es jedoch, Altmaiers Fehler und absichtlichen Falschbehauptungen einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen. Während die Billion in Windeseile die Runde gemacht hatte, war die Widerlegung deren Richtigkeit kaum mehr als eine mediale Randnotiz. Lediglich auf Twitter ließ sich der Bundesumweltminister auf die Studie ein, und zwar äußerst dünnhäutig und wenig professionell: „Diese angebliche Studie ist mit das Dümmste, was mir in letzter Zeit untergekommen ist. Unglaublich“. Die in ihr aufgeführten Zahlen konnte er bis heute allerdings nicht entkräften.

In dieser Gemengelage geht es heute ins Kanzleramt. Merkel, Rösler und Altmaier für den Bund, Ministerpräsidenten/-innen für die Länder.

Peter Altmaier wird es nicht ergehen wie seinem Amtsvorgänger Norbert Röttgen. Der flog aus dem Kabinett, weil er die Wahl in Nordrhein-Westfalen als CDU-Spitzenkandidat vergeigt hatte. Altmaier ist „nur“ Bundesminister und muss sich lediglich um die Bundespolitik kümmern. Aber genau da liegt der Hase begraben.

Röber. "Mit seiner völlig unausgereiften „Strompreisbremse“ verbreitert Altmaier lediglich den Graben, der zwischen den Zielen der Bundesregierung und denen der Bundesländer klafft."©iStockphoto.com

Dieser Graben entwickelt sich zunehmend zum Hemmschuh für den Erfolg der Energiewende. Während die Länder bereits seit längerer Zeit richtig Gas geben und den Ausbau der sauberen Stromerzeugung vorantreiben, schaffen es Umwelt- und Wirtschaftsministerium nicht, die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dennoch kann es beim heutigen Energiegipfel nicht ums große Ganze gehen. Eine vollumfängliche Neugestaltung der Energielandschaft – und genau die ist für ein Gelingen der Energiewende zwingende Grundvoraussetzung – steht heute nicht auf dem Programm. Stattdessen wird es darum gehen, gegen Altmaiers und Röslers absurden Forderungen mit brauchbaren und nachvollziehbaren Konzepten aufzuwarten. Diese wurden im Vorfeld bereits vorgelegt. So machte in der letzten Woche der Bundesverband WindEnergie (BWE) bereits konkrete Vorschläge, die im Kern vor allem auf ein standortdifferenziertes Vergütungsmodell für Wind Onshore und die Abschaffung des SDL-Bonus‘ abstellen. Die Grünen, – sie stellen mit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Eveline Lemke die Verhandlungsführerin für die rot-grünen Bundesländer -, gehen ebenfalls mit konstruktiven Vorschlägen in die Elefantenrunde. Bei ihnen steht die Rückkehr zur ursprünglichen Grenze von 10 GWh jährlichem Stromverbrauch als Untergrenze für die Befreiung stromintensiver Betriebe von der EEG-Umlage auf dem Zettel, wie auch die Beteiligung großer Eigenverbraucher an der EEG-Umlage.

Es gibt damit eine gewisse Schnittmenge zwischen Bund und Ländern. Gerade den Ländervertretern liegt am Herzen, die Diskussion um die Unbezahlbarkeit der Energiewende möglichst rasch wieder ad acta zu legen. Ob es in entscheidenden Bereichen zu einer Einigung kommen wird, bleibt abzuwarten. Die Sondierungsgespräche am Dienstag dieser Woche waren ohne durchschlagende Ergebnisse beendet worden. Bärbel Höhn, stv. Fraktionsvorsitzende der Bundesgrünen, hatte gar getwittert: „Gespräche bei Altmaier abgebrochen.“

Zu hoffen bleibt, dass der Gipfel vor allem auch dazu beiträgt, die Diskussion endlich wieder dorthin zu bekommen, wo sie hingehört: Nämlich gemeinschaftlich Lösungen zu finden, die die Energiewende zu einem Erfolg für das Land machen. Und zur Energiewende gehört viel mehr als lediglich die Stromrechnung. Zum Beispiel, dass sich Altmaier wieder an seinen Amtseid erinnert.

Meinung: Die Energiewende in Zeiten der Strompreislüge

Oder: Die ökonomischen Hintergründe ideologischer (Energie-)Politik

Dass die Energiewende einen zentralen Beitrag zur Reduktion von Klimagasen leistet, ist eine Binsenweisheit, die von niemandem ernsthaft in Frage gestellt wird. Dass aber die (dezentrale) Energiewende sich bereits seit über 25 Jahren vollzieht, dass sie in Deutschland mehr als 350.000 Arbeitsplätze geschaffen hat, dass durch die Energiewende das Produktionsoligopol brechen kann und der Entwicklung eines nicht von Oligopolen beherrschten Marktes Raum schafft, dass sie dadurch schon heute zur Senkung der Energiepreise beiträgt und dies in Zukunft in noch viel stärkerem Maße tun wird, dass es bei der dezentralen Energiewende wesentlich auch um die Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft und des Handwerks und um die Zukunft des ländlichen Raumes und der Kommunen geht, nicht zuletzt dass die Energiewende wesentlich auch einen ressourcenökonomischen und sicherheitspolitischen Hintergrund hat, all dies haben weite Teile der Bevölkerung, auch die meisten politisch Aktiven (selbst für die, die für die Energiewende sind) und vor allem für viele Journalisten noch lange nicht völlig verstanden.

Letzteres ist ja der Grund dafür, dass die Denunziation der Energiewende als eine dem oktroyierten Klimaschutz geschuldete zusätzliche Belastung, die einer angeblich kostengünstigen, effizienten und marktwirtschaftlich organisierten Energiewirtschaft zu Lasten des Verbrauchers aufgezwungen wird, immer noch funktioniert. Diese Denunziation lässt sich aber durch den stetigen (den Menschen zudem Angst machenden und dadurch zu Abwehr und Verdrängung führenden) Hinweis auf eine Klimakatastrophe nicht ad absurdum führen, sondern nur durch die beharrliche Dekonstruktion ihrer falschen ökonomischen Unterstellungen.

Milliardensubventionen für Atom und Kohle – Der Strompreislüge erster Teil

Dazu gehört zunächst einmal ein klarer und nicht von Ideologie vernebelter Blick auf die tatsächlichen Kosten der einzelnen Energieträger für die Gesellschaft – und damit sind zunächst einmal noch gar nicht die Folgekosten der für die Bürger anfallenden Krankenbehandlungen und frühzeitigen Todesfälle, sondern nur die platten Zahlen der Subventionen aus dem Staatshaushalt in den Blick zu nehmen: Im Zeitraum von 1970 bis 2012 ist die Atomenergie mit 178 Mrd. Euro subventioniert worden, dicht gefolgt von der Steinkohle mit 177 Mrd. Euro und der Braunkohle mit 65 Mrd. Euro – wie gesagt, ohne Berücksichtigung der Folgekosten, ohne „Entsorgung“ z.B. des noch hundertausende Jahre tödlich strahlenden Atommülls, ohne die Übernahme des Versicherungsrisikos der Atomkraftwerke durch die Allgemeinheit, ohne die Kosten für den Behandlung von Pseudo-Krupp und anderen Atemwegserkrankungen.

Diese Subventionen, wie auch die Folgekosten, finden sich nicht im Strompreis. Dort finden sich transparent nur die im Verhältnis dazu geringen Kosten der seit über 25 Jahren bereits erfolgreich stattfindenden Energiewende. Deren – transparente – Kosten belaufen sich auf 54 Mrd. Euro, bei nur sehr geringen Folgekosten. Dabei sind Onshore-Windstrom und Photovoltaik (PV) bereits heute mit dem subventionierten aus überkommenen Energieträgern gewonnenen Strom konkurrenzfähig. Dabei weisen die Strompreise der erneuerbaren Energiewandler nach unten und die fossilen und atomaren nach oben.

Stephan Grüger: "Das EEG wird auf die wirtschaftlichen Interessen des Stromproduktions-Oligopols zugerichtet"

Erst zu- dann hinrichten! Warum das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) von Schwarzgelb kaputtgemacht und schlechtgeredet wird – Der Strompreislüge zweiter Teil

Die letzten beiden Steigerungen der EEG-Umlage sind zu einem nicht geringen Teil der gezielten Zerstörung des EEG „von innen“ geschuldet. Dabei muss man wohl von einer Koalition von wirtschaftlichen Interessen  (deren Vertreter sehr wohl wissen, was die Folgen der Umsetzung ihrer durch Lobbyisten infiltrierten Vorschläge sind) und willigen politischen Vollstreckern ausgehen – die entweder die Ziele der Großunternehmen teilen oder gläubig den Vorgaben aus den Strategieabteilungen der Unternehmen eines Oligopols folgen (oder Schlimmeres). Obgleich von vielen Seiten vor zu erwartenden „Mitnahmeeffekten“ gewarnt wurde, wurde die „Marktprämie“ eingeführt, wurden die Ausnahmen nach § 40 EEG („besondere Ausgleichsregelung“) extrem ausgeweitet, wurden im Vergleich zu Onshore-Windkraft unverhältnismäßig hohe Offshore-Erstattungen eingeführt. Das immer offensichtlich werdende Ziel dabei: Entweder wird das EEG auf die wirtschaftlichen Interessen des Stromproduktions-Oligopols zugerichtet oder es wird abgeschafft – vielleicht auch beides in einem Abwasch: Erst zu-, dann hinrichten.

Kampf um Marktanteile und Profite – FDP-Wirtschaftsminister mit den Energie-Oligopol gegen die Marktwirtschaft

Hier wird unter Zuhilfenahme der Bundesregierung und bestimmter politischer Parteien und wahrscheinlich auch mit dem Versprechen von Geld und Posten (wir werden ja sehen, welche Politiker nach dem Regierungswechsel am 22. September 2013 in die Energiewirtschaft wechseln) mit harten Bandagen ein Kampf um Marktanteile und Profite geführt. Denn die neuen mittelständischen Energieproduzenten, wozu auch viele Stadt- und Gemeindewerke, aber auch viele private Unternehmer und Genossenschaften gehören, sind eine ernstzunehmende Gefahr für die Oligopolprofite der zur Zeit noch wenigen Kraftwerksbetreiber.

Denn je konkurrenzfähiger die Strompreise der Betreiber von EE-Kraftwerken (also Kraftwerken, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, wie Windkraft- oder PV-Anlagen) werden (siehe oben), desto geringer sind die Profite der Betreiber von Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken. Zudem etabliert sich zunehmend eine mittelständische Energiewirtschaft, deren schiere Existenz ein marktwirtschaftlicher Stachel im Fleische der Oligopolwirtschaft ist. Vor diesem Hintergrund ist das Handeln des von der FDP gestellten Wirtschaftsministers im Sinne des Erzeuger-Oligopols und gegen die mittelständische Energiewirtschaft besonders absurd – zumindest, wenn man das liberale Programm der FDP ernst nimmt (was für deren „Spitzenpersonal“ nach Burkhard Hirsch und Gerhard Baum wohl leider kaum noch eine Rolle spielt).

„It´s the economy, stupid!“ Dezentrale Energiewende = marktwirtschaftliche Energiewende

Die aktuellen Konflikte um die Ausgestaltung der Energiewende und konkret des „Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) sind also nur vor den Hintergrund dieser ökonomischen Fragen richtig zu verstehen und einzuordnen: Denen, die jetzt plötzlich Krokodilstränen über die angeblich so hohen Strompreise vergießen, geht es tatsächlich um die Be- und, wenn möglich, Verhinderung einer Energiewende, die zu einer stärker mittelständisch und von Wettbewerb geprägten Energiewirtschaft und damit zu günstigeren Verbraucherpreisen durch mehr Wettbewerb und durch eine stärkere Unabhängigkeit von Kohle, Öl, Gas und Uran führen würde.

Strommasten in Limburg. ©Stephan Grüger

Kurz gesagt: Die, die jetzt von einer angeblichen „Strompreisbremse“ fabulieren, sorgen durch ihre Politik bereits mittelfristig für steigende Strompreise – durch Ausschaltung zukünftiger Konkurrenz und durch unnötige zusätzliche Kosten (wie z.B. für die für eine hundertprozentige Energiewende nicht nötigen Offshore-Windparks und für die Sozialisierung deren Anschlusskosten an das Netz sowie durch die Sozialisierung deren Betriebsrisiken; wie z.B. auch durch einen völlig überzogen und tatsächlich gar nicht im Zusammenhang mit der Energiewende stehenden Ausbau der Übertragungsnetze).

Dem gegenüber steht eine mittelständische dezentrale Energiewende auf der Basis von Onshore-Windkraft und Photovoltaik, mit dezentralen von Stadtwerken und/oder mittelständischen EVU betriebenen Speichern auf Verteilnetzebene (z.B. Power-to-Gas, Redox-Flow-Batterien, kleine Pumpspeicherkraftwerke). Diese dezentrale Energiewende wird bereits mittelfristig kostengünstiger sein, als das verhängnisvolle Festhalten an den fossilen und atomaren Energieträgern – auch wenn deren noch immer externalisierten (Folge-) Kosten weiterhin unter klarer Missachtung einer nüchternen ökonomischen Betrachtung nicht bei der Preisbildung berücksichtigt werden.

Über den Autor

Stephan Grüger ist Mitglied des Vorstands der deutschen Sektion von Eurosolar e.V. Zudem ist er Landtagskandidat der SPD des Lahn-Dill-Kreises.  Stephan Grüger hat in seiner beruflichen Laufbahn jahrelange Erfahrung in der Energiewirtschaft gesammelt und sieht sich aus diesen heraus einer dezentralen Energiewende verpflichtet.

Marktmechanismen verstehen – effiziente Kundengewinnung als Gebot der Stunde

Die aktuellen Meldungen aus der Photovoltaik-Branche zeigen deutlich, dass die Situation für die Hersteller schwierig bleibt. Die Herausforderung liegt vor allem darin, bei den aktuellen Preisen überleben zu können. Deshalb gilt es, alle Kosten im Griff zu halten. Dies gilt auch für das wichtige Thema Vertrieb und Marketing.

Betrachtet man die aktuellen Marketingmaßnahmen der Unternehmen so fällt auf, dass die Mehrzahl der Maßnahmen noch aus einer Zeit stammen, als der PV-Markt boomte. Ein Teil der Hersteller zielt auf kostspielige Endkundenwerbung ab. Es wird versucht Markenbildung zu betreiben via Fernsehwerbung oder via Sponsoring der Fußballbundesligavereine dieses Landes.

Der andere (größere) Teil ist hingegen der Meinung, dass es auch ohne Werbung geht. Ging es ja auch viele Jahre, aber die Zeiten haben sich nun mal drastisch verändert.

Beide Konzepte sind überholt und es bedarf dringend einer Neuausrichtung der Kommunikations- und Marketing-Strategie, um hier wirksam und vor allem kosteneffizient die potentiellen Kunden zu erreichen. Unternehmen müssen Wege finden, ihre Vertriebs- und Marketing-Ressourcen bestmöglich einzusetzen.

Grundlage für die Planung neuer Marketingkonzepte und -maßnahmen ist das Verstehen der Marktmechanismen. Welche Partner sind an der Vertriebskette beteiligt? Wer entscheidet über die verwendeten Produkte und Marken? Und welches sind die Entscheidungskriterien?

Die Hersteller haben verstanden, dass der PV-Installateur die Schlüsselfigur zum Markt ist. Er hat den direkten Zugang zum Kunden und berät ihn. Er gilt beim Kunden als Experte und ist damit maßgebend für die Markenentscheidung eines Kunden. Was er seinen Kunden empfiehlt, wird in der Regel auch gekauft.

Deshalb ist es die erste Aufgabe für die Hersteller, die PV-Installateure für sich zu gewinnen und auf deren Präferenzliste ganz oben zu stehen. Dabei müssen sie beachten, dass der PV-Installateur ganz andere Bedürfnisse hat, als der Endkunde und somit auch andere Kriterien für seine Entscheidung in den Vordergrund stellt. Das Gewinnen von PV-Installateuren als Partner erfordert also andere Botschaften als das Gewinnen von Endkunden. Ein zusätzlicher Aufwand also, der sich jedoch lohnt! Die aktuelle Studie von Apel + Hoyer „Marktstrategien für Erfolg in der Photovoltaik“ zeigt, dass die Installateure sehr loyal gegenüber ihren Herstellern sind. Das bedeutet, dass die Hersteller sehr zuverlässige Markenbotschafter für ihre eigenen Produkte bekommen.

Allerdings muss für den Erfolg in diesem Markt dann zwingend der zweite Schritt folgen: Dem PV-Installateur helfen, neue Kunden zu gewinnen. Hier haben die Hersteller noch großen Nachholbedarf.

Zwar sind die PV-Installateure am nächsten am Kunden dran, in der Regel fehlen ihnen aber die Ressourcen, eigene Marketing-Aktionen zu starten. Hersteller, die die Installateure in ihre Marketing-Maßnahmen integrieren, können sehr zielgerichtet und damit kosteneffizient den Markt bearbeiten. Da die Installateure bei den Kunden als Experten gesehen werden, verstärken diese zudem die Botschaften der Hersteller.

Die Studie zeigt ebenfalls, dass die Hersteller in diesem Bereich noch viel von den Großhandelspartnern lernen können. Diese bekommen von den PV-Installateuren durchweg bessere Noten bei der Frage, wer gute Unterstützung im Marketing bietet.

Überhaupt spielen die Großhandelspartner eine ganz wichtige Rolle bei den PV-Installateuren. Sie sind nach wie vor ihr erster und wichtigster Ansprechpartner. Deshalb sind Überlegungen einiger Hersteller, den Großhandel aus der Vertriebskette heraus zunehmen, durchaus kritisch zu sehen. Effizienter ist es, die Vertriebskette gemeinsam mit den Großhandelspartnern zu optimieren, indem jeder seine spezifischen Stärken einbringt.

Die Möglichkeiten sind da, den Markt zu gestalten, neue Kunden zu gewinnen und die Zukunft des eigenen Unternehmens zu sichern. Voraussetzung dafür ist, das brachliegende Potential der Marktbearbeitung effizient zu nutzen. Die Unternehmen, die dies am schnellsten verstehen und umsetzen, vergrößern ihre Chancen beträchtlich, zu den Gewinnern der Photovoltaik-Branche zu gehören.

Über den Autor

Rüdiger Mühlhausen ist geschäftsführender Gesellschafter der Apel + Hoyer GmbH & Co KG, einem Unternehmen zur Kommunikationsberatung mit dem Schwerpunkt Vertriebskommunikation und dem Branchenfokus „Erneuerbare Energien“.

Er ist Autor der aktuellen Studie „Marktstrategien für den Erfolg in der Photovoltaik“. Mehr Informationen zu der Studie finden Sie unter http://www.apel-hoyer.de/photovoltaikstudie2012

Sie erreichen Rüdiger Mühlhausen unter der E-Mail-Adresse ruediger.muehlhausen@apel-hoyer.de

 

Gastbeitrag: Energieeffizienz spielt eine tragende Rolle in der Energiewende

In den zwölf Thesen zur Energiewende der Agora Energiewende heißt es im zwölften Punkt, eine eingesparte kWh ist die günstigste. Machen wir uns das bewusst oder betrachten wir in der Diskussion zur Energiewende doch nur die anderen elf Thesen?

Energieeffizienz ist ein globales Thema

Dabei ist Energieeffizienz weltweit ein wichtiges Thema in der Energiewirtschaft. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass im Rahmen der bereits geplanten politischen Maßnahmen zwei Drittel des globalen Energieeffizienzpotenzials nicht ausgeschöpft werden. Durch die Realisierung dieser Effizienzpotenziale könnte die internationale Staatengemeinschaft jedoch fünf Jahre mehr Zeit gewinnen, um den Umfang der vertretbaren CO2-Emissionen so zu begrenzen, dass das 2°C-Ziel erreichbar bleibt (siehe auch diesen Beitrag). Demnach sollte Energieeffizienz zu den wichtigsten Energiequellen der Zukunft gehören.

Grün bedeutet auch effizient. iStockphoto.com©Mehmet Hilmi Barcin

Auch der Weltenergierat sieht in der Steigerung der Energieeffizienz einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zum Schutz vor Preissprüngen. Das Potential sieht auch dieser Verband noch lange nicht ausgeschöpft.

Diese Einschätzungen gelten weltweit, in jedem Land der Erde gibt es noch große Potentiale zur Verbesserung der Energieeffizienz. In der europäischen Union könnte der Primärenergiebedarf bis 2050 mit Energieeffizienz-Maßnahmen gar um zwei Drittel gesenkt werden. Das wäre ein entscheidender Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen in der Europäischen Union wie geplant bis 2050 um 80 Prozent.

Die Energiewende in den USA beruht auf billigem Erdgas durch die umstrittene Fracking-Technologie, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Auch wenn Fracking äußerst schädliche Nebenwirkungen auf das Grundwasser haben kann, die reine Klimabilanz könnte sogar besser ausfallen als in Deutschland mit dem Wachstum an der Nutzung von Strom aus Kohlekraftwerken.

Zurück zu Europa, hier gibt es noch die Aufgabe zwei wichtige Richtlinien in nationale Anforderungen umzusetzen. Das wäre die Energieeffizienz-Richtlinie mit wichtigen Anforderungen an Energoieversorger, Beschaffung und öffentliche Gebäude . Und dann haben wir die EU-Gebäuderichtlinie, die den Niedrigstenergie-Standard im Neubau ab 2020 vorschreibt . Anfang Februar 2013 hat die Bundesregierung ihren Entwurf für die neue Energieeinsparvordnung (EnEV) vorgelegt, die in 2014 und 2016 um jeweils 12,5 Prozent höhere Anforderungen haben wird. Das große Einsparpotential haben wir aber vor allem im Gebäudebestand, wo Mieter und Eigenheimbesitzer mit immer höheren Heizkosten zu kämpfen haben durch die steigenden Öl- und Gaspreise. Die Chance auf eine steuerliche Abschreibung von energetischen Sanierungen haben Bundesrat und Bundestag durch die Blockade im Vermittlungsausschuss vertan. Als Ausgleich hat die Bundesregierung immerhin zusätzliche Mittel bereitgestellt für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm.

Wir können noch viel mehr für Energieeffizienz tun

Als Verbraucher haben wir nicht nur die Heizkosten zu bewältigen, die Strompreisdebatte kennen wir ja alle aus den täglichen Medien. Aber wer sich über die Stromkosten beschwert, hat nicht  nur die Möglichkeit den Anbieter zu wechseln. Wir sollten diese Debatte zum Anlass nehmen mal unseren eigenen Stromverbrauch auf den Prüfstand zu stellen. Welchen Einfluss haben unsere Gewohnheiten auf den Stromverbrauch? Können wir nicht mit einfachen Mitteln den Stromverbrauch senken, die uns etwas Mühe aber kein Geld kosten? Dann können wir mal nachsehen welche Haushaltsgeräte recht alt sind und viel Stromverbrauchen, neue hocheffiziente Geräte können sehr viel Strom einsparen. In der Beleuchtung muss man heute nicht mehr unbedingt auf quecksilberhaltige Energiesparlampen zurückgreifen, LED-Leuchtmittel können heute die gute alte Glühbirne ohne weiteres ersetzen.

Auch Industrie, Gewerbe und Handel haben noch immense Einsparpotential5e, die wirtschaftlich genutzt werden können. Clevere Unternehmer, die heute aktiv werden und ihre Potentiale nutzen, haben deutliche Vorteile auf dem Markt. Billige Energie gibt es nur noch durch gesteigerte Effizienz, abgesehen von der eigenen Stromerzeugung.

 

Über den Autor

Andreas Kühl ist verantwortlich für das Online-Magazin energynet.de, Online-Magazin für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Der leidenschaftliche Blogger leistet mit seinem Beitrag einen wertvollen Beitrag zur Energiewende durch regelmäßige Informationen zu aktuellen Themen, durch fundierte Kommentare und Meinungen sowie aktuellen Berichten von Veranstaltungen, Messen und Kongressen.

Weitere Quellen: Worldenergy.org, Energynet.de

Gastautoren erwünscht!

Sie kennen sich mit Erneuerbaren Energien und Photovoltaik in verschiedenen Facetten aus? Sie arbeiten in einem PV-Unternehmen, sind Teil eines Forschungsteams an einer Universität oder Hochschule oder haben anderweitig Erfahrungen gesammelt, die mit der Photovoltaik in Verbindung stehen? Wenn Sie jetzt auch noch Spaß am Schreiben haben, dann suchen wir genau Sie, um auf blog.milkthesun.com einen Gastartikel zu veröffentlichen.

Spannende Geschichten, bemerkenswerte Persönlichkeiten und originelle Ideen sind für Milk the Sun immer interessant. Wir würden uns freuen, wenn Sie ihr Wissen in einem Gastartikel unserer Leserschaft zur Verfügung stellen und mit ihr Teilen würden.

Folgende Aspekte sollten Sie als Gastautor bei uns beachten:

–  Objektivität: Der Artikel sollte objektiv geschrieben sein, ohne Eigenwerbung

–  Einzigartigkeit: Der Artikel sollte nicht bereits woanders veröffentlicht worden sein

–  Mehrwert: Der Artikel sollte den Lesern einen Mehrwert bringen

–  Struktur: Der Artikel sollte in einer klaren Struktur für gute Lesbarkeit geschrieben sein

–  Schreibstil: Schreiben Sie in ansprechender, lockerer Sprache

–  Artikel-Größe: Der Artikel sollte mindestens 500 Wörter beinhalten

–  Optische Untermalung: Eine Grafik, ein Bild oder ein Foto sollten Teil des Artikels sein

–  Urheberrecht: Der Artikel muss von Ihnen stammen und darf nicht gegen das Urheberrecht verstoßen

–  Vorstellung: Sie sollten sich am Ende des Textes in einem kurzen Abschnitt selbst vorstellen

 

Vorteile von Gastartikel für Autoren

Natürlich haben auch Sie Vorteile durch die Veröffentlichung eines Artikels bei uns. Durch einen Gastartikel haben Sie die Möglichkeit, sich selbst in Szene zu setzen und zu positionieren. Dafür erhalten Sie von uns einen garantierten DoFollow-Link pro veröffentlichtem Artikel.

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Eingegangene Artikel werden bei uns geprüft und dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt veröffentlicht. Der Autor/ die Autoren erhalten von uns eine Veröffentlichungs-E-Mail. Sollten wir eine Überarbeitung des Artikels wünschen, werden wir die Autoren selbstverständlich auch darüber informieren.

Interesse? Kontaktieren Sie uns!

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